Gesprächsstoff #004 - Wir sind Sünder

"Welche der sieben Todsünden begehst du am häufigsten?"

Zur Erinnerung, im Angebot sind:
Hochmut, Habgier, Wolllust, Wut, Völlerei, Neid und Faulheit (Quelle: Wikipedia.org)


Malte sagt:

Mittlerweile ist meine größte Todsünde wohl die Trägheit. Ich kann ohne Probleme mehrere Stunden nichts tun, habe keinerlei Probleme damit, Sachen aufzuschieben, bis es wirklich nicht mehr weiter geht. Unterstützt wird das Ganze natürlich dadurch, dass ich einer von vielen bin, der das so handhabt. Würde mein Umfeld mehr darauf achten und mir Druck machen, dass ich Sachen zeitnah und weit vor Ablauf einer Deadline beende, wäre meine Trägheit wohl nicht so ausgeprägt. Die Frage ist nur, ob ich das möchte. Ich fühle mich mit einem Faultier als Patronus schließlich auch ganz wohl und habe im Gegensatz zu Menschen, die vielleicht mehr in kürzerer Zeit schaffen, deutlich weniger Stress. Damit einhergehend lebe ich wahrscheinlich auch länger, damit gleicht sich dann alles wieder aus. Die Zeit, die ich jetzt einspare, wird einfach hinten angehängt, so dass ich dann mit 120 tiefenentspannt meinen Doktor mache.

Die Füchse unter euch haben bemerkt, dass ich meinen Beitrag mit dem Wörtchen "mittlerweile" eingeleitet habe. Das bedeutet natürlich, dass mal eine andere Sünde den dominanten Part inne hatte. Als Kind war ich nämlich ein ziemlich jähzorniger Drecksack. Wenn mir etwas nicht gepasst hat, dann habe ich gerne mal so lange gebrüllt, geschrien und um mich getreten, bis ich keine Luft mehr dafür übrig hatte. Meine Schwester erzählt heute noch gerne, wie ich damals als zehnjähriger Junge in der fünften Klasse völlig ausgeflippt bin, weil meine Mutter mir sagte, dass ich in der Grundschule noch keine Geometrie gemacht habe. Das habe ich etwas anders gesehen. Also habe ich mit Geodreieck und Lineal um mich geworfen, meine Schulsachen vom Tisch gefegt und den Raum schreiend verlassen. Ich war ein richtig sympathischer Bursche, wie mir scheint.
Natürlich kann ich mich wohl von keiner der Todsünden gänzlich freisprechen, dunkle Momente hat jeder von uns, aber die Schwerpunkte waren immer klar gesetzt. Und mittlerweile finde ich das auch völlig okay so.


Jay sagt:
Die Frage hat mich ein wenig irritiert. Ich bin kein besonders christlicher Mensch und ganz ehrlich gesagt habe ich eine Gegenfrage: Sind das heute noch die Todsünden? Das Buch aus dem der Kram stammt ist verflucht alt, heute haben wir doch neue fatale Fehlverhalten, denen wir Menschen anheim fallen.

Zum anderen klingt es in der Frage so, als würde mensch dieser Todsünde unentwegt nachgehen. Hätte ich also "Wolllust" genommen, würden doch alle denken, dass ich nur Hosen besitze, falls ich an der Tür mal ein Paket annehmen muss. Aber so drastisch ist es ja gar nicht. Am häufigsten beinhaltet ja gar nicht, dass mensch ständig "sündigt". Soweit meine vorbereiteten Ausreden.

Meine Antwort ist "Völlerei". In einem gar nicht mal so ironischen Scherz sage ich immer, dass ich viel Sport mache, damit ich jeden Lebensmittel-Schrott in mich reinwerfen kann. Ich bin einmal am Tag bei Rewe, wenn es die Zeit erlaubt. Nicht weil ich was brauche, sondern weil mich irgendwelche Heißhüngerchen piksen. Selten schaffe ich es, länger als drei Tage auf etwas zu verzichten. Von "Guilty Pleasure" bin ich dann immer schon lange weg, es bleibt nur noch "Guilty". Schon seit Jahren stehe ich in dem Ruf, dass ich ein "schwarzes Loch" wäre. Einige Freunde haben bei gemeinsamen Essen nicht von "Resten" gesprochen, sondern gefragt, ob ich das noch essen möchte.

Ich mochte. So ziemlich jedes Mal. Wenn ich es mal geschafft habe "Nein" zu sagen, waren das ziemlich Triumphe. Von kürzester Dauer. Aktuell versuche ich ja deutlich weniger Zucker in mich zu schütten. Schade, dass die Energy Drinks um den Zucker herum so gut schmecken.


Tobi sagt:
Foto: PAN Heftig Deftig
Nachdem ich nachgelesen habe, was die Kirche so alles als Todsünde ansieht, steht bei mir an Platz 1 ganz klar die Völlerei. Nicht ohne Grund trage ich diese Mischung aus Bierbauch und Schnitzelfriedhof vor mir her.
Wenn es schmeckt, esse ich gerne. Und dann auch gerne etwas mehr davon. Das habe ich wohl meiner Großmutter zu verdanken. Ich war damals nach der Schule häufig bei ihr zum Mittagessen.

Und wir kenne ja die lieben Omas, die einen fragen, ob man noch eine Portion möchte, während sie das fragen den Teller allerdings vollpacken und dann sagen: "Was auf dem Teller ist, wird aufgegessen, sonst gibt es morgen kein gutes Wetter". Und man will ja nicht, dass es regnet. Natürlich bin ich mir bewusst, dass man auch "nein" hätte sagen können aber bei guter Hausmannskost "vonne Omma", da ist das wahnsinnig schwierig.

Meinen Pizzalieferanten freut es vermutlich, dass ich so herrlich inkosequent bin und er mir jedes Mal wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert, wenn er mit einer Cheese- Crust- Pizza und Pizzabrötchen vor meiner Haustür steht.

Außerdem bin ich passionierter Biertrinker und probiere viel aus. Auch das sorgt dafür, dass bei mir zu Hause die Nadel der Waage heftigst eskaliert, wenn ich mich auf die Messapparatur stelle.

Hanna glaubt:
Hanna glaubt auf jeden Fall nicht so richtig an die Kirchenstorys... Todsünden also. Ich bin nicht so gut in katholisch und hab auch nur die Hälfte der Ahnung, die ich vielleicht haben müsste, um über dieses Thema urteilen zu können.

Aber das jeder von uns schonmal faul, geizig, gierig, geil, wütend, hochmütig oder gefräßig war, ist jetzt nicht die größte Neuigkeit. Teufel noch eins! Mensch müsste echt die Konsequenz des Todes besitzen, um niemals eine dieser Sünden zu begehen.

Ich empfinde das alles nicht mal als Sünde...

So bei Morden und Stehlen und Verletzen- da bin ich schon eher der Meinung, dass das  eher suboptimal ist und vermieden werden sollte. Diese Sünden haben es ja auch ins bürgerliche Gesetzbuch geschafft, scheinen also für die Allgemeinheit eher ungut zu sein.

Gier, Geiz und Hochmut ist tatsächlich nichts, womit man sich unbedingt Karmapunkte holt. Aber Wut ist eine Emotion, die durchaus menschlich ist, mensch sollte sich ja nicht alles gefallen lassen. Gefräßig ist glaube ich einfach die Steigerung eines Bedürfnisses: Hunger. Und den hat ja wohl jeder.

Und Sex (solange er freiwillig stattfindet) ist einfach nice.

Zumal ich den Gedanken der Kirche da ja auch irgendwie verstehen kann, man soll als guter Mensch durchs Leben gehen. Nur meiner Meinung nach heißt "gut" ja nicht gleich fehlerfrei oder: "Ich muss mich verdammt verstellen, damit ich jetzt nicht gleich sündige."

Und dann sind das auch noch Todsünden...Uiuiu, ich schätze dann hab ich echt verloren. Ich habe keine Strichliste geführt, es gibt auch keine Hanna-Statistik,daher kann ich nicht sagen, welche der 7 Sünden, ich jetzt am meisten begangen habe. Ich hab auch etwas die Übersicht des Ganzen zwischen Hunger- und Wutattacken verloren...

Großer Respekt, an die Menschen, die es tatsächlich schaffen, nach diesem Lebensentwurf umherzuwandeln. Aber ich gehöre nicht dazu. Ich war schon gierig, gefräßig, hochmütig, geil, faul und wütend. Teilweise gleichzeitig und ich kann auch alles zusammen. Aber ich bin ganz cool mit dem Bild des "nicht so ganz perfekten"- Menschens. Weil das macht ihn ja dann auch menschlich (und nicht göttlich?).

Mir ist auch irgendwie klar, dass die Sieben Sünden, von mir sehr runtergebrochen dargestellt werden, denn eigentlich ist das, was sich die Kirche da ausgedacht hat, sehr komplex.
Zusammengefasst: Lebt und glaubt alle, wie und was ihr wollt. Ich lebe nach meinem Muster und ich scheine anhand dieses Themas ganz schön doll sündig zu sein.

Aber das macht nicht so viel, weil es mir zeigt dass ich und alle anderen nicht so perfekt sind und Fehler machen und daraus lernen und "brabrabra"- den Text kennt man ja schon von mir- aber es ist auch einfach so.

Von daher noch ein Hanna-Klischee: Überraschung: Ein Zitat (Oh Wunder! Es passt.)
"Don't bless me father for what I have sinned."
The Pretty Reckless


Miriam sagt: 

Zu Beginn: Sünde war noch nie ein Begriff mit dem ich mich wirklich anfreunden konnte. Zumindest im religiösen Sinne. Betrachtet man Sünde als "schlechte" Handlung, stößt man direkt aufs nächste Problem. Kategorien wie gut oder schelcht sind mit Konnotationen aufgeladene, von Menschen gemachte Begriffe, deren Verständnis mitunter von Gesellschaft zu Gesellschaft, wenn nicht gar von Mensch zu Mensch variiert. 

Wenn es jetzt aber wirklich nur darum geht einen der oben genannten Begriffe in die Kategorie "häufigste" einzuordnen, dann passt wohl bei mir am ehesten die Wut. Ich kann ziemlich aufbrausend sein. Seit Jahren arbeite ich an meiner Wut, aber ab und an bricht sie dann doch hervor. Das meistens sehr laut nach Außen hin oder sehr vernichtend nach Innen. Deshalb ist sie auch eine dieser Charaktereigenschaften, die mir am meisten Angst machen. Meistens verletzt man erst andere damit und dann sich, weil man in der Reflexion erkennt, was man da eigentlich angerichtet hat. Manchmal auch andersherum oder nur sich. Und wenn man dann so richtig schön wütend auf sich selbst ist, dann ist man auch so richtig schön unzufrieden mit sich. Und das wiederrum macht einen unsicher. Und diese Unsicherheit versucht man dann ganz schnell loszuwerden, indem man andere andere anmeckert, agressiv mit ihnen kommuniziert und klein macht... Ein Teufelskreis also, dieses Ding mit der Wut. 

Aber Wut ist auch eine dieser Eigenschaften mit zwei Seiten. Sie kann uns auch dazu bewegen aufzustehen, für etwas einzustehen, für etwas zu kämpfen, gegen empfundene Ungerechtigkeiten vorzugehen. Wenn mich  steine-schmeißende Menschen zum Beispiel so richtig wütend machen, dann kann ich meine Wut nehmen und gegen sie einsetzen. Ich sollte dann nur nicht selbst zum nächstbesten Pflasterstein greifen, sondern meine Wut klug in Energie umwandeln. Also: Immer dann, wenn Wut kontrollierbar ist, dann kann sie Motor sein. Und dann komme ich sehr gut damit zurecht, wenn ich wütend bin. Egal wie häufig.

 
Jule sagt:
Sünden üben einen gewissen auf mich Reiz aus. Schon immer. Sie sind die kleine Verlockung des Verbotenen, die den eigenen Egoismus kitzeln. Und wenn ich so über die Frage nachdenke, hätte ich mir gerne eine Todsünde zugeordnet, die mir etwas Verwegenes verleiht, so wie Hochmut oder Wolllust. Wenn ich aber mal ganz aufrichtig in mich hinein höre, sitzt da aber etwas anderes.
Unabhängig ihres christlichen Ursprungs, definiere ich Todsünde als etwas Unheilbringendes und Unkontrollierbares. Mit meinem Stolz und Zuckerdurst kann ich umgehen. Genauso, wie ich es genieße, manchmal einfach faul im Bett rumzulümmeln und eine Serie zu bindge watchen (furchtbare Anglizismen sind zum Glück keine Todsünde...).

Was ich nicht kontrollieren kann und mein Verhalten immer wieder gerne beeinflusst, ist aber mein Jähzorn. Ich war schon als Kind unheimlich temperamentvoll mit einem Hang zum Überdramatisieren. Und wenn mir heutzutage manchmal etwas nicht so gelingt, wie ich es mir ausgemalt hatte, treibt mich das bis heute gerne mal zur Weißglut. Und dann das volle Programm. Wüstes Rumgefluche und Wuttränen. Diese Art der Sünde hat nichts Verlockendes. Nur ein Mädel, der die roten Haare zu Berge stehen und schimpfend durch ihre Wohnung wütet, weil sie mal wieder irgendwas sucht. Ein Klassiker. 
 
Lass der mal eben ihre 5 Minuten. Die beruhigt sich schon wieder und dann entschuldigt sie sich wahrscheinlich gleich.“ gehört mittlerweile zum Standartvokabular meiner engsten Freunde, die das zum Glück meistens mit Humor nehmen, auch wenn es mir selbst oft kurz danach die Schamröte ins Gesicht treibt. Meistens richtet sich diese Wut auch eher gegen mich selbst als gegen meine Nächsten, denn die sind mir heilig. Oder eben Gegenstände. Scheiß Autoschlüssel.
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"Gesprächsstoff" ist eigentlich eine so genannte Talkbox. Mit Fragen, die zum Gespräch anregen, weil sie nicht so aufgebraucht sind wie andere. Wir nutzen ein paar der Fragen des Basis-Sets, um unsere Gespräche hier im Blog anzuregen. Denn als Blogteam sind wir eigentlich in einer Kennenlernphase, wo es natürlich darum geht, herauszufinden, wer die anderen so sind. Aber wir wollen natürlich auch gerne mit euch sprechen und diskutieren, die Anreize nutzen und von euch neue Impulse bekommen. Also geht die Eingangsfrage natürlich auch an euch und wir freuen uns auf eure Kommentare.

Essen in Essen - Jay Edition

Jay Nightwind | 28.08.17 | / / | Kommentieren
Foodblog reizt mich ja irgendwie und ist gleichzeitig so ein herrlich überstrapaziertes Format. Ankommen und es neuerfinden wollen ist dann für gewöhnlich die Reaktion auf Eingefahrenes. Ich klopfe auf meinen Holztisch, klatsche die Hände zusammen und deute auf unseren Header: Wir sind ein Blog für alles und wir machen wasimmer wir wollen.
Ich möchte euch heute meine bevorzugten Futterstellen in Essen vorstellen. Warum? Weil Andy das schonmal für Bochum gemacht hat. Weil meine bevorzugte Todsünde die Völlerei ist. Weil - Kracherpointe - ich mein ganzes Leben in Essen verbracht habe. In Essen! Verstehste? Ja, war nicht gut. Den Witz musst du als Essener machen, bevor jemand anders ihn macht, das nimmt ihm die Wirkung.

Also, anbei nun eine Liste (und anschließend eine Karte) meiner bevorzugten Orte um Kulinarisches käuflich zu erwerben.


Imbisse

1. Pizzeria Valentina - Frohnhausen - Berlinerstr. 131
Ein flaches Argument vorne weg: Jede große Pizza kostet für Selbstabholer Vier Euro. Das ist ein absoluter Schnapper. Die Pizza hier ist solide und ehrlich. Ich brauche kein Steinofen-Zauber, keine abgefahrenen Kombinationen. Die Karte ist schmal, dafür ist alles sehr gut.

Außerdem ist der schweigsame Inhaber ein netter Typ, ohne aufdringlich einschmeichelnd zu sein. Da kann ich gut mit umgehen. Er schaut heimlich auf die Höflichkeit, was ich sehr charmant finde. Als sich neulich zwei Jugendliche vorgedrängelt haben, hat er deren Bestellung zwar zuerst aufgenommen, dann aber meine Pizzen zuerst fertig gemacht. Ohne viel zu sagen, wurde ein Punkt gemacht. Da kann ich auch gut mit umgehen.
Wenn mensch möchte, gibt es im hinteren Teil auch einen Sitzbereich, der zum Quatschen und Futtern ausreicht, nicht aber für ein romantisches Date.

2. Don Camillo - Frohnhausen - Mülheimerstraße 87
Der Camillo muss in Essen wirklich ein Don sein. Es heißen so viele Pizzatempel "Don Camillo", dass auf Google die Vorschaubilder für alle ständig falsch sind und einen anderen Laden zeigen. Dieser Don Camillo ist ein absoluter Lieferexperte.

Als Fußballer wäre die Pizzeria ein "Utility-Player". Sie ist auf allen Positionen einsetzbar. Indisch, Burger, Baguettes, Pizzen, Nudeln, hier gibt es eigentlich alles. Meist wird mensch ja skeptisch, wenn ein Imbiss zu viel verschiedenes anbietet, aber bisher war ich mit der Qualität immer sehr zufrieden. Besonders die indischen Sachen sind richtig lecker.
Eine besondere Stärke ist, dass auch wenn die Hütte bei denen glüht, selten die Lieferzeiten über 30 Minuten liegen. Zum Essen vor Ort ist das Lokal allerdings echt ein bisschen düster.


3. Bobby & Fritz- Rüttenscheid - Rüttenscheider Stern
Eigentlich darf ich den Laden gar nicht mögen. Nicht nur, weil er in Rüttenscheid ist, was für mich als Arbeiterkind erzählerisch natürlich mit den ganzen Hipstern und dem Süd-Umfeld der Feind ist (ist es nicht). Hier war mal "Schichtbetrieb", ein fantastischer Frozen-Joghurt-Laden, der dann leider geschlossen hat. Wenn jetzt ein neues Lokal hier drin ist, kommt das für mich damit gleich, als wäre auf einem alten heiligen Friedhof gebaut worden.

Als ich aber zum einen die günstigen Preise gesehen habe und die Tatsache, dass hier ein Kung-Fu-Hotdog mit Wasabi-Sauce existiert, war das Reinigungsritual fast abgeschlossen. Ein Rabatt für Schüler*Innen und Student*Innen veredelte bei mir den Erstkontakt.
Bobby & Fritz ist zwar Franchise, aber sie machen das echt gut. Das Essen ist lecker, mein Referenzessen, das Chili, hat mir sehr gut gefallen. 

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Bei gutem Wetter sitzt es sich draußen echt nett und egal ob hier im Essener Süden, oder bei der Filliale in der Innenstadt: Die Bobbies und Fritzen können Humor und sind recht locker drauf. Da macht es dann auch Spaß schon zu bestellen und ein paar Witze austauschen zu können.
Einziger Wunsch: Hier könnten mehr vegetarische/vegane Varianten her. Gerade, weil alles so lecker und nicer Imbiss-Style ist.

Restaurants

4. Star Diner - Bochold - Am Lichtbogen 12
Den Laden zu empfehlen kommt mir lächerlich vor. Grob 15k Likes auf Facebook. Die Zeiten, dass dieser Diner im amerikanischen Stil noch ein Geheimtipp bei Fernfahrern war, sind lange lange vorbei. Eingeborene Essens kennen das Star Diner natürlich und irgendwie war jede/r schon einmal da.

Nicht nur, dass die Öffnungszeiten so großzügig sind, dass das Diners immer eine Option ist, das Essen ist auch wirklich sehr stabil. Sowohl in Menge, als auch Geschmack. Wer sich mit amerikanischem Style nicht vereinen kann, wird hier nicht sehr glücklich, auch wenn es ein paar Alternativen auf der Karte gibt. Notfalls geht ein Milchshake immer und die sind auch eines der Aushängeschilder des Ladens.

Auch hier ein wirklich wichtiger Teil der Atmosphäre: Die Kellner*Innen sind nette Leute, haben Humor und passen in den Schuppen. Irgendwie wirken alle ein bißchen alternativ, ein bißchen passen alle zart ins Klischee.

Wichtig: An vielen Abenden, lockt das Star Diner mit speziellen Sonderangeboten, durch die hohe Beliebheit lohnt es sich vorher einen Tisch zu reservieren. Wer es etwas abenteuerlich mag, kann draußen im authentischen Schulbus platznehmen, aber ich kann es ehrlich gesagt nicht empfehlen. Der Funke springt dort nicht so über, wie im Inneren.

5. Burgerista - Innenstadt - Lindenallee 4
Burger sind ne feine Sache. Daher bleiben wir beim amerikanischen Fleischbrötchen. Burgerista hat eine solide Auswahl an Burgern, auf einer angenehm schmalen Karte. Einige Sachen sind ein bißchen hipsterig neu, so können z.B. die Burgerbrötchen auch gegen Salatblätter eingetauscht werden. Die Limo-Flat-Rate zu 2,60€ macht dieses Lokal auch zu meinem heimlichen Konferenzraum in der Stadt. Wenn ich jemanden treffen muss und es nicht privat sein darf, dann ist es meist bei Burgerista.

Der Laden ist schön bunt und auch wenn es richtig voll ist noch erstaunlich ruhig. Ich bin gerne da, auch, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis mir echt gut erscheint. Das Burgerfleisch war auch bisher immer genau auf diesen perfekten Punkt angebraten, damit alles so richtig gut Schmacko ist. In der Innenstadt eine solide Option.

6. Do eat/Dschingis Kahn - Innenstadt - Kastanienallee 95
Das ist ein Heimspiel. Ich liebe die asiatische Küche, weil ich sie an einigen Stellen klüger finde als unsere. Außerdem schmecken die meisten Sachen im asiatischen fantastisch. Da macht das Restaurant, welches gerade frisch den Namen geändert hat, keine Ausnahme. Es gibt hier ausschließlich All-you-can-eat, zu einem Preis, der für ein Restaurant vollkommen plausibel ist. Je nach Tageszeit ändern sich Preis und Umfang des Buffets ein wenig.

Ich mag besonders das Sushi vor Ort, was nur leider manchmal ein wenig darunter leidet, dass es nicht so viele Kund*Innen dort essen. Deshalb stehen die Platten manchmal etwas länger und das Sushi wird etwas trocken. Das ist aber besser verzeihbar, als würden sie ständig etwas wegschmeißen. Liebe Sushi-Fans: Klagt nicht, denkt mit! Wenn ihr das nicht ganz perfekte Sushi aufesst, muss der Koch dann frisches nachlegen. All-you-can-eat hat auch mit Planung zu tun! Besonders dekadent ist das Nachtischbuffet, mit diversen Weingummis, Torte, Tiramisu, Pudding und Schokobrunnen. Ich gehe da tatsächlich meist dran vorbei, weil die Vorspeisen mich ausreichend auslasten, aber Schlaraffenland muss ganz ähnlich sein.

Die Atmosphäre ist okay, durch das All-you-can-eat wird ein sehr gemischtes Klientel angezogen, was häufig nicht das richtige "Restaurant"-Gefühl aufkommen lassen will. Dafür ist es ein fantastischer Ort, wenn mensch Spaß dran hat, sich Leute anzugucken. Im Do eat ist immer was los.

Bars und andere Highlights

7. Cafe De Prins - Essen-Süd -Isenbergstraße 14
Als Cafe habe ich diese Bar nie realisiert. Ich war da aber auch noch nie vor 19 Uhr. Ganz unabhängig davon ist es eine richtig tolle warme Location. Wirklich, es strahlt immer golden und passend dazu gibt es hier wirklich gute Pommes. Vielleicht die Besten in Essen. Dazu ein leckeres Bierchen, dann nochmal ein bißchen Pommes, Pommes und noch ein Bierchen. Die Karte erfreut sich - der Name deutet darauf - niederländischer und belgischer Feinheiten, aber es ist trotzdem keine Themenbar. Es gibt schöne Details zu entdecken, aber die will ich gar nicht spoilern. Ein guter Schuppen für gemütlich.

8. Cafe Nord - Innenstadt -Viehofer Platz 1
Ein guter Schuppen für laut. Für richtig laut. Kutten, Bandshirts und Schwarz als dominante Farbe. Ich weiß nicht genau wie es dazu gekommen ist, aber ich freue mich, dass die Essener Nordstadt eine kleinen Metal-Abschnitt hat. Am längsten dabei ist das Nord. Für Essener*Innen absoluter Kult, aber nicht nur weil mensch sich da bei ordentlich lautem Gitarrengeballer den Kopf verdieseln kann.

Kulinarisch kann das Nord auch ordentlich mitspielen. Bekannter ist die Pizzaflatrate am Sonntag, bei der sich mensch für 5€ ordentlich ein Wohlstandsbauch anfressen kann, ohne reich zu sein. Wer nicht so auf Pizza steht und bei jedem Gewicht Bodypositive sein kann, sollte sich dringend die Chilli-Käse-Fritten reinhauen. Jalapenos, Chilli-Con-Carne-Sauce, dick Käse und ordentliche Pommes. Essen für Champions. Satte Champions, die danach wochenlang nichts mehr essen brauchen.

9. Eis Casal - Frohnhausen - Mülheimerstr. 62
Das beste Eis in Essen. Ja, ich kenne Möhrchen, aber das sind Obstbecher mit ein bißchen Eis. Ja, ich kenne die Iamlove-Filliale in Essen-Süd, aber die kommen eigentlich aus Bochum und während die Spezial-Sorten fantastisch können, fehlen denen die spektakulären Becher.

Eis Casal gibt es länger als mich, es ist ein Familienbetrieb und wächst seit Jahren beständig. Die Eissorten sind fantastisch und Becher wie das Kartoffeleis oder das Spaghetti-Eis sollte mensch da einmal in seinem Leben gegessen haben. Als Essener ist im Sommer Eis von Casal absolute Pflicht. Und auch wenn draußen eine Schlange um den Block steht - kein Scherz - lohnt es sich, sich einzureihen. Drinnen wird zügig gearbeitet und das Eis ist es wert.


Ehrenhafte Erwähnungen

10. Max Frituur - Böses böses Bochum 
Als Christofer mit f mir gesagt hat, dass es die besten Fritten der Welt in Bochum gibt, hätte ich gerne was dagegen in den Ring werfen wollen. Ich hätte gerne diese eine Essener Frittenschmiede gehabt, bei der ich sicher sagen kann: Die haben alles an der geschlitzten Kartoffel gemacht. Alles. Aber diesen Laden hatte ich nicht. Er brachte mich zu Max Frituur.
Veni, vidi, vici. Das gefällt dem benannten Lateinlehrer sicher gut. Max Frituur macht die geilsten Fritten der Welt. Und mit den besten Saucen.

Warum zählt das für Essen in Essen? Weil ich mit der S-Bahn ins Bochumer Bermudadr3ieck etwa genau so lange brauche, wie zu einigen Orten innerhalb meiner Stadt. Und weil es die fucking besten Fritten sind. Gottgleiches Friteusengold.

11. Altendorf- Die gesamte Altendorfer Straße 
Dem Essener Süden wird es nicht gefallen, aber die beste und dekadenteste Meile um sich rund und glücklich zu futtern, ist in Altendorf. Begonnen an der Grenze zu Borbeck mit dem Franchise-Tempel der Finca Bar Celona, bis zu den unzähligen Dönerbuden oben an der Haltestelle Helenenstraße. Dazwischen gibt es Essen aus fast allen kulinarisch relevanten Regionen: Griechisch, Türkisch, Asiatisch, Amerikanisch, Alles! Inklusive Konditoreien die ebenfalls die göttlichen persischen Süßwaren anbieten.

Klar, Essen-Süd hat den besseren Ruf, aber ehrlich gesagt: Den könnt ihr euch stecken. In Altendorf sitzen bis am späten Abend die Leute auf der Straße, reden, spielen und lachen. Eine vibrierende Lebendigkeit, die den dümmlichen Großmedien dann entlocken würde, dass es sich hier um einen Problemstadtteil handeln muss. Aber das sind halt auch Leute die da schreiben, die in Essen-Süd wohnen. Die verstehen unseren Style hier nicht.


Why so serious - Frohnhausen
Wir weinen um die beste vegane/vegi/omni Essgelegenheit meiner Hood. Die Fronx - Wie seit neuestem einige Frohnhausener*Innen liebevoll sagen - verliert im ganz großen Stil. Alles hier hat awesome geschmeckt und wäre das Whyso noch offen, hätte es einen fetten Goldstern als Markierung bekommen. Es war unfassbar gut. Wer von euch Hater die Veganer hatet, sollte die vegane Mayonaise aus dem Whyso kennenlernen. Danach will mensch nichts anderes mehr an seine Kartoffeln lassen. Dankbarerweise werden die wichtigsten Rezepte wohl gerettet und bald über Facebook verbreitet. Ich bedanke mich für die Jahre mit geilem Futter und nettem Thekenteam!


Anbei meine Stadtkarte mit den besten Spots. Da könnt ihr euch die Adressen herausbasteln und triangulieren, wo ich wohl wohne. Übrigens: Das soll nicht bedeuten, dass in anderen Teilen der Stadt, ihr jeden Imbiss meiden solltet, ganz im Gegenteil: Wenn ihr eine Entdeckung macht, schreibt mir bitte. Das will ich auch ausprobieren!

Podcast: Gamescom 2017

Andasch | 26.08.17 | / / | Kommentieren

Die Gamescom ist die größte Videospielmesse der Welt. Ich durfte im diesen Jahr zum ersten Mal als Journalist dabei sein und habe mich mit meinem Mitbewohner Tim mal über die Ankündigungen und ausgesuchte Spiele unterhalten. Hört doch mal rein.



Vlog #010 - Reframing

Der Nachtwind | 26.08.17 | / | Kommentieren

Erinnerungen

Andasch | 25.08.17 | | Kommentieren
Ich sortiere. Ich schmeiße weg und behalte. Ich kuratiere.
Was ist wichtig? Was ist Müll? Was verdient zu bleiben und was ist wertlos?
Ich fühle mich seltsam. Ich habe schon lange nicht mehr aufgeräumt. Ich habe Tomte angemacht. Ich weiß, füchterlich pathetisch. Aber es fühlt sich passend an. Trennen von Erinnerungen, erinnert werden an die Vergangenheit. Nostalgie, ein bisschen Schmerz und ein komisches Gefühl. Mir fällt auf, ich kann mich nicht von Dingen trennen. Dabei war die Aufgabe doch einfach: Einen Schrank ausmisten. Tschüß Biochemie, hallo Journalismus. Hallo neues Leben, byebye altes Leben.

Ich nehme Dinge in die Hand. Jedes Teil ist wie ein kleiner Flashback. Eine Eintrittkarte in die Tiefen meiner Hippocampi. Ich entdecke ein Schaubild. Ich hab es dir gemalt, als wir uns gestritten hatten. Dabei kann ich doch gar nicht malen. Aber ich wollte dir zeigen, wie ich mich fühle. Wie ich diese ganze Situation wahrnehme. Du hast sehr viel gedacht. Ich wohl sehr wenig. Dabei sage ich immer, ich zerdenke alles.





Ich finde Aufzeichnungen. Mehrere Blöcke voll mit Notizen von chemischen Strukturen. Organische Chemie. Mechanismen und Syntheseanalysen. Ich verstehe sie kaum noch. Aber wenn ich darauf blicke: Flashback. Ich erinnere mich, wie ich wochenlang gelernt hatte. Wie ich in Sporthose den Vollhardt, mein Chemiebuch, in der Küche meiner WG wälzte. 1452 Seiten. Und ich habe sie gelesen. Durchgearbeitet. Notizen beim Lesen gemacht und die Aufgaben bearbeitet. Zweimal, vielleicht sogar zweieinhalbmal. In der Küche und in der Bib. Während OC I hatte ich sogar noch bei Mama gewohnt. Ich erinnere mich an einen Abend. Ich lernte bis tief in die Nacht. Es war 2, vielleicht 3 Uhr oder später, ich weiß es nicht mehr. Ich machte Feierabend. Ich ging auf den Balkon und es war wunderbar ruhig. In der Woche schliefen alle Menschen um diese Uhrzeit, zumindest in diesem Vorrort. Ich rauchte eine Zigarette, meine Mama schlief auf der anderen Seite der Wohnung.
Das ist fast 5 Jahre her. Glaube ich.
Eine Zigarette in Bochum-Höntrop. Meine Mutter wohnt dort nicht mehr. Verrückt. Irgendwie.

Ich entdecke Kataloge. Auslandssemester. Neuseeland und Australien. Schon nach der Schule hatte ich mir Kram für Work & Travel bestellt. Im Studium dachte ich über ein Auslandssemester oder ein Praktikum nach. April 2016. Solange ist das gar nicht her. Verrückt, wie schnell sich Pläne ändern. Wie schnell sich Leben ändern. Wie Dinge passieren. Irgendwann, irgendwann werde ich meine Reise noch bekommen.

Ein Foto aus dem Labor. Es ist während des physikalisch-chemischen Praktikums im 4. Semester entstanden.  Ich hatte damals angefangen meine Fühler auszustrecken, über den Tellerrand zu blicken und hatte einen Kurs für analoge schwarz-weiß Fotografie und die Entwicklung im Labor belegt. Im Labor des Physikalisch-chemischen Praktikums habe ich ein Foto geschossen. Ich mag es immernoch sehr gerne. Ich erinnere mich noch an die Verzweiflung, die ich gespürt habe. Jede Woche, als ich versuchte die Protokolle zu schreiben. Es war eine aufwendige statistische Aufarbeitung nötig.  Ich hatte mit einem meiner besten Freunde, häufig die Nächte durchgearbeitet mit gelegentlichen Skype Telefonaten. Am Ende hat es doch rigendwie geklappt, weil es klappen musste. Aber an dieses "Ich weiß nicht weiter. Ich weiß nicht was ich hier schreiben soll, wie ich das Aufarbeiten muss und morgen ist Deadline. Das pack ich nie"-Gefühl. Daran erinnere ich mich noch sehr gut. 


Weitere Aufzeichnungen. Bilder von Gelelektrophoresen. Ich erinnere ich, wie ich diese Aufzeichnungen im Park machte. Ich erinnerte mich an die Vorlesung und die Umstände. An mein Auf- und Ablaufen in der Wohnung und das Abfragen von mir selbst im Geist. An die Fragen und die unglaubliche Arbeit, die in diesem Gekritzel steckt. Laborbücher. Aufzeichnungen für die mündliche Prüfung. Das Gefühl als ich zum zweiten Mal durchgefallen war, bevor ich für einen Monat nach Neuseeland gegangen bin. Wie ich motiviert in die Prüfung kam mit dem Gefühl gut vorbereitet gewesen zu sein und grandios scheiterte. Obwohl ich viel wusste. Wie ich völlig verzweifelt nach Hause kam und um elf Uhr morgens Bier trank und einen Joint rauchte. Wie ich zum ersten Mal fast aufgab.

Ich entdecke Aufzeichnungen von Biochemie I. Neben der mündlichen Prüfung, die einzige Klausur in der ich durchgefallen bin, bei der es sich nicht um einen Freischuss gehandelt hat und ich nicht noch im selben Semester wiederholen konnte. Ich erinnere mich wie ich ein Jahr später all die verdammten Metabolismus-Kreisläufe auswendig lernen musste. All die Mechanismen dieser verfluchten Enzyme, wie sie welchen Stoff, wie spalteten. Wie ich dort hart arbeitete, um am Ende unter den magischen 2,5-Schnitt für den Master zu kommen.  Ich erinnere mich an das glorreiche Semester, in dem ich eine 1,3 in Biochemie III schrieb, eine 1,0 in Onkologie und Physikalische Chemie I wiederholte und statt einer 4,0 eine 1,7 schrieb. Darauf bin ich bis heute sehr stolz, denn es war Fleißarbeit. Pathetisch-wissenschaftlich ausgedrückt: Mit proportional steigendem Leid und Selbstdiziplin stieg die Note.
 Ich schaffte am Ende nicht nur die erforderliche 2,4, sondern sogar die Abschlussnote 2,3. Das war ein sehr hart erarbeiteter Sieg. Aber ein Sieg. 

Das Expose zu meiner Bachelorarbeit. Ich erinnere mich, wie viel Spaß die Bachelorarbeit gemacht hat. Wieviel Herzblut ich darein gesteckt hatte. Ich erinnere mich, wie ich an einem Tag bis 23 Uhr im Labor blieb. Alleine und arbeitete, weil es Spaß machte und ich das Gefühl hatte, irgendwas zu bewirken. Wie ich Kaffe trank als ich auf meinen Westernblot wartete und im Büro eine Folge Dr. Hosue streamte. Wie ich aus dem fünften Stock auf den Campus RUB hinabschaute als es bereits dunkel war und nur einzelne Fenster beleuchtet waren. Draußen fiel Schneeregen. Fast wie im Film. Ich erinnere mich auch an den Schreibprozess. An die ganzen Orte, an dem ich sie schrieb. In der Badewanne, am Küchentisch meiner Tante in Ennepetal, an meinem Computer. Ich erinnere mich an die Recherche und die experimentellen Rückschläge. Aber auch an die gute Zeit mit meinen Kollegen. Außerdem erinnere ich mich an die erste Maus, die ich getötetet habe.


Ich sortiere. Ich schmeiße weg und behalte. Ich kuratiere.
Was ist wichtig? Was ist Müll? Was verdient zu bleiben und was ist wertlos? Mir fällt auf, ich kann mich nicht von Dingen trennen. Dabei war die Aufgabe doch einfach: Einen Schrank ausmisten. Tschüß Biochemie, hallo Journalismus. Hallo neues Leben, byebye altes Leben. Es ist wohl tatsächlich ein Abschied von Biochemie.

Ich weiß, es mag albern klingen. Aber diese Dinge sind Teil von mir. Jeder Block, jeder Zettel, alles. Es fühlt sich an, als würde ich Schlüssel wegwerfen. Schlüssel zu Erinnerungen. Die Türen fallen zu und ich werde sie vielleicht nie wieder öffnen können.

Meine kleine konstruierte Wirklichkeit. Ich fange an zu sortieten. Ich hefte Dinge zusammen, die nicht zusammen gehören. Ich verändere meine Vergangenheit. Wenn ich diesen Ordner in ein paar Jahren nochmal in die Hand nehme, werde ich nicht wissen, dass ich er aus zwei verschiedenen Dingen besteht. Ich habe Angst zuviel zu verändern und zuviel zu vergessen.
Ich schmeiße Aufzeichnungen weg.Quasi Wissen. Es fühlt sich an, als würde ich Bücher verbrennen.

Ich lege einen Ordner an: "Biochemie-Handwerk". Ich sammle Protokolle. Dieses Wissen gab es nicht in Büchern. Man hat sie im Labor von seinem Betreuern mitgeteilt bekommen oder selbst durch Ausprobieren erfahren. Oft wusste man zwar wie eine Methode theoretisch funktionierte, aber wie das praktisch durchzuführen war, stand auf einem anderen Blatt. Das ist wertvolles Wissen, dass es zu bewahren gilt, sagt mein Kopf. Außerdem findest du solche detaillierten Protokolle nur selten im Netz. Vielleicht irgendwann, wenn es mich wieder in ein Labor zieht, werde ich froh sein diese Protokolle behalten zu haben.
Die zahlreichen ausgedruckten Publikationen sind unsortiert wertlos. Brauche ich etwas, kann ich es mit Recherche im Netz finden. Die Publikationen kommen also weg. Wie ein Blinder, der Blindenschrift liest, fühle ich ein letztes Mal mit meiner Hand über die Seiten. Ich erinnere mich nocheinmal wie ich diese Paper las. In der Uni, in der Sonne im Westpark oder kurz vor knapp in der Bahn.

Ich blättere durch vollgeschriebe Collegeblöcke. Jedes Mal ein kleiner Flashback. Jedes Mal Überwindung, sie wegzuschmeißen. Bücherverbrennung. Einschmelzen von Schlüsseln. Jedes Mal dieses Gefühl in meiner Brust. Es fühlt sich an wie der kleine Burder von Lampenfieber.

Ich finde einen Brief von dir. Du hast ihn geschrieben, bevor du nach Neuseeland bist. Du hast ein Foto von uns, bevor wir zusammen waren hineingetan. Wir lachen. Es ist ein schönes Foto. Auf die Rückseite hast du I love you mit einem Herz gekritzelt. Ich finde auch einen Brief von dir aus Neuseeland. Ich packe sie in den "wichtige Erinnerungen-Umschlag". Meine Hände zittern ein bisschen und ich habe Pudding-Knie. Immernoch, nach fast anderthalb Jahren. Auch verrückt. Vielleicht ist es auch normal, wenn man solange zusammen war und geballte Emotion auf Papier gebannt wiederentdeckt. Wer weiß. Außerdem hab ich mich mit dem Ende von uns nie wirklich beschäftigt. Ich hab e mir seitdem einfach soviel Dinge vorgenommen, dass ich keine Zeit hatte, mich damit zu beschäftigen. Ich find Trauerarbeit doof.

Ich finde eine Abfrage Liste und gehe sie durch. Das meiste weiß ich noch. Wenn auch nicht detailiert genug für eine richtige Klausur.
Ich finde eine Ausgabe der Spektrum der Wissenschaft von Dezember 1982. Ich hatte sie mal auf bei einem Trödelhändler mit meiner Exfreundin gekauft. Darin enthalten waren einige (nun natürlich überholte) Publikationen der Neurowissenschaften. Ich hatte schon immer eine Schwäche für auf Papier gebanntes Wissen..


Ein Dinosaurier Malbuch. Das habe ich von einem Professor bekommen, bevor ich zur Schule gegangen bin. Meine Oma hat dort geputzt und mich manchmal mitgenommen. Ich erinnere mich, dass ich mich dabei gelegentlich mit ihm unterhalten habe. Er war schon sehr alt, zumindest habe ich das damals so wahrgenommen. Ich erinnere mich noch wie meine Mutter irgendwann behauptete, er sagte sei sei sehr klug. Er hatte mir dieses Dinosaurier-Malbuch geschenkt. Es zeigt Schritt für Schritt, wie man Dinosaurier zeichnet. Ich glaube ich hatte mich oft über Dinosaurer mit ihm unterhalten. Ich finde zwei, drei weitere Dinge als ich ein Kind war. Ich muss grinsen.

Ich finde weitere Dinge von Dir. Bilder von uns. Briefe und Postkarten. Ich überfliege sie kurz. Ich bin überfordert. Ich habe Herzrasen. Ich hasse das. Es fühlt sich wie Angst an. Warum sollte ich Angst haben? Ich zittere und meine Beine sind schwach. Ich geh aus der Wohnung und atme im Treppenhaus ein paar mal tief ein und wieder aus. Ich werde diese Spannung nicht los. Ich gehe zum Kiosk und kaufe Blättchen und Tabak. Ein schlechtes Zeichen. Ich hab seit zwei Monaten keinen Tabak mehr besessen. Meine Wohnung ist voll mit Kram. Fotos und Briefen. Erinnerungen und Papier. Ich habe es beim sortieren in der ganzen Wohnung verteilt. Ich rauche und kann nicht weitermachen. Ich kann kaum tippen. Ich wünschte ich hätte den Schrank niemals aufräumen wollen.

Ich will nicht in der Mitte aufhören und drehe alle Fotos von dir um. Ich widme mich zuerst den unwichtigen Sachen und schmeiße weitere Collegeblöcke und Briefe von irgendwelchen Institutionen weg, von dennen ich dachte die seien vielleicht wichtig. Waren sie nicht. Ich sortiere die leergeworden Ordner und Folien in entsprechende Fächer in meinen Schrank.
Schmeiße viel Biochemie-Kram weg. Alle Erinnerungen von dir tue ich in meine "wichtige Erinnerungen-Umschlag".

How to Slam: Schreibübung "Vermenschlichen"

Jay Nightwind | 23.08.17 | / / | Kommentieren
Also, wir wollen auf Slams natürlich gute Texte präsentieren. Gute Qualität erreichen wir, wenn wir uns mit Text auseinander setzen und auch mit dem, was Elemente in unseren Texten bedeuten (können).

Eine gute Kreativ- und Schreibübung ist das "Vermenschlichen", welches mir Marian Heuser a.k.a. Peter Panisch bei einem gemeinsamen Workshop gezeigt hat.

Schreibübungen sind gute Grundlagen um in den kreativen Denkprozess zu finden und auch einfach, um im sportlichen Sinne sich warm zu machen. Und manchmal findet mensch dabei auch etwas Gold (in Form von guten Ideen).

Vermenschlichen als Schreibübung:

Schritt 1 Themensammlung:
Im ersten Schritt der Übung schreiben wir auf einen Zettel Themen als Stichwörter auf. Am besten als ein einzelnes Wort. Zum Beispiel "Geld", "Natur", "Enten", "Kapitalismus". Nützlich sind Themen, die uns in letzter Zeit beschäftigt haben. Das lässt sich teilweise aber auch nicht verhindern, da wir diese Wörter aus unserem Gedächtnis und Erfahrungen generieren. Was wir nicht müssten, wir könnten uns auch die Wörter aus einem Buch beziehen oder von Freund*Innen aufschreiben lassen. Diesen Zettel legen wir dann zu Seite. Es reicht übrigens auch vollkommen, wenn ihr genau ein Thema habt.

Schritt 2 Mensch-Mind-Map:

Nützlicherweise sind wir selbst Menschen. Daher können wir im zweiten Schritt eine sehr nützliche Mind-Map erstellen. Eine Mind-Map, über Menschen. "Mensch" steht daher auch in der Mitte. Und jetzt fragen wir uns, was es ausmacht, ein Mensch zu sein. Vielleicht kommen wir zu dem Schluss "Menschen haben Hobbies", dann tragen wir "Hobbies" als Unterpunkt in die Mindmap ein. "Ängste", "Wünsche" und was uns Menschen noch so beschäftigt und definiert.

Schritt 3 Vermenschlichen:
Jetzt kommt der interessante Teil: Wir schauen wir auf unsere Sammlung aus dem ersten Schritt. Das Thema, das uns am meisten interessiert, nehmen wir heraus aus der Sammlung und setzen es an der Stelle ein, an der in unserer Mind-Map der "Mensch" steht. Das Thema hat jetzt also um sicher herum geclustert viele Merkmale eines Menschen. Als Grundlage für einen (Übungs-)Text nehmen wir die Unterpunkte als Fragen, die wir beantworten wollen:
- Welche Hobbies hätte Geld?
- Wovor hat die Natur Angst?
- Welche Wünsche haben Enten?

Schritt 4 Erzählen
Dieser Schritt ist optional. Natürlich könnt ihr jetzt die Geschichte erzählen, vom Geld und was es einen Tag lang so erlebt. Manchmal liegen in diesen Fragestellungen aber schon eigene Textideen, die sich von der eigentlichen Übung entfernen. Wenn ihr merkt, dass ihr losschreiben könnt, dann tut das unbedingt. Das einhalten von Regeln einer Übung ist da absolut zweitrangig.

Übertragung als Analyse-Methode:Das Vermenschlichen ist eine Übertragung. Eine Sache wird in ein Umfeld eingesetzt, in das sie nicht gehört. Dingliche und Abstrakte Begriffe werden zu Menschen gemacht. Diese Methode erlaubt uns nicht nur Texte zu schreiben, sondern auch Bereiche zu analysieren.

Wenn es um Slam geht, kann es nun vorkommen, dass wir uns gar nicht mit unserem Text beschäftigen wollen, sondern uns andere Bereiche des Gesamtkonstruktes beschäftigen. Ein häufiges Thema ist da zum Beispiel der Wettbewerb. Es gibt viele Ansichten und Thesen zum Wettbewerb im Slam, eine gemeinsame Wahrheit hat die Szene an keiner Stelle formuliert. Es gibt keinen Zentralverband, keinen festen Katalog, die Überzeugungen der Szene sind beweglich. Deshalb kann es sinnvoll sein, seine eigenen Überzeugungen zu überprüfen. Dafür kann Slam als Szene zum Beispiel mit einer anderen Szene den Platz tauschen. Wenn wir Poetry Slam wie Fussball betreiben würden, was wäre anders? Was würde es für Poetry Slam verändern?

Ich für meinen Teil nutze diese Übertragungen gerne, um in anderen Kunstformen Inspirationen zu finden. So finde ich seit längerem viele nützliche Impulse darin, dass ich Poetry Slam und Wrestling vergleiche. Daraus habe ich eine neue Wahrnehmung des Wettbewerbs im Slam ziehen können und als ich die daraus entstandene Einstellung mit zurück in Slams genommen habe, habe ich ein besseres neues Bühnengefühl gehabt.

Übrigens kann diese Übertragung sich auch lohnen, um zu reflektieren, was ein Text wohl braucht. Also, wenn wir den Text als solchen vermenschlichen, was bedeutet das für ihn?

Das Menschen-Raster-Analyse-Ding

Miriam | 21.08.17 | | 4 Kommentare
Bahnfahren ist eine faszinierende Angelegenheit. Nach dem Schritt durch die Zugtür befindet man sich plötzlich auf engsten Raum mit Menschen, denen man wahrscheinlich nie außerhalb dieses Raums begegnet wäre. Man sitzt (oder steht) plötzlich Menschen gegenüber, von denen man absolut nichts weiß. Alter, Beruf, Familienstand, Leidenschaften, Ängste, Träume. Das alles ist unbekannt.
Das ist dann meistens der Moment, in dem in meinem Kopf mein Menschen-Raster-Analyse-Ding anfängt zu rattern und eben genau das zu tun, was der „Name“ schon sagt: Menschen in Raster sortieren und analysieren.

Der Typ der mir heute gegenübersaß zum Beispiel: Dunkelblauer Anzug, dazu passende gestreifte Krawatte, ein paar wenige graue Strähnen in seinen sonst dunkelbraunen Haaren, am Handgelenk eine silberne Armbanduhr, am Ringfinger der rechten Hand ein schlichter goldener Ring, auf dem Schoß eine laptopgroße Tasche, in der wahrscheinlich auch einer drin steckte.
Analyseprozess: Irgendein Manager- oder Banker-Typ der mittleren Gehaltsklasse, verheiratet und wahrscheinlich auch schon mindestens ein Kind, denn seine grauen Haare lassen darauf schließen, dass er irgendwo zwischen Anfang und Ende 30 steckt (jap, im Alter schätzen bin ich ausgesprochen schlecht) und der Ehering zeigt, dass er verheiratet ist. Wahrscheinlich kommt er gerade von der Arbeit und fährt zu seiner netten kleinen Familie, in sein Einfamilienhaus in einer ruhigen Vorstadtgegend, nicht zu weit von der Innenstadt entfernt aber doch in erreichbarer Distanz zu Bio-Bauernhöfen und Selbstpflück-Blumenwiesen. Analyse abgeschlossen.

Ihr seht schon - dieses „Spiel“ kann man ganz schön auf die Spitze treiben. Dieses „Spiel“ ist aber nichts anderes als simples Schubladendenken. Es ist nichts anderes als Vorurteile und Stereotype. Und am Ende steht meistens das Analyseergebnis: „Mit diesem Menschen habe ich nichts gemeinsam.“

Anfang des Jahres, da waberte ein Video quer durch das Internet. Grob gesagt zeigt es, dass man oft mehr gemeinsam hat, als man denkt. Aber seht es euch doch einmal selbst an:



Neben all den äußerlichen Unterschieden lassen sich doch auch (fast) immer Gemeinsamkeiten finden. Übertragen auf meine Bahn-Analyse bedeutet das folgendes:. Ich denke, dass ich mit dem Anzug-Typen nichts gemeinsam habe. Aber vielleicht mag er wie ich kein scharfes Essen, vielleicht hört er wie ich gerne „die Ärzte“ und vielleicht zweifelt er auch manchmal an sich selbst, so wie ich.

Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Ich will der Aussage dieses Video nicht wiedersprechen. Gemeinsamkeiten sind wichtig. Sie sind die Grundlage dafür, dass man seine Vorurteile abbaut und sie können die Grundlage dafür sein, auf jemanden zuzugehen. Aber wisst ihr was - Unterschiede sind genauso wichtig. Wir Menschen müssen uns ergänzen. Nur dann sind wir dazu fähig etwas Großes zu erschaffen (für kleine Dinge gilt das übrigens genauso). Fortschritt funktioniert nicht, wenn alle gleich sind. Aufs Bahn-Beispiel bezogen heißt das - es ist gut, wenn der Typ und ich beide Liebhaber von Rock-Musik sind. Aber es ist genauso gut, dass er einen grünen Daumen hat und weiß, wie man Obst und Gemüse anbaut, während ich vielleicht ganz passabel kochen kann. Das ist jetzt echt ein sehr rudimentäres Beispiel. Aber um es zu Ende zu führen: Er baut das Gemüse an, ich koche daraus ein leckeres Mittagessen. Könnten wir beide Gemüse anbauen, aber niemand wüsste, wo der Herd angeht dann würden wir wahrscheinlich auf Dauer verhungern. Aber so können wir uns ergänzen und am Ende gemeinsam eine leckere Mahlzeiten essen, während im Hintergrund ein geiler Song von den Ärzten läuft zu dessen Takt wir beide einträchtig mit dem Kopf nicken.

Und ich freue mich schon auf meine nächste Bahnfahrt, in der mir ein fremder Mensch gegenübersitzt und in meinem Kopf mein Menschen-Raster-Analyse-Ding losrattert. Analyseergebnis: „Mit diesem Menschen habe ich nichts gemeinsam. Und das ist gut so.“