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Irgendwie besser: Schuhe

Fatima Talalini | 10.08.17 | / | 1 Kommentar
Nachhaltigkeit hat oft etwas mit einkaufen zu tun. Was wir kaufen, beeinflusst unser Leben, das der Verkäufer, Händler, Produzenten und Angestellten. Es beeinflusst die Umwelt, die Flüsse, Seen, die Atmosphäre. Einkaufen ist politisch. Man kann sich keine Gedanken machen und ist dennoch mit politischer Haltung unterwegs: Der Egal-Haltung, eine der gefährlichsten überhaupt. Dass wir in einem kapitalistischen System leben, kann man gut finden oder ablehnen, aber es hat einen großen Vorteil: Die Konsumenten habe große Macht. Nicht nur jeder BWL-Ersti weiß: Angebot und Nachfrage beinflussen den Markt. Ein Label, wie das bekannte Faitrade-Ying-und-Yang in blau, grün und schwarz konnte nur so groß werden, weil die Produkte, die es schmückt, gekauft werden; und das obwohl es preisgünstigere Alternativen gibt. Tee, Kaffee und Schokolade sind nicht das ganze Problem. Es geht um so ziemlich alles, was nicht hier, also in den westlichen Industrienationen angebaut und produziert wird.

Es ist Sommer. Ich brauche neue Schuhe. Oder ich glaube, welche zu brauchen. Ich bin nicht sicher, ob ich sie wirklich nötig habe, doch das wäre ein anderes Thema. Also: Es ist Sommer, ich möchte neue Schuhe kaufen, weil ich glaube, sie zu brauchen.
Das Problem mit Schuhen fängt, wie bei jeder anderen Kleidung, mit der Produktion an. Die Fabriken, die meist in Asien stehen, nutzen bei der Herstellung von Kleidung und Schuhen giftige Chemikalien, die häufig ungefiltert in die heimischen Flüsse gelangen und das Wasser vergiften. Die Chemikalien finden sich in der Kleidung des Konsumenten wider (deshalb neue Kleidung immer erstmal waschen!). Laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace gelten zwei Drittel der chinesischen Flüsse und Seen als verschmutzt.

Nach einer Studie von Greenpeace waren 58 Prozent der 18 bis 29-Jährigen noch nie beim Schuster. Schuhe sind ein Wegwerfprodukt geworden, dass sich beliebig austauschen lässt. Durch die günstigen Preise neigen Konsumenten dazu, viele günstige Schuhe zu kaufen, statt wenige teure.

Es gibt viele Alternativen, die nachhaltiger sind. Es drängen sich zwei wichtige Bereiche auf: Wie sind die Bedingungen für die Arbeitnehmer, gibt es faire Bezahlung? Gibt es Arbeitsschutz? Sind die Materialen ökologisch oder werden giftige Chemikalien genutzt? Gerade große Firmen wie Adidas oder Nike stehen immer wieder wegen giftiger Chemikalien in der Kritik von Umweltschützern. Und das, obwohl deren Produkte nicht mal günstig sind.
Eine gute Übersicht über faire und ökologische Alternativen bietet das Portal utopia.de.
Ich habe mich für Schuhe von Toms [1] entschieden. Sie werden in Argentinien, China, Äthiopien, Haiti, Indien und Kenia hergestellt, haben also im Transport eine hohe CO2-Bilanz.  Dafür werden die Angestellten fair bezahlt. Die Schuhe sind  aus natürlichem Hanf, Bio-Baumwolle oder recyceltem Polyester hergestellt, einige Modelle sind vegan. Die Schuhkartons sind zu 80 Prozent aus recyceltem Papier. Was mich am meisten überzeugt hat: Für jedes gekaufte Paar Toms geht ein Paar an ein Kind in Not. Dieses One for One Prinzip von Firmengründer Blake Mycoskie soll das Bewusstsein für die Armut in manchen Regionen dieser Welt stärken und gleichzeitig bewusst und aktiv etwas dagegen tun. Außerdem bieten viele große Schuhgeschäfte Toms an, sodass ich sie nicht im Internet bestellen musste und wenigstens einen Transportweg (CO2-Bilanz!) gespart habe (natürlich nur solange man nicht mit dem Auto in die Stadt fährt).
Foto: Fatima Talalini

Wem faire und ökologische Marken zu teuer sind, kann auf Second Hand zurückgreifen oder vorhandene Schuhe zum Schuster bringen. Neue Absätze kosten um die zehn, neue Sohlen um die dreißig Euro.

Will man die CO2-Bilanz möglichst gering halten, empfiehlt sich die Suche nach lokalen Produzenten und kleinen Manufakturen. Für meinen aktuell studentischen Geldbeutel kommt das leider nicht in Frage.

Nachprüfen, ob die Schuhe, die ich gekauft habe, wirklich all das umsetzen, was die Firma verspricht (und womit sie wirbt) kann ich letztendlich nicht. Auf der Internetseite finden sich Bilder von glücklichen Kindern mit ihren Schuhen. Es gibt Labels für Kleidung, ein einheitliches habe ich bisher nicht gefunden. Dieses Stück Restvertrauen muss ich also aufbringen, wann immer ich nachhaltig einkaufen gehe. Ich finde, das ist ein Vertrauen, dass sich lohnt. Zumindest für die, die noch ein bisschen länger was von dieser Welt haben wollen.

Dieser Blogeintrag ist Teil der Serie Irgendwie besser. Den ersten Eintrag findest du hier.

Recherchequellen:
  •  http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/das-junge-politik-lexikon/161081/fairer-handel
  • https://www.greenpeace.de/files/publications/20151123_greenpeace_modekonsum_flyer.pdf
  • https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/detox_fs_discounter_final20102014_0.pdf
  • https://utopia.de/bestenlisten/schuhe/
  • https://utopia.de/produkt/toms/

  1. [1] Ich habe lange überlegt, ob ich die Firma nennen soll, deren Schuhe ich gekauft habe. Ich möchte keine Werbung machen, sondern einen Erlebnisbericht darüber schreiben, wie ich über Nachhaltigkeit nachdenke, was ich darüber herausfinde und wie ich schließlich mit diesem Wissen umgehe, also wie ich handel. Ich erzähle, was ich wann warum tue, lasse, kauf, ändere. Um dies vollständig und ehrlich zu tun, möchte ich offen darüber sprechen, was ich kaufe. Daher auch der Firmenname.

Irgendwie besser: Nachdenken

Fatima Talalini | 03.08.17 | / | 1 Kommentar
Foto: Jay Nightwind
Eine meiner besten Freundinnen ist eines meiner größten Vorbilder. Sie ist freundlich, geduldig und klug. Gerade die ersten beiden Eigenschaften bewundere ich sehr, weil sie mir am schwersten fallen. Aber wofür ich sie am meisten bewundere, ist die Tatsache, dass sie jeden Tag versucht, ein guter Mensch zu sein. Sie macht das nicht, um anderen zu gefallen, sondern für sich und für die Welt, in der wir leben. Sie isst kein Fleisch, kauft keine Kleidung aus unfairer Produktion, fährt kein Auto.

Vielleicht ist es eine Illusion, zu glauben, dass der Verzicht auf diese drei Dinge, die Welt retten. Vielleicht auch nicht. Ich möchte es wenigstens versucht haben.

Ich habe mich in meinem Leben schon oft vegetarisch ernährt. Diese Phasen hielten mal einige Wochen an, mal einige Monate. Zwischen diesen Phasen habe ich mal sehr viel, mal sehr wenig Fleisch gegessen. Ich bin ein Jahr lang sehr viel Auto gefahren, danach gar nicht mehr. Ich habe Kleidung aus fairem Handel, aus Second-Hand-Geschäften und von großen Modeketten. Ich kaufe Lebensmittel im Discounter (häufig), im Supermarkt (regelmäßig) und im Bioladen (selten). Auf dem Markt kaufe ich so gut wie nie ein (abgesehen von Waffeln und Orangesaft, denn beides ist dort wirklich gut). Ich habe irgendwann mal einen Demeterhof besucht und irgendwann mal eine Doku über Massentierhaltung gesehen.

Foto: Fischer Verlag
Als ich meine Freundin fragte, warum sie konsequent gar kein Fleisch isst, erzählte sie mir von dem Buch, das wirklich viele Menschen in der letzten Zeit bewegt hat: "Tiere Essen" vom amerikanischen Autor Jonathan Safran Foer. Im Grunde ist dieses Buch das Rechercheergebnis eines mündigen Konsumenten, der herausfinden will, was er da eigentlich isst. Seine Ergebnisse über amerikanische Massentierhaltung lassen sich zwar nicht eins zu eins auf die in Deutschland übertragen, weisen aber viele Parallelen auf. Als ich anfing dieses Buch zu lesen, bekam ich schwarz auf weiß die Fakten präsentiert, von denen ich zwar wusste, dass sie existieren, mit denen ich mich aber nie ernsthaft auseinander gesetzt habe. Irgendwie wusste ich, dass Fleischkonsum schlecht für die Umwelt ist. Irgendwie wusste ich, dass Tiere dort leiden. Irgendwie wusste ich, dass Biofleisch gesünder für mich, besser für die Umwelt und besser für die Tiere ist. Dieses schwammige Halbwissen wurde auf einmal mit Fakten festiert und vertieft. Und ich nahm mir vor: Ab jetzt gucke ich nicht mehr weg. Ab jetzt beschäftige ich mich aktiv mit meinem Handeln und seinen Folgen. Wie kann ich anders von mir behaupten, ein mündiger, ein denkender Mensch zu sein? Es gab ein paralleles Ereignis, welches meinen Beschluss bekräftigte. Im Studium beschäftigten wir uns mit den Philosoph*innen. Wir besprachen Platon und Aristoteles, Immanuel Kant, Arthur Schopenhauer, Peter Singer, Mahatma Ghandi, Albert Schweitzer, Hannah Arendt und Hans Jonas. All diese Menschen, deren Gedankengänge wir im Seminar versuchten nachzuvollziehen, all diese Ansätze über die Welt zu denken, beruhen auf einem Grundsatz: dem Denken. Wenn es wirklich das Denken ist, was mich von anderen Lebewesen unterscheidet, wenn ich wirklich behaupte, mein Handeln durch das Denken zu steuern, dann sollte ich schleunigst damit beginnen.

Mein Ziel ist einfach: ich will besser werden. Nicht besser als andere Menschen, sondern besser, als meine vorherige Version. In der idealistischen Hoffnung, dass wenn viele viele Menschen bei sich anfangen ein besserer Mensch zu sein, unsere Welt irgendwann der Ort ist, an dem ich wirklich leben will.

Und damit fange ich jetzt an.