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Gesprächsstoff #004 - Wir sind Sünder

"Welche der sieben Todsünden begehst du am häufigsten?"

Zur Erinnerung, im Angebot sind:
Hochmut, Habgier, Wolllust, Wut, Völlerei, Neid und Faulheit (Quelle: Wikipedia.org)


Malte sagt:

Mittlerweile ist meine größte Todsünde wohl die Trägheit. Ich kann ohne Probleme mehrere Stunden nichts tun, habe keinerlei Probleme damit, Sachen aufzuschieben, bis es wirklich nicht mehr weiter geht. Unterstützt wird das Ganze natürlich dadurch, dass ich einer von vielen bin, der das so handhabt. Würde mein Umfeld mehr darauf achten und mir Druck machen, dass ich Sachen zeitnah und weit vor Ablauf einer Deadline beende, wäre meine Trägheit wohl nicht so ausgeprägt. Die Frage ist nur, ob ich das möchte. Ich fühle mich mit einem Faultier als Patronus schließlich auch ganz wohl und habe im Gegensatz zu Menschen, die vielleicht mehr in kürzerer Zeit schaffen, deutlich weniger Stress. Damit einhergehend lebe ich wahrscheinlich auch länger, damit gleicht sich dann alles wieder aus. Die Zeit, die ich jetzt einspare, wird einfach hinten angehängt, so dass ich dann mit 120 tiefenentspannt meinen Doktor mache.

Die Füchse unter euch haben bemerkt, dass ich meinen Beitrag mit dem Wörtchen "mittlerweile" eingeleitet habe. Das bedeutet natürlich, dass mal eine andere Sünde den dominanten Part inne hatte. Als Kind war ich nämlich ein ziemlich jähzorniger Drecksack. Wenn mir etwas nicht gepasst hat, dann habe ich gerne mal so lange gebrüllt, geschrien und um mich getreten, bis ich keine Luft mehr dafür übrig hatte. Meine Schwester erzählt heute noch gerne, wie ich damals als zehnjähriger Junge in der fünften Klasse völlig ausgeflippt bin, weil meine Mutter mir sagte, dass ich in der Grundschule noch keine Geometrie gemacht habe. Das habe ich etwas anders gesehen. Also habe ich mit Geodreieck und Lineal um mich geworfen, meine Schulsachen vom Tisch gefegt und den Raum schreiend verlassen. Ich war ein richtig sympathischer Bursche, wie mir scheint.
Natürlich kann ich mich wohl von keiner der Todsünden gänzlich freisprechen, dunkle Momente hat jeder von uns, aber die Schwerpunkte waren immer klar gesetzt. Und mittlerweile finde ich das auch völlig okay so.


Jay sagt:
Die Frage hat mich ein wenig irritiert. Ich bin kein besonders christlicher Mensch und ganz ehrlich gesagt habe ich eine Gegenfrage: Sind das heute noch die Todsünden? Das Buch aus dem der Kram stammt ist verflucht alt, heute haben wir doch neue fatale Fehlverhalten, denen wir Menschen anheim fallen.

Zum anderen klingt es in der Frage so, als würde mensch dieser Todsünde unentwegt nachgehen. Hätte ich also "Wolllust" genommen, würden doch alle denken, dass ich nur Hosen besitze, falls ich an der Tür mal ein Paket annehmen muss. Aber so drastisch ist es ja gar nicht. Am häufigsten beinhaltet ja gar nicht, dass mensch ständig "sündigt". Soweit meine vorbereiteten Ausreden.

Meine Antwort ist "Völlerei". In einem gar nicht mal so ironischen Scherz sage ich immer, dass ich viel Sport mache, damit ich jeden Lebensmittel-Schrott in mich reinwerfen kann. Ich bin einmal am Tag bei Rewe, wenn es die Zeit erlaubt. Nicht weil ich was brauche, sondern weil mich irgendwelche Heißhüngerchen piksen. Selten schaffe ich es, länger als drei Tage auf etwas zu verzichten. Von "Guilty Pleasure" bin ich dann immer schon lange weg, es bleibt nur noch "Guilty". Schon seit Jahren stehe ich in dem Ruf, dass ich ein "schwarzes Loch" wäre. Einige Freunde haben bei gemeinsamen Essen nicht von "Resten" gesprochen, sondern gefragt, ob ich das noch essen möchte.

Ich mochte. So ziemlich jedes Mal. Wenn ich es mal geschafft habe "Nein" zu sagen, waren das ziemlich Triumphe. Von kürzester Dauer. Aktuell versuche ich ja deutlich weniger Zucker in mich zu schütten. Schade, dass die Energy Drinks um den Zucker herum so gut schmecken.


Tobi sagt:
Foto: PAN Heftig Deftig
Nachdem ich nachgelesen habe, was die Kirche so alles als Todsünde ansieht, steht bei mir an Platz 1 ganz klar die Völlerei. Nicht ohne Grund trage ich diese Mischung aus Bierbauch und Schnitzelfriedhof vor mir her.
Wenn es schmeckt, esse ich gerne. Und dann auch gerne etwas mehr davon. Das habe ich wohl meiner Großmutter zu verdanken. Ich war damals nach der Schule häufig bei ihr zum Mittagessen.

Und wir kenne ja die lieben Omas, die einen fragen, ob man noch eine Portion möchte, während sie das fragen den Teller allerdings vollpacken und dann sagen: "Was auf dem Teller ist, wird aufgegessen, sonst gibt es morgen kein gutes Wetter". Und man will ja nicht, dass es regnet. Natürlich bin ich mir bewusst, dass man auch "nein" hätte sagen können aber bei guter Hausmannskost "vonne Omma", da ist das wahnsinnig schwierig.

Meinen Pizzalieferanten freut es vermutlich, dass ich so herrlich inkosequent bin und er mir jedes Mal wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert, wenn er mit einer Cheese- Crust- Pizza und Pizzabrötchen vor meiner Haustür steht.

Außerdem bin ich passionierter Biertrinker und probiere viel aus. Auch das sorgt dafür, dass bei mir zu Hause die Nadel der Waage heftigst eskaliert, wenn ich mich auf die Messapparatur stelle.

Hanna glaubt:
Hanna glaubt auf jeden Fall nicht so richtig an die Kirchenstorys... Todsünden also. Ich bin nicht so gut in katholisch und hab auch nur die Hälfte der Ahnung, die ich vielleicht haben müsste, um über dieses Thema urteilen zu können.

Aber das jeder von uns schonmal faul, geizig, gierig, geil, wütend, hochmütig oder gefräßig war, ist jetzt nicht die größte Neuigkeit. Teufel noch eins! Mensch müsste echt die Konsequenz des Todes besitzen, um niemals eine dieser Sünden zu begehen.

Ich empfinde das alles nicht mal als Sünde...

So bei Morden und Stehlen und Verletzen- da bin ich schon eher der Meinung, dass das  eher suboptimal ist und vermieden werden sollte. Diese Sünden haben es ja auch ins bürgerliche Gesetzbuch geschafft, scheinen also für die Allgemeinheit eher ungut zu sein.

Gier, Geiz und Hochmut ist tatsächlich nichts, womit man sich unbedingt Karmapunkte holt. Aber Wut ist eine Emotion, die durchaus menschlich ist, mensch sollte sich ja nicht alles gefallen lassen. Gefräßig ist glaube ich einfach die Steigerung eines Bedürfnisses: Hunger. Und den hat ja wohl jeder.

Und Sex (solange er freiwillig stattfindet) ist einfach nice.

Zumal ich den Gedanken der Kirche da ja auch irgendwie verstehen kann, man soll als guter Mensch durchs Leben gehen. Nur meiner Meinung nach heißt "gut" ja nicht gleich fehlerfrei oder: "Ich muss mich verdammt verstellen, damit ich jetzt nicht gleich sündige."

Und dann sind das auch noch Todsünden...Uiuiu, ich schätze dann hab ich echt verloren. Ich habe keine Strichliste geführt, es gibt auch keine Hanna-Statistik,daher kann ich nicht sagen, welche der 7 Sünden, ich jetzt am meisten begangen habe. Ich hab auch etwas die Übersicht des Ganzen zwischen Hunger- und Wutattacken verloren...

Großer Respekt, an die Menschen, die es tatsächlich schaffen, nach diesem Lebensentwurf umherzuwandeln. Aber ich gehöre nicht dazu. Ich war schon gierig, gefräßig, hochmütig, geil, faul und wütend. Teilweise gleichzeitig und ich kann auch alles zusammen. Aber ich bin ganz cool mit dem Bild des "nicht so ganz perfekten"- Menschens. Weil das macht ihn ja dann auch menschlich (und nicht göttlich?).

Mir ist auch irgendwie klar, dass die Sieben Sünden, von mir sehr runtergebrochen dargestellt werden, denn eigentlich ist das, was sich die Kirche da ausgedacht hat, sehr komplex.
Zusammengefasst: Lebt und glaubt alle, wie und was ihr wollt. Ich lebe nach meinem Muster und ich scheine anhand dieses Themas ganz schön doll sündig zu sein.

Aber das macht nicht so viel, weil es mir zeigt dass ich und alle anderen nicht so perfekt sind und Fehler machen und daraus lernen und "brabrabra"- den Text kennt man ja schon von mir- aber es ist auch einfach so.

Von daher noch ein Hanna-Klischee: Überraschung: Ein Zitat (Oh Wunder! Es passt.)
"Don't bless me father for what I have sinned."
The Pretty Reckless


Miriam sagt: 

Zu Beginn: Sünde war noch nie ein Begriff mit dem ich mich wirklich anfreunden konnte. Zumindest im religiösen Sinne. Betrachtet man Sünde als "schlechte" Handlung, stößt man direkt aufs nächste Problem. Kategorien wie gut oder schelcht sind mit Konnotationen aufgeladene, von Menschen gemachte Begriffe, deren Verständnis mitunter von Gesellschaft zu Gesellschaft, wenn nicht gar von Mensch zu Mensch variiert. 

Wenn es jetzt aber wirklich nur darum geht einen der oben genannten Begriffe in die Kategorie "häufigste" einzuordnen, dann passt wohl bei mir am ehesten die Wut. Ich kann ziemlich aufbrausend sein. Seit Jahren arbeite ich an meiner Wut, aber ab und an bricht sie dann doch hervor. Das meistens sehr laut nach Außen hin oder sehr vernichtend nach Innen. Deshalb ist sie auch eine dieser Charaktereigenschaften, die mir am meisten Angst machen. Meistens verletzt man erst andere damit und dann sich, weil man in der Reflexion erkennt, was man da eigentlich angerichtet hat. Manchmal auch andersherum oder nur sich. Und wenn man dann so richtig schön wütend auf sich selbst ist, dann ist man auch so richtig schön unzufrieden mit sich. Und das wiederrum macht einen unsicher. Und diese Unsicherheit versucht man dann ganz schnell loszuwerden, indem man andere andere anmeckert, agressiv mit ihnen kommuniziert und klein macht... Ein Teufelskreis also, dieses Ding mit der Wut. 

Aber Wut ist auch eine dieser Eigenschaften mit zwei Seiten. Sie kann uns auch dazu bewegen aufzustehen, für etwas einzustehen, für etwas zu kämpfen, gegen empfundene Ungerechtigkeiten vorzugehen. Wenn mich  steine-schmeißende Menschen zum Beispiel so richtig wütend machen, dann kann ich meine Wut nehmen und gegen sie einsetzen. Ich sollte dann nur nicht selbst zum nächstbesten Pflasterstein greifen, sondern meine Wut klug in Energie umwandeln. Also: Immer dann, wenn Wut kontrollierbar ist, dann kann sie Motor sein. Und dann komme ich sehr gut damit zurecht, wenn ich wütend bin. Egal wie häufig.

 
Jule sagt:
Sünden üben einen gewissen auf mich Reiz aus. Schon immer. Sie sind die kleine Verlockung des Verbotenen, die den eigenen Egoismus kitzeln. Und wenn ich so über die Frage nachdenke, hätte ich mir gerne eine Todsünde zugeordnet, die mir etwas Verwegenes verleiht, so wie Hochmut oder Wolllust. Wenn ich aber mal ganz aufrichtig in mich hinein höre, sitzt da aber etwas anderes.
Unabhängig ihres christlichen Ursprungs, definiere ich Todsünde als etwas Unheilbringendes und Unkontrollierbares. Mit meinem Stolz und Zuckerdurst kann ich umgehen. Genauso, wie ich es genieße, manchmal einfach faul im Bett rumzulümmeln und eine Serie zu bindge watchen (furchtbare Anglizismen sind zum Glück keine Todsünde...).

Was ich nicht kontrollieren kann und mein Verhalten immer wieder gerne beeinflusst, ist aber mein Jähzorn. Ich war schon als Kind unheimlich temperamentvoll mit einem Hang zum Überdramatisieren. Und wenn mir heutzutage manchmal etwas nicht so gelingt, wie ich es mir ausgemalt hatte, treibt mich das bis heute gerne mal zur Weißglut. Und dann das volle Programm. Wüstes Rumgefluche und Wuttränen. Diese Art der Sünde hat nichts Verlockendes. Nur ein Mädel, der die roten Haare zu Berge stehen und schimpfend durch ihre Wohnung wütet, weil sie mal wieder irgendwas sucht. Ein Klassiker. 
 
Lass der mal eben ihre 5 Minuten. Die beruhigt sich schon wieder und dann entschuldigt sie sich wahrscheinlich gleich.“ gehört mittlerweile zum Standartvokabular meiner engsten Freunde, die das zum Glück meistens mit Humor nehmen, auch wenn es mir selbst oft kurz danach die Schamröte ins Gesicht treibt. Meistens richtet sich diese Wut auch eher gegen mich selbst als gegen meine Nächsten, denn die sind mir heilig. Oder eben Gegenstände. Scheiß Autoschlüssel.
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"Gesprächsstoff" ist eigentlich eine so genannte Talkbox. Mit Fragen, die zum Gespräch anregen, weil sie nicht so aufgebraucht sind wie andere. Wir nutzen ein paar der Fragen des Basis-Sets, um unsere Gespräche hier im Blog anzuregen. Denn als Blogteam sind wir eigentlich in einer Kennenlernphase, wo es natürlich darum geht, herauszufinden, wer die anderen so sind. Aber wir wollen natürlich auch gerne mit euch sprechen und diskutieren, die Anreize nutzen und von euch neue Impulse bekommen. Also geht die Eingangsfrage natürlich auch an euch und wir freuen uns auf eure Kommentare.

Ehrlicher, als ich normalerweise im Internet wäre...

Jule | 16.03.16 | / | 1 Kommentar
Jaja... das klingt jetzt wieder sehr reißerisch. Fast ein bisschen nach Klick Bate...
Tatsächlich wird das hier jetzt kein Seelenstriptease meinerseits zum Thema "Was ist Glück?" oder "Wie rechts oder links politisch bin ich eigentlich wirklich?" oder etwas ähnlich Brisantem.

Das Thema ist schon recht speziell und auch recht persönlich. Bedingt sich vermutlich...

Leinwand Logbuch 3 / Auf-Eis-Legung

Ich muss zugeben, dass ich immer recht überheblich war, wenn es um mein Verständnis von Kunst geht und dass ich bei weitem nicht erwartet hätte, dass mich ein Jahr (bestehend aus 2 Ausstellungen und dem ersten Semester in praktischer Kunst) so verändern würde. Mich dazu bringen würde, mir einzugestehen, wie wenig ich eigentlich darüber weiß und wie wenig ich kann und dass ich diesen Gedanken auch noch erstaunlich interessant finden  würde.
Vermutlich, weil nur der, der noch Potenzial nach oben sieht, sich auch weiter entwickeln kann.

Was mein Verständnis und mein Handwerk angeht, versuche ich derzeit jedenfalls, neugieriger und mutiger zu werden. Mich nicht mehr zu sehr auf mein Bekanntes zu verlassen. Irgendwie stecke ich fest. ich musste neues wagen.
Völlig unfassbar, wie viel Frust, Tränen und die entsprechenden Nerven meiner Freunde es kosten musste, bis ich diesen  - wenn ich nun noch einmal so vor mir abgetippt sehe - banal wirkenden Gedanken verinnerlicht hatte...

So muss ich all die jenigen, die vielleicht auf einen Fortschritt im Projekt "Hogwarts Founders" hoffen, leider erstmal vertrösten. Die Leinwand steht bei mir immer noch genauso rum, wie auf den Fotos, die ihr vor Monaten betrachten konntet. Momentan springt der Funke nicht über...
Und wenn das so ist, hat es meist wenig Sinn, daran weiter zu arbeiten. Aber irgendwann werde ich es beenden!
Leinwand Logbuch S02 - Mein Fable für gute Beleuchtung

Zudem habe ich vor kurzem eine interessante Challenge angenommen, deren Fortschritt ich hier zu dokumentieren versuche.
Ich sülzte Jay vor, wie sehr eine gute Beleuchtung doch schon die halbe Miete sei, wenn es in Bildern - bewegt oder unbewegt - darum ginge, Stimmungen zu vermitteln.
Das geile an Beleuchtung ist, dass sie subtiler ist, als Stilmittel wie z.B. Sprache. Man bemerkt sie nicht sofort. Aber für mich kann sie ein Bild und damit eine bestimmte Situation auf unglaublich ästhetische Weise untermauern.
[Meine Lieblingsbeispiele zum nachvollziehen dafür sind in unbewegt die Ölmalereien von Dalí oder Fotografien von Saudek,
in bewegt die Filme "the hateful Eight" von Quentin Tarrantino und vor allem "Snatch" von Guy Ritchie. Aber das nur so am Rande...]


Um mal auf den Punkt zu kommen: Neues Bild! 
Mit Side Quest: mind 1/4 muss zu Gunsten er Beleuchtung im Schatten liegen.
Material: Bleisift, Aquarellstift, Aquarellfarbe
Titel: Sinners

Habe sogar bereits angefangen:





















Bisher nur Konturen. Konnte mich was Schatten und Kontraste angeht also noch recht gut raus reden. Das Problem bei inszenierten Schatten ist natürlich, dass dann bestimmte Partien im Dunkeln liegen. Bei meiner Arbeitsweise arbeite ich meistens erst alles aus bevor ich einzelne Bereiche im Dunkeln verschwinden lasse, da ich dann einen besseren Überblick vom Gesamteindruck habe.
Aber dann gefallen mir meist so viele Details so gut, dass ich die Schatten zu deren Gunsten reduziere...
Schaumama.

„Oh Gott, das Kind ist mit 'nem Moslem zusammen!“

Jule | 20.01.16 | / | 8 Kommentare
Wir kannten uns schon ein paar Jahre. Er war der Mitbewohner meiner besten Freundin. Ganz altmodisch, wie zig Pärchen vor uns. Nabil war immer sehr zuvorkommend, wenn Besuch im Haus war. Nabil mag Hip Hop. Nabil redet viel, wenn man ihn nicht bremst. Nabil hat marokkanische Wurzeln. Nabil ist Moslem.

Und aus irgendeinem Grund scheint er sich jetzt dafür rechtfertigen zu müssen. Und ich mich auch.

„Oh Gott, das Kind ist mit 'nem Moslem zusammen!“, hatte meine Oma gesagt, als meine Mutter ihr erzählte, dass besagtes Kind – bespielt von meiner Wenigkeit – ja jetzt einen neuen Freund – bespielt von Nabil – habe. „Alles gut, Mama“, sagte meine Mutter am Telefon. „Der Junge ist hier geboren und spricht auch ohne Akzent. Das ist ein ganz normaler, netter Junge. Er studiert. Er wird Ingenieur.“

Gut, meine Großeltern haben immer in einer kleinen Stadt in Thüringen gelebt. Die meisten Moslems kennen die aus dem Fernsehen und da kommen die aktuell gerade nicht besonders gut weg. Meine Oma ist ohnehin schon eine von der ganz besorgten Sorte, die mich am liebsten schon bei einer Sommersprosse mehr zum nächsten Hautarzt zerren würde, um mich auf ein mögliches Melanom zu testen.

- aber ich bin ein Kind des Ruhrpotts. Ballungsgebiet der kulturellen Vielfalt. Ich bin seit dem Kindergarten schon immer zusammen mit muslimischen Gleichaltrigen aufgewachsen. Für mich sind das alltägliche Begegnungen, auch wenn ich zugeben muss, dass ich nie besonders eng mit einem befreundet war und bislang auch eher den Eindruck hatte, dass sie lieber unter sich bleiben. Aber das war eben so. Und nun liebe ich einen von ihnen. Auch das ist eben so.

Anfangs hatte ich da gar nicht drüber nachgedacht. An Nabil faszinierte mich seine charmante und linkische Art, sein Humor. Alles andere war nebensächlich. Von mir aus sollte schon immer sowieso jeder an das glauben, an was er will, solange er dabei niemanden anderem schadet.

Nabil lebt seine Religion nur für sich aus. Fastet kommentarlos am Ramadan und lehnt an diesen Tagen mit einem höflichen Lächeln ab, wenn du ihm eine Cola anbietest. Er trinkt prinzipiell keinen Alkohol und muss dann nach jeder Party der Fahrer sein.

Ich habe mich nie eingeschränkt gefühlt im Vergleich zu meinem vorherigen Leben. Wir schauen abends Serien zusammen und machen uns definitiv zu spät noch was im Ofen dazu fertig. Wir faulenzen an den Wochenenden zusammen im Bett. Wir albern rum – sogar sehr gut, weil wir den gleichen bescheuerten Humor haben. Wir bereden unsere bewegensten Probleme miteinander.

Ich habe ihn auch nicht gesondert behandelt, abgesehen von der üblichen Rücksicht, die man auf seine Mitmenschen prinzipiell nehmen sollte. Gut, wenn ich für uns koche, mach ich halt kein Schweinefleisch dazu und bei Schokolade schaue ich hinten auf die Packung, ob sie Alkohol enthält, aber meine Güte, da kenne ich Menschen mit umständlicheren Angewohnheiten. Ich war, wenn mir etwas gegen den Strich ging, genauso vorlaut, wie ich es immer war und wenn er etwas zu nörgeln an mir hatte, habe ich mir das mit Respekt angehört und versucht, auf seine Wünsche einzugehen. Ich habe ehrlich gesagt sogar manchmal das Gefühl, dass er viel rücksichts- und verständnisvoller ist, als ich.

Obwohl ich selbst Atheistin bin, habe ich mich nie als Religionsgegner bezeichnet. Ja, man könnte jetzt bedeutungsschwanger den Finger heben und das allseits beliebte Argument zitieren, wie viele Kriege ja schon auf Grund von Religion ausgetragen wurden und werden, aber ich zähle mich zu der Gruppe von Oberschlaumeyern, die glaubt, dass wenn es nicht aus Glaube heraus passiert wäre, man sicher irgendeinen anderen banalen Grund gefunden hätte, um Hass zu schüren. Arschloch bleibt Arschloch – mit und ohne Glaube.

Aber natürlich habe ich Nabil irgendwann mal gefragt, ob es ihn nicht stört, dass ich seine Ansichten über einen Gott oder generell irgendeine höhere Macht nun so gar nicht teilen möchte. „Ich bin kein Prophet“, sagte er mit einem Schulterzucken. „Und ich kann dir nicht vorschreiben, an was du glaubst. Du bist eine gute und intelligente Frau, das reicht mir.“ Und damit war die Sache für uns beide aus der Welt.

Als er dann auch einmal vor meiner Familie schaulaufen musste und die für sich überzeugen konnte, dass ich nicht nach Marokko verschleppt werde, war dann auch alles gut. Sie fanden seine andere Kultur auch eher interessant als befremdlich. „Der passt zu uns“, sagte meine Mutter mit einem triumphierenden Lächeln leise zu mir, als wir vergangene Weihnachten alle gemeinsam verbracht haben.

Etwas schwieriger war das bei seinen Eltern, die zugegebener Maßen weniger tolerant waren. Die Kommunikation war schwierig, da sie im Vergleich zu ihren Kindern, nicht ganz perfekt deutsch sprechen. Und da ihnen ihr Glaube sehr viel bedeutet, waren sie natürlich nicht so begeistert, dass nun auch der jüngste männliche Spross mit „einer Deutschen“ zusammen ist. Mit diesem Gedanken klar zu kommen, war nicht ganz einfach. Und auch ich musste erst ein paar mal vorgeführt werden, bis diese Wogen sich geglättet hatten.

Dabei habe ich sogar mal nachts auf der Seite des Islaminstitutes nachgelesen, was es im Ernstfall bedeuten würde, wenn Nabil und ich zusammen blieben.
„ Ein Muslim sollte immer die Ehe mit Muslimas vorziehen, um unnötige Konflikte zu vermeiden. Wenn man aber nicht anders kann, ist die Heirat eines Muslims mit einer Christin erlaubt. Man könne diese Erlaubnis in den muslimischen Kommentaren nachlesen und selbst Mohammed habe nachweislich christliche Frauen geheiratet. Es ergebe sich kein "Verlust", wenn ein Muslim eine Christin heiratet [denn die Kinder sind automatisch immer Muslime] “
(Quelle: http://www.islaminstitut.de/Nachrichtenanzeige.4+M527eafa3d62.0.html)
So weit, so gut.

Aber natürlich sehe ich sie. Die Blicke auf der Straße, wenn wir zusammen Hand in Hand durch die Stadt gehen. Immer wieder starren uns verschiedenste Menschen lang und deutlich an. Mit dieser Mischung aus Verwunderung und Unverständnis. Dieses kleine Stück, das die Augenbrauen näher zusammen rückten bei unserem Anblick. Klar, auch so geben wir zwei optisch ein recht kontrastreiches Bild ab.

Und anfangs amüsierten mich die verdutzten Blicke noch. Doch mit jeder weiteren Nachricht von Flüchtlings-Tumulten oder eines Attentates der ISIS Anhänger wurden es mehr und die Leute gaben sich weniger Mühe, ihre unhöflichen Blicke zu verstecken. Ich merkte, wie Nabils Hand in meiner zaghafter wurde und am liebsten hätte ich ihn mir einfach gepackt, seinen Kopf an meinen gedrückt, ihn vor versammelter Mannschaft einen heftigen Kuss gegeben und den Arm über seine Schulter geworfen, um ihnen einen dicken Mittelfinger zu zeigen.

Aber mittlerweile sind es nicht mal nur Blicke. Wenn Nabil mir erzählt, dass eine Frau in einem Bahnhofsshop sich weigerte, ihm eine Frage zum Sortiment zu beantworten und sich mit geweiteten Augen hinter ihrem Tresen versteckte oder ganz normal aussehende Passanten ihm nur, weil er vorbei geht, sagen, er solle sich verpissen und ihn anspucken – dann frage ich mich langsam, wo das noch alles hinführen soll.

Unter aktuellen Umständen kann ich durchaus verstehen, dass man unruhig wird und sogar Angst hat. Und ein bisschen besser auf sich Acht zu geben, gerade in einer Zeit wo die Veränderung der kulturellen Struktur quasi sichtbar und spürbar ist. Aber das überschreitet jede Form von Vorsicht. Denn nun wahllos jeden südländisch aussehenden Mitmenschen nicht nur zu meiden, sondern auch noch zu verletzen, sei es verbal oder körperlich, Fremdenhass und emotionale Abschirmung und Empathielosigkeit gegenüber jeder Form von Anderen, ist und war schon immer die falsche Lösung. Gerade wir im Pott, die seit ich denken kann, von Muslimen umgeben waren, sollten es doch besser wissen.
Wie kann mein Freund, der sein ganzes Leben lang hier aufgewachsen ist, denken, dass er auf einmal Angst haben muss, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen?

Ich höre in letzter Zeit immer wieder den Vergleich zur Judenverfolgung zu Zeiten des NS-Regimes. So würde ich das jetzt nicht sehen. Denn während Politik und mediale Öffentlichkeit stark zu Toleranz aufrufen, brodelt es vor allem unter den Bürgern, die sich uninformiert und im Stich gelassen fühlen. Ich finde eher, dass sich der Extremismus momentan auf einer anderen Ebene abspielt. Aktuell kannst du dich offensichtlich nur noch auf zwei Lagern positionieren. Entweder bist du ein blöder rechter Nazi und bist ja sowieso fremdenfeindlich und willst niemandem helfen außer dir selbst oder du bist ein naiver Gutmensch, der wirklich glaubt, dass das alles gut geht und man jedem helfen kann. Und dazwischen gibt es einfach nichts. Keine produktive Kompromiss- Lösung, sondern nur immer mehr Hass, der geschürt wird. Ich will kriminelle Handlungen nicht abmildern. Jeder, der eine Straftat begeht, sollte mit den Strafen des Regelsystems der jeweiligen Regierungsform, für die er sich entschieden hat, konfrontiert werden. Was ich mir wünschen würde, ist, dass man aufhört, an allen Ecken zu verallgemeinern.

„Moslem hat seiner Frau nach ihrem anstrengenden Arbeitstag ihr Lieblingsessen gekocht“ oder „Unzufriedene Bürger demonstrieren friedlich für mehr Klarheit in der Flüchtlingsdebatte“ verkaufen sich halt nicht so gut in deutschen Zeitungen.

So. und bevor jetzt hier gleich der Shitstorm los geht à la „Das kann man doch gar nicht verallgemeinern.“, „Mag ja sein, dass das bei euch so ist, aber ich kenne Moslem XY und da ist das so und so...“ Ja. Das weiß ich. Und das hier ist auch kein Missionarstext. Das ist meine ganz subjektive Erfahrung in dieser brodelnden Zeit, die ich hier einfach nur auf diesem Blog mit euch teilen möchte. Und wenn jemand andere Erfahrungen gemacht hat, dann ist das auch okay. Erzählt mir davon. Ich kann nur dieses ewige Verurteilen nicht mehr hören...

Leinwand Logbuch II

Jule | 19.11.15 | / | 3 Kommentare
So. Nach viel Trara um Modelle, Fotos und Kerngedanken kommen wir nun zum Eingemachten - Der Arbeit mit dem Werkzeug...

Eintrag 2: Das Grundgerüst

Alle Vorlagen sind gesammelt. Der lustige Teil beginnt - Das Zeichnen!
Regulär arbeite ich am liebsten auf meinem 36 x 48 cm Aquarellblock. Im Vergleich zu namenhaften Künstlern bewege ich mich da auf nahezu lächerlich kleinem Raum...
Meine Herangehensweise ist dabei meistens sehr ähnlich: mit Bleistift vorzeichnen - Kolorieren - Outlines - Hurra!

Ich begann mit dem Wappen selbst, in welchem ich später die Gründer anordnen wollte. Beim Aufbau des Wappens habe ich mich sehr an der Grundform des offiziellen Artworks im Stil eines bauchigen mittelalterlichen Stadtwappens orientiert. Bei den Details, wie den oberen Ausbuchtungen und dem "H" in der Mitte für "Hogwarts" bin ich etwas fragiler und geschwungener geworden.
Ich mag das offizielle Design an sich sehr, aber ich wollte auch etwas eigenes mit einbringen und solche Formen fand ich auf irgendeine Weise magischer.

Für diese Vorzeichnung habe ich übrigens wie üblich einen H-Bleistift verwendet. Der lässt sich gut radieren und verschmiert nicht so schnell.

Ich musste aber bald feststellen, dass mein Format für 4 Charaktere in Oberkörper-Ansicht allerdings wirklich zu klein ist. Etwas größeres musste her! Ich hatte versucht, mich zu drücken, doch es war zwecklos - eine 60 x 80 Leinwand!

Warum ich ein Problem mit Leinwänden habe:
Beim Kauf geht es schon los: Sie sind groß. Sie sind sperrig. Sie sind teuer. Die blöden Dinger nach Hause zu zerren ist ein Graus für jeden U-bahn-Fahrer. Fußgänger machen immer einen großen Bogen um mich, wenn sie mich schon von weitem mit so einem Ungetüm herannahen sehen.
Viele Künstler schwören ja auf Leinwände. Man kann sich ja so frei ausdrücken und den Schwung aus dem ganzen Pinselarm holen...
Aber wenn man wie ich - ein neurotischer "Vorher-alles-zurecht-leger", er sich gerne in zu vielen kleinen Details verliert - ist, kann einen so viel Freiheit schon mal überfordern. Zudem hält Bleistift unglaublich schlecht auf Leinwand. Also nur das Gröbste vorzeichnen...

Habe dann alles auf meine Leinwand übertragen. Bei meinem Entwurf des Wappens bin ich geblieben. Dann habe ich die Modelle sehr grob abgezeichnet. Wichtig waren dabei vor allem die Statur, die Position der Augen und Lippenlinie, sowie die Körperteile, die später mit etwas agieren (also z.B. wenn die Figur etwas in der Hand hält). Die Kleidung war völlig nebensächlich, da die Charaktere später ohnehin andere Kleidung tragen werden.
Tipp: Kleidung - vor allem gemusterte - ist allerdings später super spannend, wenn es darum geht, eine Person räumlich wirken zu lassen! Am Verlauf des Musters lassen sich gut Rundungen erkennen und wiedergeben!

(Ich bitte hier die Bildqualität zu entschuldigen. Da der Bleisift wirklich dünn aufgetragen ist, musste ich im Nachhinein den Bildkontrast sehr hochstellen, damit in diesem Bildstadium etwas zu erkennen ist)





Den groben Schnitt der Kleidung und die Wappentiere habe ich dann auch noch vorgezeichnet, auch auf Wischgefahr hin. Das hilft nachher doch beim Orientieren.


Bei Slytherin hatte ich auch direkt eine genaue Vorstellung von der Ausgestaltung. Die Haare mussten erstmal länger! Die Tunnel meines Models habe ich mal übernommen, weil es ihm etwas Okkultes und eigenes verleiht. Bei seiner Robe habe ich mich an einem Kostüm von Sam Neil als "Merlin" (einer meiner absoluten Lieblingsfilme aus meiner Kindheit, wenn auch aus heutiger Sicht leicht trashig) orientiert. Der wohl belesene Harry Potter-Fan wird wissen, dass Merlin einst selbst ein Slyterin war.
Die Robe Gryffindors war schwieriger. Habe mich letztendlich bei verschiedenen Mänteln von Ezio Auditore bedient. Hat ne Kapuze, ist überheblich - voila - mein Gryffindor. 
Bei dem Löwen bin ich mir allerdings nicht sicher, ob der nicht etwas zu klein geworden ist.... (?)


Bei den Damen ging alles etwas schneller. Auch bei Ravenclaw habe ich mich bei der Gewandung wieder bei "Merlin" bedient. Das flatterige Gewand "nach dem römischen Schnitt" von Helena Bonham Carter als Morgan LeFay ist ein schöner Kontrast zu dem engeren Schnürgewand aus der Renaissance von Hufflepuff. Ich wollte Ravenclaw etwas erhabenes, eigenes und Huffelpuff etwas damenhaftes verleihen.
Die Tiere sind übrigens alle aus verschiedenen Internetvorlagen und meiner Fantasie zusammen gebastelt.

Aber es nützt nichts. Nun muss ich wohl die Acrylfarbe anrühren, sonst verschmiert wieder alles...


Fortsetzung folgt.

Leinwand Logbuch

Jule | 02.10.15 | / / | 1 Kommentar
Nach langem hin und her und Vermutungen über mein spontanes Ableben, starte ich nun endlich meine erste eigene Reihe hier auf dem Nachtwind Blog.
In dieser Reihe soll es um die komplette Entstehung eines gemalten Bildes mit seinen bittersüßen Hoch- und Tiefpunkten gehen. Dabei versuche ich, immer möglichst aktuelle Fortschritte hochzuladen. ich möchte so auch auf kontruktive Ideen aus den Kommentaren eingehen.
Einige kennen mich vielleicht noch aus dem Interview - Podcast, in dem ich schon mal etwas über Kunst und das Malen sinnierte.
So. Genug langweiliges Geschwafel. Auf ans Eingemachte!

Eintrag 01: Was wird das eigentlich und warum überhaupt?! (Die Vorarbeit)

Nach gefühlten 3000 Zeichnungen zur Selbstdarstellung der ja auch so genialen eigenen Innovativität und Kreativität, die die Uni schier pausenlos von einem verlangt und dem anschließenden surfen auf Deviantart, schrie alles in mir: "Ich will auch mal ein Fanartwork machen!". Fangirlen und malen auf einmal und das alles nur, weil es Spaß macht. Scheint brilliant.
Als bekennender Harry Potter Fan fiel meine Wahl natürlich nicht schwer. Meinen Lieblingscharakter im eigenen Stil umsetzen und dann einen schönen geometischen Hintergrund dazu. Dachte ich.
[Achso. SPOILERWARNUNG!
Ich bitte eventuelle Spoiler der Bücher/Filme zu entschuldigen. Oder wenn ich mit irgendwelchen Harry Potter Begriffen um mich werfe, einfach in den Kommentaren nachfragen. Versuche tragende Elemente weitestgehend zu erklären.]
Aber das schien mir dann doch zu stumpf. Irgendwie wollte ich dann doch mehr von mir selbst einbringen. So ganz kann ich dann eben doch nicht aus meiner Haut...

Letztendlich entschied ich mich für eine Darstellung der vier Gründer von Hogwarts. Das Praktische dabei ist, dass meine Vorstellung von ihnen nicht durch den Warner Brothers Cast der Filme beeinflusst ist, da sie nie dargestellt wurden. Ja gut, es gibt sie als Schokofrosch Karten. Aber je nachdem, ob man jetzt die aus den Videospielen oder die aus dem Fanshop hat, gibt es da auch wieder unterschiedliche Darstellungen. Und auch in den Büchern findet man jetzt keine präziese optische Beschreibung.
Insgesamt beschränken sich die Informationen auf Geschlecht und Namen der Gründer, die historische Einordnung - wobei J.K. Rowling es mit der Aussage: "Hogwarts wurde vor 1000 Jahren gegründet" es auch nicht soooo präziese macht - , dass sie die Werte ihres jeweiligen Hauses verkörpern und die vier magischen Artefakte, von denen jeder Gründer eines besitzt (Genaures dazu später...).
Diese möchte ich im unter Fans bekannten Logo der Schule mit ihrer jeweiligen Wappentieren anordnen.
Bildquelle: http://de.harrypotter.wikia.com/wiki/Hogwartsschule_f%C3%BCr_Hexerei_und_Zauberei

Also erstmal Recherche und Modelle suchen. Wie kann ich die Kleidung darstellen? Welche Charakteristika werden oft aufgegriffen? Und so weiter....
Funfact: ich habe dabei erschreckend oft Artworks gefunden, die Helga Hufflepuff und Salazar Slytherin shippen. The internet is dark and full of terror.
Was mir auf jeden Fall aufgefallen ist: Die Gründer scheinen -  dabei betone ich jetzt expliziet im Gegensatz zu anderen Charakteren der Serie - nicht so ein beliebtes Motiv sein und wenn, dann meist im Anime oder Comic Stil oder jemand schreibt unter ein Bild von Johnny Depp in "Sleepy Hollow" Salazar Slytherin.

Lief aber alles darauf hinaus, auf meine altbewehrte Methode zurück zu greifen. Meine Freunde mussten mal wieder als Modell herhalten. So arbeite ich oft, wenn ich Menschen darstelle. Echte Menschen strahlen für mich irgendwie etwas aus und sind natürlicher als alles, was ich mir ausdenken könnte. Auch, wenn das jetzt etwas nach Masturbationsprävention klingt.
Drei meiner engsten Freunde mit passendem Geschlecht und witziger Weise laut Internettest sogar passendem Haus und mich selbst habe ich dann so fotografiert, wie ich die Gründer am Ende darstellen möchte. Mittlerweile sind die es auch gewohnt, von mir in bescheuerten Haltungen in deren Wohnzimmer fotografiert und dann portraitiert zu werden. Am lebenden Modell zeichne ich tatsächlich eher selten, da ich an einer Figur schon mal gerne ein paar Stunden sitze und ich niemanden bitten möchte, so lange für mich still zu stehen. Außerdem bewegen sich Fotos nicht mehr und geben keine Widerworte.
Ich habe diesesmal keinem meiner Modelle gesagt, was es am Ende für ein Bild wird.

Körperhaltung und Darstellung sollte jeweils zum Gründer, aber auch zum Modell passen. Bei Godric Gryffendor bietet sich eine Pose mit dem berühmten Schwert natürlich an. Die ganze Haltung sollte die Typischen Attribute wie Mut, Ehrbarkeit und Selbstvertrauen ausstrahlen. Die Haare meines Modells habe ich dann etwas mit einer Kapuze kaschiert. Eine Lockenmähne ist beim Wappentier des Löwen zwar schon passend, aber die zu krasse Matte konnte ich mir jetzt bei einem frühmittelalterlichen Zauberermeister auch irgendwie nicht vorstellen.
Die Gewandung  wird dementsprechend am Ende natürlich auch mit Kapuze sein, was mir als Idee eigentlich ganz gut gefällt.
Ironischer Weise hatte er auch noch ein Schwert bei sich rumliegen, was wir direkt für das Foto direkt benutzt haben.
Ob Godric Gryffindor am Ende auch diesen südlichen Hautton bekommt, bin ich mir aber noch unschlüssig...

 Hufflepuff steht für Loyalität, Güte, aber auch für eine gewisse Naivität. Ich habe viele Darstellungen von Helga Hufflepuff gefunden, wo sie entweder als schöne Jungfrau oder als ältere, leicht füllige Frau abgebildet wird. In Kombination mit Kräuterkunde, dem Fach, dass die Hauslehrerin der Hufflepuffs zu Zeiten Harry Potters unterrichtet, gefiel mir der Gedanke einer jungen, anmutigen Hexe, die ihr Wappentier, einen Dachs, auf dem Arm trägt und dabei mit einer Pusteblume spielt, sehr. Ich wollte sie eigentlich im Vollprofil darstellen, aber da hat mein Modell genörgelt...





 
 Slytherin galt als besonders elitär und ambitioniert und als Anführertyp. Seine Haltung sollte also etwas arrogant sein. Er war aber auch der Einzige der Gründer, der es befürwortete, dass nur reinblütige Schüler (Kinder aus Verbindungen, in der beide Elternteile auch Zauberer sind) die Schule besuchen dürfen. Also ja, er war ein Rassist.
In meiner Darstellung  sollte er später von seinem Wappentier, einer Schlange, umgarnt werden, die er am Kopf führt, um seine besondere Gabe, Parsel (Schlangensprache) sprechen zu können, darzustellen.




 Rovena Ravenclaw galt als fleißige, begabte Hexe. Böse Zungen vermögen Schüler dieses Hauses gerne als "Streber" zu betiteln, aber das halte ich für ein Gerücht.
Ihr Wappentier ist ein Adler (nicht, wie im Film fälschlicher Weise ein Rabe - auch wenn ein Rabe bei RAVENclaw irgendwie mehr Sinn ergeben hätte. Aber "Eagleclaw" klingt auch irgendwie nach Buchstabensuppe). Und da der Gemeinchaftsraum ihres Hauses sich im Astronomieturm des Schlosses befindet, empfand ich es passend, sie Richung Himmel, ihrem Adler nachsehend, darzustellen.




Ich habe mich bei der Wahl der Haltungen jetzt nicht wirklich an einheitlichen Themen orientiert, sondern mir schon immer die kleine Ecke rausgepickt, die am Ende gemalt auch schön aussieht.
In ihrer Anordnung zueinander habe ich mich an jene des offiziellen Artworks des Wappens (siehe oben) gehalten. Dabei habe ich aber darauf geachtet, dass die Ausrichtungen der Gesichter zueinander ausgewogen sind. Also dass die Figuren, die sich punktsymmetrisch gegenüberstehen, in etwa die gleiche Richtung schauen, während benachbarte Figuren in unterschiedliche Richtungen blicken. (vgl. Bild Gryffindor und Ravenclaw in Frontalansicht. Slytherin und Hufflepuff im Voll-/Halbprofil)
Und da ich jetzt alles im Kasten habe, kann ich nun endlich den Stift ansetzen....

Fortsetzung folgt.

Podcast: Interview mit Jule Wandelt

Jay Nightwind | 29.07.15 | / / / / | 2 Kommentare

Ich verbinde gerne das Nützliche mit dem Praktischen. Scherzlein. Ist natürlich doppelt gemoppelt, aber genau darum geht es. Mein Interview-Gast ist diesmal Jule Wandelt, eine aufstrebende Künstlerin, die mit ihren Bildern gerade erste zaghafte Gehversuche in einer Ausstellung starten darf. Menschen die am Anfang ihrer "Karriere" stehen finde ich immer besonders spannend, einfach weil sie noch näher an ihren Motivationen stehen, die sich dann im Fortschreiten des Erfolgs immer ein wenig verändern.
Über die Motivationen, warum Jule jetzt ausgerechnet Lehramt studiert und wo so eine Reise anfangen und hinführen kann, darum geht es in diesem Interview.

Zu ihrer erwähnten Deviantart-Seite geht es hier und der Tumblr-Link fehlt mir noch.

Achso. Zur Doppelmoppelung von zuvor: Ergänzend dazu, dass Jule ein interessanter Interview-Gast ist, verstärkt sie in Zukunft auch die Bande, die an diesem Blog mitarbeitet. So könnt ihr sie also auch schon mal ein bißchen kennenlernen, bevor erste Beiträge von ihr im Blog auftauchen. Wir freuen uns dich dabei zu haben.

Jule

Jay Nightwind | 01.04.14 | / | Kommentieren
"Mein Problem ist, dass die Menschen mich ansehen und meinen, ich hätte den großen Plan. Aber in Wahrheit sieht es meinem Kopf so aus, als würde eine Tüte Milch umfallen und auslaufen."

Worte sind nur selten ihre Sprache.
Jule malt. Nicht andauernd. Aber wenn, dann besessen.

Die Kunst ist ihr Leben. Neben dem Studium zum Kunstlehramt hat sie nun auch die Möglichkeit, ihre Bilder in Ausstellungen zu präsentieren. Zudem war die Entdeckung des 21. Jahrhunderts, des Internets und damit verbundenen Portalen für die Technik-Legastenikerin ein kleiner Kulturschock. Ihr Gehirn blieb vermutlich an einem Stand mit Krimskrams auf einem Mittelaltermarkt stehen und war verzaubert.

In ihrer Freizeit spielt sie Theater, wird Pokemonmeister und wartet im Gebüsch auf den passenden Moment, für ein Harry-Potter-Zitat.

Hier findet ihr alle Beiträge von Jule