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Getestet: Bouldern

Jay Nightwind | 11.08.17 | / / | 2 Kommentare
Bildquelle:Wikicommons
Andere werden euch antworten, dass Bouldern freies Klettern ohne Sicherung ist, an niedrigen künstlichen Kletterwänden. Häufig mit Schaumstoffmatten gesichert, kann mensch sich aus jeder Höhe fallen lassen.
Wieder andere werden euch sagen, dass es die Lieblingssportart von Surfer-Boy-Optik-Studenten ist, die Sport und Globetrotter auf Lehramt studieren. Das mag Beides richtig sein.

Ich behaupte, dass es beim Bouldern darum geht eine Wand voller Rätsel zu lösen, wie sie auch in einem Professor Layton-Spiel oder auch einer Folge Sherlock vorkommen könnten. Nur mit dem Unterschied, dass es keine finalen Lösungen gibt. Die Rätsel beim Bouldern sind die Routen, die vom Startpunkt bis zum Ziel geklettert werden müssen. Dabei geht es nicht nur darum, zu verstehen, was da jemand anderes in die Wand geschraubt hat.

Worum es beim Bouldern geht, habe ich erahnen können, als ich in einer (kontrollierten) Extremsituation war. Wir waren in der Boulderbar von Neoliet in Wattenscheid. Da gibt es an einer Wand einen Überhang, der mich im Griff hatte, weil ich keinen Griff hatte -Haha, Kletterwortwitz. Ich kam gut voran, aber plötzlich sperrte mein Kopf. Mir fehlte das Wissen, wie ich den nächsten Griff schaffen soll. Ich hatte das Gefühl mich aber auch nicht mehr fallenlassen zu können und ganz ehrlich: Ich wollte auch nicht. Mir fehlten zwei Griffe bis zur Spitze der Route, die mit beiden Händen berührt werden muss, damit es zählt. Das kontrolliert niemand, außer einem selbst, aber das reicht auch schon als Druck. Ich wollte das schaffen, merkte aber auch, dass ich nicht mehr zurück konnte. Ich machte eine schnelle Bewegung mit dem Arm zum nächsten Griff, verlor aber den Halt und prallte kurz gegen die Wand. Während ich stolz war, dass ich noch oben an der Wand hing, sagte mein Kopf mir, dass das so ganz schöner Mist war. Ich brach ab und freute mich über einen leicht aufgeschlagenden Ellbogen.

Was geschrieben deutlich spektakulärer klingt, als es aussah, war an der Wand ein Thriller. Und geil. Nervenkitzel in einem kontrollierten Umfeld. Unterhalb der Wände sind weiche Matten, sich fallenlassen macht teilweise sogar Spaß. Ich hatte diese Route nicht durchgespielt. Ich schaute mir an, wie meine Boulderbegleitung die Route löste. Schon bei den ersten Griffen sah ich den Unterschied, aber auch, dass mir das gar nichts nutzt. Ihr Körper war ganz anders als meiner, ihre Bewegungen anders angelegt. Trotzdem sah ich Techniken, die mir helfen konnten. Ich lernte mit meinem Rätsel weiter zu kommen. Beim Bouldern geht es ums Lernen.

Worum es auch geht: Solidarität. Alle sind zum Rätseln und Puzzlen da. Als ich eine andere Route konzentriert anschaute, sprach mich ein netter Mensch an, worüber ich grübelte. Ich sagte ihm, dass ich nicht genau wusste, was die Route von mir wollte, weil ich an einer Stelle sicher war, zu klein zu sein. Er gab mir einen entscheidenen Tipp, der mir bei der Lösung half. Nicht nur für diese Route, sondern auch für meine vorherige Nahtoderfahrung. Es dauerte nicht lange, bis ich bei Fremden beobachtete, mitfieberte und überlegte, wie sie mit ihren Vorraussetzungen die Rätsel lösen konnten. Denn jeder musste für seinen Körper und seine Denkweise eine eigene Lösung finden, konnte mit seinen/ihren Erkenntnissen aber wieder anderen helfen. Vielleicht lag es auch an mir, dass Bouldern so spirituelle kognitive Momente hatte. Schnell unterhält mensch sich mit Fremden beim Bouldern, um ihnen zu helfen, um Informationen zu gewinnen. Irgendwie geht es auch darum, kennenzulernen. Sich, die Wand, Leute, Körper.

Was für mich eine fast schon esotherisch-romantische Aktivität ist, ist aber auch einfach eine wirklich gute sportliche Herausforderung. Bouldern geht in die Arme, die Beine und fordert Geschicklichtkeit. Durch die verschiedenen Schwierigkeitsgrade und Elemente ist es aber für jeden sehr einfach möglich, seinen Einstieg zu finden. In Abhängigkeit davon, wo der Körperschwerpunkt liegt, werden andere Körperregionen trainiert.

Ich empfehle dringend Bouldern erstmal zu testen, denn längerfristige Mitgliedschaften bei den Einrichtungen sind durchaus kostspielig (im Raum Essen), allerdings gemessen an den Leistungen nicht unberechtigt. Immerhin werden in den Einrichtungen hier regelmäßig die Routen verändert, so dass immer wieder neue Rätsel entstehen.

Getestet habe ich die Boulderbar in Bochum, welche sehr groß ist. Sie liegt direkt an der A40 und auch in der Nähe des Bf Wattenscheid. Dort ist es nachmittags recht betriebsam gewesen, aber nie so, dass es mir zu voll vorgekommen wäre. Außerdem bieten verschiedene Flächen auch Ausweichmöglichkeiten. Krafttrainingsgeräte stehen dort auch zur Verfügung.
City Monkey in Essen-Haarzopf kam deutlich persönlicher daher, da die Halle auch deutlich kleiner ist. Die Halle ist per 145er Busverbindung gut zu erreichen und erschien sehr ruhig. In der Qualität der Routen war für mich kein Unterschied zu erkennen, aber ich bin auch Anfänger.

Freund*Innen, wenn ihr aus dem Pott seit, könnt ihr euch gerne mal bei mir melden, ich werde noch häufiger bouldern gehen. Es passt perfekt zu meiner Sportbegeisterung und ist eine gelungene Abwechslung. Und ich mag Rätsel.


Auf keine Zigarette

Jay Nightwind | 05.08.17 | / | 1 Kommentar
Ich sollte mit dem Rauchen anfangen. Ich stehe bereits am Küchenfenster und starre in die Wildnis, die der Garten des Wohnhauses sein soll. Der Regen tut sein Ding, weicht alles ein, frischt die Luft auf, füllt das Klischee ausreichend auf. Mann steht mit Whiskey-Glas am Küchenfenster und starrt hinaus. Ich sehe mich von außen. Es wäre eine tolle Kameraansicht, so von schräg unten, mit dem Fenster und allem so im goldenen Schnitt. Nichts wäre zu hören, nur das Rauschen des Regens. Es ist kein Zufall, dass sie immer versuchen, die Magie solcher Momente in Filmen gefangen zu nehmen. Sie malen mit feinen Pinseln dann Details in die Räume und Gesichter der Darsteller*Innen.

Rauchen ist eine dieser akzeptierten Arten sich selbst zu verletzen. Alleine Alkohol trinken ist verpönt, besonders wenn er nicht mal genossen wird. Rauchen. Das geht klar. Du giltst als verwegen und melancholisch, aber cool. Dass ein Schnitt in meinen Arm mich auch nicht töten würde, genau wie eine einzelne Kippe, ist egal. Wer die Klinge sanft und liebevoll unter die Haut schiebt, ist nicht gesund im Kopf. Wer das Gift über die Lungen in den Körper treibt, ist gesund im Kopf und erst viel später dann nicht mehr im Körper. Wenn überhaupt. Das mit der Klinge ist leichter zu behandeln, im Körper, ist besser zu kontrollieren. Aber beim Rauchen stellt niemand Fragen. Die Kippe ist Teil des Bildes, der Schnitt eine Störung.

Ich weiß gar nicht mehr wie man raucht. Da war irgendwas mit schnellem Einatmen nach dem Ziehen, aber vermutlich ist nur wichtig, dass es am richtigen Ende glüht und das Arrangement lässig zwischen den Fingern liegt. Das mit dem Schnitt könnte ich. Da müsste ich keine Freunde anrufen und nachfragen wie das geht. Das würde ich auch nicht wollen. Mir ist die Anwesenheit des Whiskeyglases ja schon zu viel. Es welkt penetrant den ganzen Raum voll. Ich bin die am wenigsten wertvolle Erfahrung hier. Der Regen, der Whiskey, der Garten. Sie alle tun so viel, erzählen so viel, bieten so viel an.

Ich will mich nicht mal verletzen. Deshalb zieht es mich weder zum Messerblock noch zum Kiosk. Der Whiskey bleibt ungetrunken. Das Gefühl lasse ich trotzdem einsinken. Langsam fährt es kalt und kontaktlos durch die Haut, durch die Knochen, und passiert einmal meine Seele, wie ein müder Geist, in einem alten Schloss, das selbst den Spuk nicht mehr wert ist. Der Regen schlägt gegen die Scheibe, klopft an einer Welt an, wie sie kleiner nicht mehr werden kann. Sie würde in einen Aschenbecher passen.

Wenn Selbstverletzung ein Hilferuf sein soll, dann muss sie natürlich auch jemand sehen. Würde ich jetzt rauchen, würde ich mich wirklich für mich verletzen. Nicht für jemand anderen. Einige verletzen sich ja, um sich wieder zu spüren. Um überhaupt mal was zu spüren. Was anderes zu spüren. Ich verstehe gar nicht, was so schlimm daran ist, mal nichts zu spüren. Es ist die Pause, die zwischen zwei Liedern auf der CD entsteht, wenn der Laser erst den Anfang der nächsten Spur finden muss. Eine zerbröselte Sekunde zum Nachdenken. Zwischen Liedern, Kunstwerken, an denen mehrere Musiker mindestens mehrere Stunden gearbeitet haben, nehmen wir uns nicht eine volle Sekunde, um über das Gehörte zu reflektieren.

Ich könnte mit dem Rauchen anfangen. Ich bin frei, ich treffe die Entscheidungen für mein Leben. Ich habe mich auch entschieden, hier seit Stunden in den Regen zu starren und ein volles Glas Whiskey nicht zu trinken. Und kein kluges Argument würde mich aufhalten. Weil ich entscheiden kann, nicht klug zu sein. Das liegt in mir. So mächtig bin ich. Ich kann auf jeden Fakt, jede Kausalität, jeden Verstand verzichten. Ich kann mich verletzen. Ich bin das Einzige, das sicher mir gehört. Es liegt an mir, was ich mit mir mache. Deshalb kann ich auch am Fenster stehen, mich nicht schneiden, nicht rauchen, nicht trinken und mich bei niemandem melden. Das kann dann auch verletzen, aber es sieht keiner. Und dann ist es ganz für mich. Nicht für jemand anderen.

Der Regen macht sein Ding, klopft an einer Welt an, in der ein Whiskey alleine auf der Arbeitsplatte steht, traurig aus dem Fenster schaut.

Gesprächsstoff #003 - die längste Minute

Was war die "längste Minute", die du je überstehen musstest?

Tobi sieht das so:
Es gab zwei Situationen, wo die Minuten ungefähr gleich lang und kritisch waren.

Die erste Minute war im Februar diesen Jahres. Meine Ausbildungstruppe und ich waren in der IHK zu Duisburg und haben unsere Ergebnisse der Abschlussprüfung mitgeteilt bekommen.

Wir wurden in zwei Gruppen aufgeteilt und dann in einen separaten Raum geführt, wo wir die Ergebnisse bekommen haben. Zumindest die, die bestanden haben. Aber das weiß man ja vorher nicht.

Der Gang in den separaten Saal, das Aufreihen und das Abwarten hat vielleicht etwas mehr als eine Minute gedauert aber Holladibolla: Bei einem Puls von mindestens 200 und kleinen Schweißperlen auf der Stirn ist es letztendlich egal, es kommt dir eh alles wie eine Ewigkeit vor.

Die zweite Situation beinhaltet eine Kiste Bier und eine S- Bahn, die ohne Toilette unterwegs ist. Ums kurz zu machen: Ich hatte noch einen Halt bis zum Zielbahnhof und musste so dermaßen dringend pinkeln, dass ich schon kurz davor stand, zu beten.

Aber in beiden Fällen ist es grade noch so gut gegangen ;-)


Jan sagt:

Mein Vater wurde von einem zu schnellen Fahrzeug erfasst. Er war mit dem Kühler am
Schienenbein getroffen worden, ist mit dem Kopf auf die Frontscheibe geschlagen, dann durch die Luft gewirbelt und auf seinem Gesicht ein paar Meter vor dem Fahrzeug auf den Boden aufgeschlagen. Seine Einkäufe waren über die gesamte Straße verteilt, irgendwelche unwichtigen Lakritzsüßigkeiten.

Ich lief erst zu ihm. Alles roch nach Blut. Falls ihr euch fragt, es ist ein metallischer Geruch, wie rostige Oberflächen. Ich erinnere mich, dass irgendjemand zu ihm gekommen war und erste Hilfe leistete. Ich hatte auch mein Telefon am Kopf, stand mitten auf der Straße. Ich setzte einen Notruf ab, wenn auch ich mich nicht mehr an dieses Telefonat erinnere. Später sagte man mir, dass viele Notrufe für die Situation gleichzeitig eingingen.

Dann räumte ich vollkommen sinnlos die Einkäufe zur Seite, weil ich nicht wollte, dass noch etwas passierte. Arbeitskollegen meines Vaters, die zufällig auch da waren, sperrten mit ihren Abschleppwagen die Unfallstelle so ab, dass keine Fahrzeuge mehr hätten hineinfahren können. Einer der Fahrer war auch ehrenamtlich beim roten Kreuz. Auch er leistete erste Hilfe. Vermutlich passieren die Dinge in anderer Reihenfolge. In meinem Kopf ist alles gleichzeitig gespeichert. 

Während ich Lakritze an den Bordstein schob, vollkommen unter Schock, kam ein fremder Mann und fragte mich, ob den alles okay ist. Ich erinnere mich nur daran, sehr feste umarmt, ja fast schon zerdrückt zu werden, während ich schrie und weinte.

Es kamen Rettungskräfte, ein großer Koffer mit Fläschen wurde geöffnet, ich ging von selbst wieder von der Stelle weg, weil ich innerlich wusste, dass ich hier nur störe. Später erfahre ich, dass mein Vater vielleicht nur überlebt hat, weil auf dem anliegenden Flohmarkt zufälligerweise zwei iranische Chirurgen waren, die sofort zur Hilfe eilten. Ich bereue, dass ich mich nie bedanken konnte.

Dann irgendwann saß ich in einem Rettungswagen und rief in der Firma an, dass jemand zu meiner Mutter hoch sollte, bevor ich sie anrufe. Plötzlich war ich wieder sehr sortiert. Ich rief Thomas, einen meiner Engsten, an, weil er zum Uni Klinikum kommen musste, damit ich das durchstehen kann. Als dann jemand bei meiner Mutter war, konnte ich ihr auch am Telefon sagen was geschehen war.

Im Polizeibericht und im Unfallbericht stand, dass das alles in Fünf Minuten passiert ist. Mein Vater hat übrigens überlebt. Vom Gefühl her dauert aber dieser eine Moment noch bis heute an.

Malte denkt sich:


Zeit, die plötzlich ewig dauert, ist tatsächlich ein immer wiederkehrender Alptraum von mir. Es passiert immer wieder, dass ich in einem Traum auf eine Straße falle, in der Ferne ein Auto sehe und mich plötzlich nur noch in Zeitlupe bewegen kann.

Das ist tatsächlich das, was am ehesten an das Thema der hiesigen Frage herankommt. In der jüngeren Vergangenheit fällt mir selbst nach langem Überlegen nichts ein, wo die Zeit für mich merklich langsamer verstrich.

Erst, wenn ich wirklich weit in meine Kindheit gehe, gibt es dort eine Situation, die noch völlig klar in meiner Erinnerung sitzt: In der vierten Klasse war ich auf einem Schulausflug im Sauerland. In der Jugendherberge kaufte ich mir eine Flasche Fanta, die ich im Prinzip direkt nach dem Erhalt schon zu Boden fallen ließ. Der komplette Sturz der Flasche und das Zerbersten auf dem Boden haben sich vor meinen Augen in Zeitlupe abgespielt, ich stand auch danach noch wie erstarrt und habe auf die Scherben gestarrt, bis meine Lehrerin mich ankeifte, dass ich doch mal die Scherben aufsammeln könnte.

Ich habe keine Ahnung, wieso mir dieses Erlebnis noch immer so präsent im Kopf ist, noch wieso es mich damals so sehr schockiert hat. Meine Vermutung ist, dass ich als Kind riesige Probleme damit hatte, mir einzugestehen, etwas nicht zu können oder Fehler zu machen. Scheitern war für mich absolut schrecklich. Die Tatsache, dass ich in aller Öffentlichkeit nicht dazu in der Lage war, eine Flasche zu tragen, schien mich völlig zu paralysieren. Ich weiß noch, wie ich danach dann eine Scherbe aufhob, eine Mutter dazu kam und mir mit dem Rest half. Als ich ihr die letzte Scherbe geben wollte, die ich die ganze Zeit in der Hand hielt, war alles voller Blut, da ich mich die ganze Zeit, ohne es zu merken, komplett um dieses Stück Glas verkrampft habe.

Während des Schreibens bin ich wirklich erstaunt, wie deutlich sich alles wieder vor meinem inneren Auge abspielt, auch wenn Erinnerungen natürlich immer trügerisch sein können.

Andy erzählt:

Ich war sehr jung. Ich erinnere mich leider nicht, wie alt genau ich gewesen bin. Ich denke fünf oder sechs. Vielleicht bin ich aber auch schon sieben oder acht gewesen. Ich weiß es nicht.

Es war die Nacht von Silvester auf Neujahr. Ich war mit meiner Mutter und meinem Vater wie jedes Jahr oder die Jahre danach, bei Freunden der Familie. Sie hatten eine Tochter in meinem Alter und meine Mutter hat sie bei Weiterbildungsmaßnahmen für Spätaussiedler kennengelernt. Sie kamen auch aus Polen. Wir trafen sie oft und so auch dieses Silvester.

Mein Vater ist Alkoholiker und zu der Zeit versuchte meine Mama das noch vor Freunden  und Bekannten zu verstecken. Mir war das Ganze aber schon bewusst. Jedes Wochenende, an Feiertagen und so weiter wurde mir gezeigt, welche Wirkung Alkohol auf Menschen haben kann. Mein Vater kannte beziehungsweise kennt kein Ende. Er kann einfach nicht aufhören zu trinken.
Ich weiß nicht genau, wie es im Wohnzimmer bei den Erwachsenen zuging. Ich denke meine Mutter wurde immer mulmiger, je betrunkener mein Vater wurde, sagte aber nichts um die Tarnung einer intakten Familie zu wahren. Ich war beschäftigt mit Spielen und war sogut wie nie im Wohnzimmer.

 Irgendwann war es Zeit nach Hause zu gehen. Erst mit der U-35 von der Markstraße bis zum Hauptbahnhof und dann weiter mit dem Taxi nach Höntrop. Ich erinnere mich nicht an die Rückfahrt. Nur eine Minute, spielt sich sehr detailliert vor meinem inneren Auge ab. Wir sind Rolltreppe gefahren. Mein Vater hatte vorher wahrscheinlich meine Mutter angeschrien, beleidigt und degradiert. Alltag.

Mein Vater stand auf der Rolltreppe einige Meter vor uns. Meine Mutter und ich zusammen auf einer Stufe weiter unten. Ich hielt ihre Hand.  Es war die Rolltreppe auf der gegenüberliegenden Seite von McDonalds am Boulevard. Es ging hoch. Ich erinnere mich wie ich ihn beobachtete. Mein Vater war unter Alkoholeinfluss unberechenbar. Man wusste nie, wann er entschied, dass es an der Zeit war handgreiflich zu werden. Man musste ihn also ständig beobachten und durfte nie Unaufmerksamkeit sein. Also beobachtete ich ihn still und aufmerksam. Ich erinnere mich wie er, während der gesamten Fahrt zwar stand, aber sehr heftig taumelte. Irgendwann, es war im letzten Drittel der Rolltreppe, schwankte er sehr stark. Ich realisierte, dass er so stark kippte, dass er fallen musste.

Der Point-of-no-Return war überschritten. Dieser Moment. Diese wenigen Sekunden spielten sich in Zeitlupe ab. Ich realisierte, dass er fallen würde. Ich weiß noch, dass ich darüber nachdachte wie schmerzhaft ein Fallen auf die metallischen Streben der Rolltreppe sein müsste. Ich weiß noch wie ich realisierte, dass ich zu weit weg war um ihn festzuhalten oder am Fallen zu hindern. Ich weiß noch, dass ich mir vorstellte, wie er mit dem Gesicht auf diese seltsam geformten metallischen Treppen fallen würde. Und ich weiß noch, dass ich es gern verhindert hätte.
Ich weiß nicht mehr, ob ich hingesehen hatte oder die Augen verschlossen hatte. Tatsächlich kann ich mich auch nicht daran erinnern wie genau er gefallen ist und ob er nun auf dem Gesicht oder dem Hinterkopf aufgekommen ist. Das nächste an das ich mich erinnere war Blut. Viel Blut auf der ganzen Rolltreppe. Danach war er weg.
Ich weiß nicht mehr, wie es passiert ist. Aber ich weiß noch das meine Mutter einen Taxifahrer bat auf mich aufzupassen und loszog um meinen Vater zu suchen. Ich war danach sehr sortiert und klar. Ich erinnere mich an ein sachliches Gespräch darüber was passiert war und schweigen mit dem Taxifahrer und das er einen Funkspruch von der Zentrale erhielt für einen neuen Auftrag. Ich sagte ihm, dass es kein Problem wäre, mich alleine zu lassen. Ich würde klarkommen und würde einfach auf meine Mutter warten. Ich war zu diesem Zeitpunkt sehr rational und logisch. Ich wollte nicht wegrennen, nicht spielen sondern einfach meine Aufgabe erfüllen. Zu Warten bis meine Mutter wiederkam.

Ihr so wenig, wie möglich zur Last zu fallen. Es war niemand nötig, der auf mich aufpasste. Aber das verstand niemand. Aber es war in Ordnung. Es ging nicht um mich und eine Diskussion über meine Selbstständigkeit half niemandem. Der arme Taxifahrer tat ja auch nur was ihm aufgetragen wurde und meine Mama hatte andere Probleme. Ich wartete also einfach. Diese Sekunden, direkt nach dem Point-of-no-Return, sind wohl die längsten Sekunden, die ich bis heute erlebt habe. Nie wieder passierte irgendetwas in Zeitlupe.


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"Gesprächsstoff" ist eigentlich eine so genannte Talkbox. Mit Fragen, die zum Gespräch anregen, weil sie nicht so aufgebraucht sind wie andere. Wir nutzen ein paar der Fragen des Basis-Sets, um unsere Gespräche hier im Blog anzuregen. Denn als Blogteam sind wir eigentlich in einer Kennenlernphase, wo es natürlich darum geht, herauszufinden, wer die anderen so sind. Aber wir wollen natürlich auch gerne mit euch sprechen und diskutieren, die Anreize nutzen und von euch neue Impulse bekommen. Also geht die Eingangsfrage natürlich auch an euch und wir freuen uns auf eure Kommentare.

Der erste Kontakt

Jay Nightwind | 02.08.17 | / | 4 Kommentare
Als mich Journalisten angerufen haben, um mich zu interviewen, empfand ich das als seltsam. Es war schief. Ich bin selbst Journalist. Wir schreiben und beschreiben was in der realen Welt passiert, aber wir machen uns selbst nicht zum Gegenstand der Berichterstattung. So meine Theorie, aber unsere Welt ist so stark medial geprägt, dass die Medien inzwischen nicht mehr nur abbilden sondern auch aktiv handeln. "Es ist keine Nachricht, wenn ein Hund einen Mann beißt, aber sehr wohl, wenn ein Mann einen Hund beißt." Inzwischen waren wir wohl selbst auch Hunde geworden.

Damals habe ich mich nicht gefreut. Als ich die Lotterie gewonnen hatte und feststand, dass ich einer der Journalisten sein durfte, der beim ersten Kontakt mit den Außerirdischen dabei sein darf, hatte ich sofort große Angst. Die fremden Wesen haben mir dabei gar keine Sorgen bereitet. Mein Leben hat schon zuvor versucht mich umzubringen, ganz ohne fremde Bedrohung. Aber die große Verantwortung dem Ereignis gerecht zu berichten, die kann mein schmales paar Schultern vielleicht gar nicht erfüllen. Normalerweise arbeite ich Pressemeldungen im juristischen Bereich auf, aber wie alle anderen Redaktionen auch, hatte unsere wirtschaftliche Leitung alle, wirklich alle journalistischen Mitarbeiter für die Lotterie gemeldet. Meine Kollegin Josie, die sonst die Kinderseite macht, hat mich erst ausgelacht, dann Mitleid gehabt und beim Feierabendbier hat sie mich wieder ausgelacht. Ich werfe es ihr nicht vor, vielleicht hätte ich es auch so gemacht, hätte es jemand anderen erwischt. 

Wie es abgelaufen ist als auf den Radaren oder Langstreckenscannern - oder wie es außerhalb der Science-Fiction wohl heißen mag - ein Objekt mit Zielrichtung Erde aufgetaucht ist, haben wir nie erfahren. Nie wirklich. Die Veröffentlichung dieser riesigen Information wirkte aber ziemlich dilettantisch, wenn man im Sinne der Behörden denkt. Entgegen des kulturellen Vorurteils waren es nicht die Amerikaner, welche die Entdeckung machten. Chinesische Nachrichtenseiten waren schlagartig voll von scheinbar ungesicherten Informationen über Sichtungen eines Flugobjektes. Die amerikanischen und unsere europäischen Medien strahlten mit klarer Arroganz aus, dass es sich nur um eine Fälschung handeln konnte. Aber es dauerte nicht lange, bis durch die Bewegung und das Verhalten von Staatschefs klar wurde, dass wir nicht alleine waren.

Es steuerte etwas auf die Erde zu, ein unbekanntes Flugobjekt. U.F.O.s. Was hatten wir immer Spaß auf Kosten derjenigen, die an so etwas glaubten. Was haben wir gelacht. Plötzlich war jede alte Meldung, jeder Spinner mit verschwommenen Fotos ein Superstar. Die Archive wurden hundertfach umgewälzt. Wo in historischen Dokumenten wurden schon unbekannte Flugobjekte erwähnt? War Erich van Däniken gar kein Pseudo-Wissenschaftler? Können wir bald doch die verbleibenden Mysterien der Welt aufklären? Die Fragestellungen die heute legitim waren, sahen plötzlich denen so ähnlich, die wir ewig nicht ernstnahmen. Entschuldigt haben wir uns natürlich nicht. Wir berichten Fakten. Damals waren die Fakten halt anders. Wenn die Geschichte sich verändert, verändert sich auch ihre Bewertung.

Die politische Lage entwickelte sich rasant. Die großen Nationen waren sich entgegen der Erwartung der Bevölkerung einig: Wenn dort ein Volk durch das Weltall reisen konnte, sollte nicht ausgetestet werden, wozu diese Wesen militärisch fähig waren. Die Völkergemeinschaft, angeführt von den wohlhabenden Nationen, zog sich enger zusammen. Vielleicht auch, weil ja eine Gefahr bestand, dass die Außerirdischen gar nicht friedlich waren. Ein historischer Reflex: Eine gemeinsame empfundene Gefahr konnte schon oft Menschen verbinden.

Allerdings sahen die, welche wir schon lange als die Bösen markiert hatten ihre Chance. Es wurde damit gedroht, die Landungsstelle der Außerirdischen zu beschießen, jeden geplanten Frieden zu bedrohen, wenn nicht die Forderungen erfüllt wurden. Die Weltspitze reagierte amerikanisch: Mit Terroristen wurde nicht verhandelt. Der Frieden des Weltall wurde jetzt in Pjöngjang verteidigt.

Der berechnete Bereich der Landung, lag ironischereeise in der Wüste von Nevada. Auch die Area51-Verschwörungstheoretiker kamen also voll auf ihre Kosten. Ich war jetzt schon seit Wochen in den U.S.A. und bekam erstaunlich viel Einblick in das, was sonst hinter den Kulissen passiert. Wir, die Journalisten und Journalistinnen aus der ganzen Welt, welche bei der Lotterie einen der Plätze für Berichterstatter gewonnen hatten, wurden in alle Phasen und Pläne genau eingeweiht.

Es gab ein großes Basiscamp in der Wüste, ausgestattet mit reihenweise Experten. Linguist*Innen, Mediziner*Innen, Biolog*Innen, Politiker*Innen, Journalist*Innen und Militärs. Die Stimmung im Basiscamp war oberflächlich sehr gut. Auch wenn einige Vorbereitungen zu treffen waren, brachten gerade die jüngeren Leute etwas Lockerheit mit rein. An einem Tag fand ein Fußballturnier statt, angeleitet von einem dieser Youtuber, welche auch berechtigt waren in der Lotterie sich um Journalistenplätze zu bewerben. So bald die Gruppengrößen sich aber verkleinerten, wurden die Gespräche über Sorgen wieder lauter. Manchen ging es um das historische Gewicht des Ereignisses, aber einige fürchteten einfach um ihr Leben. "Selbst wenn die Aliens nicht feindselig sind, kann es sein, dass ihr Gefährt aufprallt und Schaden anrichtet.", sagte mir eine Physikerin aus Japan. Sie verwies auf die Einschläge von Meteoriten in der Vergangenheit. Nächste Woche sollten wir mehr wissen, denn so lang dauerte es noch, bis zum berechneten Landungstag.

Die Woche verging schnell, da plötzlich eine Art Skandal aufkeimte. Ein seltsamer Popsänger forderte ein, ebenfalls beim Erstkontakt dabei sein zu dürfen, als Vertreter der Kultur der Erde. Während einige Trolle und Fans von Internetmemes ihn unterstützten, stellten die Regierungen der Welt die übergeordneten strategischen Überlegungen entgegen. Im Lager waren wir uns einfach nur sicher, dass er kein gutes Gesicht für die Kultur der Erde war. Neben der Mensa hing eine Liste die wir jeden Tag diskutierten: "Celebrities fit for first Contact" Am Tag der Ankunft, stand Beyoncé auf Platz Eins unserer Charts.

Ein langer roter Streifen stand fest am Himmel. Die Techniker entnahmen den Beobachtungen der Teleskope und anderer Sichtmittel, dass das Gefährt der ersten Besucher einen Gegenschub generierte, um den Sturz auf unseren Erdball zu bremsen. Die rote Farbe ergab sich wohl aus dem Mittel, welches die Außerirdischen zum Bremsen verwendeten. Meine japanischer Physikerfreundin konnte Entwarnung geben, bei diesem Tempo drohten wir nicht uns in einen Krater zu verwandeln und den Gang der Dinosaurier zu gehen. Man hatte sich entschlossen, zu versuchen Hilfeleistungen zu geben für die Landung. So wurde eine Landungszone sehr weiträumig markiert - auf der Fläche einer Großstadt wie Paris - mit Leuchtmitteln und diesem bunten Rauch, der in Filmen immer so verdammt cool aussieht.

Wir wurden in große Truppenhelikopter verlegt. Nicht nur, um schnell zum genauen Landungspunkt zu kommen, sondern auch, damit wir im Basislager den Militärs nicht im Weg standen. Sollte es zu Kampfhandlungen kommen, waren wir in der Luft leichter zu evakuieren, als am Boden. Mir wurde es ums Herz aber immer leichter, je mehr Fakten wir gewinnen konnten. So vieles war ungewiss, aber wir gewannen an Klarheit dazu. Und jeder Fakt, egal wie seltsam er war, erleichterte mich.

Als ich zum ersten Mal das Gefährt der Außerirdischen sah, war das eine Erleichterung. Ich hatte nicht mal eine Erwartung. Weder Untertasse, noch Raumschiff Enterprise, noch Rakete, kein Todesstern und auch keinen Sonnensegler. Ich hatte keine Vorstellung. Aber als ich eine Form gesehen hatte, auf den Screenshots aus dem Teleskop, da gefiel mir der kosmische Papierflieger sehr gut. Ich mochte den Anblick. Es war angenehmer, wenn das Unvorstellbare vorstellbar wurde. Wir Menschen waren ja noch nie lange Strecken durchs All geflogen, wie sollten wir es wissen? "Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden." Das dritte Clarksche Gesetz. Wir waren - rein historisch betrachtet - nicht gut mit Magie. Wenn wir es nicht als Illusion abtun konnten, haben wir  Menschen mit "magischen" Kenntnissen verbannt oder verbrannt. Mein innerer Pazifist freute sich, dass wir uns jetzt einige Dinge erklären konnten.

Zum Vibrieren der Hubschrauber kam ein weiteres Vibrieren hinzu. Aus der weiten Distanz sahen wir, dass die Landung bald bevorstand. Tatsächlich bemühten die Außerirdischen die vorgesehene Landezone. In einem spektakulären Finale, schossen Fallschirme aus dem Gehäuse des Gefährts, die größere Fallschirme auslösten, die ein weiteres mal noch größere Fallschirme auslösten. Über einen Monitor im Helikopter, der Bilder von Flugdronen bezog, sahen wir dass der ganze Bereich sich für einen Moment verdunkelte. Ein riesiger Schatten lag über der Wüste. Als das Gefährt, aus unserer Sicht doch recht unsanft, aufsetzte, begannen die goldenen Schirme sich in der Luft zu zersetzen. Es war sicher nicht so von den Außerirdischen geplant, aber es war wunderschön. Unzählige metallischschimmernde Fetzen glühten in der Sonne Nevadas und ging als Goldregen auf die Landungstelle herab.

Dieses Spektakel beschäftige uns ausreichend lang, dass als wir wieder zum Punkt der Landung schauten, sich der aufgewirbelte Sand und Staub der angefahrenen Fahrzeuge sich wieder gelegt hatte. In einem Kreis standen militärische Kampfeinheiten bereit, aber auch ein Löschzug und ein Rettungswagen standen bereit. Die Außerirdischen würden es nicht verstehen, sie konnten unsere Uniformen und Strukturen ja nicht kennen, aber wir Menschen wollten auf jeden Fall vorbereitet sein. Auch auf den, dass Hilfe notwendig wurde.

Einige Zeit passierte nichts. Nachdem wir gelandet waren, wurde uns auf einem militärischen Fahrzeug eine Plattform bereitet, von der wir beobachten, aber nicht eingreifen konnten. Eine Zusammenstellung aus Politikern stand bereit, die Außerirdischen in Empfang zu nehmen. Es war auch aus der weiten Distanz zu erkennen, dass die Staatschefs und Präsidentinnen nur noch aus Angstschweiß bestanden. Historische Momente beschworen sie alle häufig in ihren großen Reden, aber so historisch wie dieser Moment war es zuvor noch nie. Und so offen wie dieses Mal war der Ausgang auch noch nie. Dann öffnete sich etwas an dem Schiff.

Mit entschlossenem Schritt, mit einem "Bringen wir es hinter uns"-Gesicht, dass wir Menschen machen, wenn wir etwas müssen, aber nicht wollen, ging die amerikanische Präsidentin los. Es war ihr Land, sie hatte es sich mühsam in der letzen Wahl aus den Händen eines rassistischen Spinners erkämpft, jetzt lag es an ihr, zu zeigen, dass Amerika tolerant, offen und neugierig auf fremde Kulturen war. Als Politiker ist jedes Handeln politisch. Die restliche Delegation folgte.

Aus der Öffnung im Schiff kam nichts. Nicht mal etwas mysteriöser Nebel und Hinterbeleuchtung, die das Raumschiff noch geheimnisvoller aussehen hätten lassen können. Entgegen dem Klischee unserer Popkultur war es auch Tag. Niemals nie wurden Außerirdische und UFOs mit dem Tag in Verbindung gebracht.

In einem angemessenen Abstand vor dem Schiff stoppte die politische Delegation und sah prompt wieder genau so ratlos aus, wie gerade noch kurz zuvor. Der militärische Funk eskalierte vollständig. Es wurde geprüft, ob aus dem Schiff eventuell ein Gas entweicht, die Tür ins Visier genommen, Speizialkameras filterten Informationen aus. Am Rande schnappte ich auf, dass da "Movement in the U.F.O." ist, weil es die Wärmesignaturen in der Hitzebildkamera so anzeigten. Wir waren nicht darauf vorbereitet, was da passieren würde. Niemand von uns. All die Fantasie, aber ich war mir sicher, dass niemand zu diesem Ergebnis gekommen war.

Mehrere Körper kamen aus dem Flugobjekt, gekleidet in etwas, was unseren Raumanzügen sehr ähnlich sah. Helme, Schläuche, Apparaturen. Die Außerirdischen hatten Arme, Beine und Hände, welche sie beim Aussteigen aus dem Gefährt vor sich offen hielten und zeigten. Wenn die Außerirdischen mehr Zeit hatten sich auf diese Landung vorzubereiten, hatten sie sich auch überlegt, ja vielleicht sogar durch das All in Erfahrung bringen können, wie es bei uns aussieht, wenn jemand zeigen möchte, dass er nicht bewaffnet ist.

Die Außerirdischen blieben in der direkten Nähe ihres Schiffes. Als einer von Ihnen seinen Helm absetzte, stoppte mein Herzschlag. Ich hatte mit allem gerechnet: Tentakel, geleeartige Körper, Hörner, Hautschuppen, Insektoide Gesichtsmerkmale. Aber eines hatte niemand von uns vorhergesehen: Die Außerirdischen sahen aus wie Menschen. Augen, Nase, Mund. Aus der Distanz war kein Unterschied zwischen mir, meinem Nebenmann und dem Außerirdischen zu erkennen. Nachdem der Helm abgelegt war und der Außerirdische scheinbar tief einatmete, warteten alle einen Moment. Auch unsere Politiker*Innen atmeten tief ein. Sie waren sichtlich geschockt.

Die Live-Berichterstatter begannen alle gleichzeitig, als sie ihre Worte wiedergefunden hatten, um Außerirdische Anführungszeichen zu schreiben und zu sprechen. "Außerirdische". Das die Rechenzentren in den Köpfen rotierten und rauchten, war nicht mehr zu verstecken. Eine ganze neue Generation Verschwörungstheoretiker entstand in diesem Augenblick und wir alle konnten es spüren.

Die "Außerirdischen" bekamen von dem Helmlosen Zeichen, dass die Luft im wahrsten Sinne der Wendung "rein" war. Darauf hin fingen sie an ihre Helme abzunehmen, ihre Anzüge gegenseitig zu öffnen und sich davon zu trennen. Jetzt, wo wir dachten, wir würden alles verstehen, weil wir es ja waren, die gerade aus dem Schiff geklettert waren, wurden wir erneut überrascht. Die Außerirdischen entkleideten sich komplett und stellten sich in einer Reihe vor unseren Staatschefs auf. Sie machten eine offene Handgeste, die aber erst niemand von uns sah, weil wir alle schauten, wie der nackte Außerirdische aussah. Fast schon enttäuschend: Hier erinnerte alles ebenfalls an den Menschen.

Über ein sehr präzises Richtmikrofon konnten wir hören, was die Präsidentin der vereinigten Staaten von ihren Kolleg*Innen verlangte. "Ziehen sie sich aus. Es ist der einzige Weg, wie sie uns erkennen können." Was in jeder anderen Situation unsinnig wirkte, war ein Gedanke, den ich für den klügsten möglichen hielt. Wenn wir nun Frieden und Diplomatie bemühen wollten, mussten wir die gleiche Sprache sprechen. Und wenn die Außerirdischen sich anatomisch zu erkennen gaben, mussten wir auf gleicher Frequenz antworten. Die Präsidentin sollte recht behalten.

Die Boulevardpresse beschäftigte sich die nächsten Tage damit, wer nicht nur sein Land, sondern die Bettfantasien der Bevölkerung anführen sollte. Diejenigen von uns, die einen ernsthafteren Ansatz verfolgten, fragten uns das auch still und heimlich, berichteten aber darüber, wie nach dieser ersten Geste das Kennenlernen weiterverlief. Die "Reisenden", wie es sich schnell als Begriff festigte, waren sich scheinbar dessen bewusst, dass wir viele Fragen haben würden und Informationen brauchten. In einigen Kisten hatten sie Datenträger, Materialien und Aufzeichnungen dabei. Diese stellten sie sofort bereit, so dass unsere Forscher sich daran ausprobieren könnten.

Unser Basislager wurde verlegt, so dass wir auf einem militärischen Kasernengelände in Nevada untergebracht wurden. Vielleicht auch, um die alten Verschwörungstheoretiker nochmal ein wenig zu provozieren. An den ersten Tagen haben wir die Reisenden nicht mehr zu Gesicht bekommen. Beim Mittagessen im Camp habe ich einen der Linguisten sprechen können und er sagte, dass er mit seinen Kolleg*Innen schon große Fortschritte machen konnte. Mit großem Stolz erzählte er von Unterschieden und Gemeinsamkeiten in der Grammatik. Zwischenzeitlich lies er immer wieder einfließen, dass seine Wissenschaft zu letzt ja immer belächelt wurde, jetzt aber zu einem wichtigen Werkzeug wurde. Ich war stolz auf ihn. Er war hier sicher nützlicher, als ich es war.

Es kam schnell eine Art Normalität auf. Wir mussten uns für die einzelnen Konferenzen akkreditieren lassen, darin kamen nie die Reisenden selbst ins Pressezentrum. Alles wurde behutsam angegangen, alles sollte in Ruhe passieren. Wir waren verwundert. Die Welt wartete und hatte viele Fragen. Mein Handy und mein Emailpostfach kollabierten alleine mit Fragen von meinen Freund*Innen und Kolleg*Innen. Trotzdem gab es nur vertröstende Meldungen der Pressesprecher der Behörden. Der Hype war irgendwie schwer aufrecht zu halten, weil die Reisenden genau so schnell verschwunden waren, wie sie aufgetaucht waren.

Uns wurde freigestellt, das Basislager zu verlassen. Als ich gekommen war, da hatte ich keine Fragen. Keine eigenen. Ich war hier, weil ich Journalist war. Wäre ich zuhause geblieben, hätte ich es wie jeder und jede andere am Fernseher verfolgt, wie die Außerirdischen landeten. Ich hätte im Kreise der Familie gesessen, mit Angst, Sorge und Hoffnung. Hier war ich Teil der Geschichte, ich war kein Journalist mehr, sondern Zeuge. Uns wurde versichert, dass wir als Erstes mit den Reisenden sprechen dürften, so bald eine gemeinsame Sprache gefunden ist. Einigen anderen Berichterstattern fehlte der Atem. Viele professionelle Journalist*Innen fuhren heim, ausgerechnet die Youtuber blieben. Einer sagt mir: "Zuhause mache ich wieder irgendwelche Challenges und Promo-Clips für Unternehmen die das buchen. Hier bin ich bei etwas besonderem dabei. Vielleicht stelle ich sogar eine wichtige Frage. Vielleicht erzähle ich etwas über die Menschheit.", da wusste ich, dass ich noch bleiben musste.

"Außerirdische sind auch nur Menschen", schmierte ich auf meine Liste schrecklicher Schlagzeilen. In meinem Notizblock hatte ich sie gesammelt, die Wortspielhölle. Ich war nicht stolz drauf, aber leider blieb sie hängen. Ich mag es, wenn wir Dinge verstehen können. "Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden." Ich war froh, dass die Außerirdischen für uns plausibel wirkten. Ich war froh, dass wir mit ihnen reden konnten. Auch, wenn das jetzt noch etwas dauern würde. Und auch wenn ich das Gefühl hatte, vieles verstehen zu können, weil sie so menschlich waren, war ich auch neugierig. Welche Probleme hatten sie auf ihrer Welt? Wie haben sie diese gelöst? Warum reisen sie durch das Weltall? Welche Probleme haben sie nicht gelöst?  Ich war mir sicher, dass wir bald darüber reden könnten.

Vlog #009 - Bei der WXW

Der Nachtwind | 31.07.17 | / / / | Kommentieren

How to Slam - Wie melde ich mich als Teilnehmer*In an?

Jay Nightwind | 26.07.17 | / / | 2 Kommentare

Poetry Slams gibt es überall, aber wie komme ich eigentlich selbst auf die Bühne?

Im Laufe der Jahre haben sich Slam und die Community verändert. Während die Zahl der Slams sich erhöht hat, bedeutet dass noch nicht, dass sich auch die Zahl der Bühnen auf denen du als Einsteiger*In anfangen kannst, auch erhöht hat. Es gibt verschiedene Arten wie Slams ihre Künstler*Innen finden.

Es gibt Slams, die mensch als "Invitationals" bezeichnen könnte. Die Künstler*Innen werden gezielt eingeladen und für den Abend ausgesucht. Da hilft es für gewöhnlich auch nicht nett nachzufragen, ob mensch mitmachen darf. Außer mensch hat sich schon ein wenig einen Namen in der Szene gemacht.

Andere Slams fahren gemischte Formate. Die Organisation des Slams lädt ein paar Leute ein, aber auch Initiativmeldungen werden berücksichtigt. Dabei gilt häufig das Recht derer, welche am schnellsten gewesen sind. Sehr viele Slams arbeiten so, was daran liegt, dass so ein bunte Mischung aus Erfahrenden, Anfängern und lokalen Künstler*Innen entsteht.

Ein drittes Format ist die "Offene Liste". Die Poet*Innen werden an dem Abend vorstellig und daraus ergibt sich dann das Line-Up, die Zusammenstellung der Auftretenden. Dieses Format wird zum Beispiel bei Veranstaltungen wie "Kunst gegen Bares" genutzt, häufig auch in gemischten Abenden, die nicht nur Poetry Slams anbieten.

Wie komme ich jetzt an einen Startplatz?
Da gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Mal "Hallo" sagen!
Mit Blick auf die Deutschlandkarte ist es sehr schwierig Stellen zu finden, die nicht einen Poetry Slam in der Nachbarschaft haben. Ein guter Weg in Kontakt mit dem Format und Organisator*Innen zu kommen ist, selbst zum Zuschauen zu einem Slam zu gehen. In der Pause oder zum Ende des Slams sucht mensch den Kopf des Abends auf. Häufig ist das die Moderation. Mit einer kurzen Vorstellung und der Bekundung, dass mensch auch gerne mal mitmachen würde, geht dann für gewöhnlich alles seinen Weg. Wenn ihr ein bißchen nervös seid, schreibt euch ruhig die wichtigen Eckdaten auf. Zum Beispiel bei wem mensch sich melden muss, was mensch mitbringen muss, Namen von Veranstaltern und bevorzugte Kontaktwege.
Manchmal kann es sich auch lohnen zu Beginn des Slams vorstellig zu werden. Wegen des folgenden Punktes:

Immer Texte dabei haben
Du gehst schon gerne auf Slams und wartest auf deine große Stunde? Gelegentlich kommt es dazu, dass in einem Line-Up nicht alle Startzplätze vergeben sind zu Beginn des Abends. Künstler*Innen werden krank oder es passt einfach noch, dass jemand teilnimmt. Spricht mensch die Moderation schon vor dem Beginn des Abends an, kann es schnell mal passieren, dass mensch plötzlich Teil des Abends ist.

Internetrecherche
Gib den Namen deiner Stadt oder der nächstgelegenden Stadt in die Suchmaschine deines Vertrauens ein, gepaart mit dem Begriff Poetry Slam. Wenn dich das nicht schon automatisch bei einer Internet- oder Facebookseite eines Slams in deiner Gegend rausschmeißt, besteht die Chance, dass du Zeitungsartikel findest. In denen wiederum kannst du dann den Namen einer Moderation oder Organisation finden. Wenn du diese in einem weiteren Schritt im Netz suchst, findest du eine Kontaktmöglichkeit. Was jetzt recht aufwändig klingt, ist in wenigen Sekunden erledigt.


Jetzt musst du nur noch eine nette Nachricht schreiben, in der du dem Veranstalter die wichtigsten Dinge mitteilst. Wichtig für einen Veranstalter ist häufig folgendes:

- Wie heißt du und wie heißt du auf der Bühne?  Klar, das ist Höflichkeit, aber auch wichtig, wenn die Veranstaltung beworben werden soll. Auch später für deine Anmoderation wichtig.

- Von wo aus würdest du zu dem Slam kommen? Deine Fahrtkosten werden dir erstattet. Damit der/die Veranstalter*In also berechnen kann, wieviel der Abend kosten wird, ist das eine wichtige Information.

- Wie alt bist du? Besonders wenn Slams in Kneipen stattfinden oder Medien im Anschluss veröffentlichen, ist es wichtig zu wissen, wie alt du bist. Eventuell braucht es eine Einverständniserklärung deiner Erziehungsberechtigten. Das ist aus verschiedenen bürokratischen Gründen wichtig, die wir hier jetzt mal nicht vertiefen.

Alles weitere wird dir dann die Orga des Slams in einer netten Antwort zurück geben. Solltest du nicht zu dem Slam passen, ist es häufig üblich, dass dir weitere Kontakte genannt werden, bei denen du auf die Bühne könntest.

Warst du dann auf ein paar Slams, wirst du schnell feststellen, dass es leichter wird an weitere Auftritte zu kommen. Andere Slammer*Innen kennen oft die Slams in der Region, häufig sind im Line-Up auch weitere Veranstalter*Innen dabei, die euch einladen werden oder die ihr ansprechen könnt.

Ihr kennt weitere Wege um an Auftritte zu kommen? Ihr habt noch weitere Fragen zur Anmeldung bei Slams? Dann schreibt uns gerne Kommentare, wir hören gerne von euch!

Vlog #008 - Gedenkstätte in Essen Frohnhausen/Altendorf

Jay Nightwind | 24.07.17 | / | Kommentieren

How to Slam: Impulse zum Schreiben von Texten

Jay Nightwind | 19.07.17 | / / | 3 Kommentare
Slam ist ein Wachstumsbranche, dementsprechend ist es vollkommen gut und angenehm und vernünftig und schön und überhaupt, dass immer mehr Menschen den Weg auf die Bühne gehen wollen. Dafür braucht es Texte, Ideen und Gedanken; diese müssen dann auch noch in eine Form gegossen sein, mit der menschselbst auch zufrieden ist.

Das ist überhaupt gar nicht so einfach, denn natürlich ist der Anspruch an die eigene Leistung, egal ob an Technik, Inhalt, Performance oder andere magische Werte sehr hoch. Immerhin sind da darußen schon eine Menge Slammer*Innen unterwegs, die alle irgendwie krass sind. Und ständig werden es mehr. Plop! Jetzt gerade ist irgendwo ein heftiger Text entstanden.

Auch wenn der Wettbewerb nur ein aufgesetztes Format ist, um das Publikum in eine Lesung zu integrieren; eine Strategie um einen dramaturgischen Bogen in aneinandergereihte Referate zu bekommen, möchte niemand auf der Bühne schlecht aussehen. Phase 1 kann dabei sein, einen ordentlichen Text zu schreiben. Aber wie geht das?

Das Folgende sind keine Musterlösungen, sondern Impulse. Was für mich funktioniert hat, kann für euch totaler Bullshit sein. Also lest die folgenden Tipps mit nötiger kritischer Betrachtung, überprüft sie auf Sinnhaftigkeit für eure Arbeiten und stellt ruhig Fragen in den Kommentaren. Wir sind alle zum Lernen hier! Stimmt nicht, aber ich unterhalte mich gerne über sowas. Nun aber die Impulse:


Der Text ist nie fertig (und das ist gut so)
Irgendwann hat mensch sein Thema voll gefasst und legt den Stift nieder. Der Text ist fertig. Viele Kunstformen und Prozesse enden mit einem konkreten Produkt. Auch wir haben einen Text, aber eine der wundervollen Eigenschaften vom geschriebenen Wort ist, dass wir später immer noch alles ändern können. Kein Wort muss für immer dort stehen, kein Name so bleiben, keine Passage an ihrem Platz bleiben.

Und das kann unfassbar befreiend sein. Denn nicht immer fallen uns in einer Schreibsitzung alle Wendung, Worte und Techniken so ein, wie wir sie für unseren Text brauchen. Manchmal haben wir sogar noch gar nicht gelernt, was wir brauchen, um unser Werk zu auf die Beine zu stellen, wie unsere Vorstellung es vorgibt. Die Gefahr, dass die erste Version ziemlicher Murks ist, ist allgegenwärtig. Wie schön, dass es ein leichtes ist, eine überarbeitete Version zu schreiben.

Manchmal ertappen wir uns dabei, dass wir dann denken, die erste Arbeit wäre umsonst gewesen. Ich empfinde das anders, spätestens, seit mir eine weiterer Faktor präsent ist:

Hauptsache schreiben
Bühnenkollege Jason Bartsch hat es wundervoll klar formuliert:
"Schreiben ist ein bisschen wie Sport. Wenn man es täglich macht, wird man nicht unbedingt besser, aber es wird leichter." 
Leichtigkeit bzw. Sicherheit ist wichtig für den kreativen Prozess. Straßenknowledge sagt, dass eine Sache, wenn mensch sie Sieben Wochen durchhält, von einem Versuch zur Angewohnheit wird. Jeden Tag zu schreiben garantiert wirklich nicht, dass mensch ein/e begnadete Künstler*In wird und den nächsten Spiegel-Bestseller raushaut. Aber die Hürde sich an den Notizblock zu machen, an der Rechner zu setzen, die wird geringer.

Weil die Seele Schreiben als Angewohnheit aufnimmt. Aus "Puh, was soll ich nur schreiben?" wird dann: "Komm, das machst du ständig." Und dabei ist es fast schon egal, was du schreibst. Wenn du mehrfach die Woche Sport machen gehst, machst du dir nachher ja auch keinen Vorwurf, dass es die "falschen" Sportarten waren. Hauptsache Bewegung. Optimieren kann mensch sich später immer noch.

Hier eine super simple Technik, welche Bühnenkollege Zwergriese mir weitergereicht hat. Nehm dir vor, jeden Tag eine bestimmte Zahl Wörter zu schreiben! Dabei ist es wirklich egal, was du schreibst. Wenn es dir zu leicht wird oder nicht mehr hilfreich anfühlt, erhöhe die Zahl der Wörter. Schreib Rezepte oder auch Tagebuch. Fasse deinen Tag zusammen. Hauptsache die Tinte fließt.

Kreativität entsteht aus Sicherheit
Forscher*Innen haben sich daran abgearbeitet, Phasenmodelle erstellt, aber im Kern folgendes erkannt: Im kreativen Prozess geht es im weitesten Sinne darum ein Problem zu lösen. Dafür müssen wir in bestimmten Techniken, aber auch mit uns selbst sicher fühlen. Das meint keine vollständige umfassende Sicherheit, aber schon für den Moment. Wenn diese Faktoren gegeben sind, probieren wir rum.

In meiner Erzieherausbildung war das Beispiel im Kunstunterricht, eine Person welche Essen kochen muss, aber nicht die passenden Zutaten für ein ihr bekanntes Gericht hatte. Also schafft diese Person einen Überblick, schaut was sie im Haus hat und überlegt was die verschiedenen vorhandenen Zutaten für Eigenschaften haben. Daraus ergibt sich eine Idee, welche Dinge zusammenpassen können.

Beim Schreiben ist es identisch: Wir wollen eine Sache über die Welt sagen, die uns auf der Seele liegt, aber wissen gar nicht, welche Gedanken wir gerade dazu im Haus haben. Also verschaffen wir uns einen Überblick. Dazu überlegen wir, welche Techniken wir schon draufhaben. Lyrik? Rap? Kenne ich bestimmte Wörter, die mir helfen? Was weiß ich über bestimmte Textsorten? Und wenn wir dann wissen, wie unsere Zutaten/Ideen zueinander passen, können wir uns ein Gericht überlegen.

Darüberhinaus kann es für die Sicherheit wichtig sein, seinen Arbeitsplatz einzurichten. Die Person in unserem Kochbeispiel hat die Küche aufgeräumt und alle Arbeitsschritte vorbereitet, weil sie es so am liebsten mochte. Das ist Sicherheit. Wenn ihr also wisst, dass ihr euch beim Schreiben am wohlsten fühlt, wenn ihr euch im Wald versteckt oder auf dem Bett liegt und Klassik hört, dann schafft euch dieses Umfeld.

Vorsicht: Wenn ihr mehr lernt und mehr beherrscht, können sich eure Sicherheiten verändern. Horcht da ein wenig in euch rein.

Austauschen
Wie arbeiten andere? Was kann ich von ihnen lernen? Hat da jemand ein Problem schon gelöst, welches ich nun vor mir habe? Das findet ihr nur heraus, wenn ihr mit anderen Menschen redet und neugierig seid.

Diesen Punkt nutze ich als Überleitung:
Was macht ihr um ins Schreiben zu kommen? Was sind eure Sicherheiten? Was sind eure Tipps, um vorwärts zu kommen?