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Müll

Jay Nightwind | 23.04.18 | / / / / | Kommentieren

Ich liebe meine Stadt. Und das ist schon Quatsch. Ich liebe nicht meine Stadt, sondern nur die Idee dessen, was ich als diese Stadt verstehe. Ich bin sehr begeistert von dem, an das ich mich gewöhnt habe. Mein Kopf hat ein Schema, eine Ordnung, ein Bild davon angelegt, was ich als "Meine Stadt" begreife. Störungen für ihren Teil, sind so ziemlich das Gegenteil von Ordnung. Normalerweise begeistern mich Auf- und Ausbrüche in Gewohnheiten, da waren aber auch die Gewohnheiten von Anfang an nicht zufriedenstellend.

Wenn ich gefragt werde, dann sage ich, dass meine Stadt schön ist. Ich lebe gerne hier, ich geh viel raus, sie ist grüner als vermutet wird, sie hat viele gute Geheimverstecke, Schleichwege und tolle Orte, die mir regelmäßige alte und neue Momente ins Gedächtnis setzen. Ich kenne mich hier aus, weiß wo es gutes Futter gibt, wie lange die Trinkhallen offen haben und auch sehr gut, wo ich nicht sagen darf, von welcher Fussballtruppe ich Fan bin.

Ich nenne ganz bewusst ihren Namen nicht. Es ist kein Geheimnis, wo ich lebe. Ich glaube aber, dass auch andere solche Beobachtungen in ihren Städten machen können. Lokalpatriotismus ist kein Verbrechen, er kann überall auftauchen und ich glaube, mensch sucht sich das nicht mal selbst aus. Doch, mensch sucht es sich selbst aus, ich denke aber, dass es neben faktischen Gründen weshalb wir unsere Stadt mögen, auch richtig viel "magisch" pathetischen Unsinn gibt, der unser Herz anteilig auf unseren Ort prägt.

Ich habe einen großen Teil meines Lebens in der besseren Version meiner Stadt gelebt. Vielleicht haben aktuelle Diskussionen und moderne Zugänge zu Nachhaltigkeit meine Filter verstellt. Heute wohne ich nicht mehr in der Version der Stadt oder besser des Stadtteils, in den ich mich verliebt habe. Ich habe das Gefühl, mein Stadtteil vermüllt zunehmend.


Eine Stadt in vollkommen ordentlich zu sehen, ist extrem schwierig. Urbanes Leben, die massive Ballung von Menschen, Bedürfnissen und ihren Folgen, das geht nicht ohne Schmutz. Und Schmutz, der braucht viel Infrastruktur. Zum Beispiel Kanalisationen oder halt Müllcontainer. Ich habe den Eindruck, dass die Strukturen gegeben sind. Wöchentlich wird der Müll in unserer Straße abgeholt, überall in der Stadt sehe ich Containerstationen für Papier und Glas. Ich habe nicht das Gefühl, dass diese Stadt besonders schmutzig sein müsste.



Als Tobi und ich die Runde durch den Stadtteil laufen, werde ich zunehmend frustrierter. Haus- und Sperrmüll an Papiercontainern. Die Stadt hat angefangen dort Aufkleber anzubringen, die erklären sollen, dass Farben, Möbel und Elektrogeräte nicht hier abgelegt werden sollen. Was mir selbstverständlich erscheint, ist es offensichtlich nicht. Als ich einen Freund der nach zugezogen ist von meiner Frustration erzähle, ist er ratlos: "In meiner alten Heimatstadt hat die Abholung von Sperrmüll recht viel Geld gekostet. Pro Kubikmeter." Hier muss mensch vorher nur einen Termin vereinbaren und angeben, was abgeholt werden muss. Die Dienstleistung ist geschenkt.

Ich muss dann an die "Broken Window Theorie" denken, wo ein Viertel fast schon automatisch weiter herunterkommt, wenn es nur kleine optische Mängel aufzeigt. Es scheint zu reichen, dass alle Anfang Januar ihre Tannebäume vor die Haustür legen. Was im Ikea-Werbespot vorgemacht wird, ist dann auch die Lösung für den Alltag. Bis Mitte Februar lagen die Bäume überall im Stadtteil herum.


Ich bin mir sicher, dass die Reinigungskräfte und Entsorgungsexpert*innen schon alles tun, was sie leisten können. So funktioniert das nur nicht. Die Ressourcen sind begrenzt. Wir können nicht unseren Müll einfach vor die Tür hauen, auf die Entsorgungsbetriebe oder die Regierenden der Stadt zeigen und immer wieder fragen: "Warum unternehmen die denn nichts?" Sie unternehmen jede Menge, aber wie sollen sie das alles leisten, was da "anfällt"?
Warum machen die Bürger*innen diese Dinge falsch? Was geht in einem vor, der Bauschutt und ganze Möbel an einem Park&Ride der Deutschen Bahn in die Grünfläche wirft?

Das hat ja dann nichts mehr mit fehlender Information über die Möglichkeiten der Müllentsorgung zu tun. Es gibt einfach einen Punkt, ab dem Menschen auch Absicht zu unterstellen ist. Denn seine alten Küchenfliesen und ein Kochfeld hat mensch nicht im Handgepäck. Das Ganze, zauberhaft anliegend, gegenüber einer Schrebergartensiedlung, welche sich mit hohen Zäunen vor dem Anblick schützt.


Ich bin ja nicht gut mit Ohnmacht. Wenn ich eine Situation nicht verändern kann, dann werde ich kribbelig. Es gibt schon Sachen die ich tue, allerdings nur Kleinkram. Wenn es nicht zu eklig ist und ein Mülleimer in Sichtweite ist, schmeiß ich schon mal Fundstücke von der Straße weg. Stellt mich für fünf Minuten zufrieden, länger nicht, weil ich dann den nächsten Müll kreuze. Jetzt möchte ich mehr tun.

Und Tobi sagt:
Ich muss gestehen, ich war etwas irritiert, als mich Jay fragte, ob ich Lust hätte, Müll fotografieren zu gehen. Sowas wird man nicht oft gefragt.

Wenn man durch die Stadt geht, ist wild umherliegender Müll nichts Außergewöhnliches. Mal liegt ein Taschentuch auf dem Boden, mal liegt eine Flasche im Gebüsch. Das ist ja leider normal. Aber wenn man sich beim Spazierengehen auf Müll fokussiert, dann ist es eine andere Dimension. Man sieht zwangsläufig wesentlich mehr Müll als vorher und man sieht vor allem anderen Müll.
Jetzt muss man dazu sagen, dass Jay seinen Stadtteil kennt und weiß, wo man immer genug Unrat findet. Aber ich war echt fassungslos, was und wie viel wir gefunden haben.



Poolnudeln, Tische, Bauschutt und eine Herdplatte... und das einfach in Gebüsche geschmissen. Ich war stinksauer, als ich das gesehen habe. Aber ich will auch ehrlich sein: Hätte ich mich nicht auf den Müll konzentriert, sondern wäre durch die Gegend gelaufen wie sonst auch immer, wäre es mir vielleicht gar nicht aufgefallen. Gut, außer die Poolnudeln, weil die durch ihre leuchtenden Farben schwer zu übersehen sind. Und das hat mich fast noch mehr frustriert. weil ich mittlerweile so dermaßen abgestumpft bin, was Müll in der Umgebung angeht, dass ich noch nicht mal sowas bemerkt hätte.

Das ist kein Rant- Artikel gegen die Entsorgungsbetriebe, ganz im Gegenteil. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der städtischen Betriebe machen eine großartige Arbeit und ich bin ihnen dankbar, dass sie es tun. Das ist eher ein Hassartikel gegen diese rücksichtslosen Arschlöcher, die ihren Müll einfach ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, in der Botanik versenken, statt sie zu Recyclinghöfen und Mülldeponien zu bringen.

Also seid so gut und nehmt euren Müll mit, wenn ihr unterwegs welchen produziert, der nächste Mülleimer ist meist nicht weit weg.
Danke!

Hilfe! Musik für unsere Videos

Jay Nightwind | 16.04.18 | / | Kommentieren
Foto: Andy Schneider
Hallöchen liebes Rudel!
Ich will ganz ehrlich sein: Wir haben Wachstumsschmerzen. Wir waren mal nur ein Blog mit Text, jetzt nutzt wir zunehmend auch andere Medien. Um in diesen auch attraktive Inhalte produzieren zu können, würden wir aktuell eigentlich sehr gerne Hintergrundmusik in unseren Videos verwenden. Natürlich könnten wir jetzt lizenzfreies Gedudel herunterladen und damit die Ohren unserer Zuhörer zu beleidigen. Wir könnten auch teueres Geld bezahlen und Lizenzen erwerben oder Gemagebühren abdrücken. Da wir den Bumms hier aber komplett ehrenamtlich machen, klingt das hauptsächlich nach einem sicheren Weg in den Ruin.

Eines unserer nicht festgeschriebenen Ziele unseres Blogs ist es, auf Leute zu zeigen, die coolen Kram machen und spannende Geschichten haben. Manche Menschen produzieren Sachen, von denen sollten alle anderen wissen. Und wir mögen die regionale(n) Band- und Musik-Szenen. Daher kamen wir zu folgender Idee:

Wir wäre es, wenn wir immer dann, wenn in unseren Videos coole Musik im Hintergrund oder auch Vordergrund laufen soll, eure coole Musik verwenden? Natürlich machen wir die gesamte Nennungs- und Markierungs-Dusche für eure Beteiligung an unserem Inhalt! Wenn ihr also Beatsbastler*innen und Bands seid, die Lust haben ein wenig über ihre Hobbykeller und Proberäume hinaus gehört zu werden, würden wir euch da auch gerne unterstützen.

Die ganz ehrliche Variante: Wir haben auch nicht die brutalste Reichweite, aber auch wir sind "Indie", so wie ihr. Und wenn wir erstmal Musiken haben, können wir auch professioneller Arbeiten, was uns wieder mehr Reichtweite und Krassheit beschert. Im besten Fall wird also alles langfristig eine Aufwärtsspirale, in der wir euch nachher mit anschieben und pushen können!

Wenn ihr also Lust dazu habt, dann schickt uns doch eine Mail (nachtwindteam bei gmail punkt com) und wir besprechen dort alle Details mit euch!

How to Slam - Bühnenpersönlichkeit

Jay Nightwind | 09.04.18 | / / | Kommentieren
Wrestling ist eine hochintelligente Performancekunstform. "Ist es nicht, Wrestling ist faker Unsinn und verstumpfende Gewaltverherrlichung!", sagst du jetzt und das ist vielleicht wahr, aber ganz sicher ein Vorurteil. Vorurteile sind aber gar nicht mal so schlimm, wir müssen nur einen Schritt weiter in die Tiefe gehen. Hinter einem Vor-Urteil liegt ein Urteil und das nutzt uns mehr. Dafür braucht es aber einen Prozess.

Warum bringe ich überhaupt Wrestling mit ins Spiel, es geht doch darum, wie Poetry Slam funktioniert? Die These, dass beide Kunstformen sich näher sind, als uns lieb ist, verfolge ich schon etwas länger. Was uns aber heute besonders interessiert ist die Arbeit mit dem, was im Wrestling als "Gimmick" bezeichnet wird, im Slam aber keinen eigenen Begriff hat. Ich nenne es für diesen Beitrag die "Bühnenpersönlichkeit". 

Wenn wir auf die Bühne gehen, haben wir eine Mission. Die bringen wir uns selbst mit. Manche wollen unterhalten, andere einen Denkanstoß geben, wieder andere wollen beeindrucken. Um diese Mission zu erfüllen, haben wir uns bei einem Slam angemeldet, einen Text geschrieben und uns auch überlegt, wie wir das alles zusammen vortragen wollen. Wir versuchen begünstigende Faktoren für unsere Mission zu schaffen.

Wenn wir beim Slam auf die Bühne gehen, haben wir schon, ohne auch nur ein Wort gesagt zu haben, einen Eindruck gemacht. Unser Aussehen, unsere Kleidung, der Name mit dem wir anmoderiert werden, unsere Körperhaltung, unsere Bewegung und noch andere Faktoren wecken bei den Zuschauer*Innen einen Bekannten aus dem Intro: Vorurteile. Vorurteile sind aber grundsätzlich nicht schlecht, sie sind nur dann schlecht, wenn sie uns schaden. Wenn wir uns aber damit auseinander setzen, was wir auf der Bühne zeigen und sind, können wir damit unsere Mission unterstützen.

Die meiste Zeit sind wir einfach wir selbst. Wir tragen, was wir auch heute in der Uni oder Schule anhatten, viel mehr dürfen wir ja auch gar nicht mitbringen, denn Requisiten sind ja in der Regel verboten. Wir sind ja aber zum Glück nicht nur unsere Oberfläche, sondern auch unser Inneres. Deshalb sind wir oft nach einem stressigen Tag auch am Mirkofon ein bißchen matt, ja manchmal sagen wir sogar, dass heute "einer dieser Tage" ist. Damit lenken wir den Eindruck, den das Publikum von uns hat.

Im Wrestling ist diese Lenkung überdeutlich. Eines der berühmtesten Gimmicks ist der Undertaker. Er trug lange Mäntel, redete wenig, bewegte sich langsam, hatte hauptsächlich schwarze Kleidung an, war immer recht blaß und stellte eine mythische Figur da, die stark mit dem Tod verbunden sein sollte. Durch sein Auftreten als großer Dude, wirkte er zwangsweise sehr mächtig. Dadurch entstanden sofort Erwartungen, wenn die Zuschauer*Innen ihn erblickten, ja sogar, wenn nur seine Musik gespielt wurde. Die Person hinter dem Undertaker war aber mitnichten eine mythische Figur, sondern ein ganz okayer Dude, der gerne Motorrad fährt und zurückgezogen lebt.

Auch im Poetry Slam gibt es prominente Beispiele für Personen, welche ein fiktionale Bühnenperson bemühen. So ist Nico Semsrott über Jahre hinweg mit schwarzem Kapuzenpullover und langsamer Sprechweise zu einer überspitzen Version eines Vorurteils geworden. Er wirkt lethargisch und depressiv, was ihm beim Vortrag seiner Texte dann einen zusätzlichen Multiplikator auf seine Pointen gibt, welche sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigen.



Michael Goehre hat den Ruf des Metalbeauftragten der Poetry Slam-Szene. Da er selbst auch der Metal-Szene angehört, trägt er auch die subkulturellen Erkennungszeichen. Lange Haarpeitsche, Bandshirts und so weiter. Das hat ihm nicht alleine seinen Titel verschafft. Er nimmt Metal als Thema in Texten auf, bemüht Begriffe der Subkultur in seinen Texten. Dadurch ergibt sich ein stimmiges Bild, ein vollständiges Gimmick, wenn mensch so will.

Bedeutet dass, die Beiden sind fake, so wie Wrestler-Gimmicks?
Nein.
Es bedeutet, dass sie Entscheidungen getroffen haben. Sie haben sich entschieden, was sie auf der Bühne darstellen wollen und wieviel bzw. welche Geschichte sie schon erzählen wollen, bevor sie mit ihrem Text beginnen. Niemand ist besser, weil er oder sie ein Gimmick verwendet. Es wird dann zu einer nützlichen Fläche, wenn Bewusstsein entsteht. So kann es auch sinnvoll sein, Handlungen auf der Bühne zu vollziehen, die entgegen dem stehen, was die eigenen Vorurteile hergeben. Sprich: Es ist eine große Überraschung, wenn der Metal-Beauftragte der Slamszene aufeinmal einen Rap-Text macht. Das Vorurteil zerschlagen wird zum Teil des Erlebnisses.

Sich seines Gimmicks bewusst zu werden ist auch deshalb sinnvoll, weil es Selbstbewusstsein erzeugt. Denn auch ohne eigene Konstruktion eines Bühnencharakters, entsteht dieser bei den Zuschauer*innen automatisch. Das lässt sich auch nur schwer verhindern. Wenn wir eine Person sehen, vergleichen wir sie mit allem, was wir wissen. Daraus leiten wir ein Urteil ab. Wenn wir uns unserer Wirkung bewusst machen, gewinnen wir an Kontrolle auf der Bühne. (Wie immer gilt: Neutrale Beobachtungen sind der Schlüssel, nicht Selbstbewertungen.)

Natürlich sind Requisiten beim Slam nicht erlaubt, da der Text im Fokus stehen soll. Trotzdem wird die Entscheidung im Fussballtrikot, in einer Trainingsjacke, in Metalkutte oder ohne Kleidung (Hallo Jan Schmidt!) beeinflussen, was die Zuschauer*innen über uns denken. Ob wir Texte machen, die unsere Darstellung unterstreichen, ihr widersprechen oder damit spielen, vervollständigt dieses Bild. Wichtig ist es zu wissen, welche Person, welches Gimmick, welche Bühnenpersönlichkeit wir darstellen wollen.



Survivalguide: Erkältung & Grippe

Jay Nightwind | 03.04.18 | / | 2 Kommentare
Foto: Hanna Flieder
Der Überlebenskampf drehte sich mal darum, Nahrung zu finden, eine sichere Bleibe zu finden und nicht von Dinosauriern gefressen zu werden. Das urbane Zeitalter hat die Bedrohungslage verändert, es sind nicht mehr die größten Lebewesen, sondern die Kleinsten, die uns jagen. Egal ob die Fünf-Sterne-Grippe aus der Kindertagesstätte oder auch eine reguläre Erkältung, die Bakterien sind da. Zu dem Zeitpunkt als ich dies schreibe, ist NRW in einer heftigen langatmigen Grippewelle gefangen. An dieser Stelle könnte ich ein "Walking Dead"-Szenario beschreiben, wäre aber unverhältnismäßig.

Ich für meinen Teil bin ein Profi darin, Erkältungen nieder zu schlagen. Ich verabscheue wehleidiges Rumgeflenne, denn eine wissenschaftliche Studie, die ich selbst durchgeführt habe hat gezeigt: Mitleid ist kein erfolgreiches Grippemittel. Ändert nichts, außer dass mensch sich legitimieren lässt, dass es okay ist krank zu sein. Was ironischerweise, je mehr mensch jammert, wieder weniger okay wird. So klug ist diese Strategie.

Als Viren-Preis-Boxer mit ewigem Bildungsauftrag, möchte ich euch an meinen Geheimnissen teilhaben lassen. Es sind keine echten Geheimnisse, sondern eine Sammlung von Strategien, die euch helfen können, der Grippe etwas entgegen zu setzen. Es ist für alle was dabei, von klassischen Tipps bis hin zu fragwürdigen Thesen. Die Reihenfolge ist zufällig.

1. Kleidung
Grippe und Erkältung tauchen häufig dann auf, wenn es draußen ordentlich kalt ist. Daher packen wir uns immer schön dick ein. Allerdings müssen wir uns bewusst machen, dass Bakterien sehr gut darin sind in Kleidung und Textilien zu wohnen. Natürlich ist es richtig, sich vor Kälte zu schützen, aber wer zum Beispiel mit einem Schal seinen Mund und Nase verdeckt, fängt auch alle Bakterien vor seinem Gesicht ab. Da Bakterien es auch gerne warm haben, halten wir sie mit Körperwärme in Form und atmen sie immer wieder schön selbst ein. Natürlich werde ich niemanden zwingen, sich von klirrender Kälte das Gesicht zerfrieren zu lassen. Aber nutzt Orte an denen ihr den Schutz nicht braucht, um die Textilien zum Beispiel zu wenden.

Auch daheim ist es wichtig über Kleidung nachzudenken. Denn in der warmen eigenen Butze, da fühlen sich die Bakterien natürlich wohler. Wer jetzt dem Klischee des Kranken nach direkt im Schlafanzug bleibt, wenn er morgens wach wird, trägt einen Anzug aus seiner eigenen Krankheit mit sich herum. Daher ist es nicht nur wichtig, diesen abzulegen, sondern insgesamt häufiger die Kleidung am Tag zu wechseln, um die eigene Wideransteckung in den Wäschekorb zu werfen. Bei Krankheit läuft die Waschmaschine bei mir öfter als sonst.

Auch für die Bettwäsche. Denn wer die erste Nacht in seinem Bett liegt, dort vielleicht sogar schön die Grippe ausbrütet, der sollte seine Bettwäsche ordentlich in kalter Luft auslüften oder gar nach der Nacht neu beziehen. Auch Unterdecken die leicht gewechselt werden können, können sinnvoll sein.

Wenn ihr darauf achtet, fallen euch selbst noch mehr Textilien und Orte ein, an denen ihr euch bei Krankheit immer wieder den eigenen Bakterien aussetzt. Denkt daran, dass sie Kälte nicht abkönnen und macht euch bewusst, wo sie wohnen, so könnt ihr sie leichter loswerden.

2. Ernährung
Vitamine helfen dem Körper eine intakte Abwehr zu haben. Viele Menschen neigen daher dazu, mit Beginn der Erkältung sich besonders viel Vitamin C rein zu pumpen. Erneut: Da habe ich gar nichts gegen. Ich empfehle mit starken Gemüsesuppen zu ergänzen, welche Flüssigkeit mitbringen und ebenfalls Ressourcen in den Körper bringen. Eine scharfe Suppe hilft ebenfalls, macht die Atemwege frei und bringt den Körper in Wallung. Allerdings gibt es hier auch ein Problem: Viel von den Vitaminen kommt quasi zu spät.

Der Körper bekämpft gerade bei hohem Energieaufwand einen Feind im Inneren. Was braucht der Körper, wenn er hart arbeitet? Energie! Empfehlung des Hauses: Schlechtes Essen ist gut! Alles was sonst böse ist, weil es zu viel "Energie" bzw. Kalorien hat, bringt Power in die Hütte! Eine Pizza mit doppelt Käse ist eine gerngesehende Medikation! (Wird nicht vom Arzt verschrieben und nicht von der Krankenkasse übernommen.)

Mein Hausarzt hat mir diese These tatsächlich bestätigt. Viren bekämpfen ist Sport bei eingeschränkter Funktion für den Körper. Daher erleiden manche von uns bei Krankheit auch Gewichtsverlust, da Fett- bzw. Energiereserven angegriffen werden. Es ist also klug, den Zugang zu mehr Ressourcen möglich zu machen.
Außerdem ist schlechtes Essen oft gut für die Seele und wenn es der Seele gut geht, dann zieht der Körper auch oft gerne mit. Er will ja kein Spielverderber sein. Also gönnt euch ordentlich, genießt euch!

3. Zu den Waffen
Wenn wir schon häufiger am Tag die Kleidungwechseln, können wir auch in die Offensive gehen. Es klingt dekadent, aber in Zeiten von Erkältung ist es eine kämpferische Handlung und kein Luxus: Geht mehrfach am Tag duschen. Ein Bad nehmen ist auch immer gut, duschen geht schön schnell und wäscht erneut die Bakterien runter. Das geht bei mir so gut, dass ich sogar das Gefühl habe, es zu spüren. Ich denke, der Körper merkt, wenn die Haut irgendwie besetzt wird. Und wo etwas besetzt wird, sind der Erfahrung nach oft Wasserwerfer im Einsatz. Also ab unter die Dusche!

Baden ist dann besonders gut, wenn ätherische Öle zum Einsatz kommen, welche ebenfalls die Atemwege frei machen. Das liegt daran, dass wir in der Wanne nebenbei inhalieren. Die Dämpfe des heißen Wassers lösen die Verstopfung in der Nase vorerst auf. Viele Menschen vergessen dabei aber, dass eben dieses Inhalieren auch regulär eine gute Option ist. Es geht schneller als sich eine Wanne ein zu lassen, ist sehr fokussiert und ehrlich gesagt fühlt es sich für mich wie die Sauna des kleinen Geldbeutels an.

Für die Einsteigerversion wird nur Wasser und etwas Salz gebraucht, dazu eine Schüssel, ein Wasserkocher und ein Handtuch. Wasser erhitzen, Salz in die Schüssel, Wasser drauf, Kopf drauf, hinter dem Kopf mit dem Handtuch alles so abdecken, dass die heiße Luft nur schlecht entweichen kann. Ich empfehle so lange darunter zu bleiben, wie es sich gut anfühlt. Nicht zu nah ans Wasser und ganz wichtig: Laufen lassen. Jaja, wir haben alle gelernt uns die Nase zu putzen, aber dieses Wasser wirst du eh für nichts mehr verwenden, also kann der Schnodder auch da rein. Wer die Inhalationszone zum Naseputzen verlässt, verliert dringende Zeit unter der Saunahaube. Die ist übrigens auch deshalb fantastisch, weil sie bei tiefer – dann – freier Atmung sogar die Stirnhöhlen wieder frei macht.

Das so genannte "Japanische Heilpflanzenöl" gibt es übrigens recht günstig in den bekannten Drogeriemarktketten. Ich hau mir das Zeug auch in den Rand meines Schlafshirts. Macht auch da ein bißchen was für die Atemwege, geht mir leider auch immer etwas auf die Augen, was aber dann zur Folge hat, dass mensch doch auch ganz gut schläft. Halt auch ausgeknockt.

4. Profis
Ja, Erkältung kann mensch ohne Ärzt*innen überstehen, trotzdem sollte mensch sich nicht selbst und schon gar nicht mit Hilfe des Internets diagnostizieren. Ja, ich weiß, ironisch, weil dieser Artikel im Netz steht. Das ersetzt aber niemals den Profi. Erkältungen und ihre Symptome können auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auftreten, die sicher nicht mit Pizza zu bekämpfen sind. Herzmuskelentzündung zum Beispiel, die sehr ernst zu nehmen ist. Daher denkt daran, dass ihr nicht unverwundbar seid.

Gesprächsstoff #007

Jay Nightwind | 29.03.18 | / / / | 2 Kommentare
Welche Frage würdet ihr gerne all euren Menschen stellen und weshalb? 

Malte meint:
Ein aufrichtiges "Wie geht es dir?" ist meist schon die beste und wichtigste Frage, die man stellen kann. Ich möchte nicht, dass diese Frage eine stupide Floskel wird, auf die man automatisiert mit "Jo, muss." oder "Passt schon." antwortet. Wenn ich einen Menschen frage, wie es ihm geht, dann möchte ich auch ernsthaft wissen, was gerade bei ihm los ist. Ansonsten verkneife ich mir diese Frage einfach und ersetze sie durch andere Begrüßungsfloskeln oder Smalltalk. Denn ganz ehrlich: Aus Selbstschutz vor der Überlastung durch Probleme anderer Menschen halte ich es für durchaus wichtig, dass man nicht von jedem Menschen wissen muss, wie es ihm jetzt genau geht und was ihn beschäftigt. Manchmal tut es der eigenen Seele auch ganz gut, die oberflächliche Ebene eines Gesprächs nicht zu verlassen.

Um oberflächlich, aber trotzdem angeregt zu quatschen, stelle ich übrigens allen Menschen vier ganz bestimmte Fragen:
1. Pudding mit oder ohne Haut?
2. Die oder das Nutella?
3. Ziehst du zuerst Hosen und dann die Socken oder zuerst die Socken und dann die Hose an?
4. Würdest du lieber dein Leben lang Pupse ohne Geruch haben oder mit witziger Melodie furzen?

Perfekte Eisbrecher und ich weiß direkt, ob mein Gegenüber vernünftige Positionen vertritt oder einfach nur wahnsinnig ist.


Jay sieht das so: 
Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Mensch Skill hat. Skill trennt sich von jeder gesellschaftlichen Bewertung, es geht mir nur um die ganz grundsätzliche Tatsache, dass mensch etwas kann. Meine Frage die ich gerne jedem Menschen auf der Welt stellen würde: Was möchtest du den anderen Menschen beibringen?

Das beinhaltet, welchen Skill mensch selbst hat und gleichzeitig in welcher Welt die Person leben will. Wenn jemand aufrichtig und von ganzem Herzen allen Menschen beibringen möchte, die Nasenflöte zu spielen, dann kommen alberne Zeiten auf uns zu. Fantastische alberne Zeiten, in den grober Unfug herrschen wird. Wenn uns dann noch Benehmen beigebracht wird, Nächstenliebe, fröhliche Tänze, Teezeremonien für die Ruhe und wie Sterne funktionieren, wann sollen wir dann noch Zeit für den ganzen Schmutz und Schrott haben?



Miriam sagt:
Als wir in unserer WG nach einer neuen Mitbewohnerin gesucht haben, haben wir jeder Bewerberin die gleichen Oder-Fragen gestellt: 

Couchpotato oder Partymaus?
Tiefkühl-Pizza oder selber kochen?
Frühaufsteher oder Langschläfer?

Klar, etwas alberne Fragen, aber es ging uns auch nicht darum, eine bestimmte, passende Antwort zu bekommen, sondern etwas über die Persönlichkeit der Menschen zu erfahren. Und genau das möchte ich immer, wenn ich ein ernsthaftes Gespräch mit jemandem führe. Ich möchte herausfinden „Wer ist dieser Mensch?“. Deshalb habe ich keine bestimmte Frage, die ich jedem Menschen stellen würde. Denn am Ende kann sowohl die Frage „Was ist dein Lieblingsessen?“ als auch „Was ist dir wichtig?“ zu einer Antwort führen, die etwas über mein Gegenüber verrät. Einzige Regel bei diesem ganzen Fragen-Stell-Kram: Wenn mir jemand etwas nicht erzählen möchte, dann muss das respektiert werden.

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"Gesprächsstoff" ist eigentlich eine so genannte Talkbox. Mit Fragen, die zum Gespräch anregen, weil sie nicht so aufgebraucht sind wie andere. Wir nutzen ein paar der Fragen des Basis-Sets, um unsere Gespräche hier im Blog anzuregen. Denn als Blogteam sind wir eigentlich in einer Kennenlernphase, wo es natürlich darum geht, herauszufinden, wer die anderen so sind. Aber wir wollen natürlich auch gerne mit euch sprechen und diskutieren, die Anreize nutzen und von euch neue Impulse bekommen. Also geht die Eingangsfrage natürlich auch an euch und wir freuen uns auf eure Kommentare.




How to Slam: Schreibübung "Welt ohne"

Jay Nightwind | 26.03.18 | / / | Kommentieren
Im kreativen Prozess geht es darum, für ein Problem eine neue Lösung zu finden. Diese Lösung muss für einen selbst neu sein. Wer Glück hat, findet so sogar eine Idee oder einen Ansatz, der für die ganze Welt neu ist. In einer Welt wie der heute, die so gut dokumentiert ist, in der es so vieles schon gibt, ist es manchmal schwer eine gute Idee zu haben. Die Welt ist progressiv und entwickelt sich jeden Tag weiter, aber was wäre eigentlich, wenn der moderne Mensch sich rückwärts entwickeln müsste? Und was passiert, wenn wir das als Grundlage der für eine Schreibübung nehmen?

Schreibübung: Was wäre wenn?

Als Schreibübung ist diese Fragestellung immer gut, auch zur Themenfindung. Das Verschieben der Realität ist eine gute Grundlage um kreativ zu werden. Einfach, weil unsere Denkstrukturen genau so funktionieren. Wenn wir Wissen erwerben, gleichen wir immer das uns Bekannte mit den Sachen ab, die dieses Bekannte herausfordern. Wenn wir jetzt also eine bekannte Welt herausfordern, sind wir gezwungen unser Wissen zu nutzen und daraus eine neue Ordnung zu erschaffen. Ordnung ist für uns wichtig, weil wir sonst dezent verrückt werden, wenn die Welt für uns keinen Sinn ergibt.

Was wäre also, wenn unsere Häuser aus Lebensmitteln bestehen würden? Was wäre, wenn Politiker nicht gewählt, sondern ausgelost würden? Was wäre, wenn morgen der allerbeste Tag meines Lebens wäre?

Die Fragen in sich erzählen noch keine Geschichte, aber so bald wir versuchen uns in eine dieser alternativen Welten einzudenken, kommen neue Fragen und Gedanken auf, die es uns erlauben anzufangen. Wir können anfangen diese neue Welt den Menschen zu beschreiben, die in der "alten Welt" leben. Ganze Romane und Genres basieren auf diesem Gedanken und erfreuen sich größtem Erfolg.

Schreibübung: Welt ohne
Ich für meinen Teil habe angefangen die "Was wäre wenn"-Übung anzupassen. Bei "Welt ohne" verwende ich einen Pool an Dingen und Errungenschaften, die ich mir auf Zettel geschrieben habe. Bevorzugt habe ich Sachen, die in unserem Leben inzwischen vollkommen selbstverständlich sind; Strom zum Beispiel.
Wenn ich anfange zu schreiben, ziehe ich nun einen dieser Zettel und fange an mich damit zu beschäftigen, wie unsere Welt aussehen würde, wenn diese Sache nicht mehr existieren würde. Manchmal sind es Dinge, bei denen ich mir einfach vorstelle, dass es sie ab morgen nicht mehr gibt. Das hat den Vorteil, dass ich nicht eine vollständiges neues Universum konstruieren muss, sondern die existierende Welt, in der ich mich ja ganz gut auskenne, für mich nutzen kann. Gelegentlich tilge ich aber eine Sache ganz aus unserer Geschichtschreibung. 

Um einen Einstieg ins Schreiben zu finden, arbeite ich von "klein" nach "groß" und mache mir Notizen. Zum Beispiel mit folgenden Fragen:

- Was beudetet diese Veränderung für meinen Alltag?
- Was verändert sich in meinem Leben dadurch?
- Was für Unterschiede macht das in meinem Freundeskreis?
- Wie schlägt sich das auf meine Stadt nieder?
- (Was passiert mit einem Staat, nach der Änderung?)

Von da steige ich in eine Erzählung ein, basierend auf der für mich spannensten Unterscheidung zu unserer reallen Welt. Oft bleibe ich dabei in meiner Perspektive, manchmal wähle ich aber Textformen, die es erlauben anders zu erzählen. Die letzte Frage steht in Klammern, weil sie manchmal für die Erzählung einfach zu groß ist.

"Welt ohne" gestaltet sich dabei für mich nicht nur als interessante Schreibübung, sondern zeigt sich auch als gute Reflektionsübung. Natürlich mache ich mir bestimmten Luxus meines Lebens beim Umreißen und Schreiben sehr bewusst. Da natürlich kreatives Arbeiten immer auch Kopfarbeit ist, kann es nicht schaden, wenn dort alle Muskeln geflext werden.

Schreibaufgabe:
Ich möchte hier natürlich nicht nur Methoden vorstellen, sondern auch praktisch umsetzen. Das läuft ganz einfach: Wenn eine Übung vorgestellt wird und ihr sie ausprobiert, dann schickt uns euer Ergebnis zu. Gerne dürft ihr auch als Kommentar anfügen, was euch leicht gefallen ist, was schwer und wie ihr mögliche Hindernisse der Methode für euch gelöst habt. Wir veröffentlichen einige der eingesandten Ergebnisse und geben dazu ebenfalls Kommentar und Feedback ab.

Wenn ihr uns also etwas schicken wollt, dann packt eure Ergebnisse, ein Foto von euch (das wir dann verwenden dürfen), einer Ein-Satz-Biografie und den Links zu eurem Online-Zuhause in den Anhang einer Mail, die ihr dann an Nachtwindteam bei googlemail.com schickt.

Wir versprechen keine Veröffentlichung und auch keine kommentierte Antwort, versprechen aber uns zu bemühen. Einsendeschluss ist zwei Wochen nach Veröffentlichung dieses Beitrages.

How to Slam: Schreibübung "Automatisiertes Schreiben"

Jay Nightwind | 12.03.18 | / / / | Kommentieren
Wenn man eine Sache oft genug macht, dann wird sie zur Gewohnheit. Das haben wir bei "How to Slam" schon mal etabliert gehabt, kennen wir aber auch aus dem Alltag. Was wir erst als Pflicht empfinden, zum Beispiel jeden Morgen sein Bett zu machen, wird irgendwann eine Ritual und Automatismus. Es wird von mal zu mal leichter.

Beim Schreiben und anderen künstlerischen bzw. schöpferischen Tätigkeiten ist das ganz ähnlich. Durch die Wiederholung fällt es uns leichter. Allerdings steigen gleichzeitig auch unsere Ansprüche. Durch unser Wissen über ein Handwerk erlangen wir die Fertigkeit, Arbeiten diesen Feldes kritisch zu betrachten. Auch unsere eigene. Wenn dann der Anspruch einmischt, eine "originelle" oder "gute" Idee zu haben, kann es passieren, dass wir den Prozess verdrehen. Die Kritik kommt zum Tragen, noch bevor wir experimentieren oder produzieren. Das Ende vom Lied. Im Wahrsten Sinne. Denn wir spielen keine einzige Note, bringen keine Worte in den Text.

Mit Hilfe des "Automatisierten Schreibens", wollen wir dieses "kritische Ich" ausschalten und den Arbeitsprozess so aufstellen, dass die Kritik ganz ganz am Ende kommt. Ursprünglich wurde diese Methode in der psychiatrischen Behandlung verwandt. Menschen wurden in einen Zustand der Trance oder Halbschlaf versetzt und bekamen die Aufgabe, alle ihre Gedanken aufzuschreiben. In diesem Zustand waren die kritischen Regeln der echten Welt ausgeschaltet. Durch die ungefilterten Notizen versuchten behandelnde Psycholog*Innen zu erfahren, was ihre Patienten umtreibt.

How to "Automatisiertes Schreiben":
- Zu ersteinmal wird empfohlen, ein analoges Schreibmittel zu verwenden. Stift und Papier erfüllen diesen Zweck vollständig.
- Kritik entsteht oft auch da, wo wir Regeln erkannt wurden. Fürs automatisierte Schreiben trennen wir uns von Rechtschreibung, Grammatik, Stilvorgaben und versuchen uns auf die spontanen Einfälle unseres Kopfes zu verlassen.
- Egal was unser Kopf uns hinwirft, wir schreiben uns das G anze sofort auf. Im besten Fall bemühen wir uns, niemals den Stift abzusetzen und immer weiter zu schreiben. Da es keine Regeln für uns gibt, gibt es kein richtig/falsch /gut/schlecht. Die Einfälle sind erstmal das, was sie sind: Einfälle.
- Stift in die Hand, starten!


Als Basis für Textarbeit ist diese Methode nicht nur sehr zu empfehlen, sondern auch von sehr prominenten Künstler*Innen eingesetzt worden. Wer seine Einfälle zu einem geschlossenen Text hocharbeitet, bekommt einen "Stream of Conciousness"-Text. Einen Strom der bewußtgemachten Gedanken.

Es entsteht - in meiner Wahrnehmung - eine Art intellektuelles Maschinengewehr, welches mit hohem Erzähltempo und großer Dichte an Gedanken Zuhörer*Innen nah am Text hält, da ein kurzes Aussteigen zur Folge hat, das etwas verpasst werden könnte. Bekannte Slam-Poet*Innen die mit diesem Stil auf der Bühne arbeiten sind Miedya Mahmod, Sven Hensel und Benjamin Poliak.

Quellen:
- https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%89criture_automatique


Schreibaufgabe:
Ich möchte hier natürlich nicht nur Methoden vorstellen, sondern auch praktisch umsetzen. Das läuft ganz einfach: Wenn eine Übung vorgestellt wird und ihr sie ausprobiert, dann schickt uns euer Ergebnis zu. Gerne dürft ihr auch als Kommentar anfügen, was euch leichtgefallen ist, was schwer und wie ihr mögliche Hindernisse der Methode für euch gelöst habt. Wir veröffentlichen einige der eingesandten Ergebnisse und geben dazu ebenfalls Kommentar und Feedback ab.

Wenn ihr uns also etwas schicken wollt, dann packt eure Ergebnisse, ein Foto von euch (das wir dann verwenden dürfen), einer Ein-Satz-Biografie und den Links zu eurem Online-Zuhause in den Anhang einer Mail, die ihr dann an Nachtwindteam bei googlemail.com schickt.

Wir versprechen keine Veröffentlichung und auch keine kommentierte Antwort, versprechen aber uns zu bemühen. Einsendeschluss ist zwei Wochen nach Veröffentlichung dieses Beitrages.

Shorts - Orientierungslos

Der Nachtwind | 09.03.18 | / / / | Kommentieren