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Gesprächsstoff #003 - die längste Minute

Was war die "längste Minute", die du je überstehen musstest?

Tobi sieht das so:
Es gab zwei Situationen, wo die Minuten ungefähr gleich lang und kritisch waren.

Die erste Minute war im Februar diesen Jahres. Meine Ausbildungstruppe und ich waren in der IHK zu Duisburg und haben unsere Ergebnisse der Abschlussprüfung mitgeteilt bekommen.

Wir wurden in zwei Gruppen aufgeteilt und dann in einen separaten Raum geführt, wo wir die Ergebnisse bekommen haben. Zumindest die, die bestanden haben. Aber das weiß man ja vorher nicht.

Der Gang in den separaten Saal, das Aufreihen und das Abwarten hat vielleicht etwas mehr als eine Minute gedauert aber Holladibolla: Bei einem Puls von mindestens 200 und kleinen Schweißperlen auf der Stirn ist es letztendlich egal, es kommt dir eh alles wie eine Ewigkeit vor.

Die zweite Situation beinhaltet eine Kiste Bier und eine S- Bahn, die ohne Toilette unterwegs ist. Ums kurz zu machen: Ich hatte noch einen Halt bis zum Zielbahnhof und musste so dermaßen dringend pinkeln, dass ich schon kurz davor stand, zu beten.

Aber in beiden Fällen ist es grade noch so gut gegangen ;-)


Jan sagt:

Mein Vater wurde von einem zu schnellen Fahrzeug erfasst. Er war mit dem Kühler am
Schienenbein getroffen worden, ist mit dem Kopf auf die Frontscheibe geschlagen, dann durch die Luft gewirbelt und auf seinem Gesicht ein paar Meter vor dem Fahrzeug auf den Boden aufgeschlagen. Seine Einkäufe waren über die gesamte Straße verteilt, irgendwelche unwichtigen Lakritzsüßigkeiten.

Ich lief erst zu ihm. Alles roch nach Blut. Falls ihr euch fragt, es ist ein metallischer Geruch, wie rostige Oberflächen. Ich erinnere mich, dass irgendjemand zu ihm gekommen war und erste Hilfe leistete. Ich hatte auch mein Telefon am Kopf, stand mitten auf der Straße. Ich setzte einen Notruf ab, wenn auch ich mich nicht mehr an dieses Telefonat erinnere. Später sagte man mir, dass viele Notrufe für die Situation gleichzeitig eingingen.

Dann räumte ich vollkommen sinnlos die Einkäufe zur Seite, weil ich nicht wollte, dass noch etwas passierte. Arbeitskollegen meines Vaters, die zufällig auch da waren, sperrten mit ihren Abschleppwagen die Unfallstelle so ab, dass keine Fahrzeuge mehr hätten hineinfahren können. Einer der Fahrer war auch ehrenamtlich beim roten Kreuz. Auch er leistete erste Hilfe. Vermutlich passieren die Dinge in anderer Reihenfolge. In meinem Kopf ist alles gleichzeitig gespeichert. 

Während ich Lakritze an den Bordstein schob, vollkommen unter Schock, kam ein fremder Mann und fragte mich, ob den alles okay ist. Ich erinnere mich nur daran, sehr feste umarmt, ja fast schon zerdrückt zu werden, während ich schrie und weinte.

Es kamen Rettungskräfte, ein großer Koffer mit Fläschen wurde geöffnet, ich ging von selbst wieder von der Stelle weg, weil ich innerlich wusste, dass ich hier nur störe. Später erfahre ich, dass mein Vater vielleicht nur überlebt hat, weil auf dem anliegenden Flohmarkt zufälligerweise zwei iranische Chirurgen waren, die sofort zur Hilfe eilten. Ich bereue, dass ich mich nie bedanken konnte.

Dann irgendwann saß ich in einem Rettungswagen und rief in der Firma an, dass jemand zu meiner Mutter hoch sollte, bevor ich sie anrufe. Plötzlich war ich wieder sehr sortiert. Ich rief Thomas, einen meiner Engsten, an, weil er zum Uni Klinikum kommen musste, damit ich das durchstehen kann. Als dann jemand bei meiner Mutter war, konnte ich ihr auch am Telefon sagen was geschehen war.

Im Polizeibericht und im Unfallbericht stand, dass das alles in Fünf Minuten passiert ist. Mein Vater hat übrigens überlebt. Vom Gefühl her dauert aber dieser eine Moment noch bis heute an.

Malte denkt sich:


Zeit, die plötzlich ewig dauert, ist tatsächlich ein immer wiederkehrender Alptraum von mir. Es passiert immer wieder, dass ich in einem Traum auf eine Straße falle, in der Ferne ein Auto sehe und mich plötzlich nur noch in Zeitlupe bewegen kann.

Das ist tatsächlich das, was am ehesten an das Thema der hiesigen Frage herankommt. In der jüngeren Vergangenheit fällt mir selbst nach langem Überlegen nichts ein, wo die Zeit für mich merklich langsamer verstrich.

Erst, wenn ich wirklich weit in meine Kindheit gehe, gibt es dort eine Situation, die noch völlig klar in meiner Erinnerung sitzt: In der vierten Klasse war ich auf einem Schulausflug im Sauerland. In der Jugendherberge kaufte ich mir eine Flasche Fanta, die ich im Prinzip direkt nach dem Erhalt schon zu Boden fallen ließ. Der komplette Sturz der Flasche und das Zerbersten auf dem Boden haben sich vor meinen Augen in Zeitlupe abgespielt, ich stand auch danach noch wie erstarrt und habe auf die Scherben gestarrt, bis meine Lehrerin mich ankeifte, dass ich doch mal die Scherben aufsammeln könnte.

Ich habe keine Ahnung, wieso mir dieses Erlebnis noch immer so präsent im Kopf ist, noch wieso es mich damals so sehr schockiert hat. Meine Vermutung ist, dass ich als Kind riesige Probleme damit hatte, mir einzugestehen, etwas nicht zu können oder Fehler zu machen. Scheitern war für mich absolut schrecklich. Die Tatsache, dass ich in aller Öffentlichkeit nicht dazu in der Lage war, eine Flasche zu tragen, schien mich völlig zu paralysieren. Ich weiß noch, wie ich danach dann eine Scherbe aufhob, eine Mutter dazu kam und mir mit dem Rest half. Als ich ihr die letzte Scherbe geben wollte, die ich die ganze Zeit in der Hand hielt, war alles voller Blut, da ich mich die ganze Zeit, ohne es zu merken, komplett um dieses Stück Glas verkrampft habe.

Während des Schreibens bin ich wirklich erstaunt, wie deutlich sich alles wieder vor meinem inneren Auge abspielt, auch wenn Erinnerungen natürlich immer trügerisch sein können.

Andy erzählt:

Ich war sehr jung. Ich erinnere mich leider nicht, wie alt genau ich gewesen bin. Ich denke fünf oder sechs. Vielleicht bin ich aber auch schon sieben oder acht gewesen. Ich weiß es nicht.

Es war die Nacht von Silvester auf Neujahr. Ich war mit meiner Mutter und meinem Vater wie jedes Jahr oder die Jahre danach, bei Freunden der Familie. Sie hatten eine Tochter in meinem Alter und meine Mutter hat sie bei Weiterbildungsmaßnahmen für Spätaussiedler kennengelernt. Sie kamen auch aus Polen. Wir trafen sie oft und so auch dieses Silvester.

Mein Vater ist Alkoholiker und zu der Zeit versuchte meine Mama das noch vor Freunden  und Bekannten zu verstecken. Mir war das Ganze aber schon bewusst. Jedes Wochenende, an Feiertagen und so weiter wurde mir gezeigt, welche Wirkung Alkohol auf Menschen haben kann. Mein Vater kannte beziehungsweise kennt kein Ende. Er kann einfach nicht aufhören zu trinken.
Ich weiß nicht genau, wie es im Wohnzimmer bei den Erwachsenen zuging. Ich denke meine Mutter wurde immer mulmiger, je betrunkener mein Vater wurde, sagte aber nichts um die Tarnung einer intakten Familie zu wahren. Ich war beschäftigt mit Spielen und war sogut wie nie im Wohnzimmer.

 Irgendwann war es Zeit nach Hause zu gehen. Erst mit der U-35 von der Markstraße bis zum Hauptbahnhof und dann weiter mit dem Taxi nach Höntrop. Ich erinnere mich nicht an die Rückfahrt. Nur eine Minute, spielt sich sehr detailliert vor meinem inneren Auge ab. Wir sind Rolltreppe gefahren. Mein Vater hatte vorher wahrscheinlich meine Mutter angeschrien, beleidigt und degradiert. Alltag.

Mein Vater stand auf der Rolltreppe einige Meter vor uns. Meine Mutter und ich zusammen auf einer Stufe weiter unten. Ich hielt ihre Hand.  Es war die Rolltreppe auf der gegenüberliegenden Seite von McDonalds am Boulevard. Es ging hoch. Ich erinnere mich wie ich ihn beobachtete. Mein Vater war unter Alkoholeinfluss unberechenbar. Man wusste nie, wann er entschied, dass es an der Zeit war handgreiflich zu werden. Man musste ihn also ständig beobachten und durfte nie Unaufmerksamkeit sein. Also beobachtete ich ihn still und aufmerksam. Ich erinnere mich wie er, während der gesamten Fahrt zwar stand, aber sehr heftig taumelte. Irgendwann, es war im letzten Drittel der Rolltreppe, schwankte er sehr stark. Ich realisierte, dass er so stark kippte, dass er fallen musste.

Der Point-of-no-Return war überschritten. Dieser Moment. Diese wenigen Sekunden spielten sich in Zeitlupe ab. Ich realisierte, dass er fallen würde. Ich weiß noch, dass ich darüber nachdachte wie schmerzhaft ein Fallen auf die metallischen Streben der Rolltreppe sein müsste. Ich weiß noch wie ich realisierte, dass ich zu weit weg war um ihn festzuhalten oder am Fallen zu hindern. Ich weiß noch, dass ich mir vorstellte, wie er mit dem Gesicht auf diese seltsam geformten metallischen Treppen fallen würde. Und ich weiß noch, dass ich es gern verhindert hätte.
Ich weiß nicht mehr, ob ich hingesehen hatte oder die Augen verschlossen hatte. Tatsächlich kann ich mich auch nicht daran erinnern wie genau er gefallen ist und ob er nun auf dem Gesicht oder dem Hinterkopf aufgekommen ist. Das nächste an das ich mich erinnere war Blut. Viel Blut auf der ganzen Rolltreppe. Danach war er weg.
Ich weiß nicht mehr, wie es passiert ist. Aber ich weiß noch das meine Mutter einen Taxifahrer bat auf mich aufzupassen und loszog um meinen Vater zu suchen. Ich war danach sehr sortiert und klar. Ich erinnere mich an ein sachliches Gespräch darüber was passiert war und schweigen mit dem Taxifahrer und das er einen Funkspruch von der Zentrale erhielt für einen neuen Auftrag. Ich sagte ihm, dass es kein Problem wäre, mich alleine zu lassen. Ich würde klarkommen und würde einfach auf meine Mutter warten. Ich war zu diesem Zeitpunkt sehr rational und logisch. Ich wollte nicht wegrennen, nicht spielen sondern einfach meine Aufgabe erfüllen. Zu Warten bis meine Mutter wiederkam.

Ihr so wenig, wie möglich zur Last zu fallen. Es war niemand nötig, der auf mich aufpasste. Aber das verstand niemand. Aber es war in Ordnung. Es ging nicht um mich und eine Diskussion über meine Selbstständigkeit half niemandem. Der arme Taxifahrer tat ja auch nur was ihm aufgetragen wurde und meine Mama hatte andere Probleme. Ich wartete also einfach. Diese Sekunden, direkt nach dem Point-of-no-Return, sind wohl die längsten Sekunden, die ich bis heute erlebt habe. Nie wieder passierte irgendetwas in Zeitlupe.


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"Gesprächsstoff" ist eigentlich eine so genannte Talkbox. Mit Fragen, die zum Gespräch anregen, weil sie nicht so aufgebraucht sind wie andere. Wir nutzen ein paar der Fragen des Basis-Sets, um unsere Gespräche hier im Blog anzuregen. Denn als Blogteam sind wir eigentlich in einer Kennenlernphase, wo es natürlich darum geht, herauszufinden, wer die anderen so sind. Aber wir wollen natürlich auch gerne mit euch sprechen und diskutieren, die Anreize nutzen und von euch neue Impulse bekommen. Also geht die Eingangsfrage natürlich auch an euch und wir freuen uns auf eure Kommentare.

Was steckt hinter einer Zugfahrt?

Der Hartmann | 01.08.17 | / | 1 Kommentar
Wir alle sind schon mal mit der Bahn gefahren oder nutzen sie regelmäßig. Doch was steckt hinter einer Zugfahrt? Was muss im Vorfeld gemacht werden, was passiert während der Fahrt? 

Ich versuche das Wesentliche kurz anzureißen und euch näher zu bringen, denn da steckt eine ganze Menge hinter:
Fangen wir vor der Fahrt an.

Es beginnt mit einem Unternehmen, das eine Fahrt durchführen will. Nehmen wir mal als Beispiel DB Cargo, die einen Güterzug von Seelze bei Hannover nach Gremberg in Köln fahren möchte.

Das Eisenbahnverkehrsunternehmen beantragt nun bei der DB Netz AG diese Fahrt. Die DB Netz AG hat den Großteil des deutschen Schienennetzes in ihrer Verantwortung und kümmert sich um Nutzung und Instandhaltung der Gleise.

Nun schaut ein Mitarbeiter nach einer freien Trasse, die dieser Zug belegen kann und es wird ein Fahrplan ausgestellt.

Das ist wichtig, denn ohne Fahrplan darf kein Zug fahren.
Mit diesem Fahrplan bekommt der Zug eine Zugnummer, die Uhrzeiten und den Laufweg zugeteilt.

In der Zwischenzeit wird im Rangierbahnhof Seelze der Zug zusammengestellt und ein Triebfahrzeug (also eine Lok) davorgehängt.
Der Lokführer oder ein Mitarbeiter des Rangierbahnhofes sind nun damit beauftragt den Zug für die Fahrt vorzubereiten.

Jeder Wagen wird bei einer Wagenprüfung auf Mängel inspiziert und die Bremse im Zugverband wird bei einer sogenannten "Bremsprobe" getestet.
Wenn dann soweit alles in Ordnung ist und der Zug einen Fahrplan hat, ist der Zug abfahrbereit.

Der Lokführer meldet das dem Fahrdienstleiter, der dem Zug dann eine Fahrstraße aus dem Bahnhof auf die freie Strecke einstellt.
Eine Fahrstraße ist ein gesicherter Fahrweg, auf dem der Zug sich bewegt und den Zug dahin fahren lässt, wo er hin soll.

Was macht der Lokführer eigentlich während der Fahrt?
Das Gerücht, er würde nur einen Knopf drücken und er kann die Füße hochlegen, hält sich hartnäckig.

Doch dem ist nicht so, denn der Kollege im Führerstand muss die Signale am Fahrweg beobachten, wissen, was sie bedeuten und deren Bedeutung umsetzen. Und bei Signalen ist es nicht mit einem grünen und einem roten Licht getan.
Nein, es gibt für jeden Pief ein Signal, das eine ganz bestimmte Verhaltensweise des Lokführers fordert.

Außerdem muss der Lokführer in gewissem Maße seinen Fahrweg beobachten und Unregelmäßigkeiten dem Fahrdienstleiter melden. Im Notfall muss er die richtigen Maßnahmen treffen und seinen Zug sicher zum Halten bringen.
Außerdem muss er seine Zugsicherungssysteme bedienen, damit die Fahrt sicher und reibungslos ablaufen kann.

Eine weitere Personengruppe, ohne die sich kein Rad drehen würde, sind die Kollegen im Stellwerk, die sogenannten Fahrdienstleiter.

Sie haben in ihrem Stellwerk einen festgelegten Bereich, für den sie zuständig sind.
Sie sorgen dafür, dass die Züge in diesem Stellbereich dahin fahren, wo sie hinsollen, geben den Kollegen im Führerstand die Zustimmung zur Fahrt durch Stellen von Signalen oder Ersatzmaßnahmen bei Unregelmäßigkeiten, ergreifen im Notfall Maßnahmen (wie etwa Notrufe an die Lokführer abgeben), und disponieren in gewissem Maße.
Außerdem kümmern sie sich um die Beseitigung von Störungen, sofern dies möglich ist. Wenn nicht, wird ein Disponent der Entstörungsstelle informiert, der wiederum die Techniker koordiniert.

Das ist jetzt alles nur sehr grob, die Aufgaben von Lokführern und Fahrdienstleitern sind wesentlich komplexer und umfangreicher, als hier beschrieben. Das würde hier allerdings den Rahmen sprengen.

Kommen wir zu einem sehr leidigen Thema: Die Verspätung.
Jeder kennt sie, keiner mag sie. Doch wo kommen sie her?
Die Gründe für Verspätungen sind sehr vielfältig. Eine sehr häufige Verspätungsquelle ist tatsächlich der Fahrgast, denn beim Halt im Bahnhof läuft oft nicht alles nach Plan.
Fahrgäste berserkern in den Zug, bevor alle, die aussteigen wollen, den Zug verlassen haben, sie blockieren Türen, weil sie noch auf jemanden warten, 50 Leute nutzen eine Tür, statt sich auf mehrere Türen aufzuteilen und, und, und.
Das kostet leider alles recht viel Zeit und ist unter anderem mit dieser "Verzögerung im Betriebsablauf" gemeint.

Was in letzter Zeit stark vermehrt auftritt und die Fahrzeiten der Züge über den Haufen schmeißen, sind Personen oder Kinder am, bzw. Im Gleis.
Das bedeutet, dass Züge nur sehr langsam oder gar nicht fahren, damit niemand zu Schaden kommt.

Das sorgt natürlich dafür, dass die vorgegebenen Zeiten nicht eingehalten werden können und ist für alle Beteiligten sehr ärgerlich.
Ebenfalls eine Verspätungsquelle ist der Mischverkehr.
Hier in Deutschland teilen sich Fernverkehrszüge das Netz bis auf einige Ausnahmen mit dem Nah- und Güterverkehr.

Im besten Falle ist alles pünktlich und es passt. Die Fahrpläne sind so ausgelegt, dass
sich die Züge nicht behindern. Allerdings klappt das nicht immer. Nehmen wir als Beispiel den Essener Hbf. Das Ruhgebiet ist ein Ballungsraum, wo viele Züge in einem relativ geringen zeitlichen Abstand fahren.

Wenn der RE1 von Hamm nach Aachen den Essener Hbf statt wie geplant zur Minute 09 abfährt, sondern erst um 12 oder 13, ist der ICE, der um 15 abfährt blockiert und fährt unmittelbar hinter dem RE1, der noch einen Halt mehr hat, als der ICE.
Folge davon ist, dass der ICE Duisburg Hbf mit ein paar Minuten Verspätung erreicht. Auch das ist ärgerlich, ist aber kaum zu ändern, denn die Zugdichte im Ruhrgebiet ist immens.
Auch die Witterung ist ein Grund, warum es manchmal nicht so richtig rund läuft.

Beispielsweise im Herbst gibt es oft das Problem, dass sich bedingt durch Laub und hoher Luftfeuchtigkeit ein Schmierfilm auf den Schienenköpfen bildet. Das sorgt dafür, dass die Räder beim Anfahren sehr schnell durchdrehen (bei der Bahn "Schleudern" genannt) und beim Bremsen sehr schnell blockieren (bei der Bahn "Gleiten" genannt). Deswegen muss dann früher und weniger kräftig gebremst und behutsamer angefahren werden. Das sorgt natürlich dafür, dass der Fahrplan schnell mal nicht eingehalten werden kann. Man kann den Fahrplan allerdings nicht anpassen, weil Wetter nun mal sehr wechselhaft ist.
Und dann gibt es noch Störungen oder externe Einflüsse, die den Betrieb aufhalten.

Streckensperrungen und Umleitungen nach Personenunfällen, defekte Fahrzeuge, defekte Weichen oder Signale, polizeiliche Anweisung und, und, und... Die Liste ist sehr lang und sorgt dafür, dass oft nicht alles nach Plan läuft.
 
Niemand freut sich über Verspätungen. Lokführer und Zugbegleiter kommen nicht pünktlich in den wohl verdienten Feierabend, Fahrgäste nicht pünktlich ans Ziel und Disponenten telefonieren sich die Ohrmuschel heiß.

Verspätungen lassen sich allerdings nicht verhindern. Deswegen sollten wir versuchen, es mit Humor zu nehmen und uns nicht unentwegt darüber aufregen.
Es sei versichert, dass wir Eisenbahner uns jeden Tag den Allerwertesten aufreißen, damit ihr möglichst zügig und vor allem SICHER ans Ziel kommt.

Ich hoffe, dass dieser ganz kleine Einblick vielleicht die ein oder andere Frage geklärt hat.
Bis dahin

Vlog #009 - Bei der WXW

Der Nachtwind | 31.07.17 | / / / | Kommentieren

Gesprächsstoff #002 - Das Essen mit einem Klon

"Angenommen du würdest mit einem exakten Klon deiner selbst zu Abend essen – glaubst du ihr würdet eure Gesellschaft genießen?"

Jan:
Vorne weg: Nein.
Nicht, weil ich irgendwie ein schlimmer Mensch wäre – Ich glaube beobachten zu können, dass ich die meiste Zeit am Tag ziemlich erträglich bin – Sondern weil ich befürchte, dass mir meine eigene Medizin nicht schmecken würde.

Seit einiger Zeit hat sich meine Art zu kommunizieren verändert. Ich bemühe mich viel stärker, empathisch zu sein. Das bedeutet die eigene Meinung in den Hintergrund zu stellen und sich auf die Gefühlslage und die Gedanken seines gegenüber einzulassen. Dabei hilft es nicht, Ratschläge zu geben und Anekdoten zu erzählen, am besten geht es, wenn mensch offene Fragen stellt, die das Gegenüber auch zur Auseinandersetzung mit sich selbst bringen.

So gut das ganze aber auch gemacht und gemeint sein mag, bekomme ich immer mal wieder das – freundschaftlich vorgetragene – Feedback, dass mein Gegenüber ausrastet, wenn ich jetzt noch eine Frage stelle. Das hinterlässt mich oft etwas ohnmächtig. Wenn ich nun am Tisch mir selbst gegenüber sitzen würde, wäre ich ebenfalls der Mauer aus Fragen ausgeliefert, während ich vermutlich selbst auch versuchen würde, per Fragen empathisch das Gespräch zu führen. Natürlich ist Interesse gut, aber wenn wir uns Beide dann nichts Erzählerisches anbieten können, verschiebt sich alles in ein schiefes und seltsames Verhör.

Dazu würde es auch sehr von meiner Tagesbestform abhängen. Denn ich habe immer mal wieder Phasen, in denen ich mich selbst überhaupt nicht ausstehen kann. Es ist mir dann unverständlich, wie Menschen mich mögen oder vielleicht sogar lieben können. Meine Eigenschaften und Launen empfinde ich dann als störend und bemühe mich darum, den größtmöglichen Abstand zu meinem Umfeld einzuhalten, weil ich Angst habe, etwas Verletztendes zu sagen oder aufrichtig von ganzem Herzen panne zu sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass an so einem Tag ein Treffen mit meinem exakten Klon gut ausgehen würde, selbst wenn er bessere Laune als ich hätte. Klar, er würde mir empathisch zu hören, aber ob ich mich darauf dann einlassen könnte, steht auf einem ganz anderen Blatt. Vermutlich fände ich es aber dann deshalb trotzdem sehr spannend, mit mir am Tisch zu sitzen: Ich würde gerne mal unter realen Bedingungen sehen, ob ich mich selbst aus diesen Launen und Phasen herausziehen kann.

Malte:
Ich glaube, ein Abendessen mit einem mir völlig identischen Klon wäre unfassbar langweilig. Ich bin ein Mensch, der es sehr zu schätzen weiß, sich anschweigen zu können, ohne dass es unangenehm wird.

Ein Abendessen zwischen zwei Maltes würde also so aussehen, dass wir schweigend unser Essen vertilgen, danach vielleicht noch gemeinsam etwas zocken und dabei weiterhin einfach die Klappe halten. Es fällt mir manchmal sehr schwer, aus eigenem Antrieb von meinem Tag zu berichten, wenn nicht irgendein besonderes Stichwort gegeben wird. Wäre mein gegenüber ich selber, würde dieses Stichwort allerdings nicht kommen. Die Wahrscheinlichkeit, große Erkenntnisse über mich selbst zu erlangen, schätze ich also als sehr gering ein.

Konfliktpotential würde es höchstens dabei geben, dass wir nicht Beide den selben Charakter bei Mario Kart auswählen könnten und irgendeiner von uns würde sich enorm aufregen, mal nicht zu gewinnen. Vielleicht wäre es also eine ziemlich blöde Idee, nach dem Essen noch gemeinsam vor der Konsole zu hocken, auch wenn das Unterhaltungspotential für andere Menschen nur so auf ein erträgliches Level gehoben werden würde.

Konkret gesagt: Würde ich so einen Abend genießen? Ich glaube, es wäre mir egal, ob ich alleine oder mit einem zweiten Ich im Zimmer wäre. Genuss würde da nicht aufkommen. Dazu sind mir ein paar Unterschiede im zwischenmenschlichen Kontakt einfach zu wichtig.


Tobi:
Kommt drauf an, was es zu Essen gibt ;-)

Nein, keine Ahnung. Ich kann natürlich nur mutmaßen. Allerdings bin ich zwiegespalten.

Auf der einen Seite glaube ich, dass es angenehm ist mit jemandem unterwegs zu sein, bei dem ich kein schlechtes Gewissen haben muss, dass ich zu viel von meiner Arbeit und der Bahn rede.

Auf der anderen Seite: Wenn ich mit meinem Klon rede (also mit mir selbst), dann weiß ich das ja schon alles und kann mir nichts Neues erzählen.
Und wer mich kennt weiß: Ich bin unfassbar schlecht was Smalltalk angeht. Dieses unangenehme Schweigen passiert mir jetzt schon zu oft. Kaum vorzustellen wie es wäre, wenn ich dann mit mir reden müsste.

Es würde wohl so enden, dass wir beide uns so lange Bier reinschrauben, bis wir Beide voll sind, wie ein Schwamm. Dann könnte es wohl ganz lustig sein, auch wenn ich mich spätestens am nächsten Morgen schlecht fühle, weil ich so viel getrunken habe und bestimmt wieder irgendeine Scheiße gebaut habe. Und sei es nur, dass ich noch lauter rede, als so schon.
Oder, was auch gut sein könnte, dass wir Beide uns einfach aufs Sofa klatschen und beim genüsslichen Bier entspannt eine Runde Reggae hören.

Ergo: So lange nicht geredet wird, ist's bestimmt ganz nett. Aber kein Vergleich zum Essengehen mit Leuten, die ich wirklich gern habe. Wie etwa dem restlichen Team des Blogs ( <3 )

Andy:
Ehrlich gesagt, glaube ich: ja. Ich müsste mir keine Gedanken machen, ob es meinem Gegenüber tatsächlich schmeckt oder er sich wegen etwas unwohl fühlt.

Außerdem wäre es fürchterlich interessant mich selbst dabei zu beobachten, wie ich esse oder mich im Gespräch verhalte. Wie ist meine Gestik? Wie meine Mimik?

Und das heißt mein Klon würde das genau so sehr genießen wie ich und niemand müsste ein schlechtes Gewissen haben. Außerdem wäre das eine perfekte Möglichkeit ein paar Punkte auszudiskutieren, bei dennen ich mir noch nicht sicher bin. Ich sehe meistens beide Seiten der Medalien und so eine Diskussion wäre bestimmt hilfreich um ein paar Dinge einmal richtig zu durchdenken. Ich habe gerade darüber nachgedacht, ob das ein guter Podcast wäre, aber wahrscheinlich würden wir so schnell reden, das niemand anders etwas verstehen würde. Wahrscheinlich würden wir uns irgendwann auch im Kreis drehen. Ich brauche in Diskussionen auch eine andere Sichtweise und neuen Input, in zu einem wirklich validen Ergebnis zu kommen.


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"Gesprächsstoff" ist eigentlich eine so genannte Talkbox. Mit Fragen, die zum Gespräch anregen, weil sie nicht so aufgebraucht sind wie andere. Wir nutzen ein paar der Fragen des Basis-Sets, um unsere Gespräche hier im Blog anzuregen. Denn als Blogteam sind wir eigentlich in einer Kennenlernphase, wo es natürlich darum geht, herauszufinden, wer die anderen so sind. Aber wir wollen natürlich auch gerne mit euch sprechen und diskutieren, die Anreize nutzen und von euch neue Impulse bekommen. Also geht die Eingangsfrage natürlich auch an euch und wir freuen uns auf eure Kommentare.

Nachtwind Live@EMO - SofaGamingSpecial

Unser Team besteht aus Zockern. Ob Konsole, PC oder Brettspiele: Hauptsache, es macht Spaß. Und deswegen haben wir uns nicht lumpen lassen und ein innerhalb unseres experimentellen Nachtwind Live-Formats ein Gaming Special organisiert. Es konnte nicht nur gedaddelt werden, nein es sind natürlich auch Dinge auf der Bühne passiert. Auch bei diesem Event sind wir unserer Idee live Content für den Blog zu produzieren treu geblieben und haben Fotos gemacht, Videos aufgenommen und Tonaufnahmen mitgeschnitten. Man munkelt, dass wohl auch eine "Behind the Sceene" Kamera aktiv war.


Impressionen: Neben dem Bühnenprogramm gab es
jederzeit die Möglichkeit frei an verschiedenen
Spielstationen zu zocken und andere Gäster herauszufordern.


 Die gesamten Fotos des Events findet ihr hier.

Unser Freund David Grashoff ist Zocker, Nerd, Comedian, Poetry Slammer, Familienvater und unzähliges mehr. Trotzdem hat er die Zeit gefunden eine Runde bei uns zu zocken und ein paar Geschichten zum Besten zu geben. 



Unseren Podcast über künstliche Intelligenz haben ja schon vor einiger Zeit veröffentlicht.


Den krönenden Abschluss des Abends machte sixteen-817 mit einem kleinen Chiptune Set.


Insgesamt hatten wir ziemlich viel Spaß an dem Abend. Wir möchten an dieser Stelle allen Gästen und dem Publikum nochmal ganz herzlich für diesen entspannten Abend rund ums Zocken danken.

Nachtwind Live! im KJT Dortmund

Der Hartmann | 30.03.17 | / | 1 Kommentar
Wir haben unseren Blog wieder auf die Bühne gebracht.
Nachdem wir bei unserer ersten "Nachtwind Live"- Veranstaltung ein gutes Feedback bekommen haben und wir richtig Spaß an der ersten Liveausgabe hatten, haben wir uns erneut auf eine Bühne gestellt und das, was wir sonst in digitaler Form machen, vor Publikum passieren lassen. 
Dieses Mal waren wir im Kinder- und Jugendtheater Dortmund zu Gast.



Malte, unser neustes Mitglied, hat an dem Abend die Moderation übernommen und das Publikum durch die Veranstaltung geführt.




Wir mögen Interaktion mit unseren Lesern oder wie in diesem Fall, dem Publikum. Deswegen hat Malte ein paar Spiele mitgebracht, die wir zusammen mit den Zuschauern gespielt haben.
Hier zu sehen ist Spiel 1, was wie folgt funktioniert:
Malte macht Gesten, auf die das Publikum mit bestimmten anderen Gesten reagieren soll. Hier zu sehen: Malte zeigt Pistolen und das Publikum hält die Hände hoch.







Nach dem Spiel war Frau Lore an der Reihe.
Sie hielt eine Präsentation über das Buch "Die Haifischzahnstrategie", ein Buch von Hannes Fehr. Inhalt des Buches ist "Affärenmanagement für Single- Männer".
Frau Lore hat in diesem Vortrag vollkommen wertungsfrei den Inhalt des Buches wiedergegeben, was für viele Lacher gesorgt hat.





Dann war das Publikum wieder gefragt, denn Malte hat die Frage in den Raum gestellt: Welche Filme sollte man gesehen haben?
Daraufhin konnten die Zuschauer ihre Filmhighlights auf Karteikarten schreiben und bei uns abgeben.






Es folgte das nächste Spiel. Und zwar "Mittelalter- Schnickschnackschnuck", was eine Abwandlung des Klassikers "Schere, Stein, Papier" ist.
Das Spiel lief wie folgt ab: Es stehen drei Figuren zur Auswahl (Drache, Ritterin und Prinz) und wie im Klassiker schlägt eine Figur eine andere und wird von einer Figur besiegt.
Beim Mittelalter- Schnickschnackschnuck tritt man als Team an und muss sich vor der Runde einigen, welche Figur gezeigt wird. Diese muss dann vom gesamten Team gezeigt werden. Falls eine Person im Team eine andere Figur zeigt, ist die Runde verloren.
Wir haben nach 7 Runden immer noch ein Unentschieden gehabt und das Spiel an dieser Stelle beendet.




Im Anschluss gab es eine Kurzgeschichte von Fatima Talalini zu hören.
In der Geschichte ging es um die Frage, wie das Leben in Deutschland wohl wäre, wenn hier aktuell Krieg herrschen würde.
Es wurde die fiktive Geschichte einer Person erzählt, die eine Flucht in ein sicheres Land in Erwägung zieht.
Harter Tobak, der zum Nachdenken angeregt hat.





Und dann war unser Hartmann dran, der das machte, was er am besten kann: Über Bahnzeug reden.
Als Hobby- und Berufseisenbahner hat er ein tiefes Fachwissen und weiß, was alles im Hintergrund abläuft. Ja, er weiß sogar was hinter dem bekannten Spruch "Verzögerung im Betriebsablauf" stecken kann.
Im Anschluss an seinen Vortrag über die Gründe von Verspätungen, konnten die Zuschauer ihm noch Fragen stellen, die dann nach bestem Wissen beantwortet wurden.



Zu guter Letzt war Malte wieder an der Reihe und löste auf, was die Leute auf ihre "Must see"- Zettel geschrieben haben.
Es wurden Klassiker wie "Das Leben des Brian" oder "Dirty Dancing" genannt, allerdings auch neuere Streifen wie "iRobot" oder "La- La- Land".
Durchweg eine bunte Mischung.


Und damit war der Abend dann auch zu Ende.
Vielen Dank an unser Publikum, das so wundervoll mitgemacht hat und wirklich gute Stimmung gemacht hat.
Wir hatten viel Spaß und können den nächsten Livetermin gar nicht abwarten!

Gesprächsstoff #001 - Die 3 wichtigsten Ereignisse der Weltgeschichte



Das sagt Jan:
Rosa Parks
1955 weigert sich Rosa Parks ihren Platz im Bus einem Weißen zu geben, nachdem alle Plätze in der Sektion des Busses für Weiße bereits belegt waren. Sie wurde damit eines der vielen Gesichter, die ungerechte Rassengesetze angefochten haben.
Diese Frau weigerte sich, ihren Unterdrückern nachzugeben. Nicht in einem spektakulären Rahmen, sondern da, wo häufig die brutalsten Ungerechtigkeiten stattfinden: In unserer Lebensnähe, jeden Tag.

Macht findet sich halt nicht nur in der politischen Spitze, sondern auch im Alltag. Wir missbrauchen sie, um eigene Priviligien zu sichern, in dem Glauben, andere würden sie uns nehmen wollen. Aber Macht kann mensch sich nicht alleine schaffen, sie wird immer gegeben. Und wenn Macht missbraucht wird, dann muss sie wieder genommen werden. Jeder Souverän über einem Volk hat seine Macht vom Volk bekommen, schon alleine, weil sie sich unterordnen. Rosa Parks ist für mich Sinnbild für die Einfachheit des Protests. Es braucht keine Gewalt, Wissenschaften oder Heldentaten, um bestehende Verhältnisse zu bekämpfen. Es reicht manchmal, sich zu weigern.

Mondlandung
Ich habe sie nicht aktiv erlebt, aber sie prägte meine Jahre als Kind. Mein erstes Lego-Set war die Raumstation (mit Benni aus dem Lego-Film!) und als Kind wollte ich Gärtner auf dem Mond werden. Es gibt da draußen mehr. Es war der nächste logische Schritt für mich als Kind. Wenn die Konflikte auf der Welt gelöst sind, fangen wir unsere Historie von vorne an, in dem wir wieder Wandern. Unser Planet als die Höhle die wir verlassen, um neue Lande, Möglichkeiten und Herausforderungen zu entdecken. Wieder würden wir uns über ewige Zeiten an die neuen Bedingungen anpassen. Und auch wenn ich es nicht mehr miterleben würde, dachte ich, wir könnten die Generationen sein, die den Sprung auf die nächste Ebene schaffen. Da

In meiner Überzeugung bräuchte sich dann auch keiner mehr um die Erde streiten. Die Ziele der Menschheit wären größer als die bestehenden Konflikte. In meiner Ausbildung habe ich gelernt, dass wir als Kleinkinder - nach dem Entwicklungspsychologen Piaget - Dinge lernen, in dem wir ausprobieren und daraus Muster ableiten. Erst können wir greifen. Dann greifen wir alles. Wenn das geht, wissen wir wie man greift. Klar, den Planeten Erde haben wir auch noch nicht vollständig erschlossen, aber warum nicht kindlich neugierig bleiben. Da draußen gibt es soviel zu entdecken, soviel zu probieren, soviele Sterne, die wir uns in den Mund stecken müssen, um herauszufinden, wie sie funktionieren könnten. 

Gründung der Arbeiterjugend
Es könnte auch ein anderer Jugendverband sein, aber über die lange Zeitschiene gesehen, bin ich nun mal bei einer Nachfolgerin der Arbeiterjugend gelandet. Eine Organisation junger Menschen als eigenes Lebensumfeld in dem sie Utopien entwickeln, aber auch leben können, hat für mich besondere Bedeutung.

Die Gesellschaft nimmt den Menschen mit jugendlichem Alter immer mehr Möglichkeiten sich die eigene Wirksamkeit und Relevanz für die Gesellschaft zu zeigen. Gefühlt werden diese Einschnitte immer brutaler, da Jugendliche stark verschult, eingebunden, überfördert und überfordert werden. Eine freie Freizeit gibt es kaum mehr, Bereiche in denen Verantwortung und Teilhabe gelernt werden können, müssen erkämpft werden. Jugendverbände und Jugendhäuser bestärken in der Eigenaktivität.

Auch wenn ich politisch nicht immer mit meinem Verband übereinkomme, bin ich jeden Tag dankbar, für die Möglichkeiten und Entwicklungen, die ich dort erfahren durfte. Ich habe Kompetenzen erworben, die meinen Charakter und dadurch mein Leben geprägt haben. Der Jugendverband hat mit Bestätigung gegeben, als Familie es verpasst hat und hat mir erlaubt mich zu verwirklichen, als mir andererorts die Möglichkeiten fehlten. 


Und Tobi findet:
Erfindung der Dampfmaschine

Es war irgendwie abzusehen, dass ich als Hobby- und Berufseisenbahner mit diesem Punkt aufkreuze. Denn ohne die Dampfmaschine wären wir wohl nicht da, wo wir heute sind, eisenbahntechnisch gesehen.
Denn hätten James Watt und weitere kluge Köpfe im 18. Jahrhundert diese Maschine nicht entwickelt, wäre es womöglich nicht so schnell zur ersten Dampflok gekommen.
Die Dampflok ist zwar ökologisch betrachtet jetzt nicht unbedingt optimal aber auf ihr basieren alle Züge, die heute durch die Länder fahren. Von der Museumsdampflok bis hin zum hochmodernen Hochgeschwindigkeitszug.
Und auch wenn es aktuell, in Deutschland zumindest nicht so aussieht, der Transport auf der Schiene von Personen und Gütern ist immens wichtig für die Entlastung der Straßen und für die Entlastung der Umwelt

Elvis Presley
Man kann über die Musik Presleys denken, wann man möchte. Ich für meinen Teil kann sagen, dass es absolut nicht meine Welt ist.
Doch seine Musik war wichtig, denn daraus hat sich viel entwickelt.
In den 50ern startete die Rock 'n' Roll- Welle, für die Presley einer der ersten und wichtigsten Vertreter war. Aus ihr entwickelten sich in den folgenden Jahrzehnten so ziemlich jeder Musikrichtung, die auch nur im Entferntesten etwas mit Rock zu tun hatte.
Genres wie Grunge, Progressive- Rock, Metal hätte es so vielleicht nie gegeben, wenn es den Rock 'n' Roll nicht gegeben hätte.
Und Presley hat ihn salonfähig gemacht. Merci vielmals.

Erfindung des Buchdruckes Als Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert den Buchdruck erfand, wurde ein wichtiger Schritt für die Zukunft getan.
Dadurch, dass Schriften nun viel einfacher vervielfältigt werden konnten, konnten Wissen und Informationen viel einfacher und vor allem viel preiswerter verbreitet werden.
So gesehen basiert die Moderne auf eben jener Erfindung.
Der Einfluss auf die Bildung, auf Katastrophenschutz (durch Verbreiten von Informationen) und so ziemlich jeden anderen Aspekt des alltäglichen Lebens ist immens und dafür können wir definitiv den Hut ziehen.

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Andy sagt:
Ich fühl mich gar nicht richtig in der Lage zu sagen, was die 3 absolut wichtigsten gesellschaftlichen
Ereignisse der Weltgeschichte sind. Dafür bin ich zu wenig Experte, kenne zu wenig Variablen. Deshalb versuche ich an dieser Stelle, Ereignisse aufzulisten von dennen ich denke, dass sie mein bzw. unser Leben hier sehr stark beinflusst haben. Ob sie tatsächlich die wichtigsten sind, möchte ich nicht entscheiden. Es sind nur Vorschläge oder Norminierungen.

Entdeckung des Penicillins
Alexander Flemming,  seines Zeichens schottischer Bakteriologe, hat 1928 Penecillin in einem Schimmelpilz entdeckt. Penecillin hatte antibakterielle Wirkung und wurde somit zum ersten Antibiotika der Welt. Schlagartig änderte sich die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen um 10 Jahre. Nach oben! Penicilin führte dazu, das wir bakterielle Infektionen sicher und effizient bekämpfen konnten. Sei es nun bei Wundinfektionen nach Operationen oder bei bakteriellen Lungenentzündungen. Plötzlich hatte man tatsächlich ein wirksames Mittel gegen Bakterien entdeckt.
Die Entdeckung von Penicillin und anderen Antibiotika hat unsere Gesellschaft maßgeblich verändert und spielt auch in unserer heutigen Gesellschaft eine große und wichtige Rolle.

Das Manhattan Projekt und andere Atomwaffentests
Atomwaffen sind ziemlich scheiße. Verrückt wie viel Wissenschaft Menschen auf sich nehmen um sich gegenseitig möglichst effizient zu töten..
Die Entwicklung von Atomwaffen führte zum Ende des zweiten Weltkriegs und einer ganzen Ära der Angst im kalten Krieg. Ich glaube unsere Geschichte wurde ganz enorm von diesen Waffen geprägt.
Auch wenn wir heutzutage kaum noch was davon spüren. Die Möglichkeit ganze Nationen mit einem Knopfdruck auszuradieren ist eine neue, nie da gewesene Option.


Marshall Plan und die Gründung der Bundesrepublik Deutschland
Nach dem zweiten  Weltkrieg war Deutschland zerstört und wirtschaftlich am Ende. Die USA verabschiedete 1948 ein Wirtschaftswiederaufbauprogramm mit Krediten, Rohstoffen und Lebensmitteln. Nach diesen 4 Jahren ging es Deutschland (und anderen westeuropäischen Staaten) wirtschaftlich wesentlich besser als vor dem Krieg. Während der nächsten zwei Jahrzehnte kam es in ganz Westeuropa zu einem nie da gewesenen Wohlstand. Es wird als Nachkriegsboom bezeichnet. Ich bin zu wenig Wirtschaftswissenschaftler um eine fundierte und stichhaltige Analyse des Plans und der Wirtschaft zu dieser Zeit liefern zu können. Sorry. Aber ich glaube das der Marshallplan maßgeblich beinflusst hat, wohin sich meine jetzige Heimat entwickelt hat. Unsere jetzige wirtschaftliche Stärke wäre ohne die Hilfe der USA wahrscheinlich nicht zustande gekommen. Aber wie gesagt, dass ist Westentaschen Wirtschaftwissenschaft meinerseits. Außerdem wurde kurz danach die Bundesrepublik Deutschland gegründet und das Grundgesetz verabschiedet. Ich denke, dass das ein unheimlich wichtiger Meilenstein für unsere weitere Entwicklung war.

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Malte meint:

Industrielle Revolution
Ich würde die industrielle Revolution als Fluch und Segen zugleich bezeichnen. Legte sie einerseits den Grundstein zur Ausbeutung diverser Arbeistkräfte und teilte die Gesellschaft in Arbeitgeber und Arbeitnehmer, welche sich fortsetzte und letztendlich zum Kapitalismus führte, wie wir ihn heute kennen, kamen durch die Nutzung diverser Maschinen und den damit größeren Produktionsmengen auch mehr Menschen an diverse Gegenstände, die den Lebensalltag erleichtern und bereichern konnten. Maschinen, größere Mengen an Büchern, Fahrzeuge. Also Gegenstände, die einiges an Komfort für zukünftige Generationen bereit hielten und worauf wir nicht mehr verzichten möchten. Technische Errungenschaften sind fast nie etwas schlechtes. Problematisch ist oft nur, was der Mensch daraus macht und wie er sie verteilt.

Die Nutzung der Elektrizität
Zuerst wollte ich etwas von der Entdeckung schreiben, etwas Recherche zeigte mir aber den logischen Schluss, dass die Existenz von Elektrizität weit vor der Nutzung bekannt war. Dementsprechend beschränke ich mich auf den Zeitpunkt, den ich nichtmals konkret festlegen kann, ab dem Elektrizität wirklich flächendeckend eingesetzt wurde. Ich bin generell ein Mensch, der Fortschritt auf jeder Ebene feiert, dementsprechend legte die Nutzung der Elektrizität die Basis für alle weiteren Errungenschaften, die in den letzten Jahrzehnten eine nie vorher dagewesene Fortschrittsgeschwindigkeit erzeugte. Es gibt viele Sachen, auf die der Mensch verzichten kann und die wirklich dem reinen Komfort dienen. Ein Leben ohne Elektrizität wäre für mich allerdings unvorstellbar und ich halte es für ein Unding, dass es immer noch Orte auf der Welt gibt, denen dieser Fortschritt nicht ermöglicht wird.

1933 - 1945
Der schwärzeste Fleck der Menschheitsgeschichte, der das Weltgeschehen beeinflusst hat wie kaum ein anderes Ereignis. Erinnerungskultur, kollektive Schuld und der generelle Umgang mit Nationalismus sind Themen, die heute noch thematisiert werden. Der Grundsatz Adornos, dass Auschwitz sich nie wiederhole, ist eine der größten Maximen, die ich mir in meinem täglichen Handeln vor Augen halte. Menschen, die der Zeit hinterhertrauern oder der Meinung sind, doch endlich mal wieder ohne schlechtes Gewissen stolz sein zu dürfen auf dieses Land, denn schließlich hätten wir alle überhaupt nichts mit unserer Vergangenheit zu tun, gibt es leider noch viel zu häufig.


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"Gesprächsstoff" ist eigentlich eine so genannte Talkbox. Mit Fragen, die zum Gespräch anregen, weil sie nicht so aufgebraucht sind wie andere. Wir nutzen ein paar der Fragen des Basis-Sets, um unsere Gespräche hier im Blog anzuregen. Denn als Blogteam sind wir eigentlich in einer Kennenlernphase, wo es natürlich darum geht, herauszufinden, wer die anderen so sind. Aber wir wollen natürlich auch gerne mit euch sprechen und diskutieren, die Anreize nutzen und von euch neue Impulse bekommen. Also geht die Eingangsfrage natürlich auch an euch und wir freuen uns auf eure Kommentare.

Blaue Blumen

Der Hartmann | 06.01.17 | / | Kommentieren
Es gibt Ideen, die sind sehr gut. Beispielsweise das "Black & Tan". Das ist Guiness mit Kilkenny vermischt. Also Bier mit anderem Bier. Dann gibt es noch Ideen, die sind nicht so clever. Zum Beispiel im Zug bei voller Geschwindigkeit die Notentriegelung der Tür betätigen. Es gibt allerdings auch Ideen, die vom Prinzip her sehr gut sind, in der Ausführung allerdings nicht ganz so durchdacht waren. Mit so einer Idee hatte ich es zu tun, als mein guter Freund Jay eines Septembers auf mich zu kam und mir einen Plan offerierte, den er zusammen mit einer gemeinsamen Freundin ausgearbeitet hat.


Der Plan war recht simpel:

Zwei Autos, acht Leute und eine Fahrt nach Belgien.

Genauer gesagt ging es nach Halle in Belgien. Noch genauer gesagt ging es in den dortigen Wald, den Hallerbos.

Natürlich gibt es auch hier genug Wälder, die man anfahren kann. Aber der Hallerbos hat eine Besonderheit: In einem Teil des Waldes wachsen haufenweise blaue Blumen. Fragt mich jetzt bloß nicht, was das für welche waren. Mein grüner Daumen beschränkt sich auf ein Erlebnis vor ein paar Jahren, bei dem ich mir versehentlich grüne Lackfarbe über die Finger gekippt habe.


Zurück zum Thema:

Bei mir machte sich Skepsis breit, weil ich es anfangs für ziemlichen Kokolores hielt, wegen Blumen nach Belgien zu fahren.

Dann zeigte mir Jay ein Foto des beblumten Waldes. Der Fotograf in mir stieß ein lautes "Holladibolla" aus und es war klar: Wir ziehen das durch, es musste nur noch ein Termin gefunden werden, am besten möglichst zeitnah.


Ein paar Wochen später war es dann so weit.

Nachdem ich meinen kleinen Koreaner (also mein Auto) fit gemacht habe für die lange Fahrt, ging es dann los. Pünktlich mit 10 Minuten Verspätung wurde dann abgedüst und die Motivation kam uns schon fast aus dem Ohren. Wir hatten richtig Bock!


Als wir die holländische Grenze überquert hatten, wusste ich wieder, warum ich dieses Land so liebe. Nicht nur wegen der wirklich freundlichen Menschen, der schönen Landschaft und des lustigen Dialektes, den die Niederländer haben, wenn sie Deutsch reden. Nein, vor allem, weil deren Autobahn wie geleckt ist! Kein Schlagloch, keine Huckel, nur flacher, perfekter Asphalt. Ein Traum aus Teer!


Blöd nur, dass man irgendwann nach Belgien kommt.

Ungelogen, ab dem Schild, das die Landesgrenze markiert kommt man auf eine Fahrbahn, die vielleicht für schwere Kettenfahrzeuge, sicherlich jedoch nicht für einen kleinen Hyundai geeignet ist. Diese Autobahn ist im Prinzip eine Aneinanderreihung von Schlaglöchern und Unebenheiten, wo sich zwischendurch immer mal wieder so circa 10 Meter Straße eingemogelt haben.


Weil es auch noch kräftig geregnet hat, hat sich diese Huckelscheiße auch binnen Femptosekunden mit Wasser gefüllt und ich will nicht lügen, doch ich meine mit Tempo 130 an einem Typen vorbeigehämmert zu sein, der in einem solchen Krater gebadet hat. Vielleicht sind in Holland auch nur irgendwelche Dämpfe in das Innere meines Wagens gedrungen.

Zurück nach Belgien:

Jetzt ist die Federung meines Wagens relativ hart. Mein Hintern hat nach der kilometerlangen Autobahnfahrt weh getan, als hätte ich mich im Knast nach der Seife gebückt. Etwas später sind wir in Halle angekommen. Weil ich leider manchmal nicht ganz so intelligent bin und statt "Hallerbos" nur "Halle" ins Navi eingehackt habe, durften wir noch eine Ehrenrunde durch den Stadtkern drehen.

Dieses Nachdenken liegt mir manchmal nicht so ganz.

Irgendwie haben wir es dann doch geschafft den Wald zu erreichen und was soll ich sagen: Leck mich de Söck, das Ding ist ein Träumchen. Also Karre abstellen, Rucksack schultern und ab dafür!

Nach circa 10 Minuten kamen wir an ein Schild, auf dem blaue Blumen abgebildet waren. Und ein Text in belgischer Nationalsprache. Man kann davon ausgehen, dass dieses Schild uns sagen wollte, dass hier diese blauen Blumen hätten sein sollen. Da waren aber keine.


Dann fing es deutlich hörbar in meinem Kopf zu rattern an.

"Ah, Moment: Blumen wachsen im Frühling. Wir haben September. Der September ist nicht im Frühling. Das heißt, dass der Frühling vorbei ist." Und dann zog ich daraus die Schlussfolgerung, für die Columbo mich beneidet hätte: "Wenn jetzt September ist und der Frühling schon längst um ist...

Scheiße, wir sind quasi für Nöppes hier hingedüst."


Nachdem ich festgestellt hatte, dass dieses Unterfangen ziemlicher Mumpitz war und wir alle grottendämlich sind, sind wir weitergelaufen. Weil wenn man schon mal da ist, dann will man ja auch was davon haben. Wie sich erfreulicherweise herausstellte, war es ganz und gar kein Tinnef zum Hallerbos zu fahren. Der Spaziergang war richtig gut und ich bin mit reichlich Bildern auf dem Fotoknips nach Hause gekehrt. Außerdem war die reiselustige Truppe, mit der ich unterwegs war echt der Wahnsinn.


Bevor es dann aber zurück in die Heimat ging, wollten wir uns Halle noch angucken. Einige von uns kannten zwar schon ein bisschen von der Stadt (man erinnere sich an die Hinfahrt) aber das war ja nicht viel. Außerdem hatten die Mitreisenden Hunger. Also sind wir nach Halle zurückgefahren und stellten fest, dass sich dort ein Jahrmarkt niedergelassen hatte. Wir gingen ihn ab, was nicht lange dauerte, so groß war der nicht. Das erste, das mir auffiel war, dass dort sehr merkwürdige Gestalten umhermeanderten. Ich war beruhigt, dass es auch außerhalb von Deutschland sehr sonderbare Zweibeiner herumeiern.


Weil meine Reisegruppe den Wunsch nach Nahrung hegte, gingen wir die Restaurants und Bars der Innenstadt ab und studierten die Speisekarten. Ich habe zwei Thesen entwickelt: Entweder man bekommt im belgischen Halle Portionen, die man nur mit einer Mistgabel vernünftig essen kann oder die Dudes und Dudettes in Belgien haben zu viel Kohle. Beispiel: Für den Preis, den ein Lokal für ein Stück Fleisch mit etwas Kartoffelbeilage verlangte, hätte man sich in Deutschland als Landwirt selbstständig machen können. Lange Rede, gar kein Sinn, im Endeffekt lief es darauf hinaus, dass wir uns auf dem Jahrmarkt jeder eine Tüte Pommes kauften und uns in eine Kneipe setzten, die uns dort essen ließ.

Und wieder einmal stellte ich mir die Frage:

Welcher hirnlose Vollspacken ist eigentlich auf die Idee gekommen, Fritten in eine Papiertüte zu füllen und die Soßen darüberzukippen? War bestimmt ein Belgier, die haben ja drei Kompetenzen, die sie beherrschen: Bier, die Zubereitung von Pommes und Pralinen. Pommes sinnvoll zu verpacken haben die nicht so drauf.
Warum eine Papiertüte für diesen Zweck scheiße ist? Ganz einfach.


Wer mich kennt weiß, dass ich unter einer mittelgroßen Portion mit dem Essen gar nicht erst anfange. Jetzt sind diese Papiertüten vom Schnitt her unten ja eher spitz zulaufend und recht groß. Das hat den Nachteil, dass sich die Pommes dann in der Spitze der Verpackung sammeln und ich mit meinen Wurstfingern nicht drankomme. Ich höre euch schon sagen: "Aber Tobi, man kann die Tüte doch aufreißen." Das ist richtig aber weil ich mir ja immer noch literweise Soße draufkippen lasse, damits beim Schlucken nicht quietscht, sieht man nach dem Aufreißen der mit Ketchup getränkten Tüte aus, als hätte man grade mit bloßen Händen eine Blinddarmoperation durchgeführt. Genug "Mimimi", weiter im Text.


Wir saßen nun also in Belgien in einer Kneipe und knusperten genüsslich die Fritten. Ein Blick auf die Karte ließ meine Augen sehr groß werden, denn natürlich gab es dort Leffe Blond. Leffe Blond ist ein belgisches Klosterbier, das mit feinen Vanille- und Nelkennoten zu überzeugen weiß. Oder ums kurz zu machen: Für dieses Gebräu würde ich meine Oma verkaufen! Jetzt gabs nur einen Haken: Ich war ja der Fahrer. Also kein Bier für den dicken Onkel. Allerdings saß mir Jay gegenüber. Und Carmen daneben. Und beide bestellten sich ein Leffe Blond. Ich bin ja eigentlich jemand, der nicht schnell piesepampig wird aber in diesem Moment habe ich puren Hass empfunden. Und Neid. Aber vor allem... Bierdurst. Ich musste mich mit Kohlensäure versetztem Eistee zufriedengeben, was genauso widerwärtig war, wie es klingt.


Kurz bevor wir losdüsen wollten, ging jeder noch mal die sanitäre Rumpelkammer aufsuchen. Nicht zuletzt, weil meine Ansage war, dass wenn wir anhalten müssen, weil jemand Lulu machen muss, wir den- oder diejenige an der Raststätte zurücklassen.Auf dem Weg zur sanitären Abteilung musste man durch eine Tür, hinter der ein schmaler Gang war. Direkt rechts führte eine Treppe hoch zur Damentoilette, wohingegen am Ende des Ganges hinter einem Türrahmen die Herrenabteilung zu sehen war. Ich schritt den Gang entlang und fühlte mich ob der urigen Einrichtung ein bisschen in die Mitte des 20. Jahrhunderts versetzt. Nach erreichen des Türrahmens, der die Grenze zwischen Kundentoilette und Gang abzeichnete, schaute ich mich erst mal um. Es gab ein Waschbecken, einen Lokus in einem Séparée und zwei Stehkeramiken, die rechts an der Wand montiert waren. Es gab allerdings eine Sache, die ich schmerzlichst vermissten: Eine Tür, die den Gang vom Ort des Geschehens blickdicht abriegelt.

Das Fehlen eben dieser Tür hieß nämlich, dass jede Person, die diesen Gang betritt, sei es ein Kerl, der dann geradewegs auf einen zukommt, oder eine Dame, die nur die Stiegen hinaufkraxeln will, sofort nach Betreten des Ganges einem volles Brett auf den Bolzen glotzen kann. Und es gibt Dinge, die nicht unbedingt jeder sehen muss. Zumindest meiner Meinung nach. Nachdem getan wurde, was getan werden musste, ging es dann auch wieder in die Heimat zurück.


Auf der Autobahn fiel mir auf, dass ich so langsam mal ans Tanken denken sollte. "Ah komm, machste in Holland", sagte ich zu mir. Bis Holland war es nicht mehr weit und ich hatte mich grade wieder an die Krater in der Straße gewöhnt. In den Niederlanden angekommen wurde mir klar, dass diese Idee so unfassbar scheiße war, weil ich nicht wusste, dass die Holländer ihren Sprit scheinbar vergolden. Anders kann ich mir die Preise nicht erklären. An der ersten Tankstelle bin ich noch vorbeigefahren, weil ich wissen wollte, was die ungefähr für einen Liter haben wollten.

Beim Passieren dachte ich noch: "Die Tankstelle hat bestimmt einen Fehler im System".

Bei der Zweiten wurde ich dann misstrauisch und bei der dritten Station war klar: Die Holländer müssen dringend mit dem Kiffen aufhören. Durchschnittlicher Preis für den Liter Super an dem Tag: 1,56!


Also war klar: Wir tanken erst in good old Germany. Ich war mir allerdings nicht sicher, ob das gut gehen würde. Nach passieren der niederländisch- deutschen Grenze war es schon kritisch mit der Tankfüllung. Aber zum Glück zeigte ein Schild im Fahrbahnrand an: Noch 7 Kilometer bis zur nächsten Tankstelle. "Gott sei Dank" dachte ich, gefolgt von "FUCK!", als mein Navi mir sagte, dass ich in fünf Kilometern die Autobahn wechseln sollte. Ich hatte zwei Möglichkeiten: Auf Risiko spielen und dem Navi folgen oder auf Nummer sicher gehen und bis zur nächsten Tanke düsen.

Ich entschied mich für die Risikovariante und folgte dem Navi. Nach 10 Kilometern kam zum Glück die nächste Raststätte. Liter Super: 1,36. Alles unter 1,56 hat sich meiner Ansicht nach gelohnt.


Der Rest der Rückfahrt war dann wieder sehr unspektakulär und ich war schon ein wenig froh, als ich nach Hause kam und mich einfach in mein Bett fallen lassen konnte.


(Die Fotos aus Belgien findet ihr übrigens hier)