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Videos: NachtwindLive! vom 24.11.2017

Wir haben es mal wieder gemacht! Wir waren mit unserem Blog live auf der Bühne, haben unser Team und tolle Gäste zusammen geholt, um frischen Content für euch zu produzieren. Ganz nebenbei haben Andy und Jay die Stuntmen-Moderation erfunden, Tobi musste kritischem Druck standhalten, Hanna hat einen ihrer schönen Texte gelesen und auch hinter den Kulissen waren wir im vollen Einsatz.

Als Gäste hatten wir Christina Keilmann, Dramaturgin am KJT mit einem Filmprojekt mit Geflüchteten; Jens Eike Krüger, angehender professioneller Spaziergänger und Musiker und überhaupt alles; darüber hinaus noch Batman, als Daniel Buth, der im Kostüm für den " "Helden für Herzen e.V." einsteht. 

Ob der Einsatz sich gelohnt hat, könnt ihr in diesem ersten Paket Videos, gebündelt als fesche Playlist selbst überprüfen.



In den nächsten Tagen reichen wir auch noch einige der schönen Fotos nachreichen und die Interviews als Podcasts hocharbeiten. Wir wünschen viel Freude! 

Slambericht: Der Essener Zwanni vom 09.11.17

Hanna Flieder | 08.12.17 | / / | 1 Kommentar

Der “Zwanni” ist in Essen angekommen!
Das heißt, es gibt hier jetzt auch einen U20 Slam für Poet*innen bis 21 und die erste Runde lief bereits im November im EMO an.

Das war eine sehr erfolgreiche und spaßige Angelegenheit.
Der Hüweg, ein Jugendhaus in Essen-steele,  bot Platz für die zweite Runde.

Beim “Zwanni” lesen sich die Poet*innen durch zwei Vorrunden und das Publikum stimmt per “Händchen” für seine Lieblinge ab.

An diesem Abend ging es ab, von erstklassigem Bühnenbild, über musikalische Unterstützung, bis hin zu großartigen Künstler*innen war alles am Start!

Diesmal gab Greta Lamme das musikalische Vorprogramm und sorgte so für gute Stimmung, mit Gitarre und Gesang. Besonder gut kam ihr Song-Medley an und sie trug mit ihrer lockeren Art zum Wohlfühlambiente bei.

Danach zeigte Miriam Jagdmann als Feature was so ein Text eigentlich ist und dann ging es in die erste Vorrunde. Marie Cathleen, Lena Meckenstock, Janina Balzer, Matilda Heyer, Kim Catrin und Oliver lasen über Party und Whats App über Freundschaft und Liebe und kamen so sehr gut durch die erste Runde.

Nach einer kurzen Pause leitete Greta mit Musik die zweite Vorrunde ein, in der es wieder sehr gute Texte über Eis und Party über Stadt und Heima gab.

Mit einer sehr knappen “Händchen”- Abstimmung entschied Janina schließlich den Abend für sich und nahm zwei Tüten Süß- und Saurigkeiten und einen Startplatz für den Ruhrpokal mit nach hause.

Es war ein guter Abend, ein echter Abend. Und es liegt schon die Spannung in der Luft, was wohl beim nächsten “Zwanni” der am 26.01 im EMO stattfinden wird, so abgeht.

Gesprächsstoff #005 - Musikpsychoanalyse

Glaubst du, dass man anhand der Musik, die jemand gerne hört, auf den Charakter rückschliessen kann? 

Jay sagt:

Die anderen können sich ihre Antworten klemmen. Da gibt es keinen Zweifel dran und da gibt es auch gar nichts zu besprechen. Die Musik die jemand gerne hört, spiegelt ganz sicher die Seele wieder. Nicht nur, welche Musikrichtung es ist. Am Ende haben die Texte ja doch auch einen Sinn, eine Stimmung und womit wir uns gerne berieseln sagen, erzählt alles über uns. Mein Musikgeschmack ist zum Beispiel eine Katastrophe und eine Herausforderung an jeden sensiblen Gehörgang. Und das passt zu mir. Provozieren, nerven, kratzen, auffallen. Das bin ich.

Wo Romano, Scooter, DCVDNS, Hadouken!, Ali As, Prophets of Rage, Angerfist und und und aus noch so verschiedenen verrufenen Musikrichtungen zusammenkommen, da bin ich. Und neugierig bin ich auch. "Dein Mix der Woche" ist die beste Funktion an Spotify, die Vorschläge von Last.fm habe ich damals gefeiert und in mein Leben übernommen.

Außerdem funktioniert es auch andersherum. Manche von uns entscheiden sich für Musikrichtungen, weil sie eine Subkultur beinhalten, die zu uns passt. Wir tragen die Klamotten und kaufen die passenden Festivaltickets. Das gibt Sicherheit. Das ist nice.



Tobi sagt:

Ich weiß nicht, ob Jay damit Recht hat. Nehmen wir mich als Beispiel.
Bei den Genres bin ich querbeet unterwegs. Momentan höre ich fast nur Reggae. Eine lockere, entspannte Musik, bei der man davon ausgehen könnte, dass ich eine ausgewogene Seele hätte, die nichts aus der Ruhe bringen könnte. Das trifft allerdings bei mir nicht zu.
Ich versuche zwar stets locker und ruhig zu sein, doch das gelingt mir nicht allzu häufig. Das heißt, dass wenn ich Rastafari- Sounds höre, habe ich nicht meine Seele im Ohr.
Auch textlich gibt es Differenzen. Reggae setzt sich kritisch mit der Gesellschaft auseinander, was soweit auch bedingt auf mich zutrifft. Allerdings wird oft der Genuss von Marihuana für gut befunden und glorifiziert, was ich genau gegenteilig sehe.
Im Metal nicht anders. Kirchen anzünden oder auf einem Piratenschiff über die Weltmeere schippern und literweise Rum süffeln passt auch nicht sonderlich zu mir.


Was jedoch richtig ist ist, dass man anhand der Musik auf die Laune einer Person schließen kann. Glaube ich zumindest.
Auch hier ziehe ich mich wieder als Beispiel ran: Wenn ich stocksauer bin, höre ich fiesen Metal mit Blastbeats und Gitarrengeschrammel.
Geht es mir gefühlsmäßig mies ist Tom Waits mein treuster musikalischer Wegbegleiter.

Es kann sein, dass man aufgrund der Musik auf den Charakter schließen kann, sicher bin ich mir da allerdings mal so überhaupt nicht. Ebenso wenig, ob ich die Frage, die im Raum stand, beantwortet habe.


Andy sagt:

"Sag mir was du hörst und ich sage dir, wer du bist". Früher, als ich jünger war, dachte ich das gilt. Ich dachte, ich könne den Musikgeschmack von Leuten einigermassen einschätzen, wenn ich sie kenne. Oder andersrum: Rede ich mit jemandem über Musik, merke ich sehr schnell wie derjenige tickt. Mittlerweile glaube ich nicht, dass das stimmt. Ich denke Musik und Charakter hängen nur über irgendwelche Stereotypen zusammen. Wer Rock hört sei rebellisch und cool und raucht und wer Jazz hört ist intellektuell und versiert.
Ich glaube bestenfalls lässt sich Musik dazu nutzen zu analysieren, was für ein Bild ein Mensch von sich zeichnen möchte. Was er möchte, wie andere ihn wahrnehmen.

Ich wär nicht ich, hätte ich nicht kurz geschaut, was sagt die Wissenschaft über diesen Zusammenhang. Erstaunlicherweise gibt es nicht soviel Forschung zu diesem Gebiet, wie man vermuten würde. Und meine Kurzrecherche gibt mir in Teilen tatsächlich Recht.


Quelle: Müller, Renate: Musikalische Sozialisation und Identität. Ergebnisse einer computergestützten Befragung
mit dem klingenden Fragebogen - In: Schoenebeck, Mechthild von [Hrsg.]: Entwicklung und Sozialisation
aus musikpädagogischer Perspektive. Essen : Die Blaue Eule 1998, S. 57-74. - (Musikpädagogische
Forschung; 19) - URN: urn:nbn:de:0111-opus-91976


Hanna sagt:

Wenn mensch einen vielseitigen Musikgeschmack hat, kann mensch einen sehr vielseitigen Charakter
haben, oder auch NICHT.
Soll heißen: Ich denke nicht, dass wir am Musikgeschmack anderer Bezug zu deren Charakter nehmen können. Ich höre zum Beispiel von Metal über Musical zu Schlager zurück über Punkrock und wieder hin zu House so ziemlich alles.
Wenn daraus jetzt andere Rückschlüsse zu meinem Charakter ziehen würden, fänd ich das ziemlich oberflächlich. Nicht jeder, der Metal hört, ist der krasse, böse Draufgänger (eigentlich fast niemand, wenn ich mal das letzte WACKEN revue passieren lasse..).
Nicht jeder der Schlager hört, fährt jedes Jahr zum Ballermann.
Ich mag diese Klischees nicht, die über den Musikgenres schweben und ein Klischee sollte erst recht nicht auf einen Charakter angepasst werden!
Musik ist etwas Freies und das sollte sie auch bleiben. Wir lernen uns über Musik und Konzerte aber auch kennen und dann können wir ja selbst rausfinden, wie der Charakter des anderen ist, anstatt das von vorne herein über dessen Musikgeschmack zu analysieren.
Oder wir fragen nach seinem/ihrem Lieblingssong und dessen Bedeutung, da findet sich dann sicher auch viel über den Charakter eines Menschen, wenn wir uns über Gespräche kennenlernen.



Phantombild - Songcover

Hanna Flieder | 27.11.17 | / / | Kommentieren
Ich war immer etwas schlecht darin, zu formulieren, was ich will. Und das bin ich bis heute. Ich kann oft nicht sagen, was ich will, weil ich es so oft gar nicht weiß!

Ich hab immer eine ungefähre Vorstellung im Kopf, kann diese aber oft nicht fassen, oder konkretisieren. Von daher hat mich “Phantombild” von Jennifer Rostock regelrecht angesprungen, als ich es zum ersten Mal hörte. Jetzt kenne ich es schon eine Weile und entschied mich dazu, es zu covern, da ich mir im Moment in einem speziellen Teil meines Lebens, der mit gefühlstechnischen (was für ein widersprüchliches Wort, wenn ich es genau betrachte) Dingen zusammenhängt, absolut nicht im Klaren darüber bin, was ich eigentlich will. Daher fühle ich den Text dieses Liedes im Moment sehr.



An dieser Stelle sei gesagt, dass das bei vielen Texten von Jennifer Rostock so ist.

Achtung, jetzt wird auch ein bisschen geschwärmt...

Ich finde die Texte wahnsinnig ansprechend und anspruchsvoll, für mich transportieren sie unfassbar viel klug verpackte Wahrheit und Klarheit auf die verschiedensten Bereiche. Und auch musikalisch hat mich ihr Stil sehr überzeugt.

Ich bewundere die Arbeit der Band sehr und kann sagen, dass sie eins meiner musikalischen Vorbilder ist. Daher bin ich stolz, mich endlich getraut zu haben, einen Song von ihnen zu covern und zu veröffentlichen!

Zurück zu diesem Song: Hört genau hin, es steckt viel Gutes in seinem Text, zumindest empfinde ich es so.

Ein Tag im Leben

Hanna Flieder | 08.11.17 | / | Kommentieren
Ein Text über Freundschaft.
Und gegen Vergessen.

Du sitzt auf einem Steinvorsprung an einer roten Brücke und blickst in die Ferne.
Du schaust auf einen Fluss, über den noch leichter Nebel zieht.
Das grüne Feld daneben steht schon im leichten Licht, denn der Tag bricht grade an. Es dämmert.
Du sitzt schon die ganze Nacht hier und wartest auf mich.
Wir waren zwar nicht verabredet, aber du kannst davon ausgehen, dass ich kommen werde.
Es ist Freitag und wir treffen uns jeden Freitag hier.
In so vielen Sommernächten sind wir über das Brückengeländer geklettert, auf genau diesen Vorsprung und haben in die Nacht gelacht, geschrien und geweint.
Wir machen ja immer alles zusammen.
Du bist schon immer alles für mich gewesen.
Ich habe dir das so oft gesagt, aber ich wusste nie ob es auch so bei dir ankam.
Ich habe mich immer gefragt, ob ich dir so wichtig bin, wie du mir.
Aber ich habe mich bis jetzt nie getraut dich zu fragen.

Langsam laufe ich durch den Nebel, hier bei mir ist er wirklich noch sehr dicht.
Ich klettere über das Brückengeländer und setzte mich neben dich auf den Stein.
"Hallo, guten Morgen." sage ich.
Ich umarme dich.
Deine Haare wehen leicht im Wind und die Nacht hängt noch in deinem Blick, als du dich kurz zu mir drehst.
Ich schaue dir in die Augen und muss lächeln, ich muss immer lächeln wenn ich dich ansehe.
Ist das jetzt eine Eigenschaft von mir oder von dir?
Du schaust wieder aufs Feld.
Heute bist du wieder sehr traurig.
Es tut mir so weh dich so zu sehen, ich konnte das noch nie ertragen.
Ich wollte immer nur, dass es dir gut geht und das geht es dir jetzt nicht.
"Ich vermisse dich." Sagst du.
Ich lege meinen Kopf auf deine Schulter.
Dann beginnst du zu weinen.
Es bricht mir mein Herz einfach in zwei Teile.
Ich lege mein Hand auf deine Hand.
Du weinst.
Ich streiche dir über deine Haare.
Du weinst weiter.
Ganz fest nehme ich dich in den Arm.
"Ich bin doch immer da. Ich würde alles für dich tun, ich werde dich immer beschützen. Das weißt du doch."
Du hörst kurz auf zu schluchzten, aber Tränen fließen nun still über dein Gesicht.
"Weißt du noch, was ich mal gesagt habe?
Selbst wenn ich mal nicht da sein sollte, dann bin ich trotzdem da. Ich merke, wenn du mich brauchst, immer."
Dann ist es ganz still.
Du weinst nicht mehr, sondern hast dich auf deine Jacke gelegt und blickst in den Himmel.
Die Sonne geht auf.
Sie lässt deine Haare leuchten.
"Hey, du darfst nicht so traurig sein,
du bist zu wertvoll dafür."
Sage ich.
Dann kramst du in deiner Tasche nach deinem Handy und machst von diesem leise Musik an.
Oh, ich mag das Lied, das haben wir schon so oft zusammen gesungen.
"Das hast du mir gezeigt, weißt du noch?
Sage ich.
Und dann haben wir das immer zusammen gesungen, aber du kannst es wirklich so viel besser als ich!
Dieses "Weißt du eigentlich, was du bist für mich? Alles andre als normal und jederzeit loyal, royal. Du bist mein Fundament, keine die mich so gut kennt, keine-""
Du fängst wieder an zu weinen?
Nein, bitte nicht.
Du legst dich auf die Seite und weinst einfach nur.
Bitte, du musst damit aufhören.
Ich lege mich neben dich, nehme dich wieder in den Arm.
So liegen wir lange da, bis du dich wieder aufsetzt.
Jetzt steht die Sonne am Himmel, es ist warm. So ein schöner Tag, du solltest wirklich nicht traurig sein.
Ich bin doch bei dir.

Die Sonne scheint sogar durch den Nebel hindurch, der mich umgibt.
Jetzt ist es schon ein Jahr her, dass ich gestorben bin.
Ich wollte damals zu dir.
Ich war so wütend auf dich, weil du dich so von mir abgegrenzt hast.
Es hat wirklich weh getan.
Ich habe das nicht verstanden.
Du warst alles für mich, und mir erschien es so, als sei ich für dich totale Nebensache.
Eine Selbstverständlichkeit!
Deswegen wollte ich an diesem Tag meinen ganzen Mut zusammen nehmen und dich endlich fragen, WAS ich dir bedeutete.
Es war Freitag, wir wollten uns an der Brücke treffen.
Ich war blind vor Wut, blind und dumm vor Wut ging ich los von zuhause, blind vor Wut lief ich über die Straße und blind sieht man keine Autos...
Du hast vergeblich gewartet an diesem Freitag Abend.
Hast mich irgendwann immer wieder angerufen.
Aber ich hab dir nicht mehr geantwortet.
Doch du hast mir geantwortet, obwohl ich dir diese Frage nie gestellt habe.
Diese Frage mit der Wichtigkeit.
Denn du sitzt jeden Freitag hier und wartest auf mich.
Jeden Tag bist du traurig.
Deswegen bist du jeden Tag traurig!
Und freitags weinst du immer.
Ich kann das nicht mehr ertragen.
Es tut mir so leid, dass ich mir je die Frage gestellt habe, ob ich dir was bedeutete.
Es tut mir leid, dass ich so blind war.
Meine Blindheit hat mich umgebracht.
Aber das ist nicht schlimm.
Es ist schlimm, dass du leidest.

Ich schreie. Ganz laut.
Bitte. Du musst mich doch hören.
Alles tut mir weh, obwohl ich tot bin.
Alles tut so weh.
Ich weine.
Ich habe noch nie geweint, in meinem Zustand...
"Auch wenn ich mal nicht da bin, bin ich trotzdem bei dir, weißt du noch?
Und DU musst weiterleben.
Du hast so ein schönes Leben verdient!"
ICH weine weiter. Immer weiter.

Hey, Moment. Wir können zusammen weinen?! Wir können! Wir machen ja immer alles zusammen! Wir haben schon immer alles zusammen gemacht!
Der Nebel um mich herum wird ganz plötzlich ganz kurz weniger.
Du schaust zu mir rüber.
Deine Augen weiten sich und ich sehe ein Glitzern darin, was ich so lange nicht gesehen habe, aber so sehr liebe.
"Du." Sagst du.
"Danke, dass du gekommen bist."
Dann lächelst du.
Der Nebel wird wieder dichter.

Zusammen stehen wir auf, klettern über die Brücke und jetzt?
Lauf du in den Tag hinein!
Ich lasse dich gehen, weil ich weiß, dass du weißt, dass du eben NICHT alleine bist.
Auch wenn ich nur einen ganz kurzen Moment für dich da war.
Erst ein kurzes Leben.
Dann aber diesen einen Augenblick,
Diesen Schimmer in deinen Augen.
War ich kurz zurück.
Jetzt bin ich weg.
Für immer.
Aber ich bin immer für dich da.
Einen Tag im Leben, jeden Tag im Leben. In deinem Leben, ich bin eben nur woanders.

Songcover- "Clown" - Emeli Sande

Hanna Flieder | 30.08.17 | / | 1 Kommentar


Hallo liebe Menschen! :-)

Diesmal habe ich mich einem Song gewidmet, den ich vor Kurzem wieder ausgegraben habe.
Es gibt ihn seit 2013 und damals habe ich ihn sehr intensiv gehört, dann ging er mir irgendwie verloren...

Ich habe ihn früher zwar gern gehört, mir aber absolut nicht zugetraut, ihn zu singen. Heute habe ich ein bisschen an einer Interpretation gebastelt und so kann ich den Song, denke ich, "einreichen".

Zu unserer Beziehung: Der Song und ich verstehen uns sehr gut, da er genau die Botschaft aussagt, wie ich mich manchmal fühle; etwas hinter einer Glasscheibe.
Irgendwie komme ich nicht so richtig an das Leben ran, versuche es aber so intensiv und tollpatischig, dass ich Menschen damit offenbar unterhalten kann und damit bin ich auch völlig okay. Trotzdem wünsche ich mir immer, dass Menschen hinter diese Unterhaltungsmaske schauen können und sich fragen, warum ich sie denn eigentlich trage.
Daher kann ich sagen, dass ich persönlich sehr die Aussage des Songs fühlen kann.

Ich hoffe, ihr habt Spaß beim Zuhören!

Gesprächsstoff #004 - Wir sind Sünder

"Welche der sieben Todsünden begehst du am häufigsten?"

Zur Erinnerung, im Angebot sind:
Hochmut, Habgier, Wolllust, Wut, Völlerei, Neid und Faulheit (Quelle: Wikipedia.org)


Malte sagt:

Mittlerweile ist meine größte Todsünde wohl die Trägheit. Ich kann ohne Probleme mehrere Stunden nichts tun, habe keinerlei Probleme damit, Sachen aufzuschieben, bis es wirklich nicht mehr weiter geht. Unterstützt wird das Ganze natürlich dadurch, dass ich einer von vielen bin, der das so handhabt. Würde mein Umfeld mehr darauf achten und mir Druck machen, dass ich Sachen zeitnah und weit vor Ablauf einer Deadline beende, wäre meine Trägheit wohl nicht so ausgeprägt. Die Frage ist nur, ob ich das möchte. Ich fühle mich mit einem Faultier als Patronus schließlich auch ganz wohl und habe im Gegensatz zu Menschen, die vielleicht mehr in kürzerer Zeit schaffen, deutlich weniger Stress. Damit einhergehend lebe ich wahrscheinlich auch länger, damit gleicht sich dann alles wieder aus. Die Zeit, die ich jetzt einspare, wird einfach hinten angehängt, so dass ich dann mit 120 tiefenentspannt meinen Doktor mache.

Die Füchse unter euch haben bemerkt, dass ich meinen Beitrag mit dem Wörtchen "mittlerweile" eingeleitet habe. Das bedeutet natürlich, dass mal eine andere Sünde den dominanten Part inne hatte. Als Kind war ich nämlich ein ziemlich jähzorniger Drecksack. Wenn mir etwas nicht gepasst hat, dann habe ich gerne mal so lange gebrüllt, geschrien und um mich getreten, bis ich keine Luft mehr dafür übrig hatte. Meine Schwester erzählt heute noch gerne, wie ich damals als zehnjähriger Junge in der fünften Klasse völlig ausgeflippt bin, weil meine Mutter mir sagte, dass ich in der Grundschule noch keine Geometrie gemacht habe. Das habe ich etwas anders gesehen. Also habe ich mit Geodreieck und Lineal um mich geworfen, meine Schulsachen vom Tisch gefegt und den Raum schreiend verlassen. Ich war ein richtig sympathischer Bursche, wie mir scheint.
Natürlich kann ich mich wohl von keiner der Todsünden gänzlich freisprechen, dunkle Momente hat jeder von uns, aber die Schwerpunkte waren immer klar gesetzt. Und mittlerweile finde ich das auch völlig okay so.


Jay sagt:
Die Frage hat mich ein wenig irritiert. Ich bin kein besonders christlicher Mensch und ganz ehrlich gesagt habe ich eine Gegenfrage: Sind das heute noch die Todsünden? Das Buch aus dem der Kram stammt ist verflucht alt, heute haben wir doch neue fatale Fehlverhalten, denen wir Menschen anheim fallen.

Zum anderen klingt es in der Frage so, als würde mensch dieser Todsünde unentwegt nachgehen. Hätte ich also "Wolllust" genommen, würden doch alle denken, dass ich nur Hosen besitze, falls ich an der Tür mal ein Paket annehmen muss. Aber so drastisch ist es ja gar nicht. Am häufigsten beinhaltet ja gar nicht, dass mensch ständig "sündigt". Soweit meine vorbereiteten Ausreden.

Meine Antwort ist "Völlerei". In einem gar nicht mal so ironischen Scherz sage ich immer, dass ich viel Sport mache, damit ich jeden Lebensmittel-Schrott in mich reinwerfen kann. Ich bin einmal am Tag bei Rewe, wenn es die Zeit erlaubt. Nicht weil ich was brauche, sondern weil mich irgendwelche Heißhüngerchen piksen. Selten schaffe ich es, länger als drei Tage auf etwas zu verzichten. Von "Guilty Pleasure" bin ich dann immer schon lange weg, es bleibt nur noch "Guilty". Schon seit Jahren stehe ich in dem Ruf, dass ich ein "schwarzes Loch" wäre. Einige Freunde haben bei gemeinsamen Essen nicht von "Resten" gesprochen, sondern gefragt, ob ich das noch essen möchte.

Ich mochte. So ziemlich jedes Mal. Wenn ich es mal geschafft habe "Nein" zu sagen, waren das ziemlich Triumphe. Von kürzester Dauer. Aktuell versuche ich ja deutlich weniger Zucker in mich zu schütten. Schade, dass die Energy Drinks um den Zucker herum so gut schmecken.


Tobi sagt:
Foto: PAN Heftig Deftig
Nachdem ich nachgelesen habe, was die Kirche so alles als Todsünde ansieht, steht bei mir an Platz 1 ganz klar die Völlerei. Nicht ohne Grund trage ich diese Mischung aus Bierbauch und Schnitzelfriedhof vor mir her.
Wenn es schmeckt, esse ich gerne. Und dann auch gerne etwas mehr davon. Das habe ich wohl meiner Großmutter zu verdanken. Ich war damals nach der Schule häufig bei ihr zum Mittagessen.

Und wir kenne ja die lieben Omas, die einen fragen, ob man noch eine Portion möchte, während sie das fragen den Teller allerdings vollpacken und dann sagen: "Was auf dem Teller ist, wird aufgegessen, sonst gibt es morgen kein gutes Wetter". Und man will ja nicht, dass es regnet. Natürlich bin ich mir bewusst, dass man auch "nein" hätte sagen können aber bei guter Hausmannskost "vonne Omma", da ist das wahnsinnig schwierig.

Meinen Pizzalieferanten freut es vermutlich, dass ich so herrlich inkosequent bin und er mir jedes Mal wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert, wenn er mit einer Cheese- Crust- Pizza und Pizzabrötchen vor meiner Haustür steht.

Außerdem bin ich passionierter Biertrinker und probiere viel aus. Auch das sorgt dafür, dass bei mir zu Hause die Nadel der Waage heftigst eskaliert, wenn ich mich auf die Messapparatur stelle.

Hanna glaubt:
Hanna glaubt auf jeden Fall nicht so richtig an die Kirchenstorys... Todsünden also. Ich bin nicht so gut in katholisch und hab auch nur die Hälfte der Ahnung, die ich vielleicht haben müsste, um über dieses Thema urteilen zu können.

Aber das jeder von uns schonmal faul, geizig, gierig, geil, wütend, hochmütig oder gefräßig war, ist jetzt nicht die größte Neuigkeit. Teufel noch eins! Mensch müsste echt die Konsequenz des Todes besitzen, um niemals eine dieser Sünden zu begehen.

Ich empfinde das alles nicht mal als Sünde...

So bei Morden und Stehlen und Verletzen- da bin ich schon eher der Meinung, dass das  eher suboptimal ist und vermieden werden sollte. Diese Sünden haben es ja auch ins bürgerliche Gesetzbuch geschafft, scheinen also für die Allgemeinheit eher ungut zu sein.

Gier, Geiz und Hochmut ist tatsächlich nichts, womit man sich unbedingt Karmapunkte holt. Aber Wut ist eine Emotion, die durchaus menschlich ist, mensch sollte sich ja nicht alles gefallen lassen. Gefräßig ist glaube ich einfach die Steigerung eines Bedürfnisses: Hunger. Und den hat ja wohl jeder.

Und Sex (solange er freiwillig stattfindet) ist einfach nice.

Zumal ich den Gedanken der Kirche da ja auch irgendwie verstehen kann, man soll als guter Mensch durchs Leben gehen. Nur meiner Meinung nach heißt "gut" ja nicht gleich fehlerfrei oder: "Ich muss mich verdammt verstellen, damit ich jetzt nicht gleich sündige."

Und dann sind das auch noch Todsünden...Uiuiu, ich schätze dann hab ich echt verloren. Ich habe keine Strichliste geführt, es gibt auch keine Hanna-Statistik,daher kann ich nicht sagen, welche der 7 Sünden, ich jetzt am meisten begangen habe. Ich hab auch etwas die Übersicht des Ganzen zwischen Hunger- und Wutattacken verloren...

Großer Respekt, an die Menschen, die es tatsächlich schaffen, nach diesem Lebensentwurf umherzuwandeln. Aber ich gehöre nicht dazu. Ich war schon gierig, gefräßig, hochmütig, geil, faul und wütend. Teilweise gleichzeitig und ich kann auch alles zusammen. Aber ich bin ganz cool mit dem Bild des "nicht so ganz perfekten"- Menschens. Weil das macht ihn ja dann auch menschlich (und nicht göttlich?).

Mir ist auch irgendwie klar, dass die Sieben Sünden, von mir sehr runtergebrochen dargestellt werden, denn eigentlich ist das, was sich die Kirche da ausgedacht hat, sehr komplex.
Zusammengefasst: Lebt und glaubt alle, wie und was ihr wollt. Ich lebe nach meinem Muster und ich scheine anhand dieses Themas ganz schön doll sündig zu sein.

Aber das macht nicht so viel, weil es mir zeigt dass ich und alle anderen nicht so perfekt sind und Fehler machen und daraus lernen und "brabrabra"- den Text kennt man ja schon von mir- aber es ist auch einfach so.

Von daher noch ein Hanna-Klischee: Überraschung: Ein Zitat (Oh Wunder! Es passt.)
"Don't bless me father for what I have sinned."
The Pretty Reckless


Miriam sagt: 

Zu Beginn: Sünde war noch nie ein Begriff mit dem ich mich wirklich anfreunden konnte. Zumindest im religiösen Sinne. Betrachtet man Sünde als "schlechte" Handlung, stößt man direkt aufs nächste Problem. Kategorien wie gut oder schelcht sind mit Konnotationen aufgeladene, von Menschen gemachte Begriffe, deren Verständnis mitunter von Gesellschaft zu Gesellschaft, wenn nicht gar von Mensch zu Mensch variiert. 

Wenn es jetzt aber wirklich nur darum geht einen der oben genannten Begriffe in die Kategorie "häufigste" einzuordnen, dann passt wohl bei mir am ehesten die Wut. Ich kann ziemlich aufbrausend sein. Seit Jahren arbeite ich an meiner Wut, aber ab und an bricht sie dann doch hervor. Das meistens sehr laut nach Außen hin oder sehr vernichtend nach Innen. Deshalb ist sie auch eine dieser Charaktereigenschaften, die mir am meisten Angst machen. Meistens verletzt man erst andere damit und dann sich, weil man in der Reflexion erkennt, was man da eigentlich angerichtet hat. Manchmal auch andersherum oder nur sich. Und wenn man dann so richtig schön wütend auf sich selbst ist, dann ist man auch so richtig schön unzufrieden mit sich. Und das wiederrum macht einen unsicher. Und diese Unsicherheit versucht man dann ganz schnell loszuwerden, indem man andere andere anmeckert, agressiv mit ihnen kommuniziert und klein macht... Ein Teufelskreis also, dieses Ding mit der Wut. 

Aber Wut ist auch eine dieser Eigenschaften mit zwei Seiten. Sie kann uns auch dazu bewegen aufzustehen, für etwas einzustehen, für etwas zu kämpfen, gegen empfundene Ungerechtigkeiten vorzugehen. Wenn mich  steine-schmeißende Menschen zum Beispiel so richtig wütend machen, dann kann ich meine Wut nehmen und gegen sie einsetzen. Ich sollte dann nur nicht selbst zum nächstbesten Pflasterstein greifen, sondern meine Wut klug in Energie umwandeln. Also: Immer dann, wenn Wut kontrollierbar ist, dann kann sie Motor sein. Und dann komme ich sehr gut damit zurecht, wenn ich wütend bin. Egal wie häufig.

 
Jule sagt:
Sünden üben einen gewissen auf mich Reiz aus. Schon immer. Sie sind die kleine Verlockung des Verbotenen, die den eigenen Egoismus kitzeln. Und wenn ich so über die Frage nachdenke, hätte ich mir gerne eine Todsünde zugeordnet, die mir etwas Verwegenes verleiht, so wie Hochmut oder Wolllust. Wenn ich aber mal ganz aufrichtig in mich hinein höre, sitzt da aber etwas anderes.
Unabhängig ihres christlichen Ursprungs, definiere ich Todsünde als etwas Unheilbringendes und Unkontrollierbares. Mit meinem Stolz und Zuckerdurst kann ich umgehen. Genauso, wie ich es genieße, manchmal einfach faul im Bett rumzulümmeln und eine Serie zu bindge watchen (furchtbare Anglizismen sind zum Glück keine Todsünde...).

Was ich nicht kontrollieren kann und mein Verhalten immer wieder gerne beeinflusst, ist aber mein Jähzorn. Ich war schon als Kind unheimlich temperamentvoll mit einem Hang zum Überdramatisieren. Und wenn mir heutzutage manchmal etwas nicht so gelingt, wie ich es mir ausgemalt hatte, treibt mich das bis heute gerne mal zur Weißglut. Und dann das volle Programm. Wüstes Rumgefluche und Wuttränen. Diese Art der Sünde hat nichts Verlockendes. Nur ein Mädel, der die roten Haare zu Berge stehen und schimpfend durch ihre Wohnung wütet, weil sie mal wieder irgendwas sucht. Ein Klassiker. 
 
Lass der mal eben ihre 5 Minuten. Die beruhigt sich schon wieder und dann entschuldigt sie sich wahrscheinlich gleich.“ gehört mittlerweile zum Standartvokabular meiner engsten Freunde, die das zum Glück meistens mit Humor nehmen, auch wenn es mir selbst oft kurz danach die Schamröte ins Gesicht treibt. Meistens richtet sich diese Wut auch eher gegen mich selbst als gegen meine Nächsten, denn die sind mir heilig. Oder eben Gegenstände. Scheiß Autoschlüssel.
---

"Gesprächsstoff" ist eigentlich eine so genannte Talkbox. Mit Fragen, die zum Gespräch anregen, weil sie nicht so aufgebraucht sind wie andere. Wir nutzen ein paar der Fragen des Basis-Sets, um unsere Gespräche hier im Blog anzuregen. Denn als Blogteam sind wir eigentlich in einer Kennenlernphase, wo es natürlich darum geht, herauszufinden, wer die anderen so sind. Aber wir wollen natürlich auch gerne mit euch sprechen und diskutieren, die Anreize nutzen und von euch neue Impulse bekommen. Also geht die Eingangsfrage natürlich auch an euch und wir freuen uns auf eure Kommentare.

Vlog #009 - Bei der WXW

Der Nachtwind | 31.07.17 | / / / | 1 Kommentar