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Gesprächsstoff #004 - Wir sind Sünder

"Welche der sieben Todsünden begehst du am häufigsten?"

Zur Erinnerung, im Angebot sind:
Hochmut, Habgier, Wolllust, Wut, Völlerei, Neid und Faulheit (Quelle: Wikipedia.org)


Malte sagt:

Mittlerweile ist meine größte Todsünde wohl die Trägheit. Ich kann ohne Probleme mehrere Stunden nichts tun, habe keinerlei Probleme damit, Sachen aufzuschieben, bis es wirklich nicht mehr weiter geht. Unterstützt wird das Ganze natürlich dadurch, dass ich einer von vielen bin, der das so handhabt. Würde mein Umfeld mehr darauf achten und mir Druck machen, dass ich Sachen zeitnah und weit vor Ablauf einer Deadline beende, wäre meine Trägheit wohl nicht so ausgeprägt. Die Frage ist nur, ob ich das möchte. Ich fühle mich mit einem Faultier als Patronus schließlich auch ganz wohl und habe im Gegensatz zu Menschen, die vielleicht mehr in kürzerer Zeit schaffen, deutlich weniger Stress. Damit einhergehend lebe ich wahrscheinlich auch länger, damit gleicht sich dann alles wieder aus. Die Zeit, die ich jetzt einspare, wird einfach hinten angehängt, so dass ich dann mit 120 tiefenentspannt meinen Doktor mache.

Die Füchse unter euch haben bemerkt, dass ich meinen Beitrag mit dem Wörtchen "mittlerweile" eingeleitet habe. Das bedeutet natürlich, dass mal eine andere Sünde den dominanten Part inne hatte. Als Kind war ich nämlich ein ziemlich jähzorniger Drecksack. Wenn mir etwas nicht gepasst hat, dann habe ich gerne mal so lange gebrüllt, geschrien und um mich getreten, bis ich keine Luft mehr dafür übrig hatte. Meine Schwester erzählt heute noch gerne, wie ich damals als zehnjähriger Junge in der fünften Klasse völlig ausgeflippt bin, weil meine Mutter mir sagte, dass ich in der Grundschule noch keine Geometrie gemacht habe. Das habe ich etwas anders gesehen. Also habe ich mit Geodreieck und Lineal um mich geworfen, meine Schulsachen vom Tisch gefegt und den Raum schreiend verlassen. Ich war ein richtig sympathischer Bursche, wie mir scheint.
Natürlich kann ich mich wohl von keiner der Todsünden gänzlich freisprechen, dunkle Momente hat jeder von uns, aber die Schwerpunkte waren immer klar gesetzt. Und mittlerweile finde ich das auch völlig okay so.


Jay sagt:
Die Frage hat mich ein wenig irritiert. Ich bin kein besonders christlicher Mensch und ganz ehrlich gesagt habe ich eine Gegenfrage: Sind das heute noch die Todsünden? Das Buch aus dem der Kram stammt ist verflucht alt, heute haben wir doch neue fatale Fehlverhalten, denen wir Menschen anheim fallen.

Zum anderen klingt es in der Frage so, als würde mensch dieser Todsünde unentwegt nachgehen. Hätte ich also "Wolllust" genommen, würden doch alle denken, dass ich nur Hosen besitze, falls ich an der Tür mal ein Paket annehmen muss. Aber so drastisch ist es ja gar nicht. Am häufigsten beinhaltet ja gar nicht, dass mensch ständig "sündigt". Soweit meine vorbereiteten Ausreden.

Meine Antwort ist "Völlerei". In einem gar nicht mal so ironischen Scherz sage ich immer, dass ich viel Sport mache, damit ich jeden Lebensmittel-Schrott in mich reinwerfen kann. Ich bin einmal am Tag bei Rewe, wenn es die Zeit erlaubt. Nicht weil ich was brauche, sondern weil mich irgendwelche Heißhüngerchen piksen. Selten schaffe ich es, länger als drei Tage auf etwas zu verzichten. Von "Guilty Pleasure" bin ich dann immer schon lange weg, es bleibt nur noch "Guilty". Schon seit Jahren stehe ich in dem Ruf, dass ich ein "schwarzes Loch" wäre. Einige Freunde haben bei gemeinsamen Essen nicht von "Resten" gesprochen, sondern gefragt, ob ich das noch essen möchte.

Ich mochte. So ziemlich jedes Mal. Wenn ich es mal geschafft habe "Nein" zu sagen, waren das ziemlich Triumphe. Von kürzester Dauer. Aktuell versuche ich ja deutlich weniger Zucker in mich zu schütten. Schade, dass die Energy Drinks um den Zucker herum so gut schmecken.


Tobi sagt:
Foto: PAN Heftig Deftig
Nachdem ich nachgelesen habe, was die Kirche so alles als Todsünde ansieht, steht bei mir an Platz 1 ganz klar die Völlerei. Nicht ohne Grund trage ich diese Mischung aus Bierbauch und Schnitzelfriedhof vor mir her.
Wenn es schmeckt, esse ich gerne. Und dann auch gerne etwas mehr davon. Das habe ich wohl meiner Großmutter zu verdanken. Ich war damals nach der Schule häufig bei ihr zum Mittagessen.

Und wir kenne ja die lieben Omas, die einen fragen, ob man noch eine Portion möchte, während sie das fragen den Teller allerdings vollpacken und dann sagen: "Was auf dem Teller ist, wird aufgegessen, sonst gibt es morgen kein gutes Wetter". Und man will ja nicht, dass es regnet. Natürlich bin ich mir bewusst, dass man auch "nein" hätte sagen können aber bei guter Hausmannskost "vonne Omma", da ist das wahnsinnig schwierig.

Meinen Pizzalieferanten freut es vermutlich, dass ich so herrlich inkosequent bin und er mir jedes Mal wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert, wenn er mit einer Cheese- Crust- Pizza und Pizzabrötchen vor meiner Haustür steht.

Außerdem bin ich passionierter Biertrinker und probiere viel aus. Auch das sorgt dafür, dass bei mir zu Hause die Nadel der Waage heftigst eskaliert, wenn ich mich auf die Messapparatur stelle.

Hanna glaubt:
Hanna glaubt auf jeden Fall nicht so richtig an die Kirchenstorys... Todsünden also. Ich bin nicht so gut in katholisch und hab auch nur die Hälfte der Ahnung, die ich vielleicht haben müsste, um über dieses Thema urteilen zu können.

Aber das jeder von uns schonmal faul, geizig, gierig, geil, wütend, hochmütig oder gefräßig war, ist jetzt nicht die größte Neuigkeit. Teufel noch eins! Mensch müsste echt die Konsequenz des Todes besitzen, um niemals eine dieser Sünden zu begehen.

Ich empfinde das alles nicht mal als Sünde...

So bei Morden und Stehlen und Verletzen- da bin ich schon eher der Meinung, dass das  eher suboptimal ist und vermieden werden sollte. Diese Sünden haben es ja auch ins bürgerliche Gesetzbuch geschafft, scheinen also für die Allgemeinheit eher ungut zu sein.

Gier, Geiz und Hochmut ist tatsächlich nichts, womit man sich unbedingt Karmapunkte holt. Aber Wut ist eine Emotion, die durchaus menschlich ist, mensch sollte sich ja nicht alles gefallen lassen. Gefräßig ist glaube ich einfach die Steigerung eines Bedürfnisses: Hunger. Und den hat ja wohl jeder.

Und Sex (solange er freiwillig stattfindet) ist einfach nice.

Zumal ich den Gedanken der Kirche da ja auch irgendwie verstehen kann, man soll als guter Mensch durchs Leben gehen. Nur meiner Meinung nach heißt "gut" ja nicht gleich fehlerfrei oder: "Ich muss mich verdammt verstellen, damit ich jetzt nicht gleich sündige."

Und dann sind das auch noch Todsünden...Uiuiu, ich schätze dann hab ich echt verloren. Ich habe keine Strichliste geführt, es gibt auch keine Hanna-Statistik,daher kann ich nicht sagen, welche der 7 Sünden, ich jetzt am meisten begangen habe. Ich hab auch etwas die Übersicht des Ganzen zwischen Hunger- und Wutattacken verloren...

Großer Respekt, an die Menschen, die es tatsächlich schaffen, nach diesem Lebensentwurf umherzuwandeln. Aber ich gehöre nicht dazu. Ich war schon gierig, gefräßig, hochmütig, geil, faul und wütend. Teilweise gleichzeitig und ich kann auch alles zusammen. Aber ich bin ganz cool mit dem Bild des "nicht so ganz perfekten"- Menschens. Weil das macht ihn ja dann auch menschlich (und nicht göttlich?).

Mir ist auch irgendwie klar, dass die Sieben Sünden, von mir sehr runtergebrochen dargestellt werden, denn eigentlich ist das, was sich die Kirche da ausgedacht hat, sehr komplex.
Zusammengefasst: Lebt und glaubt alle, wie und was ihr wollt. Ich lebe nach meinem Muster und ich scheine anhand dieses Themas ganz schön doll sündig zu sein.

Aber das macht nicht so viel, weil es mir zeigt dass ich und alle anderen nicht so perfekt sind und Fehler machen und daraus lernen und "brabrabra"- den Text kennt man ja schon von mir- aber es ist auch einfach so.

Von daher noch ein Hanna-Klischee: Überraschung: Ein Zitat (Oh Wunder! Es passt.)
"Don't bless me father for what I have sinned."
The Pretty Reckless


Miriam sagt: 

Zu Beginn: Sünde war noch nie ein Begriff mit dem ich mich wirklich anfreunden konnte. Zumindest im religiösen Sinne. Betrachtet man Sünde als "schlechte" Handlung, stößt man direkt aufs nächste Problem. Kategorien wie gut oder schelcht sind mit Konnotationen aufgeladene, von Menschen gemachte Begriffe, deren Verständnis mitunter von Gesellschaft zu Gesellschaft, wenn nicht gar von Mensch zu Mensch variiert. 

Wenn es jetzt aber wirklich nur darum geht einen der oben genannten Begriffe in die Kategorie "häufigste" einzuordnen, dann passt wohl bei mir am ehesten die Wut. Ich kann ziemlich aufbrausend sein. Seit Jahren arbeite ich an meiner Wut, aber ab und an bricht sie dann doch hervor. Das meistens sehr laut nach Außen hin oder sehr vernichtend nach Innen. Deshalb ist sie auch eine dieser Charaktereigenschaften, die mir am meisten Angst machen. Meistens verletzt man erst andere damit und dann sich, weil man in der Reflexion erkennt, was man da eigentlich angerichtet hat. Manchmal auch andersherum oder nur sich. Und wenn man dann so richtig schön wütend auf sich selbst ist, dann ist man auch so richtig schön unzufrieden mit sich. Und das wiederrum macht einen unsicher. Und diese Unsicherheit versucht man dann ganz schnell loszuwerden, indem man andere andere anmeckert, agressiv mit ihnen kommuniziert und klein macht... Ein Teufelskreis also, dieses Ding mit der Wut. 

Aber Wut ist auch eine dieser Eigenschaften mit zwei Seiten. Sie kann uns auch dazu bewegen aufzustehen, für etwas einzustehen, für etwas zu kämpfen, gegen empfundene Ungerechtigkeiten vorzugehen. Wenn mich  steine-schmeißende Menschen zum Beispiel so richtig wütend machen, dann kann ich meine Wut nehmen und gegen sie einsetzen. Ich sollte dann nur nicht selbst zum nächstbesten Pflasterstein greifen, sondern meine Wut klug in Energie umwandeln. Also: Immer dann, wenn Wut kontrollierbar ist, dann kann sie Motor sein. Und dann komme ich sehr gut damit zurecht, wenn ich wütend bin. Egal wie häufig.

 
Jule sagt:
Sünden üben einen gewissen auf mich Reiz aus. Schon immer. Sie sind die kleine Verlockung des Verbotenen, die den eigenen Egoismus kitzeln. Und wenn ich so über die Frage nachdenke, hätte ich mir gerne eine Todsünde zugeordnet, die mir etwas Verwegenes verleiht, so wie Hochmut oder Wolllust. Wenn ich aber mal ganz aufrichtig in mich hinein höre, sitzt da aber etwas anderes.
Unabhängig ihres christlichen Ursprungs, definiere ich Todsünde als etwas Unheilbringendes und Unkontrollierbares. Mit meinem Stolz und Zuckerdurst kann ich umgehen. Genauso, wie ich es genieße, manchmal einfach faul im Bett rumzulümmeln und eine Serie zu bindge watchen (furchtbare Anglizismen sind zum Glück keine Todsünde...).

Was ich nicht kontrollieren kann und mein Verhalten immer wieder gerne beeinflusst, ist aber mein Jähzorn. Ich war schon als Kind unheimlich temperamentvoll mit einem Hang zum Überdramatisieren. Und wenn mir heutzutage manchmal etwas nicht so gelingt, wie ich es mir ausgemalt hatte, treibt mich das bis heute gerne mal zur Weißglut. Und dann das volle Programm. Wüstes Rumgefluche und Wuttränen. Diese Art der Sünde hat nichts Verlockendes. Nur ein Mädel, der die roten Haare zu Berge stehen und schimpfend durch ihre Wohnung wütet, weil sie mal wieder irgendwas sucht. Ein Klassiker. 
 
Lass der mal eben ihre 5 Minuten. Die beruhigt sich schon wieder und dann entschuldigt sie sich wahrscheinlich gleich.“ gehört mittlerweile zum Standartvokabular meiner engsten Freunde, die das zum Glück meistens mit Humor nehmen, auch wenn es mir selbst oft kurz danach die Schamröte ins Gesicht treibt. Meistens richtet sich diese Wut auch eher gegen mich selbst als gegen meine Nächsten, denn die sind mir heilig. Oder eben Gegenstände. Scheiß Autoschlüssel.
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Gesprächsstoff #003 - die längste Minute

Was war die "längste Minute", die du je überstehen musstest?

Tobi sieht das so:
Es gab zwei Situationen, wo die Minuten ungefähr gleich lang und kritisch waren.

Die erste Minute war im Februar diesen Jahres. Meine Ausbildungstruppe und ich waren in der IHK zu Duisburg und haben unsere Ergebnisse der Abschlussprüfung mitgeteilt bekommen.

Wir wurden in zwei Gruppen aufgeteilt und dann in einen separaten Raum geführt, wo wir die Ergebnisse bekommen haben. Zumindest die, die bestanden haben. Aber das weiß man ja vorher nicht.

Der Gang in den separaten Saal, das Aufreihen und das Abwarten hat vielleicht etwas mehr als eine Minute gedauert aber Holladibolla: Bei einem Puls von mindestens 200 und kleinen Schweißperlen auf der Stirn ist es letztendlich egal, es kommt dir eh alles wie eine Ewigkeit vor.

Die zweite Situation beinhaltet eine Kiste Bier und eine S- Bahn, die ohne Toilette unterwegs ist. Ums kurz zu machen: Ich hatte noch einen Halt bis zum Zielbahnhof und musste so dermaßen dringend pinkeln, dass ich schon kurz davor stand, zu beten.

Aber in beiden Fällen ist es grade noch so gut gegangen ;-)


Jan sagt:

Mein Vater wurde von einem zu schnellen Fahrzeug erfasst. Er war mit dem Kühler am
Schienenbein getroffen worden, ist mit dem Kopf auf die Frontscheibe geschlagen, dann durch die Luft gewirbelt und auf seinem Gesicht ein paar Meter vor dem Fahrzeug auf den Boden aufgeschlagen. Seine Einkäufe waren über die gesamte Straße verteilt, irgendwelche unwichtigen Lakritzsüßigkeiten.

Ich lief erst zu ihm. Alles roch nach Blut. Falls ihr euch fragt, es ist ein metallischer Geruch, wie rostige Oberflächen. Ich erinnere mich, dass irgendjemand zu ihm gekommen war und erste Hilfe leistete. Ich hatte auch mein Telefon am Kopf, stand mitten auf der Straße. Ich setzte einen Notruf ab, wenn auch ich mich nicht mehr an dieses Telefonat erinnere. Später sagte man mir, dass viele Notrufe für die Situation gleichzeitig eingingen.

Dann räumte ich vollkommen sinnlos die Einkäufe zur Seite, weil ich nicht wollte, dass noch etwas passierte. Arbeitskollegen meines Vaters, die zufällig auch da waren, sperrten mit ihren Abschleppwagen die Unfallstelle so ab, dass keine Fahrzeuge mehr hätten hineinfahren können. Einer der Fahrer war auch ehrenamtlich beim roten Kreuz. Auch er leistete erste Hilfe. Vermutlich passieren die Dinge in anderer Reihenfolge. In meinem Kopf ist alles gleichzeitig gespeichert. 

Während ich Lakritze an den Bordstein schob, vollkommen unter Schock, kam ein fremder Mann und fragte mich, ob den alles okay ist. Ich erinnere mich nur daran, sehr feste umarmt, ja fast schon zerdrückt zu werden, während ich schrie und weinte.

Es kamen Rettungskräfte, ein großer Koffer mit Fläschen wurde geöffnet, ich ging von selbst wieder von der Stelle weg, weil ich innerlich wusste, dass ich hier nur störe. Später erfahre ich, dass mein Vater vielleicht nur überlebt hat, weil auf dem anliegenden Flohmarkt zufälligerweise zwei iranische Chirurgen waren, die sofort zur Hilfe eilten. Ich bereue, dass ich mich nie bedanken konnte.

Dann irgendwann saß ich in einem Rettungswagen und rief in der Firma an, dass jemand zu meiner Mutter hoch sollte, bevor ich sie anrufe. Plötzlich war ich wieder sehr sortiert. Ich rief Thomas, einen meiner Engsten, an, weil er zum Uni Klinikum kommen musste, damit ich das durchstehen kann. Als dann jemand bei meiner Mutter war, konnte ich ihr auch am Telefon sagen was geschehen war.

Im Polizeibericht und im Unfallbericht stand, dass das alles in Fünf Minuten passiert ist. Mein Vater hat übrigens überlebt. Vom Gefühl her dauert aber dieser eine Moment noch bis heute an.

Malte denkt sich:


Zeit, die plötzlich ewig dauert, ist tatsächlich ein immer wiederkehrender Alptraum von mir. Es passiert immer wieder, dass ich in einem Traum auf eine Straße falle, in der Ferne ein Auto sehe und mich plötzlich nur noch in Zeitlupe bewegen kann.

Das ist tatsächlich das, was am ehesten an das Thema der hiesigen Frage herankommt. In der jüngeren Vergangenheit fällt mir selbst nach langem Überlegen nichts ein, wo die Zeit für mich merklich langsamer verstrich.

Erst, wenn ich wirklich weit in meine Kindheit gehe, gibt es dort eine Situation, die noch völlig klar in meiner Erinnerung sitzt: In der vierten Klasse war ich auf einem Schulausflug im Sauerland. In der Jugendherberge kaufte ich mir eine Flasche Fanta, die ich im Prinzip direkt nach dem Erhalt schon zu Boden fallen ließ. Der komplette Sturz der Flasche und das Zerbersten auf dem Boden haben sich vor meinen Augen in Zeitlupe abgespielt, ich stand auch danach noch wie erstarrt und habe auf die Scherben gestarrt, bis meine Lehrerin mich ankeifte, dass ich doch mal die Scherben aufsammeln könnte.

Ich habe keine Ahnung, wieso mir dieses Erlebnis noch immer so präsent im Kopf ist, noch wieso es mich damals so sehr schockiert hat. Meine Vermutung ist, dass ich als Kind riesige Probleme damit hatte, mir einzugestehen, etwas nicht zu können oder Fehler zu machen. Scheitern war für mich absolut schrecklich. Die Tatsache, dass ich in aller Öffentlichkeit nicht dazu in der Lage war, eine Flasche zu tragen, schien mich völlig zu paralysieren. Ich weiß noch, wie ich danach dann eine Scherbe aufhob, eine Mutter dazu kam und mir mit dem Rest half. Als ich ihr die letzte Scherbe geben wollte, die ich die ganze Zeit in der Hand hielt, war alles voller Blut, da ich mich die ganze Zeit, ohne es zu merken, komplett um dieses Stück Glas verkrampft habe.

Während des Schreibens bin ich wirklich erstaunt, wie deutlich sich alles wieder vor meinem inneren Auge abspielt, auch wenn Erinnerungen natürlich immer trügerisch sein können.

Andy erzählt:

Ich war sehr jung. Ich erinnere mich leider nicht, wie alt genau ich gewesen bin. Ich denke fünf oder sechs. Vielleicht bin ich aber auch schon sieben oder acht gewesen. Ich weiß es nicht.

Es war die Nacht von Silvester auf Neujahr. Ich war mit meiner Mutter und meinem Vater wie jedes Jahr oder die Jahre danach, bei Freunden der Familie. Sie hatten eine Tochter in meinem Alter und meine Mutter hat sie bei Weiterbildungsmaßnahmen für Spätaussiedler kennengelernt. Sie kamen auch aus Polen. Wir trafen sie oft und so auch dieses Silvester.

Mein Vater ist Alkoholiker und zu der Zeit versuchte meine Mama das noch vor Freunden  und Bekannten zu verstecken. Mir war das Ganze aber schon bewusst. Jedes Wochenende, an Feiertagen und so weiter wurde mir gezeigt, welche Wirkung Alkohol auf Menschen haben kann. Mein Vater kannte beziehungsweise kennt kein Ende. Er kann einfach nicht aufhören zu trinken.
Ich weiß nicht genau, wie es im Wohnzimmer bei den Erwachsenen zuging. Ich denke meine Mutter wurde immer mulmiger, je betrunkener mein Vater wurde, sagte aber nichts um die Tarnung einer intakten Familie zu wahren. Ich war beschäftigt mit Spielen und war sogut wie nie im Wohnzimmer.

 Irgendwann war es Zeit nach Hause zu gehen. Erst mit der U-35 von der Markstraße bis zum Hauptbahnhof und dann weiter mit dem Taxi nach Höntrop. Ich erinnere mich nicht an die Rückfahrt. Nur eine Minute, spielt sich sehr detailliert vor meinem inneren Auge ab. Wir sind Rolltreppe gefahren. Mein Vater hatte vorher wahrscheinlich meine Mutter angeschrien, beleidigt und degradiert. Alltag.

Mein Vater stand auf der Rolltreppe einige Meter vor uns. Meine Mutter und ich zusammen auf einer Stufe weiter unten. Ich hielt ihre Hand.  Es war die Rolltreppe auf der gegenüberliegenden Seite von McDonalds am Boulevard. Es ging hoch. Ich erinnere mich wie ich ihn beobachtete. Mein Vater war unter Alkoholeinfluss unberechenbar. Man wusste nie, wann er entschied, dass es an der Zeit war handgreiflich zu werden. Man musste ihn also ständig beobachten und durfte nie Unaufmerksamkeit sein. Also beobachtete ich ihn still und aufmerksam. Ich erinnere mich wie er, während der gesamten Fahrt zwar stand, aber sehr heftig taumelte. Irgendwann, es war im letzten Drittel der Rolltreppe, schwankte er sehr stark. Ich realisierte, dass er so stark kippte, dass er fallen musste.

Der Point-of-no-Return war überschritten. Dieser Moment. Diese wenigen Sekunden spielten sich in Zeitlupe ab. Ich realisierte, dass er fallen würde. Ich weiß noch, dass ich darüber nachdachte wie schmerzhaft ein Fallen auf die metallischen Streben der Rolltreppe sein müsste. Ich weiß noch wie ich realisierte, dass ich zu weit weg war um ihn festzuhalten oder am Fallen zu hindern. Ich weiß noch, dass ich mir vorstellte, wie er mit dem Gesicht auf diese seltsam geformten metallischen Treppen fallen würde. Und ich weiß noch, dass ich es gern verhindert hätte.
Ich weiß nicht mehr, ob ich hingesehen hatte oder die Augen verschlossen hatte. Tatsächlich kann ich mich auch nicht daran erinnern wie genau er gefallen ist und ob er nun auf dem Gesicht oder dem Hinterkopf aufgekommen ist. Das nächste an das ich mich erinnere war Blut. Viel Blut auf der ganzen Rolltreppe. Danach war er weg.
Ich weiß nicht mehr, wie es passiert ist. Aber ich weiß noch das meine Mutter einen Taxifahrer bat auf mich aufzupassen und loszog um meinen Vater zu suchen. Ich war danach sehr sortiert und klar. Ich erinnere mich an ein sachliches Gespräch darüber was passiert war und schweigen mit dem Taxifahrer und das er einen Funkspruch von der Zentrale erhielt für einen neuen Auftrag. Ich sagte ihm, dass es kein Problem wäre, mich alleine zu lassen. Ich würde klarkommen und würde einfach auf meine Mutter warten. Ich war zu diesem Zeitpunkt sehr rational und logisch. Ich wollte nicht wegrennen, nicht spielen sondern einfach meine Aufgabe erfüllen. Zu Warten bis meine Mutter wiederkam.

Ihr so wenig, wie möglich zur Last zu fallen. Es war niemand nötig, der auf mich aufpasste. Aber das verstand niemand. Aber es war in Ordnung. Es ging nicht um mich und eine Diskussion über meine Selbstständigkeit half niemandem. Der arme Taxifahrer tat ja auch nur was ihm aufgetragen wurde und meine Mama hatte andere Probleme. Ich wartete also einfach. Diese Sekunden, direkt nach dem Point-of-no-Return, sind wohl die längsten Sekunden, die ich bis heute erlebt habe. Nie wieder passierte irgendetwas in Zeitlupe.


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"Gesprächsstoff" ist eigentlich eine so genannte Talkbox. Mit Fragen, die zum Gespräch anregen, weil sie nicht so aufgebraucht sind wie andere. Wir nutzen ein paar der Fragen des Basis-Sets, um unsere Gespräche hier im Blog anzuregen. Denn als Blogteam sind wir eigentlich in einer Kennenlernphase, wo es natürlich darum geht, herauszufinden, wer die anderen so sind. Aber wir wollen natürlich auch gerne mit euch sprechen und diskutieren, die Anreize nutzen und von euch neue Impulse bekommen. Also geht die Eingangsfrage natürlich auch an euch und wir freuen uns auf eure Kommentare.

Gesprächsstoff #002 - Das Essen mit einem Klon

"Angenommen du würdest mit einem exakten Klon deiner selbst zu Abend essen – glaubst du ihr würdet eure Gesellschaft genießen?"

Jan:
Vorne weg: Nein.
Nicht, weil ich irgendwie ein schlimmer Mensch wäre – Ich glaube beobachten zu können, dass ich die meiste Zeit am Tag ziemlich erträglich bin – Sondern weil ich befürchte, dass mir meine eigene Medizin nicht schmecken würde.

Seit einiger Zeit hat sich meine Art zu kommunizieren verändert. Ich bemühe mich viel stärker, empathisch zu sein. Das bedeutet die eigene Meinung in den Hintergrund zu stellen und sich auf die Gefühlslage und die Gedanken seines gegenüber einzulassen. Dabei hilft es nicht, Ratschläge zu geben und Anekdoten zu erzählen, am besten geht es, wenn mensch offene Fragen stellt, die das Gegenüber auch zur Auseinandersetzung mit sich selbst bringen.

So gut das ganze aber auch gemacht und gemeint sein mag, bekomme ich immer mal wieder das – freundschaftlich vorgetragene – Feedback, dass mein Gegenüber ausrastet, wenn ich jetzt noch eine Frage stelle. Das hinterlässt mich oft etwas ohnmächtig. Wenn ich nun am Tisch mir selbst gegenüber sitzen würde, wäre ich ebenfalls der Mauer aus Fragen ausgeliefert, während ich vermutlich selbst auch versuchen würde, per Fragen empathisch das Gespräch zu führen. Natürlich ist Interesse gut, aber wenn wir uns Beide dann nichts Erzählerisches anbieten können, verschiebt sich alles in ein schiefes und seltsames Verhör.

Dazu würde es auch sehr von meiner Tagesbestform abhängen. Denn ich habe immer mal wieder Phasen, in denen ich mich selbst überhaupt nicht ausstehen kann. Es ist mir dann unverständlich, wie Menschen mich mögen oder vielleicht sogar lieben können. Meine Eigenschaften und Launen empfinde ich dann als störend und bemühe mich darum, den größtmöglichen Abstand zu meinem Umfeld einzuhalten, weil ich Angst habe, etwas Verletztendes zu sagen oder aufrichtig von ganzem Herzen panne zu sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass an so einem Tag ein Treffen mit meinem exakten Klon gut ausgehen würde, selbst wenn er bessere Laune als ich hätte. Klar, er würde mir empathisch zu hören, aber ob ich mich darauf dann einlassen könnte, steht auf einem ganz anderen Blatt. Vermutlich fände ich es aber dann deshalb trotzdem sehr spannend, mit mir am Tisch zu sitzen: Ich würde gerne mal unter realen Bedingungen sehen, ob ich mich selbst aus diesen Launen und Phasen herausziehen kann.

Malte:
Ich glaube, ein Abendessen mit einem mir völlig identischen Klon wäre unfassbar langweilig. Ich bin ein Mensch, der es sehr zu schätzen weiß, sich anschweigen zu können, ohne dass es unangenehm wird.

Ein Abendessen zwischen zwei Maltes würde also so aussehen, dass wir schweigend unser Essen vertilgen, danach vielleicht noch gemeinsam etwas zocken und dabei weiterhin einfach die Klappe halten. Es fällt mir manchmal sehr schwer, aus eigenem Antrieb von meinem Tag zu berichten, wenn nicht irgendein besonderes Stichwort gegeben wird. Wäre mein gegenüber ich selber, würde dieses Stichwort allerdings nicht kommen. Die Wahrscheinlichkeit, große Erkenntnisse über mich selbst zu erlangen, schätze ich also als sehr gering ein.

Konfliktpotential würde es höchstens dabei geben, dass wir nicht Beide den selben Charakter bei Mario Kart auswählen könnten und irgendeiner von uns würde sich enorm aufregen, mal nicht zu gewinnen. Vielleicht wäre es also eine ziemlich blöde Idee, nach dem Essen noch gemeinsam vor der Konsole zu hocken, auch wenn das Unterhaltungspotential für andere Menschen nur so auf ein erträgliches Level gehoben werden würde.

Konkret gesagt: Würde ich so einen Abend genießen? Ich glaube, es wäre mir egal, ob ich alleine oder mit einem zweiten Ich im Zimmer wäre. Genuss würde da nicht aufkommen. Dazu sind mir ein paar Unterschiede im zwischenmenschlichen Kontakt einfach zu wichtig.


Tobi:
Kommt drauf an, was es zu Essen gibt ;-)

Nein, keine Ahnung. Ich kann natürlich nur mutmaßen. Allerdings bin ich zwiegespalten.

Auf der einen Seite glaube ich, dass es angenehm ist mit jemandem unterwegs zu sein, bei dem ich kein schlechtes Gewissen haben muss, dass ich zu viel von meiner Arbeit und der Bahn rede.

Auf der anderen Seite: Wenn ich mit meinem Klon rede (also mit mir selbst), dann weiß ich das ja schon alles und kann mir nichts Neues erzählen.
Und wer mich kennt weiß: Ich bin unfassbar schlecht was Smalltalk angeht. Dieses unangenehme Schweigen passiert mir jetzt schon zu oft. Kaum vorzustellen wie es wäre, wenn ich dann mit mir reden müsste.

Es würde wohl so enden, dass wir beide uns so lange Bier reinschrauben, bis wir Beide voll sind, wie ein Schwamm. Dann könnte es wohl ganz lustig sein, auch wenn ich mich spätestens am nächsten Morgen schlecht fühle, weil ich so viel getrunken habe und bestimmt wieder irgendeine Scheiße gebaut habe. Und sei es nur, dass ich noch lauter rede, als so schon.
Oder, was auch gut sein könnte, dass wir Beide uns einfach aufs Sofa klatschen und beim genüsslichen Bier entspannt eine Runde Reggae hören.

Ergo: So lange nicht geredet wird, ist's bestimmt ganz nett. Aber kein Vergleich zum Essengehen mit Leuten, die ich wirklich gern habe. Wie etwa dem restlichen Team des Blogs ( <3 )

Andy:
Ehrlich gesagt, glaube ich: ja. Ich müsste mir keine Gedanken machen, ob es meinem Gegenüber tatsächlich schmeckt oder er sich wegen etwas unwohl fühlt.

Außerdem wäre es fürchterlich interessant mich selbst dabei zu beobachten, wie ich esse oder mich im Gespräch verhalte. Wie ist meine Gestik? Wie meine Mimik?

Und das heißt mein Klon würde das genau so sehr genießen wie ich und niemand müsste ein schlechtes Gewissen haben. Außerdem wäre das eine perfekte Möglichkeit ein paar Punkte auszudiskutieren, bei dennen ich mir noch nicht sicher bin. Ich sehe meistens beide Seiten der Medalien und so eine Diskussion wäre bestimmt hilfreich um ein paar Dinge einmal richtig zu durchdenken. Ich habe gerade darüber nachgedacht, ob das ein guter Podcast wäre, aber wahrscheinlich würden wir so schnell reden, das niemand anders etwas verstehen würde. Wahrscheinlich würden wir uns irgendwann auch im Kreis drehen. Ich brauche in Diskussionen auch eine andere Sichtweise und neuen Input, in zu einem wirklich validen Ergebnis zu kommen.


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"Gesprächsstoff" ist eigentlich eine so genannte Talkbox. Mit Fragen, die zum Gespräch anregen, weil sie nicht so aufgebraucht sind wie andere. Wir nutzen ein paar der Fragen des Basis-Sets, um unsere Gespräche hier im Blog anzuregen. Denn als Blogteam sind wir eigentlich in einer Kennenlernphase, wo es natürlich darum geht, herauszufinden, wer die anderen so sind. Aber wir wollen natürlich auch gerne mit euch sprechen und diskutieren, die Anreize nutzen und von euch neue Impulse bekommen. Also geht die Eingangsfrage natürlich auch an euch und wir freuen uns auf eure Kommentare.

Gesprächsstoff #001 - Die 3 wichtigsten Ereignisse der Weltgeschichte



Das sagt Jan:
Rosa Parks
1955 weigert sich Rosa Parks ihren Platz im Bus einem Weißen zu geben, nachdem alle Plätze in der Sektion des Busses für Weiße bereits belegt waren. Sie wurde damit eines der vielen Gesichter, die ungerechte Rassengesetze angefochten haben.
Diese Frau weigerte sich, ihren Unterdrückern nachzugeben. Nicht in einem spektakulären Rahmen, sondern da, wo häufig die brutalsten Ungerechtigkeiten stattfinden: In unserer Lebensnähe, jeden Tag.

Macht findet sich halt nicht nur in der politischen Spitze, sondern auch im Alltag. Wir missbrauchen sie, um eigene Priviligien zu sichern, in dem Glauben, andere würden sie uns nehmen wollen. Aber Macht kann mensch sich nicht alleine schaffen, sie wird immer gegeben. Und wenn Macht missbraucht wird, dann muss sie wieder genommen werden. Jeder Souverän über einem Volk hat seine Macht vom Volk bekommen, schon alleine, weil sie sich unterordnen. Rosa Parks ist für mich Sinnbild für die Einfachheit des Protests. Es braucht keine Gewalt, Wissenschaften oder Heldentaten, um bestehende Verhältnisse zu bekämpfen. Es reicht manchmal, sich zu weigern.

Mondlandung
Ich habe sie nicht aktiv erlebt, aber sie prägte meine Jahre als Kind. Mein erstes Lego-Set war die Raumstation (mit Benni aus dem Lego-Film!) und als Kind wollte ich Gärtner auf dem Mond werden. Es gibt da draußen mehr. Es war der nächste logische Schritt für mich als Kind. Wenn die Konflikte auf der Welt gelöst sind, fangen wir unsere Historie von vorne an, in dem wir wieder Wandern. Unser Planet als die Höhle die wir verlassen, um neue Lande, Möglichkeiten und Herausforderungen zu entdecken. Wieder würden wir uns über ewige Zeiten an die neuen Bedingungen anpassen. Und auch wenn ich es nicht mehr miterleben würde, dachte ich, wir könnten die Generationen sein, die den Sprung auf die nächste Ebene schaffen. Da

In meiner Überzeugung bräuchte sich dann auch keiner mehr um die Erde streiten. Die Ziele der Menschheit wären größer als die bestehenden Konflikte. In meiner Ausbildung habe ich gelernt, dass wir als Kleinkinder - nach dem Entwicklungspsychologen Piaget - Dinge lernen, in dem wir ausprobieren und daraus Muster ableiten. Erst können wir greifen. Dann greifen wir alles. Wenn das geht, wissen wir wie man greift. Klar, den Planeten Erde haben wir auch noch nicht vollständig erschlossen, aber warum nicht kindlich neugierig bleiben. Da draußen gibt es soviel zu entdecken, soviel zu probieren, soviele Sterne, die wir uns in den Mund stecken müssen, um herauszufinden, wie sie funktionieren könnten. 

Gründung der Arbeiterjugend
Es könnte auch ein anderer Jugendverband sein, aber über die lange Zeitschiene gesehen, bin ich nun mal bei einer Nachfolgerin der Arbeiterjugend gelandet. Eine Organisation junger Menschen als eigenes Lebensumfeld in dem sie Utopien entwickeln, aber auch leben können, hat für mich besondere Bedeutung.

Die Gesellschaft nimmt den Menschen mit jugendlichem Alter immer mehr Möglichkeiten sich die eigene Wirksamkeit und Relevanz für die Gesellschaft zu zeigen. Gefühlt werden diese Einschnitte immer brutaler, da Jugendliche stark verschult, eingebunden, überfördert und überfordert werden. Eine freie Freizeit gibt es kaum mehr, Bereiche in denen Verantwortung und Teilhabe gelernt werden können, müssen erkämpft werden. Jugendverbände und Jugendhäuser bestärken in der Eigenaktivität.

Auch wenn ich politisch nicht immer mit meinem Verband übereinkomme, bin ich jeden Tag dankbar, für die Möglichkeiten und Entwicklungen, die ich dort erfahren durfte. Ich habe Kompetenzen erworben, die meinen Charakter und dadurch mein Leben geprägt haben. Der Jugendverband hat mit Bestätigung gegeben, als Familie es verpasst hat und hat mir erlaubt mich zu verwirklichen, als mir andererorts die Möglichkeiten fehlten. 


Und Tobi findet:
Erfindung der Dampfmaschine

Es war irgendwie abzusehen, dass ich als Hobby- und Berufseisenbahner mit diesem Punkt aufkreuze. Denn ohne die Dampfmaschine wären wir wohl nicht da, wo wir heute sind, eisenbahntechnisch gesehen.
Denn hätten James Watt und weitere kluge Köpfe im 18. Jahrhundert diese Maschine nicht entwickelt, wäre es womöglich nicht so schnell zur ersten Dampflok gekommen.
Die Dampflok ist zwar ökologisch betrachtet jetzt nicht unbedingt optimal aber auf ihr basieren alle Züge, die heute durch die Länder fahren. Von der Museumsdampflok bis hin zum hochmodernen Hochgeschwindigkeitszug.
Und auch wenn es aktuell, in Deutschland zumindest nicht so aussieht, der Transport auf der Schiene von Personen und Gütern ist immens wichtig für die Entlastung der Straßen und für die Entlastung der Umwelt

Elvis Presley
Man kann über die Musik Presleys denken, wann man möchte. Ich für meinen Teil kann sagen, dass es absolut nicht meine Welt ist.
Doch seine Musik war wichtig, denn daraus hat sich viel entwickelt.
In den 50ern startete die Rock 'n' Roll- Welle, für die Presley einer der ersten und wichtigsten Vertreter war. Aus ihr entwickelten sich in den folgenden Jahrzehnten so ziemlich jeder Musikrichtung, die auch nur im Entferntesten etwas mit Rock zu tun hatte.
Genres wie Grunge, Progressive- Rock, Metal hätte es so vielleicht nie gegeben, wenn es den Rock 'n' Roll nicht gegeben hätte.
Und Presley hat ihn salonfähig gemacht. Merci vielmals.

Erfindung des Buchdruckes Als Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert den Buchdruck erfand, wurde ein wichtiger Schritt für die Zukunft getan.
Dadurch, dass Schriften nun viel einfacher vervielfältigt werden konnten, konnten Wissen und Informationen viel einfacher und vor allem viel preiswerter verbreitet werden.
So gesehen basiert die Moderne auf eben jener Erfindung.
Der Einfluss auf die Bildung, auf Katastrophenschutz (durch Verbreiten von Informationen) und so ziemlich jeden anderen Aspekt des alltäglichen Lebens ist immens und dafür können wir definitiv den Hut ziehen.

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Andy sagt:
Ich fühl mich gar nicht richtig in der Lage zu sagen, was die 3 absolut wichtigsten gesellschaftlichen
Ereignisse der Weltgeschichte sind. Dafür bin ich zu wenig Experte, kenne zu wenig Variablen. Deshalb versuche ich an dieser Stelle, Ereignisse aufzulisten von dennen ich denke, dass sie mein bzw. unser Leben hier sehr stark beinflusst haben. Ob sie tatsächlich die wichtigsten sind, möchte ich nicht entscheiden. Es sind nur Vorschläge oder Norminierungen.

Entdeckung des Penicillins
Alexander Flemming,  seines Zeichens schottischer Bakteriologe, hat 1928 Penecillin in einem Schimmelpilz entdeckt. Penecillin hatte antibakterielle Wirkung und wurde somit zum ersten Antibiotika der Welt. Schlagartig änderte sich die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen um 10 Jahre. Nach oben! Penicilin führte dazu, das wir bakterielle Infektionen sicher und effizient bekämpfen konnten. Sei es nun bei Wundinfektionen nach Operationen oder bei bakteriellen Lungenentzündungen. Plötzlich hatte man tatsächlich ein wirksames Mittel gegen Bakterien entdeckt.
Die Entdeckung von Penicillin und anderen Antibiotika hat unsere Gesellschaft maßgeblich verändert und spielt auch in unserer heutigen Gesellschaft eine große und wichtige Rolle.

Das Manhattan Projekt und andere Atomwaffentests
Atomwaffen sind ziemlich scheiße. Verrückt wie viel Wissenschaft Menschen auf sich nehmen um sich gegenseitig möglichst effizient zu töten..
Die Entwicklung von Atomwaffen führte zum Ende des zweiten Weltkriegs und einer ganzen Ära der Angst im kalten Krieg. Ich glaube unsere Geschichte wurde ganz enorm von diesen Waffen geprägt.
Auch wenn wir heutzutage kaum noch was davon spüren. Die Möglichkeit ganze Nationen mit einem Knopfdruck auszuradieren ist eine neue, nie da gewesene Option.


Marshall Plan und die Gründung der Bundesrepublik Deutschland
Nach dem zweiten  Weltkrieg war Deutschland zerstört und wirtschaftlich am Ende. Die USA verabschiedete 1948 ein Wirtschaftswiederaufbauprogramm mit Krediten, Rohstoffen und Lebensmitteln. Nach diesen 4 Jahren ging es Deutschland (und anderen westeuropäischen Staaten) wirtschaftlich wesentlich besser als vor dem Krieg. Während der nächsten zwei Jahrzehnte kam es in ganz Westeuropa zu einem nie da gewesenen Wohlstand. Es wird als Nachkriegsboom bezeichnet. Ich bin zu wenig Wirtschaftswissenschaftler um eine fundierte und stichhaltige Analyse des Plans und der Wirtschaft zu dieser Zeit liefern zu können. Sorry. Aber ich glaube das der Marshallplan maßgeblich beinflusst hat, wohin sich meine jetzige Heimat entwickelt hat. Unsere jetzige wirtschaftliche Stärke wäre ohne die Hilfe der USA wahrscheinlich nicht zustande gekommen. Aber wie gesagt, dass ist Westentaschen Wirtschaftwissenschaft meinerseits. Außerdem wurde kurz danach die Bundesrepublik Deutschland gegründet und das Grundgesetz verabschiedet. Ich denke, dass das ein unheimlich wichtiger Meilenstein für unsere weitere Entwicklung war.

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Malte meint:

Industrielle Revolution
Ich würde die industrielle Revolution als Fluch und Segen zugleich bezeichnen. Legte sie einerseits den Grundstein zur Ausbeutung diverser Arbeistkräfte und teilte die Gesellschaft in Arbeitgeber und Arbeitnehmer, welche sich fortsetzte und letztendlich zum Kapitalismus führte, wie wir ihn heute kennen, kamen durch die Nutzung diverser Maschinen und den damit größeren Produktionsmengen auch mehr Menschen an diverse Gegenstände, die den Lebensalltag erleichtern und bereichern konnten. Maschinen, größere Mengen an Büchern, Fahrzeuge. Also Gegenstände, die einiges an Komfort für zukünftige Generationen bereit hielten und worauf wir nicht mehr verzichten möchten. Technische Errungenschaften sind fast nie etwas schlechtes. Problematisch ist oft nur, was der Mensch daraus macht und wie er sie verteilt.

Die Nutzung der Elektrizität
Zuerst wollte ich etwas von der Entdeckung schreiben, etwas Recherche zeigte mir aber den logischen Schluss, dass die Existenz von Elektrizität weit vor der Nutzung bekannt war. Dementsprechend beschränke ich mich auf den Zeitpunkt, den ich nichtmals konkret festlegen kann, ab dem Elektrizität wirklich flächendeckend eingesetzt wurde. Ich bin generell ein Mensch, der Fortschritt auf jeder Ebene feiert, dementsprechend legte die Nutzung der Elektrizität die Basis für alle weiteren Errungenschaften, die in den letzten Jahrzehnten eine nie vorher dagewesene Fortschrittsgeschwindigkeit erzeugte. Es gibt viele Sachen, auf die der Mensch verzichten kann und die wirklich dem reinen Komfort dienen. Ein Leben ohne Elektrizität wäre für mich allerdings unvorstellbar und ich halte es für ein Unding, dass es immer noch Orte auf der Welt gibt, denen dieser Fortschritt nicht ermöglicht wird.

1933 - 1945
Der schwärzeste Fleck der Menschheitsgeschichte, der das Weltgeschehen beeinflusst hat wie kaum ein anderes Ereignis. Erinnerungskultur, kollektive Schuld und der generelle Umgang mit Nationalismus sind Themen, die heute noch thematisiert werden. Der Grundsatz Adornos, dass Auschwitz sich nie wiederhole, ist eine der größten Maximen, die ich mir in meinem täglichen Handeln vor Augen halte. Menschen, die der Zeit hinterhertrauern oder der Meinung sind, doch endlich mal wieder ohne schlechtes Gewissen stolz sein zu dürfen auf dieses Land, denn schließlich hätten wir alle überhaupt nichts mit unserer Vergangenheit zu tun, gibt es leider noch viel zu häufig.


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"Gesprächsstoff" ist eigentlich eine so genannte Talkbox. Mit Fragen, die zum Gespräch anregen, weil sie nicht so aufgebraucht sind wie andere. Wir nutzen ein paar der Fragen des Basis-Sets, um unsere Gespräche hier im Blog anzuregen. Denn als Blogteam sind wir eigentlich in einer Kennenlernphase, wo es natürlich darum geht, herauszufinden, wer die anderen so sind. Aber wir wollen natürlich auch gerne mit euch sprechen und diskutieren, die Anreize nutzen und von euch neue Impulse bekommen. Also geht die Eingangsfrage natürlich auch an euch und wir freuen uns auf eure Kommentare.