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Essen in Essen - Jay Edition

Jay Nightwind | 28.08.17 | / / | Kommentieren
Foodblog reizt mich ja irgendwie und ist gleichzeitig so ein herrlich überstrapaziertes Format. Ankommen und es neuerfinden wollen ist dann für gewöhnlich die Reaktion auf Eingefahrenes. Ich klopfe auf meinen Holztisch, klatsche die Hände zusammen und deute auf unseren Header: Wir sind ein Blog für alles und wir machen wasimmer wir wollen.
Ich möchte euch heute meine bevorzugten Futterstellen in Essen vorstellen. Warum? Weil Andy das schonmal für Bochum gemacht hat. Weil meine bevorzugte Todsünde die Völlerei ist. Weil - Kracherpointe - ich mein ganzes Leben in Essen verbracht habe. In Essen! Verstehste? Ja, war nicht gut. Den Witz musst du als Essener machen, bevor jemand anders ihn macht, das nimmt ihm die Wirkung.

Also, anbei nun eine Liste (und anschließend eine Karte) meiner bevorzugten Orte um Kulinarisches käuflich zu erwerben.


Imbisse

1. Pizzeria Valentina - Frohnhausen - Berlinerstr. 131
Ein flaches Argument vorne weg: Jede große Pizza kostet für Selbstabholer Vier Euro. Das ist ein absoluter Schnapper. Die Pizza hier ist solide und ehrlich. Ich brauche kein Steinofen-Zauber, keine abgefahrenen Kombinationen. Die Karte ist schmal, dafür ist alles sehr gut.

Außerdem ist der schweigsame Inhaber ein netter Typ, ohne aufdringlich einschmeichelnd zu sein. Da kann ich gut mit umgehen. Er schaut heimlich auf die Höflichkeit, was ich sehr charmant finde. Als sich neulich zwei Jugendliche vorgedrängelt haben, hat er deren Bestellung zwar zuerst aufgenommen, dann aber meine Pizzen zuerst fertig gemacht. Ohne viel zu sagen, wurde ein Punkt gemacht. Da kann ich auch gut mit umgehen.
Wenn mensch möchte, gibt es im hinteren Teil auch einen Sitzbereich, der zum Quatschen und Futtern ausreicht, nicht aber für ein romantisches Date.

2. Don Camillo - Frohnhausen - Mülheimerstraße 87
Der Camillo muss in Essen wirklich ein Don sein. Es heißen so viele Pizzatempel "Don Camillo", dass auf Google die Vorschaubilder für alle ständig falsch sind und einen anderen Laden zeigen. Dieser Don Camillo ist ein absoluter Lieferexperte.

Als Fußballer wäre die Pizzeria ein "Utility-Player". Sie ist auf allen Positionen einsetzbar. Indisch, Burger, Baguettes, Pizzen, Nudeln, hier gibt es eigentlich alles. Meist wird mensch ja skeptisch, wenn ein Imbiss zu viel verschiedenes anbietet, aber bisher war ich mit der Qualität immer sehr zufrieden. Besonders die indischen Sachen sind richtig lecker.
Eine besondere Stärke ist, dass auch wenn die Hütte bei denen glüht, selten die Lieferzeiten über 30 Minuten liegen. Zum Essen vor Ort ist das Lokal allerdings echt ein bisschen düster.


3. Bobby & Fritz- Rüttenscheid - Rüttenscheider Stern
Eigentlich darf ich den Laden gar nicht mögen. Nicht nur, weil er in Rüttenscheid ist, was für mich als Arbeiterkind erzählerisch natürlich mit den ganzen Hipstern und dem Süd-Umfeld der Feind ist (ist es nicht). Hier war mal "Schichtbetrieb", ein fantastischer Frozen-Joghurt-Laden, der dann leider geschlossen hat. Wenn jetzt ein neues Lokal hier drin ist, kommt das für mich damit gleich, als wäre auf einem alten heiligen Friedhof gebaut worden.

Als ich aber zum einen die günstigen Preise gesehen habe und die Tatsache, dass hier ein Kung-Fu-Hotdog mit Wasabi-Sauce existiert, war das Reinigungsritual fast abgeschlossen. Ein Rabatt für Schüler*Innen und Student*Innen veredelte bei mir den Erstkontakt.
Bobby & Fritz ist zwar Franchise, aber sie machen das echt gut. Das Essen ist lecker, mein Referenzessen, das Chili, hat mir sehr gut gefallen. 

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Bei gutem Wetter sitzt es sich draußen echt nett und egal ob hier im Essener Süden, oder bei der Filliale in der Innenstadt: Die Bobbies und Fritzen können Humor und sind recht locker drauf. Da macht es dann auch Spaß schon zu bestellen und ein paar Witze austauschen zu können.
Einziger Wunsch: Hier könnten mehr vegetarische/vegane Varianten her. Gerade, weil alles so lecker und nicer Imbiss-Style ist.

Restaurants

4. Star Diner - Bochold - Am Lichtbogen 12
Den Laden zu empfehlen kommt mir lächerlich vor. Grob 15k Likes auf Facebook. Die Zeiten, dass dieser Diner im amerikanischen Stil noch ein Geheimtipp bei Fernfahrern war, sind lange lange vorbei. Eingeborene Essens kennen das Star Diner natürlich und irgendwie war jede/r schon einmal da.

Nicht nur, dass die Öffnungszeiten so großzügig sind, dass das Diners immer eine Option ist, das Essen ist auch wirklich sehr stabil. Sowohl in Menge, als auch Geschmack. Wer sich mit amerikanischem Style nicht vereinen kann, wird hier nicht sehr glücklich, auch wenn es ein paar Alternativen auf der Karte gibt. Notfalls geht ein Milchshake immer und die sind auch eines der Aushängeschilder des Ladens.

Auch hier ein wirklich wichtiger Teil der Atmosphäre: Die Kellner*Innen sind nette Leute, haben Humor und passen in den Schuppen. Irgendwie wirken alle ein bißchen alternativ, ein bißchen passen alle zart ins Klischee.

Wichtig: An vielen Abenden, lockt das Star Diner mit speziellen Sonderangeboten, durch die hohe Beliebheit lohnt es sich vorher einen Tisch zu reservieren. Wer es etwas abenteuerlich mag, kann draußen im authentischen Schulbus platznehmen, aber ich kann es ehrlich gesagt nicht empfehlen. Der Funke springt dort nicht so über, wie im Inneren.

5. Burgerista - Innenstadt - Lindenallee 4
Burger sind ne feine Sache. Daher bleiben wir beim amerikanischen Fleischbrötchen. Burgerista hat eine solide Auswahl an Burgern, auf einer angenehm schmalen Karte. Einige Sachen sind ein bißchen hipsterig neu, so können z.B. die Burgerbrötchen auch gegen Salatblätter eingetauscht werden. Die Limo-Flat-Rate zu 2,60€ macht dieses Lokal auch zu meinem heimlichen Konferenzraum in der Stadt. Wenn ich jemanden treffen muss und es nicht privat sein darf, dann ist es meist bei Burgerista.

Der Laden ist schön bunt und auch wenn es richtig voll ist noch erstaunlich ruhig. Ich bin gerne da, auch, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis mir echt gut erscheint. Das Burgerfleisch war auch bisher immer genau auf diesen perfekten Punkt angebraten, damit alles so richtig gut Schmacko ist. In der Innenstadt eine solide Option.

6. Do eat/Dschingis Kahn - Innenstadt - Kastanienallee 95
Das ist ein Heimspiel. Ich liebe die asiatische Küche, weil ich sie an einigen Stellen klüger finde als unsere. Außerdem schmecken die meisten Sachen im asiatischen fantastisch. Da macht das Restaurant, welches gerade frisch den Namen geändert hat, keine Ausnahme. Es gibt hier ausschließlich All-you-can-eat, zu einem Preis, der für ein Restaurant vollkommen plausibel ist. Je nach Tageszeit ändern sich Preis und Umfang des Buffets ein wenig.

Ich mag besonders das Sushi vor Ort, was nur leider manchmal ein wenig darunter leidet, dass es nicht so viele Kund*Innen dort essen. Deshalb stehen die Platten manchmal etwas länger und das Sushi wird etwas trocken. Das ist aber besser verzeihbar, als würden sie ständig etwas wegschmeißen. Liebe Sushi-Fans: Klagt nicht, denkt mit! Wenn ihr das nicht ganz perfekte Sushi aufesst, muss der Koch dann frisches nachlegen. All-you-can-eat hat auch mit Planung zu tun! Besonders dekadent ist das Nachtischbuffet, mit diversen Weingummis, Torte, Tiramisu, Pudding und Schokobrunnen. Ich gehe da tatsächlich meist dran vorbei, weil die Vorspeisen mich ausreichend auslasten, aber Schlaraffenland muss ganz ähnlich sein.

Die Atmosphäre ist okay, durch das All-you-can-eat wird ein sehr gemischtes Klientel angezogen, was häufig nicht das richtige "Restaurant"-Gefühl aufkommen lassen will. Dafür ist es ein fantastischer Ort, wenn mensch Spaß dran hat, sich Leute anzugucken. Im Do eat ist immer was los.

Bars und andere Highlights

7. Cafe De Prins - Essen-Süd -Isenbergstraße 14
Als Cafe habe ich diese Bar nie realisiert. Ich war da aber auch noch nie vor 19 Uhr. Ganz unabhängig davon ist es eine richtig tolle warme Location. Wirklich, es strahlt immer golden und passend dazu gibt es hier wirklich gute Pommes. Vielleicht die Besten in Essen. Dazu ein leckeres Bierchen, dann nochmal ein bißchen Pommes, Pommes und noch ein Bierchen. Die Karte erfreut sich - der Name deutet darauf - niederländischer und belgischer Feinheiten, aber es ist trotzdem keine Themenbar. Es gibt schöne Details zu entdecken, aber die will ich gar nicht spoilern. Ein guter Schuppen für gemütlich.

8. Cafe Nord - Innenstadt -Viehofer Platz 1
Ein guter Schuppen für laut. Für richtig laut. Kutten, Bandshirts und Schwarz als dominante Farbe. Ich weiß nicht genau wie es dazu gekommen ist, aber ich freue mich, dass die Essener Nordstadt eine kleinen Metal-Abschnitt hat. Am längsten dabei ist das Nord. Für Essener*Innen absoluter Kult, aber nicht nur weil mensch sich da bei ordentlich lautem Gitarrengeballer den Kopf verdieseln kann.

Kulinarisch kann das Nord auch ordentlich mitspielen. Bekannter ist die Pizzaflatrate am Sonntag, bei der sich mensch für 5€ ordentlich ein Wohlstandsbauch anfressen kann, ohne reich zu sein. Wer nicht so auf Pizza steht und bei jedem Gewicht Bodypositive sein kann, sollte sich dringend die Chilli-Käse-Fritten reinhauen. Jalapenos, Chilli-Con-Carne-Sauce, dick Käse und ordentliche Pommes. Essen für Champions. Satte Champions, die danach wochenlang nichts mehr essen brauchen.

9. Eis Casal - Frohnhausen - Mülheimerstr. 62
Das beste Eis in Essen. Ja, ich kenne Möhrchen, aber das sind Obstbecher mit ein bißchen Eis. Ja, ich kenne die Iamlove-Filliale in Essen-Süd, aber die kommen eigentlich aus Bochum und während die Spezial-Sorten fantastisch können, fehlen denen die spektakulären Becher.

Eis Casal gibt es länger als mich, es ist ein Familienbetrieb und wächst seit Jahren beständig. Die Eissorten sind fantastisch und Becher wie das Kartoffeleis oder das Spaghetti-Eis sollte mensch da einmal in seinem Leben gegessen haben. Als Essener ist im Sommer Eis von Casal absolute Pflicht. Und auch wenn draußen eine Schlange um den Block steht - kein Scherz - lohnt es sich, sich einzureihen. Drinnen wird zügig gearbeitet und das Eis ist es wert.


Ehrenhafte Erwähnungen

10. Max Frituur - Böses böses Bochum 
Als Christofer mit f mir gesagt hat, dass es die besten Fritten der Welt in Bochum gibt, hätte ich gerne was dagegen in den Ring werfen wollen. Ich hätte gerne diese eine Essener Frittenschmiede gehabt, bei der ich sicher sagen kann: Die haben alles an der geschlitzten Kartoffel gemacht. Alles. Aber diesen Laden hatte ich nicht. Er brachte mich zu Max Frituur.
Veni, vidi, vici. Das gefällt dem benannten Lateinlehrer sicher gut. Max Frituur macht die geilsten Fritten der Welt. Und mit den besten Saucen.

Warum zählt das für Essen in Essen? Weil ich mit der S-Bahn ins Bochumer Bermudadr3ieck etwa genau so lange brauche, wie zu einigen Orten innerhalb meiner Stadt. Und weil es die fucking besten Fritten sind. Gottgleiches Friteusengold.

11. Altendorf- Die gesamte Altendorfer Straße 
Dem Essener Süden wird es nicht gefallen, aber die beste und dekadenteste Meile um sich rund und glücklich zu futtern, ist in Altendorf. Begonnen an der Grenze zu Borbeck mit dem Franchise-Tempel der Finca Bar Celona, bis zu den unzähligen Dönerbuden oben an der Haltestelle Helenenstraße. Dazwischen gibt es Essen aus fast allen kulinarisch relevanten Regionen: Griechisch, Türkisch, Asiatisch, Amerikanisch, Alles! Inklusive Konditoreien die ebenfalls die göttlichen persischen Süßwaren anbieten.

Klar, Essen-Süd hat den besseren Ruf, aber ehrlich gesagt: Den könnt ihr euch stecken. In Altendorf sitzen bis am späten Abend die Leute auf der Straße, reden, spielen und lachen. Eine vibrierende Lebendigkeit, die den dümmlichen Großmedien dann entlocken würde, dass es sich hier um einen Problemstadtteil handeln muss. Aber das sind halt auch Leute die da schreiben, die in Essen-Süd wohnen. Die verstehen unseren Style hier nicht.


Why so serious - Frohnhausen
Wir weinen um die beste vegane/vegi/omni Essgelegenheit meiner Hood. Die Fronx - Wie seit neuestem einige Frohnhausener*Innen liebevoll sagen - verliert im ganz großen Stil. Alles hier hat awesome geschmeckt und wäre das Whyso noch offen, hätte es einen fetten Goldstern als Markierung bekommen. Es war unfassbar gut. Wer von euch Hater die Veganer hatet, sollte die vegane Mayonaise aus dem Whyso kennenlernen. Danach will mensch nichts anderes mehr an seine Kartoffeln lassen. Dankbarerweise werden die wichtigsten Rezepte wohl gerettet und bald über Facebook verbreitet. Ich bedanke mich für die Jahre mit geilem Futter und nettem Thekenteam!


Anbei meine Stadtkarte mit den besten Spots. Da könnt ihr euch die Adressen herausbasteln und triangulieren, wo ich wohl wohne. Übrigens: Das soll nicht bedeuten, dass in anderen Teilen der Stadt, ihr jeden Imbiss meiden solltet, ganz im Gegenteil: Wenn ihr eine Entdeckung macht, schreibt mir bitte. Das will ich auch ausprobieren!

Podcast: Christian Jakobi von Westside Xtreme Wrestling

Jay Nightwind | 19.08.16 | / / | Kommentieren
"Wrestling ist fake und deshalb ist es geil!" Als ich im Vorgespräch zum Interview Christian frage, ob wir den Kayfabe aufrecht halten, da bin ich vielleicht nicht davon überrascht, dass es für ihn okay ist, wenn wir nicht so tun als wären die Kämpfe im Wrestling echt, sondern viel mehr von seiner Intensität in der Stimme. Auch wenn er es körperlich nicht getan hat, habe ich mich gefühlt. als wäre ich am Kragen gegriffen und geschüttelt worden.

Bestimmt und motiviert spricht Christian Jakobi darüber, warum es großartig ist, dass im Wrestling die Show echt, aber die Konflikte falsch sind. Den Ton und die Stimmung die er dabei hat, kenne ich gut von mir und meinen Freunden, aus diesen Zehn Minuten unmittelbar nach einem sehr guten Actionfilm, wo jeder seine liebste Stelle nochmal nachspielt.

Und tatsächlich: Als bei meinem Besuch einer Show der Wrestling Academy, einem Ausbildungszentrum für (Berufs-)Wrestler in Essen Katernberg, Kevin Roadster "Alpha Kevin" in den Ring steigt, da steigt diese dichte Atmosphäre auf, die mir viele moderne Actionfilme gar nicht mehr zu vermitteln schaffen. Bei der Action anwesend zu sein, dass tut dann schon viel für die Intensität. Der Kampf ist vielleicht falsch, aber die Treffer, die sind echt. Und wenn dann Robert Kayser, der sich intensiv beim Publikum darum bewirbt, mit Fackeln aus der Stadt gejagt zu werden, eine dicke Clothesline (zu deutsch "Kleiderstange") kassiert und krachend auf den Ringboden stürzt, da geht der eigene Körper mit. Da ist die Action angekommen.
Als ich am Ende des Abends rekapituliere, dass ich für eine Show, die mich körperlich gefühlt genau so gefordert hat wie die Ringer, nur Sechs Euro gezahlt habe, bin ich angefixt. Nicht nur deshalb als nun ein Interview mit einem der Köpfe hinter Profi-Wrestling in Deutschland:

Podcast: Ruhrescape in Essen

Jay Nightwind | 15.08.16 | / / | Kommentieren
Es hat mehrere Tage gedauert, bis das Hochgefühl nachgelassen hat. Wir haben gerade innerhalb einer Stunde eine Ansammlung kniffliger Rätsel gelöst. In einem Raum für Acht Spieler, den wir zu viert bewältigt haben. Als uns der Spielanleiter von "Ruhrescape" auch noch bescheinigt hat, dass unsere Zeit für diesen Raum wirklich rekordverdächtig war, lief in meinem Kopf "Major Tom", da nicht mehr daran zu denken war, auf dem Boden zu bleiben.

Wir hatten einen Escaperoom gespielt, eine Räumlichkeit, die voller Aufgaben steckt, welche Auffassungs-, Kombinations-Gabe, Beobachtung, Kommunikation und Konzentration (heraus-)fordern. Ein großartiges Spiel für Gruppen, den ihre Geocaches zu langweilig geworden sind oder Nerds, die eine gute Kopfnuss nicht ablehnen.

Wer das alles macht in Essen und warum, dass könnt ihr dem Podcast-Interview entnehmen:

Bericht: Speaker's Corner Raid

Jay Nightwind | 18.11.15 | / / / | 4 Kommentare

Die erste Regel des Fight Club: Niemand redet über den Fight Club.
Die zweite Regel des Fight Club: Niemand redet über den Fight Club.

Habe ich mich jetzt nicht dran gehalten, aber so kommt es mir mit dem Speaker's Corner in Essen auch vor. Höhepunkt war wohl damals, als wir große Teile des NRW-Slam-Line-Ups auf den kleinen traurigen Steinabsatz bringen konnten, die tatsächlich viele Stunden großen Spaß hatten. Stephan hat damals mit diesem Video die Stimmung eingefangen. Den Platz zu beleben war mal für einige Zeit meine ganz persönliche Mission. Die gescheitert ist.

Da Jay sich wieder so herrlich selbstkritisch gibt, muss ich mich da mal einschalten. Schalömchen miteinander, der Hartmann hier.
Er ist der Ansicht, dass die Mission gescheitert ist, doch ich sehe das anders. 
Bevor dieser Mann angefangen hat, diesen Platz zu bespielen, wusste ich nichtmal, dass er existiert. Also der Speaker's Corner. Nicht Jay. 
Klar, das allgemeine Interesse der vorbeiziehenden Menschen war nicht sonderlich hoch, dennoch hat dieser Platz dadurch, dass er bespielt wurde, die eine oder andere Person dazu gebracht, ihr Geschriebenes vorzutragen. 
Natürlich hat man sich das vorher größer und spektakulärer vorgestellt, als es tatsächlich wurde. Das liegt vermutlich nicht zuletzt an der wirklich versteckten Lage zwischen Unperfekthaus und Limbecker Platz. 
Dennoch, allein die Tatsache, dass sich wildfremde Menschen überwinden und ihre Texte vor wildfremden Zuschauern und in einer vollkommen ungewohnten Umgebung vortragen, ist meiner Meinung nach Erfolg genug. 
Und wenn ich mir dann noch überlege, dass auch so manch ein Passant stehen bleibt, sich das anhört und sich vielleicht sogar dazusetzt, dann bin ich mir sicher, dass die Mühen keinesfalls umsonst waren. 

Waren sie auch nicht.
Kevin Cousen hat sich damals offensichtlich inspirieren lassen und darüber könnte ich froher nicht sein. Der Mitarbeiter des Unperfekthauses ist nicht nur so immer in der Nähe des Speaker Corners, nein, er steht auch der Bühnenliteratur in Essen sehr nahe. Wenn auch seine Erfolge auf der Bühne - ganz ehrlich gesagt - noch sehr überschaubar sind. Aber genau das macht aus meiner Sicht sein Engagement um so sympathischer. Hier plant keine zuschauergeile Rampensau, sondern ein netter Mensch, der Bock auf Literatur hat. Und das unterstützen wir natürlich von ganzem Herzen.

Deshalb waren wir mit dabei, als es am 22.August mal wieder so weit sein sollte. Und es war wirklich toll zu sehen, dass viele dem Ruf folgten. Ja sogar einige, die ich, obwohl ich nun schon ein Weilchen in Essen Slam und Bühnenliteratur mache, nicht kannte. Sehr großartig, dass diese freie Bühne auch neue Leute lockt. Hoffentlich in Zukunft noch mehr und mehr Zuschauer, denn der Vati ist immer noch hungrig.


Dem kann ich mich nicht anschließen. 
Dieses Mal waren wieder hervorragende Leute am Start, die mit uns diesen grauen Platz bespielt haben. Ich habe auch gelesen und ich muss sagen, dass es unfassbar viel Spaß macht, wenn man mitten in der Fußgängerzone liest. 
Nicht nur, weil das Slammen sowieso richtig Laune macht. Nein, auch wenn Leute stehen blieben und sich das eine Weile anhörten, war ich sehr zufrieden. Das pusht noch mal richtig. 
Mein persönliches Highlight war allerdings sowieso, als Jay seinen Supermarkttext vorgetragen hat. 
War die Innenstadt vorher noch ein bisschen lauter, wurde es schlagartig leise. Man hörte nur noch den Autoverkehr. Und Jay. Und Jay war lauter. 
Zusätzlich noch die verwirrten Blicke der Passanten... Das war richtig, richtig witzig. 
Tatsächlich glaube ich daran, dass sich diese Veranstaltungsreihe, wenn sie ein bisschen Regelmäßigkeit bekommt, durchaus zu etwas Mittelgroßem entwickeln kann.

In dem Film "Fight Club", ist der Club binnen kürzester Zeit rappel voll, weil sich niemand an die erste Regel hält. Über den Speaker's Corner in Essen spricht auch tatsächlich kaum jemand, auch wenn es keine Regel dazu gibt. Aber es sollten mehr Menschen darüber sprechen. Vielleicht hilft es also, so zu tun, als wäre er ein Geheimclub. Ein verborgener Keller, in dem Poeten nach pursten Regeln streiten. Ein Ort und Termin, zu dem ihr alle wirklich dringend nicht hinkommen solltet. Es ist geheim und mensch redet besser nicht drüber. Wie in dem Film "Fight Club".


Alle Fotos hat der Hartmann gemacht (Auch die von sich selbst) und damit liegt jedes Urheberrecht beim Fotowikinger.

Essener Ecken #93

Jay Nightwind | 24.11.12 | / / / | Kommentieren

Essener Ecken #92

Jay Nightwind | 17.11.12 | / / / | Kommentieren

Essener Ecken #91

Jay Nightwind | 10.11.12 | / / / | Kommentieren

Essener Ecken #90

Jay Nightwind | 03.11.12 | / / / | Kommentieren