Die Done-Liste

Jay Nightwind | 04.12.17 | / |
Sich produktiv fühlen ist wirklich knifflig. Es gehört leider zum Leben dazu, hier und da mal was zu tun, was bewirkt, dass mensch spürt, an dieser Welt beteiligt zu sein. Das Konzept nennt sich Selbstwirksamkeit und nervt ordentlich rum. Sobald wir auf diesem Planeten als Person realisiert werden, wollen wir auch irgendwie Einfluss haben. Und wenn es nur ist, indem wir als Baby rumschreien. Seit damals, seit wir geschlüpft sind, haben wir dazu gelernt. Wir haben gelernt wahrzunehmen und zu verstehen. Zur Wahrnehmung gibt es im Paket noch ein paar Wahrnehmungsfehler oben drauf.

Bei der Produktivität sieht das häufig so aus: Unser Leben läuft vorwärts, wir gucken zur Seite und sehen, wie krass alle anderen unterwegs sind. Die sind super produktiv. Soziale Medien haben diesen Effekt, diesen Eindruck verschärft. Regelmäßige Statusupdates suggerieren, dass ständig was los ist in unserem Umfeld, während wir an einem Gerät hängen und "nichts" tun.
Jetzt kommen die Logiker*Innen an und argumentieren, dass mensch nie nichts tun kann und überhaupt. Ich weiß ja nicht, wie es euch damit geht, mir hilft dieser pauschalisierende Blickwinkel nur selten. Ich sehe trotzdem, dass alle anderen ständig unterwegs sind, was unternehmen, Videos und Lieder produzieren, im Urlaub sind und so weiter.

Häufig denken wir am Ende einer Woche, dass wir gar nicht so viel geschafft haben. Da spielt uns unsere Psyche einen Streich: Unser Gedächtnis kann sich nicht erledigte Aufgaben besser merken, als erledigte Aufgaben. Das haben kluge Menschen in der Psychologie herausgefunden vor vielen Jahren. Nicht-Erledigtes fühlt sich wie ein Misserfolg an. Misserfolge bleiben also, Erfolge verschwinden.

Klingt für mich nicht gut. Ich möchte meine Erfolge sehen, sie auftürmen und dann darauf trohnen! Na gut, sie zu sehen reicht mir eigentlich schon. Und um das zu leisten, ohne das meine Wahrnehmungsverarbeitung mich austricksen kann, brauche ich ein Werkzeug. Manchmal hat mensch das gute Werkzeug schon im Kasten, aber übersieht, dass es andere Funktionen hat. So bin ich auf einen Verwandten der "To-Do-Liste" gestoßen: Die Done-Liste.


In verschiedenen Kategorien, die ich ganz persönlich wichtig finde für meine Leben, habe ich einzelne Kategorien erstellt auf die ich achten möchte. Dinge die ich mir vorgenommen habe zu lernen oder auch Sachen von denen ich weiß, dass ich sie mal vernachlässige. Außerdem aber auch Sachen, die ich oft unspezifisch tue, die auch produktiv sind für mein Leben, aber durch meine Filter fallen. Sowas wie Haushalt zum Beispiel oder Lesen.

Am Ende jeden Tages halte ich nun also für mich nach, welche der Sachen in der Tabelle ich an diesem Tag gemacht habe. Das soll für mich den Effekt haben, mir nochmal eine Basis zu geben den Tag zu reflektieren. Darüberhinaus sammel ich aber auch quasi Punkte. Der Videospieler in mir liebt das. Nicht nur, dass ich plötzlich anfange visuell zu erkennen, dass ich doch recht effektiv bin, ich kann auch mir einen entspannteren Tag gönnen, wenn ich sehe, wieviel ich die letzten Tage geschafft habe. Außerdem kann ich sehen, ob ich mich vielleicht noch mal verlagern möchte. 

Ein Beispiel: Wenn seit Tagen ich immer Sport mache, das Büro sauber geführt ist (definitiv Beispiel und nicht Realität), aber mich weder kreativ noch sozial ausgetobt habe, zeigt in meinem Fall die Tabelle darauf. "Hey Jan, du hast dich jetzt zwei Tage nicht um dich als Person gekümmert, nehm dir mal diesen Moment." Das produziert Aufmerksamkeit, die modern auch oft als "Achtsamkeit" verbucht wird.

Vorsicht: Der professionelle Pessimist könnte immer noch auf die Lücken gucken und am Ende eines Monats immer noch bescheinigen, was alles nicht passiert ist. Und wir arbeiten ja daran, unseren Optimisten auch zu professionalisieren. Daher ist es wichtig, das Ganze als Prozess und nicht nur Momentaufnahme zu sehen. Denn wenn ich dann über Monate hinweg meine Punktzahlen halten kann oder vielleicht jeden Monat ein bißchen besser werde, dann hat auch der Pessimist nichts mehr zu melden.
Auch-Vorsicht: In einigen Kategorien ist manchmal auch einfach nichts mehr zu tun. Wenn die Hütte schon glänzt und blitzt, dann braucht es keinen Druck, doch noch was zu tun. Dann darf gethront werden. Dann darf das "Ich hab mein Leben gut genug im Griff"-Banner über der Wohnungstür aufgehangen werden.

Fazit:
Ich mag Methoden und probiere das für euch aus. Ich werde hier und da mal ein Update abwerfen im Blog. Wenn ihr das auch testet, bin ich neugierig auf eure Erfahrungen.

1 Kommentar:

  1. Habe das Ganze auf deinen Rat hin mal Anfang des Jahres getestet. Was mir dabei aufgefallen ist: In den Monaten in denen ich mich recht wohl mit mir und meiner Produktivität gefühlt habe, habe ich keine Done-List geführt. Als ich merkte, dass meine Energie irgendwie im Ungleichgewicht ist, hab ich wieder angefangen. Gerade was den "Achtsamkeits-Aspekt" betrifft ist die Done-List eine gute Möglichkeit. Und sie macht auch deutlich, was einem eigentlich wirklich wichtig ist und was nicht.

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