Weltraumsöldner: Danton & Lexi

Jay Nightwind | 13.11.17 | / |

"Okay Lexi", Danton versuchte sich die Müdigkeit mit der Hand aus dem Gesicht zu ziehen, "Was haben wir hier?". In einer ausufernden Bewegung streckte er sich und gähnte, bevor er dann die Augen öffnete. Lexis Stimme schepperte über die minderwertigen Boxen des Cockpits: "Farbikat: Markheimer, ein kleiner Transporter. Ausgelegt für Transportmengen bis zu 40 Tonnen. Er trägt das Registrierungszeichen von der Alessio Unternehmensgruppe, allerdings keine aufgezeichnete Kennungsnummer." Im hinteren Teil des Cockpits suchte Danton seine Jacke, nachdem er sich ungelenk in seinen Holstergurt geschoben hatte. "Haben wir eine Beschreibung des Transporters, den Alessio als gestohlen gemeldet hat?" - "Ja Danton.", Lexi klang viel zu glücklich, "Sie lautet: Er sieht aus wie jeder andere Transporter und fehlt im Depot. Da du dich geweigert hast für 40 Credits den Polizisten zu bestechen, haben wir nicht mehr erfahren." Lexi war viel zu glücklich. "Lexi, was würde ich nur ohne dich und deine nachsichtige Art tun?" - "Sterben. Spätestens bei der Jagd nach dem Juggler wärst du ohne mich gestorben." Danton verzog sein Gesicht, erst weil ihn die Direktheit störte, dann, weil sie Recht hatte. Genervt erwiderte er: "Ja, Lexi. Was möchtest du hören?"


Es wirkte so, als müsste Lexi nachdenken. Sie antwortete nicht mit dieser brutalen Geschwindigkeit, die ihr Markenzeichen war. "Ich möchte gar nichts hören. Ich möchte, dass wir diesen Job ordentlich zu Ende bringen und dann fliegen wir heim, du kaufst mir diesen dämlichen Wärmebildsensor, auf den ich jetzt seit Wochen bestehe und dann muss ich bei zukünftigen Jobs nicht mehr raten, wieviele Leute in den anderen Schiffen dir eine weitere dieser störenden Körperöffnungen verpassen wollen." Danton wollte gerade einsetzen, doch Lexi ergänzte noch: "Und dann! Dann können wir endlich aufhören so ein scheißverdammtes Klischee der armen heruntergekommenden Kopfgeldjäger zu sein, sondern uns eine Visitenkarte oder sogar eine eigene Satellitenfrequenz zulegen." - "Wow. Lexi? Scheißverdammt? Ich wusste nicht mal, dass du sowas in deinem Wortschatz hast." - "Was soll ich sagen, Danton? Der regelmäßige Umgang mit Kriminellen lässt auch an einer feingeistigen K.I. wie mir ihre Spuren."

Danton stellte sich Lexi lächelnd vor. Dann zog er seine Jacke zu, steckte seine Waffe in den Holster. "Wieviel Munition haben wir eigentlich noch?", fragte der Kopfgeldjäger die Intelligenz seines Schiffes. "Wir haben noch Neun Patronen in deinem Revolver und in einer Schublade in deinem Schrank weitere Zwanzig Schuss. Persönliche Anmerkung: Wir sind lächerlich ausgestattet für einen Kampf." - "Deshalb kämpfen wir ja auch meist nicht, meine liebste Lexi. Wir benutzen unseren Verstand. Und bevor du den Witz machst: Ich bin selbst immer überrascht, dass das klappt." Lexi schwieg, was meist nicht bedeutete, dass sie nichts zu sagen hatte, sondern sich auf das Ankoppeln an das andere Schiff konzentrierte. Konzentrierte. So sah es natürlich für Danton aus, sie selbst würde sagen, dass sie ihren Arbeitsspeicher auf eine Anwendung bezieht.

"Okay. Rechne mit vier Leuten. Du weißt nicht was im Transporter ist. Wir wissen, dass es für Alessio wertvoll genug ist jemanden loszuschicken, aber nicht wertvoll genug jemanden Hochwertigen zu buchen. Oder so illegal, dass sie keinen gebrauchen können, der irgendeiner Regierung nahe steht. Der Transporter sollte möglichst unbeschädigt bleiben und wer auch immer da drin ist, wird wissen, dass wir kommen." Danton stand vor der Ausgangstür und wartete darauf, dass Lexi bestätigte, das er nun ins andere Schiff wechseln konnt. Er sprach zwar laut mit sich selbst, Lexi hörte ihn trotzdem. Rituale waren wichtig für Danton. Für wen auch nicht? Sie selbst lief ja mit Routinen und gleichmäßigen Algorithmen. "Lexi, in wieviel Minuten kommst du nach?" - "Am liebsten gar nicht. Du weißt wie unwohl ich mich in dem anderen Frame fühle. Kannst du nicht einfach den Helm aufsetzen und den Funk aktiv lassen?", Lexi klang mit einem Schwanken in der Stimme tatsächlich authentisch unglücklich mit Dantons Frage. "Gut. Wir machen das mit dem Helm."

Die Verbindung zwischen den Schiffen war etabliert, Danton hatte seinen Revolver in der Hand und spielte nervös mit dem Daumen am Hahn der Waffe herum. An das Abfeuern der Waffe gewöhnt man sich schnell, es war immer gleich, auch nur eine weitere Routine. Abzug, Hahn, Zündung und das Projektil fliegt. An das Töten gewöhnte man sich nie. Keine zwei Seelen verließen auf gleiche Art den Körper. Danton hatte drei Menschen erschossen, seit er in diesem Geschäft war. Dass sein Arbeitsbereich ein Geschäft war, schien ihm schon schlimm genug. Jeden Tag freute er sich, wenn er nur selbst einen Transport oder eine Nachforschung anstellen musste. Alles war besser als Leute zu jagen. Naja. Alles, außer in einem festen Job zu arbeiten. Denn dafür brauchte man einen anerkannten Abschluss bei einem Unternehmen. Das alte Spiel: Freiheit oder Sicherheit. Nur wer richtig ekelhaft wohlhabend war konnte beides haben. Und auf rauen Welten war beides stark begrenzt.

Ein leichtes Zischen kündigte an, dass sich die Luft zwischen den Schiffen ausglich. Danton streckte seine Arme und atmete tief aus. Heute müsste er vermutlich ein paar Leute erschießen, um eine Wärmebildkamera zu kaufen. Freiheit oder Sicherheit? Freiheit. Er wusste nicht warum, aber die Antwort war immer Freiheit.

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