Gesprächsstoff #005 - Musikpsychoanalyse

Jay Nightwind | 30.11.17 | / / / / |
Glaubst du, dass man anhand der Musik, die jemand gerne hört, auf den Charakter rückschliessen kann? 

Jay sagt:

Die anderen können sich ihre Antworten klemmen. Da gibt es keinen Zweifel dran und da gibt es auch gar nichts zu besprechen. Die Musik die jemand gerne hört, spiegelt ganz sicher die Seele wieder. Nicht nur, welche Musikrichtung es ist. Am Ende haben die Texte ja doch auch einen Sinn, eine Stimmung und womit wir uns gerne berieseln sagen, erzählt alles über uns. Mein Musikgeschmack ist zum Beispiel eine Katastrophe und eine Herausforderung an jeden sensiblen Gehörgang. Und das passt zu mir. Provozieren, nerven, kratzen, auffallen. Das bin ich.

Wo Romano, Scooter, DCVDNS, Hadouken!, Ali As, Prophets of Rage, Angerfist und und und aus noch so verschiedenen verrufenen Musikrichtungen zusammenkommen, da bin ich. Und neugierig bin ich auch. "Dein Mix der Woche" ist die beste Funktion an Spotify, die Vorschläge von Last.fm habe ich damals gefeiert und in mein Leben übernommen.

Außerdem funktioniert es auch andersherum. Manche von uns entscheiden sich für Musikrichtungen, weil sie eine Subkultur beinhalten, die zu uns passt. Wir tragen die Klamotten und kaufen die passenden Festivaltickets. Das gibt Sicherheit. Das ist nice.



Tobi sagt:

Ich weiß nicht, ob Jay damit Recht hat. Nehmen wir mich als Beispiel.
Bei den Genres bin ich querbeet unterwegs. Momentan höre ich fast nur Reggae. Eine lockere, entspannte Musik, bei der man davon ausgehen könnte, dass ich eine ausgewogene Seele hätte, die nichts aus der Ruhe bringen könnte. Das trifft allerdings bei mir nicht zu.
Ich versuche zwar stets locker und ruhig zu sein, doch das gelingt mir nicht allzu häufig. Das heißt, dass wenn ich Rastafari- Sounds höre, habe ich nicht meine Seele im Ohr.
Auch textlich gibt es Differenzen. Reggae setzt sich kritisch mit der Gesellschaft auseinander, was soweit auch bedingt auf mich zutrifft. Allerdings wird oft der Genuss von Marihuana für gut befunden und glorifiziert, was ich genau gegenteilig sehe.
Im Metal nicht anders. Kirchen anzünden oder auf einem Piratenschiff über die Weltmeere schippern und literweise Rum süffeln passt auch nicht sonderlich zu mir.


Was jedoch richtig ist ist, dass man anhand der Musik auf die Laune einer Person schließen kann. Glaube ich zumindest.
Auch hier ziehe ich mich wieder als Beispiel ran: Wenn ich stocksauer bin, höre ich fiesen Metal mit Blastbeats und Gitarrengeschrammel.
Geht es mir gefühlsmäßig mies ist Tom Waits mein treuster musikalischer Wegbegleiter.

Es kann sein, dass man aufgrund der Musik auf den Charakter schließen kann, sicher bin ich mir da allerdings mal so überhaupt nicht. Ebenso wenig, ob ich die Frage, die im Raum stand, beantwortet habe.


Andy sagt:

"Sag mir was du hörst und ich sage dir, wer du bist". Früher, als ich jünger war, dachte ich das gilt. Ich dachte, ich könne den Musikgeschmack von Leuten einigermassen einschätzen, wenn ich sie kenne. Oder andersrum: Rede ich mit jemandem über Musik, merke ich sehr schnell wie derjenige tickt. Mittlerweile glaube ich nicht, dass das stimmt. Ich denke Musik und Charakter hängen nur über irgendwelche Stereotypen zusammen. Wer Rock hört sei rebellisch und cool und raucht und wer Jazz hört ist intellektuell und versiert.
Ich glaube bestenfalls lässt sich Musik dazu nutzen zu analysieren, was für ein Bild ein Mensch von sich zeichnen möchte. Was er möchte, wie andere ihn wahrnehmen.

Ich wär nicht ich, hätte ich nicht kurz geschaut, was sagt die Wissenschaft über diesen Zusammenhang. Erstaunlicherweise gibt es nicht soviel Forschung zu diesem Gebiet, wie man vermuten würde. Und meine Kurzrecherche gibt mir in Teilen tatsächlich Recht.


Quelle: Müller, Renate: Musikalische Sozialisation und Identität. Ergebnisse einer computergestützten Befragung
mit dem klingenden Fragebogen - In: Schoenebeck, Mechthild von [Hrsg.]: Entwicklung und Sozialisation
aus musikpädagogischer Perspektive. Essen : Die Blaue Eule 1998, S. 57-74. - (Musikpädagogische
Forschung; 19) - URN: urn:nbn:de:0111-opus-91976


Hanna sagt:

Wenn mensch einen vielseitigen Musikgeschmack hat, kann mensch einen sehr vielseitigen Charakter
haben, oder auch NICHT.
Soll heißen: Ich denke nicht, dass wir am Musikgeschmack anderer Bezug zu deren Charakter nehmen können. Ich höre zum Beispiel von Metal über Musical zu Schlager zurück über Punkrock und wieder hin zu House so ziemlich alles.
Wenn daraus jetzt andere Rückschlüsse zu meinem Charakter ziehen würden, fänd ich das ziemlich oberflächlich. Nicht jeder, der Metal hört, ist der krasse, böse Draufgänger (eigentlich fast niemand, wenn ich mal das letzte WACKEN revue passieren lasse..).
Nicht jeder der Schlager hört, fährt jedes Jahr zum Ballermann.
Ich mag diese Klischees nicht, die über den Musikgenres schweben und ein Klischee sollte erst recht nicht auf einen Charakter angepasst werden!
Musik ist etwas Freies und das sollte sie auch bleiben. Wir lernen uns über Musik und Konzerte aber auch kennen und dann können wir ja selbst rausfinden, wie der Charakter des anderen ist, anstatt das von vorne herein über dessen Musikgeschmack zu analysieren.
Oder wir fragen nach seinem/ihrem Lieblingssong und dessen Bedeutung, da findet sich dann sicher auch viel über den Charakter eines Menschen, wenn wir uns über Gespräche kennenlernen.



1 Kommentar:

  1. Wie ich schliesslich doch noch zur klassischen Musik gefunden, ja von der Schule aus ging es schon mal gemeinsam ins Theater, aber Zugang hab ich nicht gefunden,ich ging in einen Gesangverein,wo die Musikrichtung ja eine Andere war, aber die Auftritte an verschiedenen Orten, haben mir immer grosse Freude bereitet, aber Beruf und Kind spielten irgendwann einmal eine wichtigere Rolle, als ich meinen damals 7 Jaehrigen Sohn vom Tennisplatz abholte, zu der damaligen Zeit, war Tennis der Sport, der am meisten beliebt war, fragte mich der Tennislehrer, ob ich nicht bemerkt hätte, dass mein Sohn musikalisch sei, während des gesamten Spiels, sei er immer nur am Singen, sein bester Freund,er kam aus Polen sei im Chor des Stadttheaters, ob er ihn fragen soll wegen Gesangsstunde, da ich mich an meine kleinen Veilchen zurueck erinnerte und mein Vater irgendwann einmal zu mir sagte, das ist ein verdammt teures Lied, was du da singst, war ich anfangs skeptisch, aber die Euphorie meines Sohnes überzeugte, und so kam ich wieder ans Theater, mein Sohn durfte am Weihnachtsmartinee mitsingen, solo mit seinem polnischen Gesangslehrer, kamen alle seine polnischen Freunde,die in Kirchen und zur Deutsch Polnischen Freundschaft ihre Musik auffuehrten, wir waren alle mit dabei, irgendwann suchte man eine solo Kinderstimme fürl Alcina von Händel,danach im Musical Cabaret, und somit lernte ich erst einmal die Musik von Haendel kennen, 16 mal gelaufen, 16 mal uns angesehen, da mein Sohn sich ja den Part teilen musste und er nur an 8 Vorstellungen dabei war,wollte mein Sohn auch die anderen 8 Vorstellungen sich ansehen, und je oefter man diese Musik hoert um so schoener wird sie, und es folgte Tamerlano, und wir sassen abends mit der Theatercrew gemeinsam im Cafe, war eine sehr schöne Zeit,aber wie es so ist im Leben, wenn der Intendant wechselt, wechseln meistens auch die Sänger und Schauspieler und mein Sohn war dann 16 ,und zu jung um mit zu gehn, so hat alles im Leben seine Zeit, auch manche Musikrichtung, man kann sie überraschend finden und sie genauso schnell verlieren, nur die Musik selbst, egal welche Stilrichtung,sie kann dir sehr viel geben in deinem Leben, höre ich nur traurige Texte,bin ich in keiner glücklichen Stimmung, und trotzdem können mir traurige Texte etwas geben,gemeinsames Singen, sogar während einer Trauerfeier kann Kraft geben, weil du denkst, ich bin nicht allein, ich höre gerne Schlager, da ich mich gerne an meine Kindheit und Jugend zurück erinnere, ich höre sehr gerne Chöre, weil mir das gemeinsame Auftreten, der Zusammenhalt auch so gut gefällt und ich gehe gerne ins Theater,ob Musical, Operette oder Ooer, hätte man mir mit 25 gesagt, du magst Oper, Ich hätte ihn ausgelacht, daran sieht man doch, wie sich der Geschmack im Laufe eines Lebens verändern kann. Wünsche allen ein schönes Wochenende Frdl.Grüße A1

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