Irgendwie besser: Nachdenken

Fatima Talalini | 03.08.17 | / |
Foto: Jay Nightwind
Eine meiner besten Freundinnen ist eines meiner größten Vorbilder. Sie ist freundlich, geduldig und klug. Gerade die ersten beiden Eigenschaften bewundere ich sehr, weil sie mir am schwersten fallen. Aber wofür ich sie am meisten bewundere, ist die Tatsache, dass sie jeden Tag versucht, ein guter Mensch zu sein. Sie macht das nicht, um anderen zu gefallen, sondern für sich und für die Welt, in der wir leben. Sie isst kein Fleisch, kauft keine Kleidung aus unfairer Produktion, fährt kein Auto.

Vielleicht ist es eine Illusion, zu glauben, dass der Verzicht auf diese drei Dinge, die Welt retten. Vielleicht auch nicht. Ich möchte es wenigstens versucht haben.

Ich habe mich in meinem Leben schon oft vegetarisch ernährt. Diese Phasen hielten mal einige Wochen an, mal einige Monate. Zwischen diesen Phasen habe ich mal sehr viel, mal sehr wenig Fleisch gegessen. Ich bin ein Jahr lang sehr viel Auto gefahren, danach gar nicht mehr. Ich habe Kleidung aus fairem Handel, aus Second-Hand-Geschäften und von großen Modeketten. Ich kaufe Lebensmittel im Discounter (häufig), im Supermarkt (regelmäßig) und im Bioladen (selten). Auf dem Markt kaufe ich so gut wie nie ein (abgesehen von Waffeln und Orangesaft, denn beides ist dort wirklich gut). Ich habe irgendwann mal einen Demeterhof besucht und irgendwann mal eine Doku über Massentierhaltung gesehen.

Foto: Fischer Verlag
Als ich meine Freundin fragte, warum sie konsequent gar kein Fleisch isst, erzählte sie mir von dem Buch, das wirklich viele Menschen in der letzten Zeit bewegt hat: "Tiere Essen" vom amerikanischen Autor Jonathan Safran Foer. Im Grunde ist dieses Buch das Rechercheergebnis eines mündigen Konsumenten, der herausfinden will, was er da eigentlich isst. Seine Ergebnisse über amerikanische Massentierhaltung lassen sich zwar nicht eins zu eins auf die in Deutschland übertragen, weisen aber viele Parallelen auf. Als ich anfing dieses Buch zu lesen, bekam ich schwarz auf weiß die Fakten präsentiert, von denen ich zwar wusste, dass sie existieren, mit denen ich mich aber nie ernsthaft auseinander gesetzt habe. Irgendwie wusste ich, dass Fleischkonsum schlecht für die Umwelt ist. Irgendwie wusste ich, dass Tiere dort leiden. Irgendwie wusste ich, dass Biofleisch gesünder für mich, besser für die Umwelt und besser für die Tiere ist. Dieses schwammige Halbwissen wurde auf einmal mit Fakten festiert und vertieft. Und ich nahm mir vor: Ab jetzt gucke ich nicht mehr weg. Ab jetzt beschäftige ich mich aktiv mit meinem Handeln und seinen Folgen. Wie kann ich anders von mir behaupten, ein mündiger, ein denkender Mensch zu sein? Es gab ein paralleles Ereignis, welches meinen Beschluss bekräftigte. Im Studium beschäftigten wir uns mit den Philosoph*innen. Wir besprachen Platon und Aristoteles, Immanuel Kant, Arthur Schopenhauer, Peter Singer, Mahatma Ghandi, Albert Schweitzer, Hannah Arendt und Hans Jonas. All diese Menschen, deren Gedankengänge wir im Seminar versuchten nachzuvollziehen, all diese Ansätze über die Welt zu denken, beruhen auf einem Grundsatz: dem Denken. Wenn es wirklich das Denken ist, was mich von anderen Lebewesen unterscheidet, wenn ich wirklich behaupte, mein Handeln durch das Denken zu steuern, dann sollte ich schleunigst damit beginnen.

Mein Ziel ist einfach: ich will besser werden. Nicht besser als andere Menschen, sondern besser, als meine vorherige Version. In der idealistischen Hoffnung, dass wenn viele viele Menschen bei sich anfangen ein besserer Mensch zu sein, unsere Welt irgendwann der Ort ist, an dem ich wirklich leben will.

Und damit fange ich jetzt an.

1 Kommentar:

  1. Sooo einfach ist "besser werden" gar nicht. Besonders die neuen Angewohnheiten und Absichten in den Alltag zu übertragen ist manchmal höllisch schwer. Ich war mal Teil einer Elementardiät und spätestens da habe ich gemerkt, was Verzicht für mich bedeutet. Ich habe höchsten Respekt vor deinem Vorhaben und hoffe, dass es klappen wird!

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