How to Slam: Schreibübung "Vermenschlichen"

Jay Nightwind | 23.08.17 | / / |
Also, wir wollen auf Slams natürlich gute Texte präsentieren. Gute Qualität erreichen wir, wenn wir uns mit Text auseinander setzen und auch mit dem, was Elemente in unseren Texten bedeuten (können).

Eine gute Kreativ- und Schreibübung ist das "Vermenschlichen", welches mir Marian Heuser a.k.a. Peter Panisch bei einem gemeinsamen Workshop gezeigt hat.

Schreibübungen sind gute Grundlagen um in den kreativen Denkprozess zu finden und auch einfach, um im sportlichen Sinne sich warm zu machen. Und manchmal findet mensch dabei auch etwas Gold (in Form von guten Ideen).

Vermenschlichen als Schreibübung:

Schritt 1 Themensammlung:
Im ersten Schritt der Übung schreiben wir auf einen Zettel Themen als Stichwörter auf. Am besten als ein einzelnes Wort. Zum Beispiel "Geld", "Natur", "Enten", "Kapitalismus". Nützlich sind Themen, die uns in letzter Zeit beschäftigt haben. Das lässt sich teilweise aber auch nicht verhindern, da wir diese Wörter aus unserem Gedächtnis und Erfahrungen generieren. Was wir nicht müssten, wir könnten uns auch die Wörter aus einem Buch beziehen oder von Freund*Innen aufschreiben lassen. Diesen Zettel legen wir dann zu Seite. Es reicht übrigens auch vollkommen, wenn ihr genau ein Thema habt.

Schritt 2 Mensch-Mind-Map:

Nützlicherweise sind wir selbst Menschen. Daher können wir im zweiten Schritt eine sehr nützliche Mind-Map erstellen. Eine Mind-Map, über Menschen. "Mensch" steht daher auch in der Mitte. Und jetzt fragen wir uns, was es ausmacht, ein Mensch zu sein. Vielleicht kommen wir zu dem Schluss "Menschen haben Hobbies", dann tragen wir "Hobbies" als Unterpunkt in die Mindmap ein. "Ängste", "Wünsche" und was uns Menschen noch so beschäftigt und definiert.

Schritt 3 Vermenschlichen:
Jetzt kommt der interessante Teil: Wir schauen wir auf unsere Sammlung aus dem ersten Schritt. Das Thema, das uns am meisten interessiert, nehmen wir heraus aus der Sammlung und setzen es an der Stelle ein, an der in unserer Mind-Map der "Mensch" steht. Das Thema hat jetzt also um sicher herum geclustert viele Merkmale eines Menschen. Als Grundlage für einen (Übungs-)Text nehmen wir die Unterpunkte als Fragen, die wir beantworten wollen:
- Welche Hobbies hätte Geld?
- Wovor hat die Natur Angst?
- Welche Wünsche haben Enten?

Schritt 4 Erzählen
Dieser Schritt ist optional. Natürlich könnt ihr jetzt die Geschichte erzählen, vom Geld und was es einen Tag lang so erlebt. Manchmal liegen in diesen Fragestellungen aber schon eigene Textideen, die sich von der eigentlichen Übung entfernen. Wenn ihr merkt, dass ihr losschreiben könnt, dann tut das unbedingt. Das einhalten von Regeln einer Übung ist da absolut zweitrangig.

Übertragung als Analyse-Methode:Das Vermenschlichen ist eine Übertragung. Eine Sache wird in ein Umfeld eingesetzt, in das sie nicht gehört. Dingliche und Abstrakte Begriffe werden zu Menschen gemacht. Diese Methode erlaubt uns nicht nur Texte zu schreiben, sondern auch Bereiche zu analysieren.

Wenn es um Slam geht, kann es nun vorkommen, dass wir uns gar nicht mit unserem Text beschäftigen wollen, sondern uns andere Bereiche des Gesamtkonstruktes beschäftigen. Ein häufiges Thema ist da zum Beispiel der Wettbewerb. Es gibt viele Ansichten und Thesen zum Wettbewerb im Slam, eine gemeinsame Wahrheit hat die Szene an keiner Stelle formuliert. Es gibt keinen Zentralverband, keinen festen Katalog, die Überzeugungen der Szene sind beweglich. Deshalb kann es sinnvoll sein, seine eigenen Überzeugungen zu überprüfen. Dafür kann Slam als Szene zum Beispiel mit einer anderen Szene den Platz tauschen. Wenn wir Poetry Slam wie Fussball betreiben würden, was wäre anders? Was würde es für Poetry Slam verändern?

Ich für meinen Teil nutze diese Übertragungen gerne, um in anderen Kunstformen Inspirationen zu finden. So finde ich seit längerem viele nützliche Impulse darin, dass ich Poetry Slam und Wrestling vergleiche. Daraus habe ich eine neue Wahrnehmung des Wettbewerbs im Slam ziehen können und als ich die daraus entstandene Einstellung mit zurück in Slams genommen habe, habe ich ein besseres neues Bühnengefühl gehabt.

Übrigens kann diese Übertragung sich auch lohnen, um zu reflektieren, was ein Text wohl braucht. Also, wenn wir den Text als solchen vermenschlichen, was bedeutet das für ihn?

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