Rezension ohne Mythos - Ein Versuch

Madse | 17.01.16 | / |

Gehen wir mal davon aus, noch nie von Motörhead gehört zu haben... Okay, das funktioniert nicht, schon alleine nachdem Lemmy vor so kurzer Zeit gestorben ist. (Mann, das tut immer noch weh, so lahm wie es klingen mag.) Da hat schließlich sogar die Tagesschau drüber berichtet!
Also nehmen wir statt dessen mal an, Bad Magic wäre nicht von einer der prägendsten und coolsten Rock'n'Roll aller Zeiten, sondern von einer jungen, unbekannten Band. Denken wir uns in eine Welt, in der das Cover nicht vier X für die vierzig Jahre Bandgeschichte trägt, in der wir nicht das 22. (!) Studioalbum in der Hand halten, sondern einen frischen Erstling, gepresst mit Geld, was zum Teil aus der letzten Tour durch die Region stammt und zum anderen Teil von Mutti*, Vati, Oma, Onkel und Kumpels geborgt ist.

Der Einstieg ist stark. Anders kann man es nicht sagen. Eine rauchig-kratzige Stimme verkündet "Victory or die" und schon geht's los. Einfach und geradlinig zocken die Drei ihren eigenartigen aber eingängigen Sound runter. Drummer und Bassist kümmern sich hauptberuflich darum, den geneigten Zuhöhrer in Bewegung zu versetzen, während sich die Gitarre immer wieder Freiräume für kurze Soli freikämpft. Hier findet offensichtlich ein freundlicher Wettstreit von versierten Musikern statt, ohne jedoch den Sinn der Musik als Ganzes aus dem Blick zu verlieren. Druck und Bewegung stehen immer im Zentrum der Aufmerksamkeit, in der ersten Hälfte des Album geht es nur nach vorn. 

Bis zu Till The End. Die Gitarre jault wie immer, der Bass bollert, aber mit dem Schlagzeug zusammen passiert das ziemlich langsam. Der Sänger nimmt sich mehr Zeit um Töne zu treffen, insgesamt drückt die Stimmung. Das qualifiziert locker zur Rockballade. Alle Achtung, mutig, geht doch der Rest des Albums wesentlich direkter zur Sache. Der Song stellt mit vier Minuten in der Reihe von kurzen Songs eine recht lange Verschnaufpause dar, was aber nach Krachern wie Electricity und Evil Eye gut Not tut. 

Der längste Song kommt am Ende: ein Cover des Rolling Stones Klassikers Sympathy for the Devil. Nach den ersten paar Durchläufen war ich noch der Meinung, den besten Titel des Albums hier gefunden zu haben, aber inzwischen musste ich meine Meinung ändern. Motörhead sollte sich weiter auf das konzentrieren, was sie offensichtlich am Besten können: Dir innerhalb von drei Minuten freundlich die Fresse polieren!

... Oh. Tja. 








* ist sowieso die Beste.

Kommentare:

  1. Zeit für ein Geständnis:
    Ich habe tatsächlich - außer Triple Hs Ringmusik beim Wrestling - noch nie ein Lied von Motörhead bewußt gehört. Ich besitze keine CD und habe mir auch noch nie eine geliehen. Die große Frage also: Was habe ich bisher verpasst? Warum muss ich sie gehört haben?

    Ich schaue mit Respekt und Ehrfurcht auf den Tod eines Mannes, der für so viele andere eine Legende ist und möchte gerne verstehen, was ihn zum Helden gemacht hat?

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    1. DieFrage ist garnicht mal so schlecht! Meine Meinung nach sollte man Motörhead mal gehört haben, weil es eine super Einstiegsdroge in den Metal ist. Lemmy hat bis zu seinem letzten Tag gesagt, er spiele nur Rock'n'Roll, aber sie waren von Anfang an härter als das. Die Musik ist einfach, schnell, kraftvoll und voller positiver Energie.
      Und dann kommt da noch die Geschichte von Motörhead und deren Einfluss auf die Stromgitarrenmusik dazu. Kaum eine Metalband gibt Lemmy und Konsorten nicht als Einfluss an, was aber bei 40 Jahren Bandgeschichte kein Wunder ist. Man muss sich nur mal vor Augen führen, welche unterschiedlichen dominanten Musikstile es seit 1975 gegeben hat und wie wenig sich Motörhead davon haben beeinflussen lassen.

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    2. Teach me, Master! Wo fange ich an, wenn ich Motörhead lernen will? Deine Ausführungen haben mich neugierig gemacht.

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    3. Ich werde aus meiner Antwort einen Post stricken, mit Bildern und Videos. Hauptsächlich Videos ...

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