Podcast: Slam in NRW #009

Miriam | 12.09.17 | / / / / | Kommentieren
Das ist er wieder – unser (un)regelmäßiger Podcast Slam in NRW. Dieses Mal sogar mit thematischem Schwerpunkt, nämlich dem U20iger Bereich. Wir* waren unterwegs irgendwo am Bahnhof in Dinslaken und in Essen auf der Premiere des neuen U20 Slams „Zwanni“. Rede und Antwort gestanden haben uns dieses Mal Zwergriese, Hanna, Malte Küppers, Manuel Busse, Miedya Mahmod und ein paar Zuschauer.



*Dieses Mal wirklich wir, nämlich meine Wenigkeit, Miriam und der Urheber dieser Podcast-Reihe, Jay Nightwind. Und wir, dass könntest auch du sein! Wenn du auf Slams in NRW unterwegs bist und Lust hast Teil unseres Podcasts zu werden, dann interview Zuschauer*Innen, Slammer*Innen, Veranstalter*Innen. Schick uns deine Aufnahmen als Audiodatei (Mp3!) an Nachtwindteam at gmail punkt com. Wir bauen, wenn es passt, deine Beiträge dann mit ein. Natürlich unter Nennung deines Namens und den ganzen üblichen Ehrerbietungen.

Rautavaara - Grand Theft Audio

Jay Nightwind | 07.09.17 | / | 2 Kommentare

Das ist doch unser Tobi! Der Bahnexperte ballert da doch einfach mal in einem sehr punktierten Musikvideo seiner Band Rautavaara rum. Ob die Tatsache, dass er Bahner ist und hier den Diebstahl von Autoradios thematisiert im Zusammenhang stehen können wir nicht sagen, vermuten hier aber humoristische Satire oder Punkrock.

How to Slam - Verbessern

Jay Nightwind | 06.09.17 | / / | Kommentieren
Im Bild: Micha-El Goehre Foto: Weststadtstory
Ich bin ein Fanatiker fürs Verbessern und Lernen. In meiner Welt ist es das geilste, wenn mensch am Ende des Tages eine Sache neu oder besser kann als vorher. Mit Selbstoptimierung liegt mensch ja auch voll im Trend.

Als Poetry Slammer*Innen machen wir Kunst. Und da meine ich nicht diesen gesellschaftlich aufgblasenen Begriff, sondern gehe vom ursprünglichen Begriff aus. Im lateinischen und alt-griechischem hatten ars und technea überhaupt nichts damit zu tun, wie die Erzeugnisse von einem Publikum aufgenommen werden.

Es geht um das Erlernen und Anwenden von Methoden, Techniken und dem meistern von Formen. Und die Formen im Slam sind vielschichtig. Denn einen sehr guten Text zu schreiben reicht unter Umständen nicht. An welchen Schrauben kann ich also drehen? Was kann ich verbessern? Ein Anfang einer Sammlung:

Schreibstil
ist die falsche Überschrift. Der Schreibstil ist eine sehr individuelle Entwicklungsaufgabe, kein Teilabschnitt. Es ist vom Stamm bis zur Krone das Ergebnis unserer Erfahrungen, Ideen, Entscheidungen und Fertigkeiten. Die Fertigkeiten, die können wir aktiv verbessern, in dem wir sie erweitern. Hier geht es um Techniken, die wir uns aneignen. Dafür können Schreibübungen ein guter Startpunkt sein. 

Ich mag dabei Übungen, die mich vor überraschende Aufgaben stellen. Zum Beispiel Methoden, bei denen sich über den Zufall generiert, worüber oder wie geschrieben wird. Diese Schreibübungen helfen auch dabei, eine Einstellung im Kopf zu schärfen, dass "kreativ sein" von einem zufälligen Moment eher zu einer gezielten Aktivität geführt werden kann.

Auch das Erlernen bestimmter Formen und Techniken hilft bei der Weiterentwicklung. Schnell ist gesagt "Ich kann keine Lyrik schreiben", was oft daraus resultiert, dass die Form die mensch wählt, nicht zu den Ergebnissen führt, die mensch erreichen will. Ein üben und arbeiten mit der Form ist aber sinnvoll. Auch ein Handwerker braucht nicht immer alle Werkzeuge gleichzeitig, es ist aber für ihn sinnvoll, wenn er alle Werkzeuge und ihre Funktion kennt. Daher: Lieber eine Technik immer mal wieder anwenden, auch wenn sie nicht perfekt gemeistert ist, als sie gar nicht erst zur Verfügung zu haben.

Ebenfalls um seinen Schreibstil zu verbessern kann es sinnvoll sein, sich die Erzeugnisse anderer Künstler*Innen anzuschauen. Damit dabei aber nicht der Respekt vor der anderen Leistung einen selbst bremst und einschüchtert, kann es sinnvoll sein, eines intensiv zu üben:

Beobachten
Im Alltag beobachten wir ständig. Das liegt daran, dass wir immer passiv wahrnehmen. Die Sinneseindrücke und Reize kommen, ob wir wollen oder nicht. Eine nächste Stufe ist das aktive Wahrnehmen. Klare Sache: Wir nutzen um unsere Sinne, um gezielt etwas zu erfassen.

Egal ob passiv oder aktiv, reflexmäßig greifen unsere persönlichen Filter, welche die Beobachtungen in der Aufnahme verändern. Wenn wir jetzt zum Beispiel andere Slammer*Innen bei ihren Vorträgen beobachten, bewerten wir nach unseren eigenen Kriterien die Leistungen. Dass diese Kriterien sehr subjektiv sind merkt mensch spätestens dann, wenn wir mit der Wertung auf einer Jury-Tafel für das gerade gehörte nicht übereinstimmen. Der Filter triggert.

Eine subjektive Wahrnehmung ist schon nicht schlecht, aber wir wollen uns ja verbessern bzw. etwas lernen. Dabei können unsere Filter hinderlich sein. Wir könnten uns mit dem Gesehenden vergleichen und dabei so schlecht wegkommen, dass wir frustriert sind. Oder aber zum Ergebnis kommen, dass wir das auf jeden Fall besser können. Mit dem Ergebnis lernen wir aber nichts dazu. Wir sollten uns also eventuell vom Filter trennen. Wie kann das funktionieren?

Ein leichter Einstieg ist es, eine beliebige Situation zu beobachten. Alles was wir sehen, notieren wir in chronologischer Reihenfolge. Es wird leichter, wenn wir eine konkrete Situation herauspicken, statt einer ganzen Straße in der Innenstadt lieber eine einzelne Person, ein Gespräch, einen Kaufvorgang etc. Wenn wir fertig sind, nehmen wir unsere Notizen und untersuchen sie darauf, was bewerten ist und streichen es. Dadurch sollten nur konrete Handlungen übrig bleiben.

Was nutzt uns das für den Slam? Wenn wir uns Auftritte von Slammer*Innen angucken, können wir aus den konkreten Handlungen ableiten, was wir vielleicht lernen wollen. Aus "hat sehr geil den Text gelesen", was wir nicht einfach nachstellen können, wird dann "hat das Sprechtempo laufend erhöht". Wir können viel genauer erfassen, was die eigentlich Technik ist. Je mehr wir das Beobachten einüben, desto mehr Informationen können wir gewinnen. Nicht nur aus der Beobachtung von Slam-Performances, sondern auch aus anderen Kunstformen.


Das sind zwei Bereiche in denen mensch sich beim Poetry Slam verbessern kann. Es gibt noch unzählige weitere, in die wir im Rahmen von "How to Slam" immer wieder reinschauen werden. Was sind die Bereiche, in denen ihr euch verbessern wollt? Habt ihr schon Strategien? Wie sehen diese aus?

Die Gefahren im Bahnbetrieb

Der Hartmann | 04.09.17 | / / | 3 Kommentare
Das Eisenbahnnetz in Deutschland stellt einen wichtigen Punkt im Personenverkehr dar und ist für viele Pendler unerlässlich.
Doch worüber sich viele nicht im Klaren sind ist, dass von Zügen und Infrastruktur immense Gefahren ausgehen. Die meisten wissen es nicht, weil sie sich vorschriftsmäßig verhalten, was auch durchaus gut ist. 
Doch man liest immer wieder, dass Menschen durch den Eisenbahnbetrieb schwer verletzt, oder gar getötet werden. 

Aber was ist denn so gefährlich am Zugverkehr?

Der Sog
Eine große Gefahr, die vom Zug selber ausgeht, ist der Sog. Das heißt, dass wenn man sich zu nah an einem durchfahrenden Zug aufhält, man durch die verwirbelte Luft angesaugt wird und im schlimmsten Fall umhergeschleudert wird. Das kann tatsächlich tödlich enden. Deswegen gibt es auf jedem Bahnsteig eine weiße Linie, die man erst übertreten darf, wenn der Zug steht. Besonders bei durchfahrenden Güterzügen sollte man nicht zu sehr den Mutigen spielen, denn dadurch, dass zwischen den Wagen ein gewisser Abstand herrscht, ist die Sogwirkung wesentlich stärker. 
Die weiße Linie auf dem Bahnsteig sollte also dringend ernst genommen werden und nur übertreten werden, wenn der Zug steht.

Fehleinschätzung auf der Bahnsteigkante
Das bringt uns zum nächsten Punkt, denn was besonders Jugendliche und junge Erwachsene gerne tun ist, sich auf die Bahnsteigkante zu setzen. 
Dass das nicht erlaubt und wirklich dumm ist, ist ja eigentlich klar. Dennoch nutzen manche Menschen die Bahnsteigkante als Sitzmöbel und nutzen die "Entschuldigung": "Ich höre doch, wenn ein Zug kommt". 
Und diese Einschätzung ist fatal. Denn besonders moderne Leichtbautriebwagen oder Leichtbautriebzüge hört man erst sehr spät. Besonders bei Elektrotraktion ist das Summen des Fahrmotors nicht laut und je nach Windrichtung hat man keine Chance es zu hören. 
Das gilt allerdings auch für größere Maschinen. Man hört sie schlicht nicht, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. 
Und nein, auch das Argument, man sehe die Züge ja, die Strecke sei ja schließlich schnurgrade ist falsch. 
Grade in Zeiten von Smartphone und Tablet lässt man sich sehr schnell ablenken und schaut nicht permanent auf die Strecke. 
Zumal, was viele Menschen nicht bedenken ist: Der Zug kann auch aus der anderen Richtung kommen. 
Auf der Bahnsteigkante sitzen hat schon vielen Menschen Gliedmaßen oder das Leben gekostet. Deswegen hat man dort auch nichts zu suchen. 

Der Bremsweg
"So ein Zug hat ja auch Bremsen". Auch diesen Satz habe ich schon (mehrfach!) gehört. 
Ja, es ist richtig. Ein Zug hat Bremsen. Nur vergisst man schnell, dass der Bremsweg wesentlich länger ist, als bei einem Auto, denn hier drehen sich Stahlräder auf Stahlschienen. Man muss kein Physiker sein um zu erkennen, dass hier eine wesentlich geringere Haftung vorliegt, als bei Gummireifen, die auf Asphalt rollen. 
Ein ICE mit 300 km/h hat einen Bremsweg von mehreren Kilometern! Ein Güterzug mit mehreren Tausend Tonnen Gesamtgewicht und 100 km/h braucht auch locker 700 bis 1000 Meter, bis er steht. Diese Fehleinschätzung der tatsächlichen Gefahr, ist für viele Menschen schon tödlich ausgegangen. 

Die Oberleitung
Viele Züge sind ja bekanntlich mit Strom unterwegs. Auch hier lauert eine Gefahrenquelle, die viel zu schnell unterschätzt wird. Denn Elektrizität ist gefährlicher, als man denkt. Schon die normale Haushaltssteckdose mit etwa 230 Volt kann verheerende Folgen haben.
In der Oberleitung der Bahn fließen weit höhere Spannungen. Hier reden wir von 15.000 Volt! Das ist verdammt viel. Und das Ganze bei einer Frequenz von 16,7 Hertz.
Umso trauriger ist es, dass man immer wieder von schwerverletzten oder toten Jugendlichen liest, die sich etwas beweisen wollten und auf abgestellte Güterwagen geklettert sind.
Denn entgegen des Volksglaubens, braucht man die Oberleitung nicht zu berühren, damit der elektrische Strom durch einen fließt.
Die Unterschreitung eines Mindestabstandes reicht da vollkommen aus.
Besonders bei Nieselregen, Nebel oder anderem schlechten Wetter, ist auch dieser Abstand zu wenig.
Eine Oberleitung ist nicht zu unterschätzen und man sollte gebührenden Respekt davor haben. Ganz davon abgesehen, dass man ohnehin auf Güterwagen nichts verloren hat.

Bahnübergänge
Diese Liste wäre nicht vollständig, ohne eine der größten Unfallquellen im Eisenbahnbetrieb. Die Rede ist vom Bahnübergang.
An sich ist die Benutzung eines Bahnübergangs (kurz: Bü) keine gefährliche Sache. Doch es kommt immer wieder zu Unfällen, besonders an solchen Überwegen, die mit einer Halbschrankenanlage oder "nur" einem Andreaskreuz gesichert sind.
Das Problem ist oftmals die Ungeduld der Leute. Die Halbschranke wird gerne umfahren oder umlaufen, wenn die Schranken zu lange unten sind. Oder manchmal reicht auch die Tatsache, dass sie unten sind schon, dass Wegenutzer der Ansicht sind, sie müssten den Bü trotzdem genau jetzt überqueren. Das haben viele Menschen schon mit dem Leben bezahlt und es ist immer wieder Thema in den Lokalteilen von Zeitungen.
Bei unbeschrankten Bahnübergängen liegt der Fehler oft darin, dass der Verkehrsteilnehmer nicht gründlich genug schaut, ob sich ein Zug nähert. Der Einfallwinkel der Sonne spielt da auch ab und zu eine Rolle.
Doch auch so ein Bahnübergang ist gesichert und zwar durch das Andreaskreuz, das dem Wegenutzer signalisiert, dass sich ein Bahnübergang vor ihm befindet und dass der Schienenverkehr Vorrang hat. An Bahnübergängen ist Vorsicht geboten. Und zwar immer!

Gegenstände im Gleis
Was gar nicht geht und unfassbar gefährlich ist, ist das Platzieren von Gegenständen im Gleis. Im August diesen Jahres erst ist im Bereich Gelsenkirchen ein Baumstamm auf die Gleise gelegt worden. Das heißt, dass irgendein unfassbar dummer Mensch sein eigenes Leben riskiert hat, indem er den Gleisbereich unbefugt betreten hat und, was noch viel schlimmer ist, er das Leben der Fahrgäste und des Zugpersonals aufs Spiel gesetzt hat. Das hätte ganz schnell ganz fies enden können.
Grade in der Ferienzeit häufen sich auch die Meldungen von Kindern im Gleis, die Schottersteine auf die Schienenköpfe legen.
Natürlich, so ein Zug ist schwer. Aber es werden drei entscheidende Faktoren außer Acht gelassen: Erstens haben Kinder sich nicht unbefugt im Gleis aufzuhalten, Zweitens kann ein Schotterstein, der ja auch ein gewisses Eigengewicht hat, das Fahrzeug stark beschädigen und Drittens kann ein umherfliegender Schotterstein zu einem tödlichen Geschoss werden. Und ja, auch hierzu gibt es bestätigte Fälle, wo das böse audgegangen ist.

Weichen
Auch Weichen können schnell gefährlich werden. Was Gleislatschern oft nicht klar ist, ist, dass wenn sie zwischen die Weichenzunge und die Backenschiene treten, sich die Weiche umstellen kann und den Fuß irreparabel kaputtquetscht.
Eine Weiche hat eine Stellkraft von ca. 5500 Newton, was ca. 560 Kilo sind.
Das heißt: Wenn sich ein Fuß in der Weiche befindet und sich die Weiche umstellt, ist der Fuß ab. Auch hier wieder der Hinweis: Haltet euch aus dem Gleisbereich raus.

Gleisbereich
Wo wir grade schon beim Gleisbereich sind, auch hier lauern noch Gefahren.
Sowohl Schienen als auch Schwellen können sehr schnell rutschig und glitschig werden. Grade bei schlechtem Wetter. Es ist schon mehrfach vorgekommen, dass Menschen so ungünstig auf Schwellen oder Schienenköpfen ausgerutscht sind, dass sie sich Wirbel gebrochen haben oder gar an ihren Verletzungen gestorben sind. Auch schon passiert ist, dass Menschen ausgerutscht sind und vor einen fahrenden Zug gestürzt sind.
Und genau aus solchen Gründen, ist der Gleisbereich ein Bereich, in dem sich nur ausgebildete Mitarbeiter und unterwiesene Kräfte aufhalten dürfen. Und auch nur dann, wenn es zur Erfüllung ihrer dienstlichen Aufgabe dient.


Für alle Anderen gilt: Im Eisenbahnverkehr passieren oft schlimme Dinge, die sich durch Befolgen der Regeln hätten vermeiden lassen können.
Tut uns Eisenbahnern, euch selbst und den Menschen, die euch gern haben einen Gefallen: Haltet euch an diese Regeln. Tut nichts Unüberlegtes und seid vorsichtig. 

Prosa-Häppchen: Puzzleteil

Miriam | 03.09.17 | / | 5 Kommentare
Ich puzzle. Ich mache mir ein Bild von dir. Ich hab mir den Randteilen angefangen. Name, Alter, Hobbies, Studiengang, Fachsemester, Beziehungsstatus.... Ich puzzle. Aber habe keine Ahnung aus wie vielen Teile du bestehst. Und weiß deshalb auch nicht, was noch fehlt. Ich suche. Nicht zielgerichtet. Aber hartnäckig. Krame in deiner Erinnerung und deinen Träumen wie in einem Puzzlekarton. Manchmal finde ich einige Puzzleteile, die zusammen passen. Doch ich weiß nicht, wo sie im Gesamtbild hingehören. Sie bleiben Fragmente, die ich im und um den Rahmen herum verteile. Ich puzzle.

Da drückst du mir ein schwarzes Puzzlestück in die Hand. Die Ecken sind abgestoßen, ein Zacken fehlt. Es schluckt alles Licht. "Das muss dahin", sagst du und zeigst auf die Mitte des Puzzles. "Da wo mein Herz ist." Ich nehme dir das Puzzleteil aus der Hand. Es liegt tonnenschwer in meiner Hand. Und dennoch ist es dünn und wirkt zerbrechlich. Ich streiche vorsichtig mit dem Finger darüber. Es fühlt sich rau an und doch weich. Beides zugleich. Ich drehe dein Puzzlestück um. Da leuchten mir unzählige Farben entgegen: Zimtbraun, Nachtblau, Rauchgrau, Rasengrün, Ocer, Taschentuchweiß, Bergrau, Sonnenuntergangsrotorangerosé, Kaffebraun, Waldgrün, Blutrot....
"Ja. Das ist dein Herz", sage ich.
 

Ob unterwegs auf dem Weg zur Arbeit, in der Raucherpause oder auf dem Klo. Unsere Häppchen sind kurze Texte für den kleinen Lese-Hunger zwischendurch - quasi das fast food unter unseren Blogtexten.

Ich bin müde

Jay Nightwind | 01.09.17 | / | 8 Kommentare
Ich bin müde.

Ich bin so müde.

Es ist nicht mal die Welt, es sind die kleinen Dinge, die mich müde machen. Geschirr spülen, Wäsche waschen, Rechnungen bezahlen, einkaufen gehen, nach dem Sendersuchlauf am Fernseher die Stationen wieder richtig sortieren. Einen Plan haben müssen, sich an den Plan halten, überrascht werden, den Plan verändern, nach dem Wunschdurchlauf nach der Schule die eigenen Ideale wieder richtig sortieren. Von Menschen erzogen werden, Freunde und Freundinnen finden, Menschen müde werden sehen und wissen, dass sie nie wieder...

Miep Miep Miep Miep Miep Miep Miep Miep!
Aufstehen! Die Zeit von gestern ist vorbei. Und du hast geschlafen, also musst du raus aus den Federn. Es ist ein neuer Tag, mit neuen Rätseln! Zum Beispiel diese:

Wenn wir Menschen im Supermarkt vorlassen in der Schlange, weil sie nur eine Teil haben, würden wir auch Fünf Personen vorlassen, wenn sie "ja nur ein Teil haben"?

Wenn wir nach dem Duschen sauber sind, warum müssen wir unsere Handtücher nach dem Abtrocknen dann in die Wäsche tun?

Warum sind wir abends zum Einschlafen nie so müde, wie morgens wenn wir aufstehen sollen? Warum gibt es einen Wecker, aber kein Gerät, das uns einschlafen lässt?

Wenn wir ein frischbezogenes Bett nicht verlassen, bleibt das gute Gefühl der Wäsche dann für immer?

Wenn die Welt uns so müde macht, woher wissen wir, dass unsere Träume nicht das echte Leben sind?

"Oh. Ich hatte ein schreckliches Alpleben. Ich musste die ganze Woche von Sieben bis Sechzehn Uhr arbeiten und hab immer die gleichen Sachen gemacht. Und so ging das Monate lang. Das Schlimmste war aber, was dann kam. Ich musste....Ich....Ich traue mich kaum es auszusprechen....Eine Steuererklärung machen. Boah. Ich war so müde. Zum Glück bin ich dann eingeschlafen."

In meinen Träumen bin ich nie müde. Da geht alles. Da bin ich ein berühmter Schauspieler, der mit seinem Schlafplatz verheiratet ist. Weil es geht. Wir sind Bett Pitt und Penngelina Jolie. Und in meinem Träumen, da lachen alle über diesen Scherz. Und in meinen Träumen, da ist das Geschirr gespült, die Rechnungen bezahlt, und die Sender im Fernseher. Hmmmm. Ich sage es euch, die sind sortiert. Und wie die sortiert sind. Es ist ein Traum.

Es ist ein Traum.

Und dann werde ich wach. Ich bin wach. Ich stehe auf. Ich sortiere meine Ideale, die Fernsehsender, das Geschirr nach Grad der Verschmutzung und erkenne, dass ich nie müde war. Sondern hungrig. Hungrig nach Träumen, nach dieser anderen Welt in meinem Herzen, die so schüchtern und sensibel ist, dass sie nur im Schlaf mit mir spricht. Nach dieser Welt, die nicht unerreichbar ist, sondern der Wert hinter dem Gleichheitszeichen. Die Welt, die rauskommt, wenn ich diese hier nehme, aufstehe und sie so sortiere, dass alles möglich wird. Sogar eine Welt, in der ich keine Steuererklärung machen muss.

Miep Miep Miep Miep Miep Miep Miep Miep!
Aufstehen! Die Zeit von gestern ist vorbei. Es ist ein neuer Tag, mit neuen Rätseln. Und Rätsel, die sind immer für Aufgeweckte.

Songcover- "Clown" - Emeli Sande

Hanna Honig | 30.08.17 | / | 1 Kommentar


Hallo liebe Menschen! :-)

Diesmal habe ich mich einem Song gewidmet, den ich vor Kurzem wieder ausgegraben habe.
Es gibt ihn seit 2013 und damals habe ich ihn sehr intensiv gehört, dann ging er mir irgendwie verloren...

Ich habe ihn früher zwar gern gehört, mir aber absolut nicht zugetraut, ihn zu singen. Heute habe ich ein bisschen an einer Interpretation gebastelt und so kann ich den Song, denke ich, "einreichen".

Zu unserer Beziehung: Der Song und ich verstehen uns sehr gut, da er genau die Botschaft aussagt, wie ich mich manchmal fühle; etwas hinter einer Glasscheibe.
Irgendwie komme ich nicht so richtig an das Leben ran, versuche es aber so intensiv und tollpatischig, dass ich Menschen damit offenbar unterhalten kann und damit bin ich auch völlig okay. Trotzdem wünsche ich mir immer, dass Menschen hinter diese Unterhaltungsmaske schauen können und sich fragen, warum ich sie denn eigentlich trage.
Daher kann ich sagen, dass ich persönlich sehr die Aussage des Songs fühlen kann.

Ich hoffe, ihr habt Spaß beim Zuhören!