Fünfundsiebzig Kilo und Einundzwanzig Gramm

Jay Nightwind | 06.05.17 | / | 1 Kommentar
Wie schwer kann es schon sein Poesie zu schreiben?
Die Reime
Das Metrum
Die Bilder
Das Herz wieder einzuverleiben?

Die ewige Hatz, nach dem vollendeten Satz,
Der Formel
Dem Schlüssel
Der Perfektion
in Sinn, Sinnlichkeit und Ton

Wie hoch ist schon die Hürde?
Ein Meter für den Stolz
Ein Meter fürs Wissen
Ein Meter für den Anspruch
Zehn Meter für die Würde

Den Wunsch wertig zu sein
Mit dem Lernen der Sprache fertig zu sein
Der Wunsch nach einem besseren Reim
Der Wunsch die Gedanken in Wörterketten zu legen
und das Herz zu befreien
Wie schwer, kann das schon sein?

So schwer wie Mundwinkel in einem Gesicht
Die leicht wie eine Feder sind
wenn wir im heißesten Sommer
den kühlsten Wind mit unserem Hemd fangen

So schwer wie eine mathematische Formel die nur aus unbekannten Variablen besteht und weil das nicht mal ein Gewicht ist, müssen wir am Ende noch alle Einheiten umrechnen und das, das ist wirklich schwer

So schwer, dass genau ein federleichtes Lächeln schon zu viel wiegt

So schwer, dass Atlas zwar die ganze Welt, aber nicht die Worte heben kann

So schwer, dass sich die Masse verdichtet und alles Licht in sich aufnimmt, wie ein schwarzes Loch im Weltall deiner Westentasche, in der du dich auskennst, aber trotzdem nichts finden kannst, denn alles was Licht ist, liegt außerhalb

So schwer, wie sich eine Hand öffnen lässt, die eine Faust sein muss, um Freiheit zu verlangen, um die Kinder zu schützen, um die Mauern der Tyrannen zu zerschlagen und mit einem fest umschlossenden Pflug Felder der Freiheit zu bestellen, auch wenn das Wasser für die Gedankensamen dafür aus den Felsen gepresst werden muss

Genau Fünfundsiebzig Kilo und Einundzwanzig Gramm schwer, denn so viel wiege ich, wenn ich Poesie schreiben will, mit einem schwarzen Loch in der Tasche und kein Atlas meine Welt heben kann, weil sie genau ein Lächeln zu schwer ist

Fünfundsiebzig Kilo und Einundzwanzig Gramm ,wenn ich die Faust hebe, obwohl ich den Mund viel lieber hochreißen würde, um vor die Mauern in den Köpfen schreien zu können, weil ich eine Aufgabe in dieser Welt habe, die ich alleine nicht schaffen kann:
für schwarze Leben
und weibliche Rechte
und abgesenkte Bordsteine
und offene Herzen für die, die aufgehoben werden wollen.

Denn wir sind Atlas
Müssen die Welt anheben und hochhalten
Mit Worten und Formeln und Fäusten und Herzen und
Wie schwer kann es schon sein, Poesie zu schreiben?
Siebeneinhalb Milliarden Herzen, Fünfundsiebzig Kilo und Einundzwanzig Gramm

Snipperclips

Malte | 01.04.17 | / | 1 Kommentar


Oder: Das perfekte Pärchenspiel


Quelle: https://cdn03.nintendo-europe.com/media/images/10_share_images/games_15/nintendo_switch_download_software_1/H2x1_NSwitchDS_Snipperclips_deDE.jpg

Seit dem 3. März gibt es die Nintendo Switch im Handel. Damit einhergehend gibt es einige valide Kritikpunkte, die vom Kauf abraten: Der hohe Preis, kleine Macken der Technik, kaum Spiele zum Launch.
Da ich allerdings unbedingt das neue Zelda spielen wollte, war mir das alles ziemlich egal und ich habe mir die Konsole direkt am ersten Tag gekauft. Zufälligerweise hatte ich auch noch etwas Geld auf meinem eShop-Konto, welches ich in ein kleines Spielchen steckte, von dem ich zu Beginn nicht wusste, was mich erwarten würde. Der Titel des Artikels verrät das ganze natürlich sofort, daher brauche ich hier gar nicht großartig geheimnisvoll tun, sondern direkt sagen: Wenn ihr Lust habt, Menschen vor eine Konsole zu bekommen, völlig egal, ob diese schon Videospielerfahrung mitbringen oder nicht, dann holt euch Snipperclips! Es mag minimalistisch aussehen, fast schon zu kindlich, allerdings holt ihr euch mit diesem Spiel ein wunderbares Puzzleerlebnis ins Haus, welches vor allem zu zweit oder zu viert unfassbar viel Spaß bereitet.

  "Alleine ist das gesamte Spiel eher hakelig als unterhaltsam."


Snipperclips ist ein Spiel für ein bis vier Menschen. Der Einzelspieler beinhaltet allerdings trotzdem zwei Figuren, wobei ihr durch Knopfdruck zwischen diesen hin- und herwechselt. Im Multiplayer wird die zweite Figur einfach von der zweiten Person gesteuert. Das ist im Übrigen auch die Spielweise, die ich euch empfehlen möchte. Alleine ist das gesamte Spiel eher hakelig als unterhaltsam. Wenn ihr euch nicht miteinander absprechen könnt, euch unterstützt oder euch auch mal einen Streich spielt, wird das Spiel eher zur Arbeit anstatt zum Vergnügen.
Ihr habt nämlich die Möglichkeit, eure kleinen Papierwesen übereinander zu platzieren und einen Knopf zum Schnibbeln zu drücken. Der überlappende Bereich wird dann aus der zweiten Figur herausgeschnitten. So müsst ihr euch gegenseitig in Form schneiden, um diverse Rätsel zu lösen. Verschnibbelt ihr euch einmal, reicht ein fester Knopfdruck und euer Papierfigürchen wird in den Ursprungszustand zurückversetzt.
Die Aufgaben, die sich euch stellen, sind dabei äußerst vielfältig. Ihr müsst entweder vorgezeichnete Figuren nachstellen, Bilder passgenau ausschneiden, Basketbälle in Körbe transportieren, angeln, Zahnräder bewegen und vieles mehr. Alles, indem ihr eure Figuren so schneidet, wie es für euch Sinn ergibt. Das schöne dabei ist: Ihr MÜSST nicht unbedingt schnibbeln. Durch die physikbasierten Rätsel ist es auch möglich, völlig individuelle Lösungswege anzugehen, die ihr euch so ausgedacht habt. Ein Rätsel so zu schaffen, verleiht einem ein unfassbar gutes Gefühl. Ein Beispiel: Durch zwei Rohre floss eine schleimige Flüssigkeit und traf dabei auf kleine Smileys. Aufgabe war es, diese Berührungen zwischen Flüssigkeit und Smileys zu verhindern. Zu Beginn versuchten wir noch, unsere Figuren so zu formen, dass der Strom einfach abgelenkt wurde. Als dies irgendwann nicht mehr funktionierte, schnitten wir Behälter in unsere Figuren, hängten diese über die Rohre und verhinderten so jeglichen Austritt der Flüssigkeit. Die Erkenntnis, dass wir das so auch von Anfang an hätten machen können, führte zu großem Gelächter.
Gelacht wird allerdings auch, wenn die Absprachen untereinander doch nicht so gut funktionieren und eine Figur plötzlich beginnt, die zweite aggressiv wegzuschnibbeln, bis nur noch ein kleiner Fetzen übrig ist. Der kooperative Gedanke wird dann ganz schnell beiseitegeschoben und der Rätselbildschirm wird zu einem Kriegsfeld. Das hat das Spiel ebenfalls begriffen, weswegen es einen kleinen Spielmodus für den Wettstreit gibt. Dort spielt ihr entweder gegeneinander Basketball, Hockey oder eben ein Schnibbelduell. Diese Modi machen allerdings nur kurzzeitig Spaß, da dieses Zerfetzen der zweiten Spieler vor allem dann reizvoll ist, wenn dieser nicht damit rechnet und sich gerade präzise für einen Schnitt platziert. Ich bin ein sehr schadenfroher Mensch, wodurch ich jubelnd auf der Couch umherhüpfe, jemandem so kurz vor einer erfolgreichen Mission einen Strich durch die Rechnung zu machen. Hinzu kommt dann das dezente Gefühl von Angst, weil man danach nie weiß, ob und wann der oder die Mitspieler*in zurückschlagen wird.
Quelle: https://pbs.twimg.com/media/C2WJb5-VQAEieGY.jpg

 "Lacht gemeinsam und knobelt kreativ an den Lösungen für diverse Rätsel!"


Schade am Spiel ist nur, dass der Umfang für den Zwei-Spieler*innen-Modus  von 3 Welten mit je 15 Rätseln ziemlich mau ist. Der kompetitive Modus verliert schnell an Reiz und der Vier-Spieler*innen-Modus steht vor dem gleichen Problem wie zu Beginn erklärt: Ihr könnt ihn zu zweit spielen, wobei man zwei Figuren auf einmal kontrollieren muss. Auch hier wird die Steuerung also sehr hakelig und der Modus entfaltet seinen vollen Reiz demnach nur, wenn ihr zu viert vor der Konsole sitzt. Dann steigt Spaß und Chaos zwar exponentiell an, diese Möglichkeit taucht zumindest in meinem Umfeld allerdings sehr selten auf. Das heißt also, dass ihr, wenn ihr alleine seid, gänzlich auf das Spiel verzichten könnt und zu zweit der Spaß schnell vorbei ist. Trotzdem würde ich euch eine warme Empfehlung aussprechen. 20€ sind zwar alles andere als günstig für den geringen Umfang, allerdings hatte ich dafür ein paar Stunden riesigen Spaß zu zweit.
Stellt Freundschaften und Beziehungen auf die Probe, ohne euch gleich durch zu hohen Frust die Köpfe einzuschlagen, lacht gemeinsam und knobelt kreativ an den Lösungen für diverse Rätsel. Denn wenn man so gut mit einem Spiel abschalten kann, ist das Geld definitiv nicht gänzlich falsch investiert!

Quelle: https://pbs.twimg.com/media/C2WJb5-UUAAlqCK.jpg

Nachtwind Live! im KJT Dortmund

Der Hartmann | 30.03.17 | / | 1 Kommentar
Wir haben unseren Blog wieder auf die Bühne gebracht.
Nachdem wir bei unserer ersten "Nachtwind Live"- Veranstaltung ein gutes Feedback bekommen haben und wir richtig Spaß an der ersten Liveausgabe hatten, haben wir uns erneut auf eine Bühne gestellt und das, was wir sonst in digitaler Form machen, vor Publikum passieren lassen. 
Dieses Mal waren wir im Kinder- und Jugendtheater Dortmund zu Gast.



Malte, unser neustes Mitglied, hat an dem Abend die Moderation übernommen und das Publikum durch die Veranstaltung geführt.




Wir mögen Interaktion mit unseren Lesern oder wie in diesem Fall, dem Publikum. Deswegen hat Malte ein paar Spiele mitgebracht, die wir zusammen mit den Zuschauern gespielt haben.
Hier zu sehen ist Spiel 1, was wie folgt funktioniert:
Malte macht Gesten, auf die das Publikum mit bestimmten anderen Gesten reagieren soll. Hier zu sehen: Malte zeigt Pistolen und das Publikum hält die Hände hoch.







Nach dem Spiel war Frau Lore an der Reihe.
Sie hielt eine Präsentation über das Buch "Die Haifischzahnstrategie", ein Buch von Hannes Fehr. Inhalt des Buches ist "Affärenmanagement für Single- Männer".
Frau Lore hat in diesem Vortrag vollkommen wertungsfrei den Inhalt des Buches wiedergegeben, was für viele Lacher gesorgt hat.





Dann war das Publikum wieder gefragt, denn Malte hat die Frage in den Raum gestellt: Welche Filme sollte man gesehen haben?
Daraufhin konnten die Zuschauer ihre Filmhighlights auf Karteikarten schreiben und bei uns abgeben.






Es folgte das nächste Spiel. Und zwar "Mittelalter- Schnickschnackschnuck", was eine Abwandlung des Klassikers "Schere, Stein, Papier" ist.
Das Spiel lief wie folgt ab: Es stehen drei Figuren zur Auswahl (Drache, Ritterin und Prinz) und wie im Klassiker schlägt eine Figur eine andere und wird von einer Figur besiegt.
Beim Mittelalter- Schnickschnackschnuck tritt man als Team an und muss sich vor der Runde einigen, welche Figur gezeigt wird. Diese muss dann vom gesamten Team gezeigt werden. Falls eine Person im Team eine andere Figur zeigt, ist die Runde verloren.
Wir haben nach 7 Runden immer noch ein Unentschieden gehabt und das Spiel an dieser Stelle beendet.




Im Anschluss gab es eine Kurzgeschichte von Fatima Talalini zu hören.
In der Geschichte ging es um die Frage, wie das Leben in Deutschland wohl wäre, wenn hier aktuell Krieg herrschen würde.
Es wurde die fiktive Geschichte einer Person erzählt, die eine Flucht in ein sicheres Land in Erwägung zieht.
Harter Tobak, der zum Nachdenken angeregt hat.





Und dann war unser Hartmann dran, der das machte, was er am besten kann: Über Bahnzeug reden.
Als Hobby- und Berufseisenbahner hat er ein tiefes Fachwissen und weiß, was alles im Hintergrund abläuft. Ja, er weiß sogar was hinter dem bekannten Spruch "Verzögerung im Betriebsablauf" stecken kann.
Im Anschluss an seinen Vortrag über die Gründe von Verspätungen, konnten die Zuschauer ihm noch Fragen stellen, die dann nach bestem Wissen beantwortet wurden.



Zu guter Letzt war Malte wieder an der Reihe und löste auf, was die Leute auf ihre "Must see"- Zettel geschrieben haben.
Es wurden Klassiker wie "Das Leben des Brian" oder "Dirty Dancing" genannt, allerdings auch neuere Streifen wie "iRobot" oder "La- La- Land".
Durchweg eine bunte Mischung.


Und damit war der Abend dann auch zu Ende.
Vielen Dank an unser Publikum, das so wundervoll mitgemacht hat und wirklich gute Stimmung gemacht hat.
Wir hatten viel Spaß und können den nächsten Livetermin gar nicht abwarten!

Vlog #007 - Individualität Vs. Sozialisation (Mit Jay)

Jay Nightwind | 23.03.17 | / | 2 Kommentare