Häppchen: Ruhrgebietsflair

Andasch | 09.10.17 | / | 2 Kommentare
Schon oft hab ich mich gefragt, was genau ich jemandem zeigen kann, der mich aus dem Ausland besuchen kommt. Auf den ersten Blick versteht man den Pott einfach nicht. Wie kann ich ihm/ihr diese kontraintuitive Schönheit zeigen: Dieses pulsierende Leben, diese Betongraue in-die-Fresse-Ästhetik. Ihr wisst schon.

Klar, man kann sone Touri-Tour machen. Einmal ab in die verschiedenen Industrieparks: Westpark in Bochum, Landschaftspark in Duisburg, vielleicht n Abstecher ins Bergbaumuseum oder ins Gasometer. Aber haben wir dann wirklich das Ruhrgebiet erlebt? Keine Ahnung.

Irgendwie nicht.

Der Pott ist für mich mehr als all die schlafenden Industrieriesen. Mehr als Bergbau, Currywurst und Herbert Grönemeyer. Es ist, als würde unter all dem Beton Leben fließen und pochen. Es gibt Kultur und Kunst und Musik. Ne riesige Poetry- Slam- Szene, viele freie Theater, ne lebendige Musikszene. Egal ob Hip-Hop, Drum 'n' Bass oder Alternativerock. Im Ruhrgebiet findest du alles.

Irgendwann im August habe ich in Essen einen Ort gefunden, der für mich dieses Ruhrgebietsflair irgendwie repräsentiert. Ich hab in Esssen-Frohnhausen einen Döner bei Atilla Döner gegessen. Es war noch angenehm warm und ich konnte in kurzer Hose draußen sitzen. Es war ein guter Tag. Vor dem Laden hatte der Besitzer wacklige Stühle und Tische gestellt. Drei oder vier Meter von mir entfernt, rauschte die A40 vor sich hin. Laut und gleichmässig. Wäre ich aufgestanden, hätte ich auf sie runterschauen können. Von meinem Sitzplatz  aus verwehrte mir aber eine blanke graue Betonmauer die Aussischt. Nach dem Essen trank ich einen türkischen Tee. Direkt vor mir war eine Straße. Ein alter Mann lief seiner Frau hinterher und brüllte etwas. Dann drehte er sich um, sah mich an und sagte: "Eins hab ich gelernt: Frauen und Bussen läuft man nicht hinterher". Dann blieb sie stehen und er lief doch hinterher. Beide brüllten sich dann an. Aber irgendwie liebevoll. Ich weiß es klingt verrückt aber das war wunderschön.
Dieser Wille, allen Widrigkeiten zum Trotz, es schön zu haben, diese eigene Ästethik von Ehrlichkeit und brüllender Liebe und gleichmäßigen lauten Rauschen von Autobahnen...das ist Ruhrpott. Klar, kann man draußen am Kanal in Venedig sitzen und es ist schön. Das ist wirklich nicht schwer. Aber trotz all dem grauen Beton, lauten Geräuschen, Armut und Asiromantik, den Willen zu haben, es irgendwie schön zu machen. Scheiße, das ist Ruhrpott. Das dachte ich so, als ich an meinem Tee schlürfte, die Sonne meine Arme warm machte und mich wunderte, was würde ich Freunden aus dem Ausland zeigen, um ihnen das Ruhrgebiet zu erklären. Vermutlich wäre das ein Ort.

Prosa-Häppchen: Regen

Miriam | 07.10.17 | / | Kommentieren
Es regnet, gießt, strömt, pladdert, schüttet, schifft...
Regentropfen klopfen ans Fenster, als ob sie hinein gelassen werden möchten. Ich stehe im Dunklen und beobachte wie sie die Scheibe runterinnen. Tropfen um Tropfen um Tropfen folge ich mit den Augen. Sonst bewegt sich nichts an mir. Meine Gedanken dafür umso mehr. Sie fluten durch meinen Kopf. Werden vom Rinnsal, zum Bach, zum Fluss, zum Meer. Unberechenbar, dunkel und tief. Überschwemmen meinen Kopf. Und ich spüre wie die Deiche brechen. Tränen laufen meine Wangen hinab wie die Tropfen das Fenster. Fallen auf den Fußboden vor mir und bilden dort eine winzige Pfütze. Und alles was ich denke ist: "Wann hört dieser Regen endlich auf?" 

Warumwolf

Jay Nightwind | 06.10.17 | | Kommentieren
Der Wolf wohnt jetzt hier. Auf meinem Oberschenkel in schwarzer Tinte scharf gestochen.

"Warum ein Wolf?", fragte mich eine Füchsin.

Weil ich einer bin. Ich habe es selbst erst spät verstanden. Wölfe haben Rudel. Sie sind ihre Familie, ihr Rückhalt, ihre Aufgabe.

Wölfe sind Ermöglicher. Der Leitwolf steht dem Rudel vorne an, nicht, weil er der Mächtigste ist, sondern weil er Erfahrungen hat und bereit ist, andere zu unterrichten. So lehrt er die Jungtiere im Spiel den Kampf, die Jagd, die Regeln des Rudels und ermöglicht sie. Er ermöglicht es, dass sie älter werden und selbst dann im Rudel die neuen Jungtiere unterrichten. Dann, wenn sie alt genug sind, gehen sie und machen ihre eigenen Rudel auf. Der Leitwolf wird nicht abgelöst, nicht bekämpft. Wer bereit ist, löst sich und lehrt selbst, was gelernt wurde. Die Jungtiere wachsen heran, neue Jungtiere kommen nach. 

Der Drang ein Leitwolf zu sein, war schon immer da. Aber ich war jung. Jung im Kopf. Ich dachte es ginge darum, die Macht bei sich zu sammeln. Aber es ging darum, die Macht zu vermehren. Und das geschieht dann, wenn Menschen ermöglicht werden. Vollständige Macht bedeutet, uneingeschränkt handeln zu können. Also muss anwachsende Macht bedeuten, dass wir selbst immer mehr Möglichkeiten bekommen.

Ich habe selbst von Wölfen gelernt. In Jugendverbänden, in Cliquen, in der Schule, in meinen Jobs.
Wölfe, welche eine feine Nase für Potentiale hatten. Sie ahnten und glaubten daran, dass ich Dinge erreichen konnte. Sie glaubten daran, dass jede*r Dinge erreichen konnte. Mit der richtigen Unterstützung. Mit Überzeugung. Mit Leidenschaft.

Beim Lehren, so dachte ich, ginge es ums Wissen. Ich dachte, es würde ausreichen. Es hieß ja auch, "Wissen ist Macht". Ich verstand damals nicht, dass es einen Unterschied machte, Menschen das Ergebnis zu sagen oder mit ihnen zu lernen, wie sie es selbst finden konnten. In einem Wald, in einer Welt, die sich immer verändert, wie sollte die immer gleiche Lösung da immer auf die gleiche Art gefunden werden können?

Der Drang Leitwolf zu werden war da, als ich es wurde, bemerkte ich es kaum. Ich sah nicht, dass andere zu mir aufsahen, merkte nicht, dass ich jetzt ein Impulsgeber war. In den Bereichen, in denen ich aktiv war, hatte ich nie selbst das Gefühl "fertig" zu sein, alles zu wissen, alle nötigen Fertigkeiten zu haben. Das gehörte aber dazu. So sind Wölfe. Wölfe bleiben hungrig. Ich hatte nicht gelernt satt zu sein, sondern wie ich satt werden kann. Ich habe das Lernen gelernt.

Eine Mitschülerin in der Berufsschule sagt es im Scherz. "Du bist Leitwolf." Der Satz verließ diesen Kontext und betrat jeden in meinem Leben. Ich habe nicht den Anspruch ein Anführer zu sein, aber ich möchte Menschen ermöglichen. Ich möchte im Spiel Impulse anbieten und im Ernstfall mit ihnen gemeinsam jagen. Es reizt mich nicht, bestimmen zu können, wie andere handeln. Es reizt mich, wenn meine Techniken in neuen Händen zu anderen Ergebnissen führen. Zu neuen Techniken werden. 

Die Füchsin war mit der Antwort zufrieden. Sie war flink und neugierig mit der Frage, forderte mich damit etwas heraus. Ich festigte meinen Standpunkt, war entschlossener als noch davor. Ich bin dankbar für die Frage, weshalb ich mir einen Wolf tättoowieren lassen wollte.

Besonders dankbar bin ich Deno vom Signed and Sealed Tattoo Parlour in Reklinghausen. Er ist der Ermöglicher für meine Entscheidung, ist der Gestalter des Emblems eines Teils meiner Seele, den ich für immer auf der Haut tragen werde. Mit Stolz und Sicherheit. Denn ich brauche nicht verstecken, was ich bin. Ich bin ein Wolf. Mit Rudel.

HowToSlam: Verbessern II - Körper

Jay Nightwind | 04.10.17 | / / | Kommentieren
Willkommen zurück bei "HowToSlam" und der guten Frage, was kann ich denn eigentlich verbessern? Hier ein paar Vorschläge.

Körper I - Realitäten:
Direkt als erstes: Es geht nie darum, einem Schönheitsideal zu entsprechen, sondern immer darum, sich mit sich selbst wohlzufühlen. Das kommt in bestem Fall nicht dadurch, dass mensch sich einem Schema, Ideal der Gesellschaft oder Lookism beugt, sondern sich mächtig fühlt. Mächtig steht hier im Gegensatz zu "Ohnmacht" und nicht als die Anzeige repressiver körperlicher Optionen.
Der Körper ist deshalb eine Sache, mit der wir uns aktiv auseinander setzen können, weil wir ihn auf der Bühne und im Text immer dabei haben. Der Fleischklumpen ist nunmal Hülle unserer Seele, ohne geht es nicht. Unser Körper beinhaltet Wahrheiten, wenn wir ihn betrachten. Fakten, die wir nicht verstecken können, die jeder Mensch, der uns betrachtet, sofort sieht. Auf der Bühne spielen diese Fakten (leider) auch in die Wahrnehmung dessen, was die Zuschauer*Innen von uns mitbekommen. Wenn wir diese Fakten über uns bewusst haben, gewinnen wir Macht und Kontrolle über uns, können Fakten unseres Körpers zur Verstärkung unserer Argumente im Text nutzen.
Im Bild: Fatima Talalini, Quelle: Weststadtstory
Ein Beispiel:
Fatima Talalini sagt in ihrem Text "Aufs Maul, Terrorist", dass sie mit 1,62m Körpergröße sich nicht traut Putin zu schlagen. Alle Menschen im Raum können das sehen und bewerten, dass sie im Verhältnis zum russischen Staatschef klein ist. Dadurch stehen Aussage und Sichtbares im Verhältnis zueinander. Die zusätzliche Ebene verleiht zusätzliches Gewicht in der Aussage.

Sich mit den Realitäten seines Körpers zu beschäftigen setzt dringend neutrale Beobachtung vorraus. Es geht nicht darum, sich zu bewerten, sein Aussehen in einen Vergleich zu stellen, sondern Merkmale aufzutun, die beweisbar sind. "Ich bin blond, habe Locken, bin 1,74m groß und wiege 72 Kilo." ist beweisbar. "Ich habe schöne Haare und bin zu dick.", liegt in der Bewertung des Betrachters und ist nicht definitiv beweisbar. Versucht euch euch bewusst zu machen und schaut, ob es euch in der Erzählung eurer Texte nutzt.

Körper II - Optionen:
Wegen der erwähnten gesellschaftlichen Bewertungskackscheiße ist es oft wirklich knifflig, sich in seinem Körper wohlzufühlen. Häufig werden wir auf Formen und Merkmale trainiert, die eine Attraktivität erfüllen, die eine Gruppe mal irgendwann so definiert hat. Wichtige Sache: Auch trotz statistischem Mittelwert was attraktiv ist, gibt es keine objektive Attraktivität. Ich zum Beispiel mag Narben und Tattoos an Menschen, würde aber vermuten, dass es durchaus Leute gibt, die hier schon widersprechen würden.

Was aber messbar und erfassbar ist, sind die Dinge, die wir mit unserem Körper können. Ein Bereich, der auch für Slam interessant sein kann. Es geht dabei nicht mal um spektakuläre Stunts für die Bühne, sondern ein Bewusstsein dessen, was alles möglich ist. Und wenn wir feststellen, dass etwas, das wir können wollen, nicht möglich ist, können wir Impulse und Ideen suchen, wie wir es lernen können.

Um zu erfassen, welche Optionen zur Verfügung stehen, kann es sich in einem ersten Schritt lohnen "Verben" zu sammeln. Das gute an Verben ist, dass sie ebenfalls frei von Wertungen sind. Die Frage zur Orientierung lautet: "Was kann ich mit meinem Körper auf der Bühne machen?" Diese Verben können gerne als Liste gesammelt werden. Das könnte dann so aussehen: "Ich kann rennen, springen, hüpfen, sitzen, stehen, liegen, hocken, knien, trotten, tanzen, schreien, brüllen, flüstern, dabben, stampfen und noch so vieles mehr." Diese Liste kann gerne offen angelegt werden, denn immer mal wieder lernt mensch etwas dazu und verbreitert sein Können. Und es geht dabei um den gesamten Körper. Dazu gehören natürlich auch die stimmgebenden Bauteile unseres Körpers, die mensch sich gerne bewusst machen kann.

In einem zweiten Schritt können wir jetzt auf unsere Texte schauen und uns fragen "Welches der Verben kann ich wie mit dem Text verbinden?" Ganz pragmatisch kann mensch Liste und Text nebeneinander legen und sich anschauen, ob es eine Stelle gibt, die sich inhaltlich unterstreichen lässt, wenn eine bestimmte Handlung hinzugenommen wird. Unterstreichen kann dabei auch dadurch entstehen, dass ein Bruch bemüht wird. Da ist es wichtig zu überlegen, was bei Zuschauer*Innen passieren soll. Es ist auch nicht für jeden Text sinnvoll, unbedingt viele eigene Handlungen und Bewegungen zu verbauen. Hier kann und darf experimentiert werden.

Solltet ihr euch bei einigen der Handlungen nicht sicher fühlen, hilft es manchmal einfach zu üben. Gleichgewicht, Ausdauer, Kraft, Lungenvolumen, Stimme, Tempo und so weiter, sind Eigenschaften, die durch Übung und Training verbessert werden können. Dabei ist es gerade nicht meine Empfehlung unbedingt Sport zu machen, trotzdem aber der Verbesserung dieser Eigenschaften etwas Zeit im Alltag zu zu schreiben.

Übrigens: Wenn ihr später mal viel auf Tour seid, in Zügen & Fernbussen sitzt, häufig Slams moderiert und auch sonst bei der "Arbeit" hauptsächlich steht und sitzt, seid ihr für ein paar Übungen zur Ent- und Belastung des Rückens ganz dankbar. Es kann nicht schaden, sie früh ins Repertoire zu nehmen. Auch Übungen die den Körper aktivieren und erlauben Zug- und/oder Backstage-Trägheit vor dem Auftritt abzulegen können sehr sehr nützlich sein, um vor einem intensiven Auftritt in Wallung zu geraten.

Schlecht

Jura-Examen. 250 Studenten. Ja, Studenten und nicht diese genderneutrale Studierendenscheiße. 250 Studenten und 25 Strafgesetz-Repetitorienbücher. Das sind 10 %. Es ist 23:43. Die Bibliothek ist leer. Ich gehe zum Regal mit allen 25 Büchern darin. Als ich ein Buch herausnehme, quietscht das grau-bläulich lackierte billige Metallregal laut. In meiner Tasche befindet sich abgepackte Scheiße. Heute morgen habe ich einen Topf auf meine Toilettenschüssel gelegt, so dass die Henkel auf dem Sitz liegen und die Öffnung in die Toilette ragt. Dann hab ich reingekackt und die Scheiße in einen Frischhaltebeutel gesteckt. Mit ein paar Plastikhandschuhen hole ich jetzt ein bisschen Scheiße aus dem Beutel und schmiere 24 der 25 Bücher voll. Eins nehme ich mit.



Stuttgart. Könnte aber auch jede andere Stadt sein. Urbane Räume sind alle gleich. Breiartiges Erbrochenes. Grauer Matsch mit undefinierbarer Konsistenz. Irgendwie flüssig, irgendwie fest. Städte sind kalt. Wie der Beton aus dem sie gebaut sind. 7.00 Uhr. Ich friere mir den Arsch ab. Meine Füße sind schon ganz taub und ich werde wach. All die Wichser gehen arbeiten. Diese geleckten Flachpfeifen. In lauten Stöckelschuhen und mit lächerlichen Rollkoffern, die höllisch laut sind sobald sie über diese geriffelten Pflastersteine am Bahnhof rollen. Ich finde eine weggeworfene Kippe. Sie ist plattgetreten. Ich sammle sie auf und zünde sie an. Ein paar Jugendliche Kanaken gehen an mir vorbei, und erzählen sich was in ihrer Dreckssprache. Dann lachen sie. Einer kommt zur mir und klaut meinen Becher mit Geld drin.
14.00 Uhr. Scheiß Tag. Ich sitze immernoch am Bahnhof. Ich trinke eine Fanta-Korn-Mische. Sie schmeckt abgesstanden und hat keine Kohlensäure mehr. Plötzlich erkenne ich einen der Dreckskanaken von heute morgen wieder. Er kommt auf mich zu und hält mir den Becher hin. Ich kann erkennen, dass ein 20 Euro Schein drin ist. Er hält ihn mir entgegen und murmelt etwas von Entschuldigung. Ich sehe, wie er vergeblich versucht sein Gesicht wegen meinem Geruch nicht zu verziehen. Er würgt zwischendurch sogar ein wenig.  Ich packe seinen Arm und schreie: "Hilfe, der klaut mein Geld!" Der Kanake schaut sich ängstlich um und versucht sich loszureißen. Ich beiße in seinen Arm und versuche seine Uhr zu klauen. Er tritt mir gegen die Brust. Viele Leute gucken. Keiner macht was. Der Junge lässt den Becher fallen. Ich reiße nochmal an seiner Uhr. Sie fällt auf den Boden und das Glas darauf zerspringt. Der Dreckskanake hat Angst und rennt weg. Ich habe 20 Euro und eine neue Uhr.



Vorstandssitzung. Der Dieselskandal setzt dem Geschäft zu. Irgendein inkompetenter Trottel hat's vermasselt. Wir beschließen mehrere Großspenden an Politiker, Funktionäre und die Medien. Insgesamt mehrere Zehnmillionen Euro. Es gibt Mettbrötchen, stereotypisch wie es sich gehört aber auch Kaviar. Mit Meerrettich. Wir entlassen einige Hundert Mitarbeiter. Den Fond für die Abfindungen hatten wir schon vor einigen Jahren angelegt. Er zählt somit nichts ins Geschäftsjahr und korrigiert unsere Bilanz. Ich bin zufrieden. Ich glaube heute ficke ich meine Frau. Vielleicht kauf ich mir aber auch einfach nur ne neue Uhr. Dann muss ich heute Abend zumindest nicht so tun, als würde mich ihr Gelaber interessieren.


Vor wenigen Stunden haben wir uns kennengelernt. Er hat mir in der siffigen Club-Toilette einen geblasen. Es hat sehr penetrant nach Pisse gestunken. Er kniete auf dem feuchten Boden und nahm meinen Schwanz in den Mund, während ich halbherzig stöhnte. Ich mein, er war nicht schlecht, aber heute ging es mir um etwas anderes als billige Befriedigung mit einem Fremden. Während er meinen Schwanz lutschte, sah ich mir die graue Toilettentür an. An einigen Stellen war sie gelb-bräunlich verfärbt. Wahrscheinlich hatte irgendein Halbstarker im Suff, dort ein wenig rumgekokelt. Genüsslich schmatze der Typ, als er meinen Schwanz tief in seinen Mund schob. Zwischendurch versuchte er Blickkontakt herzustellen und schielte gierig hoch. Ich packte dann seinen Hinterkopf und drückte ihn rabiat auf mein Geschlechtsteil. Ein bisschen Sperma landete auf seinem schwarzen Pulli. Er wischte es weg, aber es blieb ein klebrig, glitschiger zwei-Finger großer Fleck.
Ich bat ihn, mit mir heim zu gehen. Es war beinahe Fünf. Die Stadt war noch dunkel. Es hatte geregnet und einige dreckige Pfützen haben sich gebildet. Immer wieder kamen uns Betrunkene entgegen, die schrien und gröhlten. Einer rief irgendwas von Hure und warf seine halbvolle Bierflasche auf die Straße. Das zerspringedene Glas hatte einen angenehm basslstigen Klang, als sie auf der Straße zersprang. Das Klirren hallte durch die stille Nacht. Morgen würde irgendein armer Wicht die Scherben aufsammeln müssen. Vielleicht würde sogar jemand nichtsahnend mit seinem Auto durchfahren und einen Platten kassieren. Bei jedem unserer Schritte entstand ein feuchtes Fopp-Geräusch. Als wir eine kleine Gasse passierten, ziehe ich ihn hinein und fummele wild an seiner Hose herum. Ich sehe die Gier und Geilheit in seinen Augen aufblitzen. Wie wild, fängt er an mich zu küssen, haucht in mein Ohr und beißt in meine Unterlippe. Ich drehe mich um. Er küsst meinen Hals. Ich nehme seine Hände und führe sie an meine Hose. Seine war bereits heruntergerutscht. Während er hektisch versucht meine Hose zu öffnen, greife ich in meine Jackeninnentasche. Ich bin mir sicher, er dachte zu diesem Zeitpunkt ich suche nach einem Kondom. Ich drehe mich schnell um und schiebe ein Messer zwischen seine Rippen, Meine Klinge tauchte komplett in sein Fleisch. Ich hoffe sowohl seine Lunge, als auch sein Herz erwischt zu haben. Ich steche noch einige Male auf ihn ein. Es ist ganz mühelos. Ich liebe diesen metallischen Eisengeruch, wenn soviel Blut vergossen wird. Ich steche solange auf ihn ein, bis ich ganz außer Atem bin. Ich war so konzentriert, dass ich ganz vergessen habe dem Typen in seine Augen zu gucken. Scheiße. Das ist doch das Beste. Der Augenblick, wenn der Gegenüber voller Schrecken realisiert, dass er statt nem Fick gerade ein Messer in den Körper gerammt bekommen hat. Meistens dauert es einige Sekunden bis er es merkt. Die Zeit bleibt dann fast stehen. Die Pupillen werden dann ganz groß und sie versuchen sich zu wehren. Meistens ist es aber zu spät und sie sind schon zu schwach. Irgendwann merkt man, wie das Leben aus den Augen weicht. Die Augen werden dann ganz starr und jegliche Dynamik verschwindet aus den Pupillen. Fuck, ich habs verkackt. Richtig befriedigend war das jetzt nicht.

Fotohäppchen: Sonnenaufgang am Entenfang

Der Hartmann | 28.09.17 | / / | Kommentieren

Nach der Arbeit entspannen, ist eine gute Idee. Ich habe mir den Umstand, im Schichtdienst zu arbeiten, vor einer Weile zunutzen gemacht und bin nach der Arbeit zum Entenfang (Duisburg) gefahren. 
Am Wambach haben meine Kamera und ich uns positioniert und den Sonnenaufgang abgewartet. Es war ruhig. Man hat leise die Autobahn wahrgenommen, ein Güterzug rauschte hinter mir vorbei aber ansonsten Stille. 
Das Warten ist mit einem freien Kopf und ein paar, wie ich finde, schönen Fotos belohnt worden. Mein Lieblingsfoto dieses Morgens seht ihr hier:

Gespenster besiegen

Jay Nightwind | 27.09.17 | / | 2 Kommentare
Liebes Rudel,
in den sozialen Medien wird die Wahl nachbereitet. Es wird vom "armen Deutschland" gesprochen, es wird auf die AfD gezeigt. Das Wiederkehren historisch überholter Verhältnisse. Jede/r Achte hat die AfD gewählt. Die unverzeihbare Schuld der sich die Nicht-Wähler und jede/r Achte schuldig gemacht haben. Auch meine Heimatstadt hat mich enttäuscht, die Zahlen entsprachen nicht der Realität, die ich hier jeden Tag auf der Straße sehe.

Ich habe keine Angst vor Gespenstern. Ich habe keine Angst vor Gespenstern. Und ich habe schon gar keine Angst vor der AfD.

Ein Wahlprogramm, der Wahlkampf, die Nachrichten, das sind eine Menge Worte. Viele viele Hülsen, die erst dann ihr Wirkung zeigen, wenn sie unterfüttert werden. Bisher haben sie nur gesagt was sie fordern, aber was hat die AfD getan? Die Worte sind riesig und furchteinflößend. Wir verwenden drastische dramatische Worte um diese Partei zu beschreiben.

Von Oliver Kahn habe ich gelernt, sich keine Gespenster zu schaffen. Denn Gespenster sind unwirkliche Wesen. Er hat diese These auf einfachere Situationen bezogen, hat aber beschrieben, wie wir manchmal dazu neigen, Ereignissen Superlative und Überspitzungen zu geben, die in ihrer Wortbedeutung von Menschen nicht mehr zu besiegen sind. Wir sprechen von Monstern, von Fluten und weiteren Extremen und fühlen uns ohnmächtig.

Die AfD ist keine unmögliche Wiederauferstehung verstorbener Nazis und ihres Staates. Und bei alle ihren mächtigen Worten, beim Ausnutzen des Status als Monstrum und einer Gespenster-Rhetorik, so hat die Partei selbst bisher sehr wenig real gehandelt. Das werden sie jetzt tun müssen. Sie werden im Bundestag keine mythischen Dinge tun können. Sie werden Anträge stellen, Abstimmen, in Arbeitskreisen sitzen. Und das ist fern von jeder überirdischen Sache.

Ich habe keine Angst vor der AfD, weil sie jetzt handeln müssen. Und das kann ich auch. Daher kann ich jedem Schritt den diese Partei tut etwas entgegen setzen. Ich bin nicht machtlos. Ich habe keine Wahl verloren, als die Ergebnisse bekannt gegeben wurden. Ich kann mich in Parteien engagieren, in Jugendverbänden, Volksentscheide bemühen, Unterschriften sammeln, demonstrieren, Menschen helfen, Häuser bauen, bei Umzügen helfen, Wohnungen suchen, mich vor Menschen stellen, denen Gewalt angetan werden soll. Außerdem kann ich Gebäude besetzen, Sitzblockaden machen und mit aktiven Handlungen etwas leisten, dass unsere Gesellschaft etwas besser wird.

Ich brauche keine toll zusammengestellte Regierung, um in einem guten Land zu leben. Ich brauche gute Menschen. Und gute Menschen sind welche, die gut handeln. Was sie dabei reden ist mir nicht egal, aber wird immer gemessen sein an dem, was sie tun. Und ich bin mir sicher, dass die Energie einer Mehrheit die sich um gutes Handeln bemüht größer ist, als das Feuer in den Worten einer Minderheit.

Die AfD ist kein Gespenst, sie ist ein Kontrahent. Anstatt uns ohnmächtig gegenüber Gedanken, Optionen, Szenarien und einer Mythologie zu sehen, möchte ich gegen jede Handlung eine andere Handlung setzen. Das können wir. Wir sind fähig. Wir können moralisch gut und politisch handeln und unseren Alltag gestalten, auch wenn eine Partei zu viele Sitze im Parlament hat.

Mein Wunsch ist, dass ihr eure Energie nehmt und euch etwas vornehmt, wie ihr der AfD entgegen steht. Handlungen besiegen jede fragwürdige Aussage an jedem Tag.