Vlog #007 - Individualität Vs. Sozialisation (Mit Jay)

Jay Nightwind | 23.03.17 | / | Kommentieren

Gesprächsstoff #001 - Die 3 wichtigsten Ereignisse der Weltgeschichte

Jay Nightwind | 21.03.17 | / / / | 8 Kommentare


Das sagt Jan:
Rosa Parks
1955 weigert sich Rosa Parks ihren Platz im Bus einem Weißen zu geben, nachdem alle Plätze in der Sektion des Busses für Weiße bereits belegt waren. Sie wurde damit eines der vielen Gesichter, die ungerechte Rassengesetze angefochten haben.
Diese Frau weigerte sich, ihren Unterdrückern nachzugeben. Nicht in einem spektakulären Rahmen, sondern da, wo häufig die brutalsten Ungerechtigkeiten stattfinden: In unserer Lebensnähe, jeden Tag.

Macht findet sich halt nicht nur in der politischen Spitze, sondern auch im Alltag. Wir missbrauchen sie, um eigene Priviligien zu sichern, in dem Glauben, andere würden sie uns nehmen wollen. Aber Macht kann mensch sich nicht alleine schaffen, sie wird immer gegeben. Und wenn Macht missbraucht wird, dann muss sie wieder genommen werden. Jeder Souverän über einem Volk hat seine Macht vom Volk bekommen, schon alleine, weil sie sich unterordnen. Rosa Parks ist für mich Sinnbild für die Einfachheit des Protests. Es braucht keine Gewalt, Wissenschaften oder Heldentaten, um bestehende Verhältnisse zu bekämpfen. Es reicht manchmal, sich zu weigern.

Mondlandung
Ich habe sie nicht aktiv erlebt, aber sie prägte meine Jahre als Kind. Mein erstes Lego-Set war die Raumstation (mit Benni aus dem Lego-Film!) und als Kind wollte ich Gärtner auf dem Mond werden. Es gibt da draußen mehr. Es war der nächste logische Schritt für mich als Kind. Wenn die Konflikte auf der Welt gelöst sind, fangen wir unsere Historie von vorne an, in dem wir wieder Wandern. Unser Planet als die Höhle die wir verlassen, um neue Lande, Möglichkeiten und Herausforderungen zu entdecken. Wieder würden wir uns über ewige Zeiten an die neuen Bedingungen anpassen. Und auch wenn ich es nicht mehr miterleben würde, dachte ich, wir könnten die Generationen sein, die den Sprung auf die nächste Ebene schaffen. Da

In meiner Überzeugung bräuchte sich dann auch keiner mehr um die Erde streiten. Die Ziele der Menschheit wären größer als die bestehenden Konflikte. In meiner Ausbildung habe ich gelernt, dass wir als Kleinkinder - nach dem Entwicklungspsychologen Piaget - Dinge lernen, in dem wir ausprobieren und daraus Muster ableiten. Erst können wir greifen. Dann greifen wir alles. Wenn das geht, wissen wir wie man greift. Klar, den Planeten Erde haben wir auch noch nicht vollständig erschlossen, aber warum nicht kindlich neugierig bleiben. Da draußen gibt es soviel zu entdecken, soviel zu probieren, soviele Sterne, die wir uns in den Mund stecken müssen, um herauszufinden, wie sie funktionieren könnten. 

Gründung der Arbeiterjugend
Es könnte auch ein anderer Jugendverband sein, aber über die lange Zeitschiene gesehen, bin ich nun mal bei einer Nachfolgerin der Arbeiterjugend gelandet. Eine Organisation junger Menschen als eigenes Lebensumfeld in dem sie Utopien entwickeln, aber auch leben können, hat für mich besondere Bedeutung.

Die Gesellschaft nimmt den Menschen mit jugendlichem Alter immer mehr Möglichkeiten sich die eigene Wirksamkeit und Relevanz für die Gesellschaft zu zeigen. Gefühlt werden diese Einschnitte immer brutaler, da Jugendliche stark verschult, eingebunden, überfördert und überfordert werden. Eine freie Freizeit gibt es kaum mehr, Bereiche in denen Verantwortung und Teilhabe gelernt werden können, müssen erkämpft werden. Jugendverbände und Jugendhäuser bestärken in der Eigenaktivität.

Auch wenn ich politisch nicht immer mit meinem Verband übereinkomme, bin ich jeden Tag dankbar, für die Möglichkeiten und Entwicklungen, die ich dort erfahren durfte. Ich habe Kompetenzen erworben, die meinen Charakter und dadurch mein Leben geprägt haben. Der Jugendverband hat mit Bestätigung gegeben, als Familie es verpasst hat und hat mir erlaubt mich zu verwirklichen, als mir andererorts die Möglichkeiten fehlten. 


Und Tobi findet:
Erfindung der Dampfmaschine

Es war irgendwie abzusehen, dass ich als Hobby- und Berufseisenbahner mit diesem Punkt aufkreuze. Denn ohne die Dampfmaschine wären wir wohl nicht da, wo wir heute sind, eisenbahntechnisch gesehen.
Denn hätten James Watt und weitere kluge Köpfe im 18. Jahrhundert diese Maschine nicht entwickelt, wäre es womöglich nicht so schnell zur ersten Dampflok gekommen.
Die Dampflok ist zwar ökologisch betrachtet jetzt nicht unbedingt optimal aber auf ihr basieren alle Züge, die heute durch die Länder fahren. Von der Museumsdampflok bis hin zum hochmodernen Hochgeschwindigkeitszug.
Und auch wenn es aktuell, in Deutschland zumindest nicht so aussieht, der Transport auf der Schiene von Personen und Gütern ist immens wichtig für die Entlastung der Straßen und für die Entlastung der Umwelt

Elvis Presley
Man kann über die Musik Presleys denken, wann man möchte. Ich für meinen Teil kann sagen, dass es absolut nicht meine Welt ist.
Doch seine Musik war wichtig, denn daraus hat sich viel entwickelt.
In den 50ern startete die Rock 'n' Roll- Welle, für die Presley einer der ersten und wichtigsten Vertreter war. Aus ihr entwickelten sich in den folgenden Jahrzehnten so ziemlich jeder Musikrichtung, die auch nur im Entferntesten etwas mit Rock zu tun hatte.
Genres wie Grunge, Progressive- Rock, Metal hätte es so vielleicht nie gegeben, wenn es den Rock 'n' Roll nicht gegeben hätte.
Und Presley hat ihn salonfähig gemacht. Merci vielmals.

Erfindung des Buchdruckes Als Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert den Buchdruck erfand, wurde ein wichtiger Schritt für die Zukunft getan.
Dadurch, dass Schriften nun viel einfacher vervielfältigt werden konnten, konnten Wissen und Informationen viel einfacher und vor allem viel preiswerter verbreitet werden.
So gesehen basiert die Moderne auf eben jener Erfindung.
Der Einfluss auf die Bildung, auf Katastrophenschutz (durch Verbreiten von Informationen) und so ziemlich jeden anderen Aspekt des alltäglichen Lebens ist immens und dafür können wir definitiv den Hut ziehen.

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Andy sagt:
Ich fühl mich gar nicht richtig in der Lage zu sagen, was die 3 absolut wichtigsten gesellschaftlichen
Ereignisse der Weltgeschichte sind. Dafür bin ich zu wenig Experte, kenne zu wenig Variablen. Deshalb versuche ich an dieser Stelle, Ereignisse aufzulisten von dennen ich denke, dass sie mein bzw. unser Leben hier sehr stark beinflusst haben. Ob sie tatsächlich die wichtigsten sind, möchte ich nicht entscheiden. Es sind nur Vorschläge oder Norminierungen.

Entdeckung des Penicillins
Alexander Flemming,  seines Zeichens schottischer Bakteriologe, hat 1928 Penecillin in einem Schimmelpilz entdeckt. Penecillin hatte antibakterielle Wirkung und wurde somit zum ersten Antibiotika der Welt. Schlagartig änderte sich die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen um 10 Jahre. Nach oben! Penicilin führte dazu, das wir bakterielle Infektionen sicher und effizient bekämpfen konnten. Sei es nun bei Wundinfektionen nach Operationen oder bei bakteriellen Lungenentzündungen. Plötzlich hatte man tatsächlich ein wirksames Mittel gegen Bakterien entdeckt.
Die Entdeckung von Penicillin und anderen Antibiotika hat unsere Gesellschaft maßgeblich verändert und spielt auch in unserer heutigen Gesellschaft eine große und wichtige Rolle.

Das Manhattan Projekt und andere Atomwaffentests
Atomwaffen sind ziemlich scheiße. Verrückt wie viel Wissenschaft Menschen auf sich nehmen um sich gegenseitig möglichst effizient zu töten..
Die Entwicklung von Atomwaffen führte zum Ende des zweiten Weltkriegs und einer ganzen Ära der Angst im kalten Krieg. Ich glaube unsere Geschichte wurde ganz enorm von diesen Waffen geprägt.
Auch wenn wir heutzutage kaum noch was davon spüren. Die Möglichkeit ganze Nationen mit einem Knopfdruck auszuradieren ist eine neue, nie da gewesene Option.


Marshall Plan und die Gründung der Bundesrepublik Deutschland
Nach dem zweiten  Weltkrieg war Deutschland zerstört und wirtschaftlich am Ende. Die USA verabschiedete 1948 ein Wirtschaftswiederaufbauprogramm mit Krediten, Rohstoffen und Lebensmitteln. Nach diesen 4 Jahren ging es Deutschland (und anderen westeuropäischen Staaten) wirtschaftlich wesentlich besser als vor dem Krieg. Während der nächsten zwei Jahrzehnte kam es in ganz Westeuropa zu einem nie da gewesenen Wohlstand. Es wird als Nachkriegsboom bezeichnet. Ich bin zu wenig Wirtschaftswissenschaftler um eine fundierte und stichhaltige Analyse des Plans und der Wirtschaft zu dieser Zeit liefern zu können. Sorry. Aber ich glaube das der Marshallplan maßgeblich beinflusst hat, wohin sich meine jetzige Heimat entwickelt hat. Unsere jetzige wirtschaftliche Stärke wäre ohne die Hilfe der USA wahrscheinlich nicht zustande gekommen. Aber wie gesagt, dass ist Westentaschen Wirtschaftwissenschaft meinerseits. Außerdem wurde kurz danach die Bundesrepublik Deutschland gegründet und das Grundgesetz verabschiedet. Ich denke, dass das ein unheimlich wichtiger Meilenstein für unsere weitere Entwicklung war.

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Malte meint:

Industrielle Revolution
Ich würde die industrielle Revolution als Fluch und Segen zugleich bezeichnen. Legte sie einerseits den Grundstein zur Ausbeutung diverser Arbeistkräfte und teilte die Gesellschaft in Arbeitgeber und Arbeitnehmer, welche sich fortsetzte und letztendlich zum Kapitalismus führte, wie wir ihn heute kennen, kamen durch die Nutzung diverser Maschinen und den damit größeren Produktionsmengen auch mehr Menschen an diverse Gegenstände, die den Lebensalltag erleichtern und bereichern konnten. Maschinen, größere Mengen an Büchern, Fahrzeuge. Also Gegenstände, die einiges an Komfort für zukünftige Generationen bereit hielten und worauf wir nicht mehr verzichten möchten. Technische Errungenschaften sind fast nie etwas schlechtes. Problematisch ist oft nur, was der Mensch daraus macht und wie er sie verteilt.

Die Nutzung der Elektrizität
Zuerst wollte ich etwas von der Entdeckung schreiben, etwas Recherche zeigte mir aber den logischen Schluss, dass die Existenz von Elektrizität weit vor der Nutzung bekannt war. Dementsprechend beschränke ich mich auf den Zeitpunkt, den ich nichtmals konkret festlegen kann, ab dem Elektrizität wirklich flächendeckend eingesetzt wurde. Ich bin generell ein Mensch, der Fortschritt auf jeder Ebene feiert, dementsprechend legte die Nutzung der Elektrizität die Basis für alle weiteren Errungenschaften, die in den letzten Jahrzehnten eine nie vorher dagewesene Fortschrittsgeschwindigkeit erzeugte. Es gibt viele Sachen, auf die der Mensch verzichten kann und die wirklich dem reinen Komfort dienen. Ein Leben ohne Elektrizität wäre für mich allerdings unvorstellbar und ich halte es für ein Unding, dass es immer noch Orte auf der Welt gibt, denen dieser Fortschritt nicht ermöglicht wird.

1933 - 1945
Der schwärzeste Fleck der Menschheitsgeschichte, der das Weltgeschehen beeinflusst hat wie kaum ein anderes Ereignis. Erinnerungskultur, kollektive Schuld und der generelle Umgang mit Nationalismus sind Themen, die heute noch thematisiert werden. Der Grundsatz Adornos, dass Auschwitz sich nie wiederhole, ist eine der größten Maximen, die ich mir in meinem täglichen Handeln vor Augen halte. Menschen, die der Zeit hinterhertrauern oder der Meinung sind, doch endlich mal wieder ohne schlechtes Gewissen stolz sein zu dürfen auf dieses Land, denn schließlich hätten wir alle überhaupt nichts mit unserer Vergangenheit zu tun, gibt es leider noch viel zu häufig.


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"Gesprächsstoff" ist eigentlich eine so genannte Talkbox. Mit Fragen, die zum Gespräch anregen, weil sie nicht so aufgebraucht sind wie andere. Wir nutzen ein paar der Fragen des Basis-Sets, um unsere Gespräche hier im Blog anzuregen. Denn als Blogteam sind wir eigentlich in einer Kennenlernphase, wo es natürlich darum geht, herauszufinden, wer die anderen so sind. Aber wir wollen natürlich auch gerne mit euch sprechen und diskutieren, die Anreize nutzen und von euch neue Impulse bekommen. Also geht die Eingangsfrage natürlich auch an euch und wir freuen uns auf eure Kommentare.

Verstehst du die Welt noch?

Andasch | 06.03.17 | | 1 Kommentar
Verstehst du die Welt noch? Wie ist die momentane wirtschaftliche Lage in der Ukraine und wie schätzt du den weiteren Verlauf ein? Wie funktioniert eigentlich Gentechnik? Wie funktionieren die Verschlüssungsalgorithmen die dich schützen? Warum stellst du dich immer an die Schlange im Supermarkt die am längsten dauert? Was genau macht die europäische Zentralbank? Wie funktioniert ein Kühlschrank? Warum werden Computer heiß? Wer auf der Welt führt eigentlich zurzeit Krieg mit wem? Warum genau funktioniert Kommunismus nicht? Wirklich? Funktioniert Kapitalismus? Wirklich? Wirklich nicht? Was bedeutet funktioniert? Was ist eine dDOS-Attacke? Wieso ist Licht immer gleich schnell, egal wie schnell sich der Körper bewegt der es austrahlt? Was ist eigentlich ein schwarzes Loch? Wie funktioniert Aspirin? Warum macht mich Alkohol trinken glücklich? Warum rauche ich? Wieso bin ich traurig, wenn ich an dich denke? Woher kommt eigentlich das Geld, das Staaten sich leihen, wenn sie alle im Minus sind? Wer bekommt die Zinsen dafür? Was ist eigentlich ALS und warum habt ihr euch dafür Wasser über den Kopf schütten lassen? Wie funktioniert das Internet? Wie wird Plastik hergestellt? Wie funktioniert Werbung? Wie Propaganda? Warum lernen Menschen eigentlich sprechen? Ist die Griechenland-Krise eigentlich schon vorbei? Wie funktionieren Musikboxen? Was ist ein BIOS und was ist eine Registry-Datenbank? Wie funktioniert WLAN? Warum bekommt man vom Rauchen Krebs? Was ist eine Farbtemperatur? Wie funktionieren Datenbanken? Wie funktionieren eigentlich Autos? Warum fliegen Flugzeuge? Weißt du wie dein Fernseher funktioniert? Wie funktioniert Backpulver? Warum funktioniert dein Kalkentferner fürs Bad? Wie sind die diplomatischen Beziehungen zwischen Türkei und Russland? Was sind Euro-Bonds? Was ist das Higgs-Boson? Wie können Abgeordnete eigentlich über alles Bescheid wissen und dann darüber abstimmen?Was hälst du vom Brexit und warum genau? Woher weißt du das? Wie wahrscheinlich ist ein Bürgerkrieg in Deutschland? Warum sind Terroristen eigentlich Terroristen? Wann genau entscheiden sie sich viele Menschen umzubringen und warum? Sind das böse Menschen? Gibt es einen Unterschied zu Soldaten? Wie beinflussbar ist die Weltpolitik? Was passiert in Syrien und warum? Ist es gut, dass SnapChat an die Börse geht? Was sind Mobilfunkstandards wie 2G, 3G und LTE? Wieviele Atombomben gibt es auf diesem Planeten? Glaubst du Grundlagenforschung ist sinnvoll? Was ist CRISPR/Cas? Wie werden eigentlich die Werte von deinem Blut gemessen beim Arzt? Und was bedeuten sie?

Verstehst du das alles noch?

Die Kleinigkeiten im Alltag

Jay Nightwind | 13.02.17 | / | 3 Kommentare

Es gibt immer eine kleine Verzögerung, bis der Ring grün leuchtet. Im Rahmen kleinerer Ticks habe ich mal die Sekunden gezählt, aber nachdem keine Regelmäßigkeit aufkam, bewahrheitete sich die ruhrgebietische Merkregel: "Is fettich, wenn fettich is." Wenn der kleine grüne Ring nicht leuchtet, dann ist die Tür der S-Bahn noch nicht so weit. Da hilft auch kein früheres Drücken, keine Ungeduld, kein Zählen von Sekunden. Es ist eine manchmal ein kleineres Ärgernis, häufig wie ein Spiel, bei dem es darum geht so früh wie möglich nach dem zufälligen Zeitpunkt den Knopf zu drücken, der die Tür dann freigibt.

Ein Spiel, dass daran krankt, dass mensch häufig eh nicht schnell aus der Bahn kommt, weil sich hinter den Türen des Buses, der Straßenbahn oder des Zuges nochmals Türen befinden, die aus anderen Personen bestehen. Merkregeln wie "Erst Austeigen lassen, dann einsteigen.", haben sich überholt. Der Weg des geringstens Widerstandes verliert seinen Stellenwert. Das ist ein kleineres Ärgernis, aber da komm ich mit klar. Als Mensch der gerne beobachtet - eine beliebte Berufskrankheit bei Kreativen - habe ich mich gefragt, warum die Menschen schon vor der Tür stehen. Eine vollständig unwissenschaftliche Studie:

Ich befinde mich in der S-Bahn, stehe vor der Tür. Da ich am nächsten daran bin und wir jeden Moment zum Stehen kommen, habe ich schon meinen Finger auf dem Knopf. Auf dem Bahnsteig stehen viele Menschen, als die S-Bahn ihr Fahrt verlangsamt, orientieren sie sich zu den Türen. Die S-Bahn steht, das grüne Licht leuchtet nicht. Durch die Scheibe in der Tür sehe ich die Leute, einer der Passagiere auf der anderen Seite registriert mich. Er steht außerhalb, schaut mich an und drückt den Knopf. Der grüne Ring leuchtet nicht.

Dann erwische ich mich immer dabei, dass ich diese unangenehme Arroganz zeige. Diese, bei der mensch vorraussetzt, die anderen wären dumm. Aber ich schaffe es nicht, den Gedanken in diesen Momenten zu überbrücken. Nicht nur, dass die Personen außerhalb einen nicht aktiven Knopf drücken und sich dann wundern, dass nichts passiert, es ist ja auch so, dass es oft so wirkt, als trauten die Leute einem nicht zu, den Knopf selbst zu drücken. Was dann besonders ironisch ist, macht mensch sich bewußt, dass ich mich ja bereits in der Bahn befinde. Ich bin nicht an den Türen gescheitert, das Konzept eines Knopfes hat nicht meine Fantasie überstiegen. Sehr wohl aber die Fantasie derer, die vor der Bahn stehen. Die können sich nämlich nicht vorstellen, dass ich es auch schaffen kann die Bahn wieder zu verlassen. Besonders schön daran: Wollen sie in die Bahn rein, müssen ich und die anderen sie auch erstmal verlassen.

Es ist genau dieser lächerliche Kleinkram, der uns dann wütend macht, weil wir dem selben Szenario mit hoher Frequenz ausgesetzt werden, aber keinen Fortschritt, keine Veränderung sehen. So ist es zumindest bei mir. Besonders schlimm ist auch, dass mensch ja genau weiß, dass in den wenigen Sekunden Kontakt am Bahnhof auch keinen Lehrauftrag erfüllt bekommt. Manchmal überlege ich, wenn die Menschen vor der Tür stehen und mir den Ausgang blockieren, drinnen auch stehen zu bleiben, bis sie Draussen merken dass sie zur Seite müssen.

Es ist diese Arroganz, zu glauben zu wissen, dass wir es besser können und die anderen belehren müssten. Dies Arroganz, wissen zu können, was die anderen gerade motiviert. Warum setze ich denn eigentlich vorraus, dass nicht darußen auch das Spiel gespielt wird, den Knopf so schnell wie möglich zu drücken, wenn er aktiv wird? Es sind solche Kleinigkeiten im Alltag, die uns aufzeigen, dass wir uns eigentlich gerade über uns selbst ärgern. Über die Unveränderlichkeit von Dingen, dass wir eigentlich gerne Kontrolle über andere hätten, weil wir nicht offen genug sind, sie einfach zu akzeptieren. Weil wir glauben, dass sie unseren Zielen im Weg stehen. So ist es zwar für einen Moment, für unser Gefühl, aber am Ende schaffe ich es doch jedes Mal auszusteigen. Noch nie hat mir jemand erzählt, dass er/sie stundenlang weiterfahren musste, weil ja die Leute am Bahnsteig ihn/sie blockierten. Es wirkt wie der Wunsch nach dem Weg des geringsten Widerstandes, bei dem wir aber vergessen, das andere diesen Widerstand anders wahrnehmen.